Gedankenraum

Patrick Kaczmarczyk — DenkerVita

Patrick Kaczmarczyk kam über ein Währungsprojekt in Palästina zum Geld; heute zeigt der Ökonom, wie die Regeln von IWF und Dollar den globalen Süden ausbremsen.

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Künstlerhand: Diego Rivera — mexikanischer Muralismus, Fresko auf Putz, erdige Pigmente.

Warum: Rivera malte die Wirtschaft als Fries arbeitender Körper, vom Maisfeld bis zur Fabrik in Detroit. Kaczmarczyks Thema ist dieselbe Kette aus Sicht des Globalen Südens: Getreidereserven, Währungen, Stromnetze, Schienen — und am Rand ein goldenes Börsengebäude, das leicht aus dem Lot geraten ist.

Prompt: Diego Rivera fresco mural, mexican muralism, earthy fresco pigments on plaster with soft chalky surface, 1200x500 wide banner. A continuous frieze: on the left farmers from the Global South fill large grain silos with sacks of maize; in the center a young economist in shirtsleeves unrolls a long map across a workbench, where currency coins, power lines and shipping routes cross; on the right workers raise high-voltage pylons and a railway, while in the distant background a golden stock-exchange building tilts slightly off balance. Interlocking figures and machinery in rhythmic bands. Palette of terracotta, maize yellow, turquoise, olive and deep brown. Stylized monumental figures, no realistic faces, no text, no signature, no photorealism.

## Biographischer Snapshot
Wer spricht?

Patrick Kaczmarczyk — deutscher Politökonom und Entwicklungsökonom, Postdoc am Kompetenzzentrum Transformation von Tom Krebs an der Universität Mannheim; promoviert am Political Economy Research Institute (SPERI) der Universität Sheffield. Er kommt aus der Entwicklungsberatung, unter anderem für die UN-Handels- und Entwicklungsorganisation UNCTAD mit Projekten in Ostafrika, war stellvertretendes Mitglied der Expertenkommission der Bundesregierung zur Reform der Schuldenbremse und Sachverständiger im Bundestag. Seine Bücher bei Westend reichen von Kampf der Nationen bis Zerfall der Weltordnung (2026). Sein Thema zieht sich vom Stromnetz bis zum IWF: Geld ist eine Institution, keine Naturgröße, und wer die Regeln schreibt, verteilt die Chancen.

Biografie

Kaczmarczyk kam über die Praxis zum Geld, nicht über die Lehrbuch-VWL. Deren Modelle seien bis heute oft „Kokosnussmodelle", wie ein Freund von ihm sagt: Realwirtschaft, getauscht wird Gut gegen Gut, und über Geld mag man nicht recht sprechen. Der Wendepunkt kam 2017 oder 2018, als Heiner Flassbeck, ehemals Chefvolkswirt der UNCTAD, ihn für ein Projekt in Palästina gewann. Das Pariser Protokoll, ein Nachtrag der Oslo-Verhandlungen, hatte den Palästinensern eine eigene Währung in Aussicht gestellt; die Frage lautete, wie Kapitalmarktstabilität und eine nationale Währung dort aussehen könnten, wo drei Währungen nebeneinander umlaufen — Schekel, US-Dollar, jordanischer Dinar — und keine eigene Souveränität über die Institutionen existiert. Wer sich durch dieses Gefüge arbeitet, sieht, wie sehr Geld an staatliche Regeln gebunden ist. Diese Einsicht trägt sein Werk seither.

Promoviert wurde er am Sheffield Political Economy Research Institute (SPERI), als Stipendiat des britischen Economic and Social Research Council. Er forschte zur Rolle von Lohnregimen in der wirtschaftlichen Entwicklung und zu den Folgen freier Kapital- und Handelsströme. Später arbeitete er für die UNCTAD: 2021 als Berater in der Debt and Development Finance Branch, 2023 und 2024 in der Abteilung für Afrika, die am wenigsten entwickelten Länder und Sonderprogramme, vor allem mit Projekten in Ostafrika. Auf dem Leuphana-Podium 2026 erzählt er, er habe auch in Liberia gelebt. Was er in dieser Zeit in jedem Sektor hörte, fasst er in einem Wort zusammen: Geld, Geld, Geld. Und er sah die Paradoxie, die ihn bis heute umtreibt. Viele der ärmsten Länder haben Schuldenquoten weit unter europäischem Niveau und zahlen trotzdem horrende Zinsen.

