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Gedankenraum
Zeitgeist·13. September 2026·1:20 h·67 Belegstellen

Sigl-Glöckner & Kaczmarczyk — Geld ist genug da?

Die 60-Prozent-Grenze stammt aus einer Fußnote, die sich selbst Zufall nennt. Vier Stimmen fragen, ob Knappheit eine Tatsache ist oder eine Entscheidung — und wem sie dient.

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Künstlerhand: Honoré Daumier — satirische Lithographie, Kreide auf Stein, Grautöne mit wenig Ocker.

Warum: Daumier hat die Bankiers, Advokaten und Abgeordneten der Julimonarchie gezeichnet — die Leute, die in Hinterzimmern Zahlen zur Natur erklären. Das Hauptbuch wird zur Landschaft, die Abstimmung einer kleinen Runde zur Mauer, und die Straße des liberianischen Finanzministers endet davor. Spott ohne Häme, wie Tucholsky über die Nationalökonomie.

Prompt: Honoré Daumier satirical lithograph, crayon on stone with grainy black-and-grey tones and a few muted ochre washes, 1200x500 wide banner. A vast open ledger lies like a landscape across the whole picture; on it, a crowd of tiny bureaucrats in frock coats huddles around a small table and raises their hands in a vote, one of them pointing at a minuscule footnote at the page's edge. From the footnote a stone wall grows upward across the ledger, and in front of the wall a half-built dirt road with a lone road worker holding a shovel comes to an abrupt stop. Scattered banknotes drift like dry leaves. Caricatured bodies, expressive hunched postures, no realistic faces, no legible text, no signature, no photorealism.

Worum es geht

Die 60-Prozent-Grenze für Staatsschulden stammt aus einer Fußnote, die sich selbst Zufall nennt. Auf der Utopie-Konferenz der Leuphana streiten zwei Ökonomen — Philippa Sigl-Glöckner und Patrick Kaczmarczyk — mit Maja Göpel und Wolfgang M. Schmitt darüber, ob Knappheit eine Tatsache ist oder eine Entscheidung. Der Abend wandert von einem Finanzministerium in Liberia über die Rüstungsmilliarden bis zu der Frage, wie Austerität vom Haushalt in die Köpfe wandert. Alle vier stehen im selben Lager; umso interessanter, wo sie sich widersprechen — bei der Jobgarantie, beim Staat als Monopolisten, bei der Aufrüstung.

Quelle: Philippa Sigl-Glöckner, Patrick Kaczmarczyk, Maja Göpel & Wolfgang M. Schmitt: Geld ist genug da? — Utopie-Konferenz 2026 „Großzügigkeit, eine Utopie?“, Leuphana Universität Lüneburg (26.–28.08.2026), veröffentlicht 11.09.2026

Wer spricht?

Philippa Sigl-Glöckner (1990, München) — Ökonomin, Gründungsdirektorin der Berliner Denkfabrik Dezernat Zukunft. Studierte PPE in Oxford und Informatik in London, beriet das liberianische Finanzministerium, arbeitete 2018–2020 im Bundesfinanzministerium. 2025/26 Mitglied der Expertenkommission zur Reform der Schuldenbremse; ihr Buch Gutes Geld (2024) erhielt den Hans-Matthöfer-Preis. SPD, Co-Vorsitzende des Wirtschaftspolitischen Beirats.

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Patrick Kaczmarczyk — Politischer Ökonom und Entwicklungsökonom, Postdoc am Kompetenzzentrum Transformation bei Tom Krebs (Universität Mannheim), promoviert in Sheffield. Berater der UNCTAD mit Projekten in Ostafrika, stellvertretendes Mitglied der Schuldenbremsen-Kommission. Bücher bei Westend: Kampf der Nationen (2022), Raus aus dem Ego-Kapitalismus (2023), Zerfall der Weltordnung (2026).

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Maja Göpel (1976) — Politische Ökonomin und Transformationsforscherin, bis 2020 Generalsekretärin des WBGU, Gastgeberin von NEU DENKEN. Wolfgang M. Schmitt (1988) — Film- und Kulturkritiker, marxistischer Ideologiekritiker, Co-Host von Die Neuen Zwanziger. Beide moderieren den Abend und mischen sich deutlich ein.

→ DenkerVita Göpel | → DenkerVita Schmitt


Die Fußnote von Maastricht

3:11 — Die Geschichte beginnt 2015 in Monrovia. Liberia, vom Bürgerkrieg zerstört, gerade aus der Ebola-Krise heraus, hat kaum asphaltierte Straßen. Jede neue Straße bindet einen Landesteil an die Hauptstadt und damit an die Wirtschaft. Sigl-Glöckner arbeitet im Finanzministerium, eine Stiftung zahlt ihr Gehalt, sie glaubt, sie habe erst einmal Zeit zum Einlesen. Am ersten Tag steht der Finanzminister in ihrer Tür und fragt, wie viele Schulden er aufnehmen darf. Sie schlägt in den Lehrbüchern nach und kommt mit der europäischen Antwort zurück: 60 Prozent der Wirtschaftsleistung. Warum? Weil es in Europa so ist.

4:41 — Der Minister sieht sie entgeistert an. Jede Straße, die an dieser Grenze scheitert, heißt: Kinder, die sterben, Chancen, die ausbleiben. Er brauche etwas Besseres. Sie selbst zieht daraus den Satz:

„Wir dürfen wirklich nicht so leichtfertig mit diesen Grenzen umgehen.“

Im Gespräch — 4:41

6:12 Im selben Jahr, erzählt sie, habe sich die Bundesregierung mitten in der Fluchtbewegung vorgenommen, den höchsten Überschuss ihrer Geschichte einzufahren (Faktencheck: falsch — Ziel war die schwarze Null, der Überschuss ging in die Flüchtlingsrücklage). Für sie war das der Anlass, ins deutsche Finanzministerium zu gehen, dorthin, wo die Schuldenknute am höchsten gehalten wird.

Jahre später, für die Fußnoten ihres Buches Gutes Geld, will sie in zwei Urlaubstagen die Quelle der offiziellen Erzählung nachschlagen: 60 Prozent sei eben der europäische Durchschnitt der frühen Neunziger gewesen. Der August ist danach verloren. In den Verhandlungsprotokollen zu Maastricht findet sie keine Debatte über die Schuldenquote, ehemalige Verhandler — bis hin zu Horst Köhler — erinnern sich an keine Begründung. Schließlich die Protokolle einer Unterarbeitsgruppe: Techniker, teils Stellvertreter, die sich lange weigern, überhaupt eine Zahl zu nennen, dann eine knappe Abstimmung, sieben zu fünf. Und eine Fußnote, die festhält, dass die Übereinstimmung mit dem Durchschnitt purer Zufall sei. Die Einzelheiten kennt man bislang nur aus ihrer eigenen Archivarbeit; dass die Werte eher zufällig in den Vertrag kamen, schreiben aber auch andere (Faktencheck: nicht eindeutig belegt, im Kern gestützt).

9:16

„Ich kann Ihnen also bis heute nicht sagen, wieso wir diese Regel in Europa haben, wieso sie irgendwie Sinn ergibt.“

Im Gespräch — 9:16

Man muss sich den Weg dieser Zahl vorstellen: von einem Protokoll, das sich selbst nicht traut, in ein Lehrbuch, von dort in den Kopf einer jungen Ökonomin in Westafrika, von dort auf den Schreibtisch eines Ministers, der Straßen bauen will. Eine Norm wird zur Natur, sobald niemand mehr weiß, woher sie kam. Das ist die eigentliche Pointe des Abends, noch bevor er richtig beginnt — und sie sagt zunächst nichts darüber, ob 60 Prozent klug oder dumm sind. Sie sagt nur, dass die Zahl ihre Begründung nie mitgebracht hat.

Weitergedacht

Eine Regel ohne Begründung kann trotzdem nützen — als Anker, als Signal an Märkte, als Schutz vor dem Wahlgeschenk. Reicht es, den Ursprung einer Regel zu entzaubern, oder muss man zeigen, dass sie schadet?

Geld ist ein Vertrag — kann es großzügig sein?

10:02 — Kaczmarczyk kommt über die politische Ökonomie zum Geld, und er beschreibt, wie wenig die Volkswirtschaftslehre darüber nachdenkt: so wenig wie über die Luft, die man atmet. Ein Freund nennt die Standardmodelle „Kokosnussmodelle“ — Kokosnüsse werden gegen Autos getauscht, Geld kommt nicht vor. Die Wende bringt ihm 2017/18 ein Projekt mit Heiner Flassbeck in Palästina, wo das Pariser Protokoll eine eigene Währung in Aussicht zu stellen schien (Faktencheck: vereinfacht) und drei fremde Währungen nebeneinander umlaufen: Schekel, Dollar, jordanischer Dinar. 12:18 Wer dort verstehen will, wie Geld funktioniert, sieht es als das, was es ist: eine Institution, gebaut aus staatlichen Regeln. Später in Ostafrika lautet die Antwort in jedem Sektor gleich — „Geld, Geld, Geld“.

Mit dem Konferenzthema tut er sich schwer. 13:51 Er habe immer nur mit Knappheit zu tun gehabt, sagt er, und schlägt vor, lieber über Funktionalität zu reden als über Großzügigkeit. Sigl-Glöckner ist hin- und hergerissen, und ihre Unterscheidung gehört zu den klarsten des Abends. 16:07 Bankgeld muss Gewinn abwerfen, die Beziehung ist extraktiv. Ein Projektkredit für eine Autobahn, rückzahlbar in Dollar, die Liberia nicht drucken kann, ist maximale Bindung. Am anderen Ende steht der General Budget Support: Geld, das nicht zurückgezahlt werden muss und über dessen Verwendung die Regierung selbst entscheidet. Dort, wo dem Gegenüber Handlungsspielraum bleibt, sieht sie etwas wie Großzügigkeit. Dann nimmt sie es gleich wieder halb zurück:

18:24

„Es ist halt am Ende doch ein Vertrag.“

Im Gespräch — 18:24

Wer eine finanzierte Stelle antritt, ist auf die Anschlussfinanzierung angewiesen; jede Allokation schafft neue Abhängigkeit. Das ist eine ehrliche Unruhe, und sie trägt durch den ganzen Abend. Großzügigkeit, so verstanden, wäre eine Frage der Konditionen — wer bindet wen, in welcher Währung, mit welchem Ausweg.