Parallel wuchs die deutsche Linie seiner Arbeit. Beim Wirtschaftsforum der SPD in Berlin leitete er zeitweise den Bereich volkswirtschaftliche Grundsatzfragen. Heute forscht er in Mannheim am Kompetenzzentrum Transformation unter Tom Krebs zu Investitionsbedarfen und Finanzierungswegen für einen Umbau, der sozial gerecht, ökologisch und wettbewerbsfähig sein soll. Aus dieser Werkstatt kamen zwei Studien, die öffentlich Wellen schlugen: zum Ausbau der Stromnetze (ab Dezember 2024) und zu den gesamtwirtschaftlichen Effekten von Militärausgaben (Juni 2025). In der Expertenkommission der Bundesregierung zur Reform der Schuldenbremse war er stellvertretendes Mitglied; laut Moderation auf dem Leuphana-Podium vertrat er dort Isabella Weber. Ebenfalls laut Moderation ist er SPD-Mitglied.

Sein jüngstes Buch, Zerfall der Weltordnung (Westend 2026, mit einem Vorwort von Heiner Flassbeck), wurde im Januar 2026 zum Haupttext des Lektüre-Salons der Neuen Zwanziger und im Februar desselben Jahres als eines der Werke genannt, die das Thema Geld als Waffe tatsächlich durchdringen.

Bücher & Publikationen

TitelJahrBeschreibung
Kampf der Nationen — Wie der wirtschaftliche Wettbewerb unsere Zukunft zerstört2022Westend. Gegen den deutschen Lehrsatz „je mehr Wettbewerb, desto mehr Dynamik": Wenn Nationen wie Unternehmen um Lohnkosten und Standorte konkurrieren, besonders innerhalb der EU, verlieren am Ende alle. Kaczmarczyk entwirft eine andere Art Wettbewerb, die Innovation, Teilhabe und Entwicklung ins Zentrum stellt. Leseprobe
Raus aus dem Ego-Kapitalismus — Für eine Wirtschaft im Dienste der Menschheit2023Westend. Kritik einer Wirtschaftspolitik, die allein auf Eigenverantwortung und Individualismus baut, in einer Welt fundamentaler Abhängigkeiten. Als Gegenmodell dienen die Prinzipien der katholischen Soziallehre. Die Pointe richtet sich an die Konservativen: Nähmen sie ihren eigenen Markenkern ernst, stünden sie dem Fortschritt nicht im Weg. Leseprobe
Zerfall der Weltordnung — Die Ignoranz des Westens und der Aufstand des globalen Südens2026Westend, Vorwort Heiner Flassbeck, 224 S. Wie marktliberale Ideologie, neokoloniale Strukturen und Ungleichgewichte über Jahrzehnte Entwicklung verhinderten, warum der Frust des globalen Südens berechtigt ist und welche Reformen einen Rückfall in internationale Anarchie verhindern könnten.

Studien (Universität Mannheim / Hans-Böckler-Stiftung):

Weitere Texte: Beiträge bei Developing Economics und Politik & Ökonomie; akademische Arbeiten und Beratungsoutput auf seiner Website.

Empfehlenswerte Videos & Vorträge

Kernthesen

Politische Einordnung

Kaczmarczyk steht in der heterodoxen, postkeynesianisch geprägten Tradition, die in Deutschland mit Heiner Flassbeck und dem Umfeld von IMK und Hans-Böckler-Stiftung verbunden ist. Er ist parteipolitisch verortet: Er leitete Grundsatzfragen beim Wirtschaftsforum der SPD und ist laut Moderation des Leuphana-Podiums SPD-Mitglied. Seine Resonanzräume reichen aber quer durch das linke Spektrum, von vorwärts über Maurice Höfgen und Surplus bis zu Fabio De Masi (BSW) und den NachDenkSeiten.

Ungewöhnlich für einen Ökonomen dieser Schule ist sein normativer Anker. In Raus aus dem Ego-Kapitalismus argumentiert er ausdrücklich mit der katholischen Soziallehre. Er greift die Union also nicht von links außen an, sondern von ihrem eigenen Wertefundament her. Die Work-Zeitung nannte Zerfall der Weltordnung eine Streitschrift „mit Gramsci im Kopf und der Bergpredigt im Herzen". Das Engagement ist die Stärke seiner Bücher. Leser sollten dabei im Blick behalten, dass sie als Plädoyers geschrieben sind, nicht als abwägende Lehrbücher. Bei der Rüstung hält er die Spannung aus: Er nennt sie notwendig und bestreitet zugleich ihr ökonomisches Heilsversprechen.

Verbindungen zu anderen Denkern

Cortex-Notes

Im Bestand

Sigl-Glöckner & KaczmarczykGeld ist genug da?Tom KrebsDenkerVitaHeiner FlassbeckDenkerVitaClara MatteiDenkerVitaWolfgang M. SchmittDenkerVitaArnaud OrainDenkerVitaMaurice HöfgenDenkerVitaDie Neuen ZwanzigerSalon Lektüren Januar 2026Die Neuen ZwanzigerSalon Lektüren Februar 2026Isabella WeberDenkerVitaTom KrebsWege aus der Krise,…Philippa Sigl-GlöcknerDenkerVita

zehn gedachte Verweise · zwei geteilte Quellen, die noch niemand verlinkt hat

verlinktdieselbe Quelle, nie verlinkt
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