Freiheit als Nichtbeherrschung — das Kochrezept

19:54 — Göpel, die Sigl-Glöckners Buch am selben Tag gelesen hat, legt dessen Gerüst frei. Am Anfang steht ein Freiheitsbegriff aus dem Republikanismus Philip Pettits: Freiheit als Nichtbeherrschung, als Abwesenheit einer Macht, die willkürlich über mich verfügen kann. 20:39 Daraus leitet das Buch drei politische Ziele ab, angelehnt an Amartya Sens Befähigungsansatz: dass die Grundbedürfnisse gedeckt sind — Nahrung, Dach, Bildung, Gesundheit —, dass es genug gute Jobs gibt, von denen man leben kann, und dass die Freiheit der nächsten Generation mitgedacht wird. Von dort aus wird Geld zum Mittel.

Sigl-Glöckner erdet das sofort. Abstrakte Konzepte, losgelöst vom Menschen, lägen ihr nicht; sie wolle am Monatsende Sicherheit, von niemandem abhängig sein, genug Kalorien. Und dann der Satz, der ihr Buch trägt:

22:55

„Was wir irgendwie hinbekommen haben als Gesellschaft ist, dass wir das umgedreht haben und gesagt haben: Das Geld sagt, wir müssen das und das und das machen.“

Im Gespräch — 22:55

Geld sind Zettel, heute elektronische, die funktionieren, weil wir glauben, dafür etwas zu bekommen — eine soziale Institution, von uns geschaffen. Die Umkehrung der Rangordnung ist das Übel: Wo das Mittel die Ziele diktiert, heißt es am Ende, wegen des Geldes geht es halt nicht. 23:42 Sie nennt ihren Gegenentwurf ein „Kochrezept“ und bleibt dabei nüchterner als ihre Moderatorin: Gut bezahlte Jobs, die die Umwelt nicht zerstören, seien in einer schwachen Industrie gerade schwierig. Aber mit klaren Zielen hat man wenigstens einen Auftrag, an dem man arbeiten kann. Das ist der unpathetische Kern der Utopie: kein Paradies, eine Reihenfolge.

Streit im eigenen Lager — Jobgarantie und der Staat als Monopolist

24:27 — Schmitt spitzt zu, mit Marx im Rücken: Das Kapital wolle billige Arbeiter und eine Reservearmee von Arbeitslosen. Muss der Staat also selbst Jobs anbieten, als Konkurrenz zur Privatwirtschaft — oder „ermuntert“ er die Unternehmer, und man weiß, wohin das führt? Sigl-Glöckners erste Antwort ist fiskalisch: 25:59 Selbst mit dem härtesten Finanzerblick gebe es nichts Besseres für die öffentlichen Haushalte, als dass jeder einen Job hat, von dem er leben kann — weniger Wohngeld, weniger Rentenaufstockung. Die zweite überrascht das Publikum. 26:45 Eine staatliche Jobgarantie, wie die Modern Monetary Theory sie fordert, hält sie für problematisch. Sie setze falsche Anreize: Eine Regierung, die jedem einen Job garantiert, muss sich weniger um ein gutes Bildungssystem kümmern. Und dann das Argument, das in progressiven Runden selten fällt:

28:15

„Es gibt niemand im Land, dem gegenüber ich schwächer bin als dem Staat.“

Im Gespräch — 28:15

Wir denken den Unternehmer als den Bösen und den Staat als den Guten — aber was, wenn der Staat nicht gut ist? Wer auf die Jobgarantie angewiesen ist, steht einem Monopolisten gegenüber; in Erziehung und Pflege setzt der Staat die Löhne längst weitgehend selbst, und er setzt sie nicht immer richtig. Hier kehrt der Freiheitsbegriff aus ihrem Buch zurück, gegen die eigenen Verbündeten gewendet: Nichtbeherrschung gilt auch gegenüber der wohlmeinenden Macht.

29:00 Kaczmarczyk teilt die Skepsis und verschiebt das Problem. Der Staat solle Vollbeschäftigung mit seinen Instrumenten herstellen — Fiskal-, Lohn-, Geldpolitik. 30:32 Michał Kalecki habe schon 1943 gezeigt, dass Vollbeschäftigung technisch machbar und politisch verhindert sei: Die Arbeitgeber würden sich mit aller Macht dagegen stemmen, weil sie die Disziplin der Arbeitslosigkeit verlieren. Seit der Krise des Nachkriegsmodells in den Siebzigern, sagt er, habe das Kapital die Arbeit gebrochen; die Lohnquoten seien gefallen (Faktencheck: für Deutschland vereinfacht).

33:35 Sigl-Glöckner macht daraus ein Bild, das man nicht vergisst. Bei zu wenig Jobs unterbieten Patrick und sie sich gegenseitig. Läuft die Wirtschaft „auf voller Wumme“, kommt das Unternehmen und bietet einen Gutschein fürs Fitnessstudio an, einen Sprachkurs, mehr Homeoffice. 34:23 Die staatliche Nachfrage sei ein Hebel über Machtverhältnisse — „man tut nur leider einfach so, als gäbe es den nicht und als wäre es irgendwie eine rein technische Entscheidung“.

Weitergedacht

Sigl-Glöckner fürchtet den Staat als Arbeitgeber-Monopolisten, verlangt aber vom selben Staat, die Wirtschaft über Nachfrage auf Vollbeschäftigung zu steuern. Wo genau verläuft die Grenze zwischen einem Staat, der Spielräume schafft, und einem, von dem man abhängig wird?

Der Sektor, in dem Knappheit nicht gilt

35:54 — Kaczmarczyk hat, wie er sagt, zwei Augen bekommen: eines für die Nachfrage, eines fürs Angebot. Mit dem zweiten schaut er auf den Spardiskurs, der ihn „unfassbar aufregt“: Läuft es gut, müsse man sparen, weil es irgendwann schlecht läuft; läuft es schlecht, müsse man sparen, weil es schlecht läuft. 36:39 Und dann gebe es plötzlich einen Sektor, in dem die angeblich physikalischen Gesetze der Ökonomik nicht gelten: die Rüstung. Mit Tom Krebs hat er die Literatur zu den Wachstumseffekten ausgewertet; ein „olivgrünes Wirtschaftswunder“ werde es nicht geben. 37:25 Inflation, höhere Zinsen, nichts mehr leisten können — all die Warnungen konservativer Ökonomen spielten bei konsumtiven Rüstungsausgaben keine Rolle; auf sie entfielen gar „90 Prozent der zukünftigen Schuldenzahlungen“ (Faktencheck: vereinfacht).

Hier wird der Abend interessant, weil der Moderator die eigene Seite angreift. 38:10 Schmitt fragt, ob das progressive Lager — auch die beiden Gäste — das Problem nicht selbst geschaffen habe. Jahrelang habe man gesagt, man könne viel mehr Geld ausgeben. Dann kam das Sondervermögen, und aus dem progressiven Lager kam kein kritisches Wort, weil man ja Geld schaffen kann. Dass Konservative dieselbe Logik nutzen würden, um Rüstung zu finanzieren und beim Sozialen zu kürzen, sei absehbar gewesen. 38:55 Er erinnert an eine Sitzung des Haushaltsausschusses im Dezember 2025, in der binnen weniger Stunden über Beschaffungen von rund 50 Milliarden Euro entschieden worden sei, so habe es ein investigativer Journalist recherchiert, und fragt, ob Boris Pistorius der neue Jens Spahn werde — und dass beide Gäste SPD-Mitglieder seien.

40:25 Sigl-Glöckner hält dagegen, und auch das gehört zur Fairness. Deutschland, ein großes Exportland, habe seine Verteidigung lange anderen überlassen; eine Welt ohne Rüstung wäre die beste, aber so sei die Welt nicht. 41:11 Man habe die Bundeswehr als Spardose behandelt, als Putin sein Gesicht längst gezeigt hatte, und schreibe sich nun eine NATO-Quote vor, die in der Praxis heißt: so viele große Verträge unterschreiben wie möglich. Ihre Unterscheidung ist die wichtigste des ganzen Abschnitts:

41:57 — Der Staat sei beim Geld viel handlungsfähiger, als oft dargestellt wird; das heiße aber nicht, dass er weniger sorgfältig damit umgehen dürfe. Jede Allokation habe eine normative Wirkung. Und auf der anderen Seite sitze eine hochkonzentrierte Industrie, ein oder zwei Anbieter — 42:43 „und jetzt kommt eine Bundesregierung an, die sagt: Ah, wir können es auch zum doppelten Preis kaufen.“

Damit ist die Kritik präziser als Schmitts Polemik. Das Problem liegt weniger darin, dass Geld da ist, als darin, dass es ohne Verhandlungsmacht ausgegeben wird. Wer die Schuldenbremse jahrelang als künstliche Knappheit entlarvt hat, muss nun zeigen, dass „Geld ist da“ nie „Geld ist egal“ bedeutet hat.

Märkte, wo keine sind

43:29 — Göpel nennt Abnahmegarantien eine Art „Verbeamtung von privatwirtschaftlichen Unternehmen“ und fragt, warum dann Margen von 28 Prozent auf Artilleriemunition in Ordnung seien (Faktencheck: vereinfacht). 44:15 Großzügig heiße ja nicht: nimm halt, weil du bist dran. Wer in der Krise Übergewinne einstreicht — sie erinnert an die Pharmakonzerne in der Pandemie und lässt BioNTech dabei irrtümlich von Pfizer übernommen sein (Faktencheck: falsch) —, zerstört das Vertrauen, dass das gemeinsam geschöpfte Geld seinem Zweck dient.

45:45 Kaczmarczyk räumt mit einem verbreiteten Missverständnis auf: Neoliberalismus heiße in der Fachliteratur nicht „der Staat zieht sich zurück“ — wie könnte man sonst mit einer Staatsquote von 50 Prozent neoliberal sein? Es heiße, dass der Staat private Interessen durchsetzt und Marktlogik dort hineinzwängt, wo es keinen Markt gibt. 47:16 Sein Stichwort ist De-Risking: Der Staat soll bei Infrastrukturinvestitionen „das Risiko-Rendite-Profil anpassen“, was übersetzt heiße, Gewinne zu privatisieren und Risiken zu sozialisieren. Erprobt im Globalen Süden, kehre das Modell nun nach Europa zurück.

Sigl-Glöckner liefert die Mikroökonomie dazu, und sie ist dabei ehrlicher als die Lehrbücher, die sie zitiert. 51:03 Ein Preismechanismus setze voraus, dass mindestens zwei Anbieter wirklich konkurrieren — und schon zwei seien wenige, denn man könne sich absprechen. Beim Schienenstahl habe das lange funktioniert, bis ArcelorMittal, ein Konzern der indischen Mittal-Familie, deutlich günstiger bot. 52:34 Bei Stromnetzen, einem natürlichen Monopol, reguliere der Staat präzise, was verdient werden darf; der Investor gebe sein Geld für eine staatlich geplante Trasse und bekomme eine regulierte Rendite:

„Da ist nichts mit Preismechanismus.“

Im Gespräch — 52:34

Wozu dann der private Investor? Die Frage bleibt stehen, und sie ist gut. 49:33 Kaczmarczyk erweitert sie um Puffer: die alten Forderungen des Globalen Südens nach Buffer Stocks für Getreide, strategische Reserven, die den Ölpreis bei geschlossener Straße von Hormus dämpften. 50:18 Die Bahn habe man so effizient gemacht, „dass sie gar nicht mehr funktioniert“. Redundanz ist hier eine Form staatlicher Großzügigkeit, die sich erst in der Krise bezahlt macht.

Weitergedacht

Wenn Märkte in Netzen, Rüstung, Pflege und Bildung nicht funktionieren — wer bewahrt uns dann vor dem Staatsversagen, das die Gegenseite mit BER und Elbphilharmonie meint? Ist „zwei offene Augen“ ein Programm oder nur eine Haltung?

Der Bullshit-Buzzer

54:50 — Göpel erinnert an Ökonomenrunden, in denen sich alle hinter Fachbegriffen verschanzen, alle nicken, und niemand einen Meter weiterkommt. Also fragt sie nach den Sätzen, bei denen die Gäste den Buzzer drücken würden. Die Antworten sind ein kleines Wörterbuch der politischen Ökonomie.

55:39 „Man kann nur ausgeben, was man vorher eingenommen hat“ — in Deutschland besonders dominant. Sigl-Glöckner nennt die Generationengerechtigkeit: ein richtiger Gedanke, der immer mit Sparen gleichgesetzt wird, obwohl es darum ginge, welche Generation welche Risiken trägt und welche Chancen verbaut. Dann ein seltenes Eingeständnis:

56:26

„Fragen Sie wirklich immer nach, weil manchmal wissen wir Ökonomen auch gar nicht so genau, was wir meinen.“

Hören — 56:26

Kaczmarczyk ergänzt, man solle Ökonomen einmal fragen, was Kapital sei. Sein Buzzer-Satz lautet „Der Staat kann das nicht“, mit Berliner Flughafen und Elbphilharmonie als Beweisstücken. 57:11 Er erzählt von Lobbyisten, die ihm beim Fußball zustimmen, die Netzbetreiber verdienten zu viel — und in der Anhörung mit der Anreizregulierungsverordnung kommen. 57:56 Göpel zitiert einen Wirtschaftsartikel über Rheinmetall, nach dem das größte Risiko für Anleger der Wettbewerb sei, nicht der Frieden in der Ukraine — „Bum“. (Der Kolumnist nennt die Kursreaktion auf Friedensnachrichten selbst zynisch; ganz so bewusstlos war der Satz nicht.) Schmitt legt „Friedensangst“ daneben und rät, misstrauisch zu werden, wann immer in einer Überschrift „wir“ steht: Ist man mitgemeint, und meinen die Schreibenden sich selbst? Das Kapital, das zum scheuen Reh wird, bekommt einen Subjektstatus, den sonst nur Menschen haben.

59:28 Sigl-Glöckner verlässt das Spott-Register mit dem brauchbarsten Werkzeug des Abends: den Geldflüssen hinterhergehen. Von wo nach wo? Wo eine Lücke bleibt, die niemand erklären kann, hat das Radar etwas gefunden. So stelle man Fragen, bei denen Zentralbanker stutzen und sagen, praktisch könne es so sein, aber ihre Theorie sage etwas anderes. Tucholsky hat 1931 geschrieben, die Nationalökonomie sei, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben. Fünfundneunzig Jahre später ist der Rat derselbe: nachfragen, bis die Rechnung aufgeht oder der Sprecher schweigt.

Klüger denn je, verfahrener denn je

60:14 — Schmitt stellt die unbequemste Frage des Abends. Bis auf die Rüstung hätte man dieses Gespräch schon 2019 führen können — das spreche gegen die Zeit, nicht gegen die Gäste. Damals dachte man quer durch die Lager über Geld als Infrastruktur nach, es entstanden Bücher, Wissen, Aufmerksamkeit. 61:45 Heute sei man gebildeter denn je, und die Lage fataler: Der Sozialstaat wird gekürzt, die Schulen versagen, die gemeinsame europäische Verschuldung aus der Pandemie ist wieder vom Tisch. Wie kann das sein?

62:33 Göpel greift auf Keynes und Marx zurück — Mangel an Ideen oder Macht der Interessen? — und entscheidet sich für die Interessen: Krisen seien genutzt worden, Vermögen der Reichsten seit der Pandemie in nie dagewesenem Maß gewachsen (Faktencheck: vereinfacht), Aktienkurse von der Realwirtschaft abgekoppelt, die fossile Lobby habe den Angriffskrieg genutzt. 64:50 Wo Übergewinnlogiken sich durchsetzen, gehe der soziale Kontrakt verloren, und die Menschen spürten das. Rechtspopulisten inszenierten genau diesen Bruch, und die Konservativen verstärkten ihn, statt auf die Populismusforschung zu hören.

66:23 Sigl-Glöckner sieht es positiver und zugleich dunkler. 2018/19 sei man noch „geschlachtet“ worden, wenn man die Schwarze Null in Frage stellte; das habe sich geändert. Aber die Kluft zwischen dem, was geschieht, und dem, was nötig wäre, sei riesig. 67:09 Über 100 Milliarden zusätzlich im Jahr für Verteidigung und gleichzeitig die Schuldenquote senken wollen — das sei, als zahle man eine zweite Miete und glaube, die Schulden sinken; gelungen sei das noch nie (Faktencheck: vereinfacht). Also spart man an jeder Ecke, auch 0,5 Milliarden bei der Kita, obwohl man später gut ausgebildete Steuerzahler braucht, die Verteidigung finanzieren. 67:54 In Talkshows werde sie ausgelacht, wenn sie sagt, man könne zwei statt drei Autos exportieren und dafür genug Pflege und Erziehung haben.

„Meine große Sorge ist, dass wir nicht schnell genug all diese großen Fragen stellen können, damit uns nicht die Bude abfackelt.“ 68:39

Hören — 68:39

Kaczmarczyk findet trotz Rechtsruck Bewegung — Vermögens- und Erbschaftsteuer auf der Agenda, Vergesellschaftung in Berlin. Schmitt glaubt nicht daran: 72:30 Mehrheiten in Umfragen, nie eine Politik, die sie umsetzt; Volksentscheide, die nicht als bindend gelten; eine Steuerreform, die bei den Spitzenverdienern so wenig holt, dass die Entlastung der Mitte nicht gedeckt ist. „Politiksimulation“ nennt er das.

Austerität im Kopf — und die Antwort darauf

73:15 — Dann sagt Schmitt den Satz, der den Abend über die Haushaltsdebatte hinaushebt. In der Bevölkerung wachse eine Lust — und das betreffe nicht nur AfD-Wähler —, Gerechtigkeit für sich herzustellen, indem der andere weniger bekommt: weil er Flüchtling ist, queer, in der anderen Partei. Das führe zu Engherzigkeit bei gleichzeitiger realer Verknappung.

74:00

„Dann ist die Austeritätspolitik, die wir heute Abend hier groß kritisiert haben, wirklich ganz und gar in den Köpfen angekommen, nämlich bei Ihnen selbst und bei dem Nachbarn, dem man auch nichts gönnt.“

Im Gespräch — 74:00

Hier trifft sich die Ökonomie mit der Psychologie des Mangels. Knappheit, lange genug erzählt, wird zu einer Haltung gegenüber dem Nächsten. Großzügigkeit wäre dann weniger ein Haushaltsposten als ein Gegengift.

74:46 Sigl-Glöckner widerspricht dem Fatalismus. Es gebe nicht „die Politik in Berlin“, getrennt von allen anderen; wer sich heraushält, entscheidet gegen Veränderung. 75:32 Positive Veränderungen des Wirtschaftssystems seien nie allein aus der Politik gekommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten sich in den USA Unternehmer — keineswegs selbstlos, sie wollten ihre Warenhäuser füllen — mit der Regierung zusammengetan und viel von der modernen Makroökonomik entwickelt, wie man eine Wirtschaft auf volle Auslastung bringt (Faktencheck: vereinfacht). 77:03 Kaczmarczyk setzt die Bedingung dazu: Engagement braucht Kanäle. Gewerkschaften, Kirchen, Vereine, die Meinung einst bündelten, seien geschwächt; die atomisierte Gesellschaft sei eine Folge des Neoliberalismus. Politik reagiere auf Druck von außen, Deutsche Wohnen & Co. enteignen habe gezeigt, wie das geht — gewonnen hat die Initiative den Volksentscheid, vergesellschaftet ist bis heute nichts (Faktencheck: vereinfacht).

79:20 Göpel schließt mit einer Beobachtung über Zugehörigkeit: Rechtsextreme Parteien verkaufen gerade das beste Angebot, keine Lösung, aber Zugehörigkeit und Stärke. Eine Gesellschaftseinladung müsste sich dadurch stabilisieren, dass alle einen Platz haben, statt durch Ausschluss. Dass Freiheit als Nichtbeherrschung sogar ökonomisch durchgerechnet ist, mache sie zu genau so einer Einladung.

Am Ende bleibt eine Asymmetrie, die der Abend selbst nicht auflöst. Die Knappheit, gegen die er argumentiert, ist teils erfunden — eine Fußnote, eine Gewohnheit, ein Lobbyinteresse. Teils ist sie echt: Fachkräfte, Bauzeiten, Stahl, eine Industrie mit einem einzigen Anbieter. Sigl-Glöckner ist die Einzige, die beides konsequent im Blick behält. Geld ist genug da, heißt bei ihr: Es gibt keine Ausrede mehr, nicht über die Ziele zu reden.


Faktencheck

Nicht eindeutig belegt, im Kern gestützt — Die 60 % von Maastricht

7:44 Unterarbeitsgruppe aus Stellvertretern, langes Zögern, Abstimmung 7:5, Fußnote „purer Zufall“: Diese Details stammen allein aus Sigl-Glöckners eigener Archivrecherche und ließen sich nicht unabhängig prüfen. Plausibel sind sie: Die EG hatte 1991 zwölf Mitglieder (7:5 geht auf), die Maastricht-Protokolle sind seit 2023 öffentlich, und ihre frühere Fassung von 2024 deckt sich („aus so einem Nebengremium … vorläufige Zahl“). Dass die Werte „mehr oder weniger zufällig“ in den Vertrag kamen, schreibt auch Jan Priewe. Fair dazu gehört die Gegenposition: 3 % Defizit und 60 % Schulden sind bei 5 % nominalem Wachstum rechnerisch konsistent — darauf wiesen Buiter, Corsetti und Roubini 1993 hin (ob als Begründung oder nachträgliche Rationalisierung, bleibt offen). Quelle: Sigl-Glöckner im Podcast Das Neue Berlin (2024) · Priewe, Wirtschaftsdienst 7/2020 · Rat der EU: Maastricht-Archiv öffentlich · Buiter/Corsetti/Roubini 1993, Economic Policy, doi:10.2307/1344568 (Primärstudie, peer-reviewed)

Falsch — „2015 den höchsten Überschuss als Ziel gesetzt“

6:12 Ziel für 2015 war die „schwarze Null“, kein Rekordüberschuss. Die 12,1 Mrd. € Überschuss kamen ungeplant zustande (doppelt so hoch wie im Herbst erwartet) und flossen vollständig in eine Rücklage für die Kosten der Flüchtlingsaufnahme. Die Zuspitzung „sparen statt Kommunen“ verkehrt also die tatsächliche Verwendung. Die Kritik an der Priorität der schwarzen Null bleibt davon unberührt. Quelle: WiWo: Bund erwirtschaftet Plus von 12,1 Milliarden · finanzen.net/dpa

Bestätigt — Kein „olivgrünes Wirtschaftswunder“

36:39 Krebs und Kaczmarczyk (Juni 2025) schätzen den kurzfristigen Multiplikator deutscher Militärausgaben auf höchstens 0,5, womöglich 0. Das ist keine heterodoxe Außenseiterzahl: Der Sachverständigenrat nennt im Jahresgutachten 2025/26 0,4 im ersten und 0,3 im fünften Jahr. Die Gegenposition vertritt Ilzetzki im Kiel Report — Multiplikator 0,6 bis 1, bis zu 1,5 % mehr BIP in Europa, wenn das Geld in europäische Hochtechnologie und Forschung fließt. Die Meta-Forschung ist uneins: Alptekin/Levine 2012 finden für Industrieländer einen leicht positiven, Awaworyi Churchill/Yew 2017 einen wachstumshemmenden Effekt. Die „700 Mrd. bis 2030“ passen in der Größenordnung zum Finanzplan (2027 rund 140, 2030 rund 184 Mrd. pro Jahr). Quelle: Krebs/Kaczmarczyk 2025 (PDF) · SVR Jahresgutachten 2025/26, Kap. 6 · Ilzetzki, Kiel Report 2/2025 · Alptekin/Levine 2012, doi:10.1016/j.ejpoleco.2012.07.002 (Meta-Analyse) · Awaworyi Churchill/Yew 2017, doi:10.1007/s00181-017-1300-z (Meta-Analyse)

Vereinfacht — „90 % der zukünftigen Schuldenzahlungen“, „konsumtiv“

37:25 Eine belastbare 90-%-Zahl gibt es nicht; es hängt davon ab, was man zählt. 2027 laufen 85,4 von 118,7 Mrd. € Kernhaushalts-Krediten über die Verteidigungsausnahme (72 %); mit Sondervermögen Bundeswehr und Infrastruktur ist es gut die Hälfte von rund 204 Mrd. €. Verteidigung ist der größte Treiber neuer Schulden — die Zahl klingt nur genauer, als sie ist. Das ifo rechnet sogar vor, dass 2025 rund 38,5 % der Verteidigungskredite im übrigen Haushalt Luft verschafften (das BMF bestreitet die Methode). „Konsumtiv“ stimmt überwiegend: Laut SVR ist etwa ein Viertel der Ausgaben nach NATO-Abgrenzung Investition. Quelle: t-online: ifo-Studie zu Verteidigungsschulden · ZEIT: Bundeshaushalt 2027 · SVR JG 2025/26, Kap. 6

Bestätigt — 17.12.2025: rund 50 Mrd. € an einem Sitzungstag; NATO-Quote

38:55 In seiner letzten Sitzung 2025 billigte der Haushaltsausschuss 30 Großvorhaben für rund 50 Mrd. € — fast ein Viertel aller Freigaben der drei Jahre davor. Die „vier Stunden“ ließen sich nicht unabhängig belegen; dass der Ausschuss bei über 100 Vorlagen im Jahr strukturell überfordert ist, halten aber auch Fachpresse, Union und Grüne fest. Zur Einordnung: Die 25-Mio.-Vorlagen werden monatelang im Ministerium vorbereitet, das Handheben ist der letzte Schritt, nicht die ganze Prüfung. 40:25 Zur NATO-Quote: Den Haag 2025 beschloss 5 % bis 2035 (3,5 % Kernausgaben + 1,5 % verteidigungsnahe Ausgaben). „Einige sagen 5 %“ untertreibt — das Ziel gilt offiziell; Deutschland will die 3,5 % schon 2029 erreichen. Quelle: ES&T: 30 Großvorhaben für 50 Mrd. gebilligt · ES&T: Warum die Parlamentskontrolle besser werden muss · bpb: NATO-Gipfel Den Haag

Vereinfacht — „28 % Marge auf jede Granate“, „41 %“ bei den Netzen

43:29 Rheinmetalls Sparte Waffe und Munition erzielte 2024 eine operative Marge von 28,4 % — ein Spartendurchschnitt, keine Stückmarge, im Kern aber richtig. Für die „41 %“ bei Netzen/Erneuerbaren fand sich keine passende Quelle. Am nächsten liegt die bne-Analyse: 30,1 % durchschnittliche handelsrechtliche Eigenkapitalrendite der 18 größten Verteilnetzbetreiber 2024, einzelne zwischen 38 und 61 %. Die Branche hält dagegen, handelsrechtliche Eigenkapitalrenditen seien bei regulierten Netzen irreführend; der bne vertritt selbst Interessen an niedrigen Entgelten. Quelle: Industriemagazin: Rheinmetall-Sparten · pv magazine: bne-Renditeanalyse 2026 · ZfK: Eigenkapitalrendite im Netz — warum Zahlen täuschen

Falsch — „BioNTech wurde von Pfizer übernommen“

44:15 BioNTech ist eigenständig, sitzt in Mainz und hat 2025 selbst einen Konkurrenten gekauft (CureVac). Pfizer war und ist Partner bei Entwicklung und Vertrieb von Comirnaty, nie Eigentümer. Das Bild vom US-Konzern, der den Impfstoff schluckt, macht die Geschichte runder und unterschlägt, dass ein Großteil der Corona-Gewinne bei einem deutschen Unternehmen landete. Die Kritik an Pharmagewinnen in der Pandemie bleibt legitim. Quelle: BioPharma Dive: BioNTech settles with CureVac ahead of buyout

Vereinfacht — „De-Risking kommt von der Deutschen Bank“

47:16 Die Deutsche Bank war früh und einflussreich dabei: Ihre Klimasparte legte 2010/11 das Programm GET FiT vor, später „GET FiT Plus: De-Risking Clean Energy Business Models in a Developing Country Context“. „Kommt von“ macht daraus eine Alleinurheberschaft — Risikoteilung über Garantien und öffentlich-private Partnerschaften ist älter. Die Deutung „Gewinne privat, Risiken öffentlich“ stammt aus Daniela Gabors Kritik am „Wall Street Consensus“; Befürworter wie die Weltbank („Maximizing Finance for Development“) sehen darin einen Hebel, knappes öffentliches Geld zu vervielfachen. Quelle: DB Climate Change Advisors: GET FiT Program (PDF) · GET FiT Plus: De-Risking (OSTI) · Gabor, „The Wall Street Consensus“, Development and Change, Preprint doi:10.31235/osf.io/wab8m (Primärstudie, stark rezipiert)

Bestätigt — Hormus dicht, Reserven dämpfen den Ölpreis

49:33 Iran blockiert die Meerenge seit den Angriffen der USA und Israels Ende Februar 2026; nach kurzer Öffnung im Juni war sie im Juli wieder praktisch dicht, im September kündigte Iran eine erweiterte Sperrzone an. Die IEA-Staaten beschlossen die größte Freigabe von Notreserven ihrer Geschichte (400 Mio. Barrel). Die Analyse, auf die Kaczmarczyk anspielt, stammt von Adam Tooze — er nennt Chinas Kaufzurückhaltung als wichtigsten Faktor, die Reserven sind ein Baustein. „Nicht mal ansatzweise“ unterschlägt die Spitze: Brent stieg zwischenzeitlich auf rund 118–119 Dollar und stand Ende August bei rund 88. Quelle: IEA: Largest ever oil stock release · Telepolis: Warum der Ölpreis nicht stärker stieg · ZEIT: Iran will Sperrzone einrichten

Bestätigt — Schienenkartell; Private Equity in US-Pflegeheimen

51:49 Das Schienenkartell brach 2008, als ArcelorMittal — Sitz Luxemburg, gegründet und kontrolliert von der indischen Mittal-Familie — der Bahn deutlich günstiger anbot und größter Lieferant wurde; die „30 %“ sind nicht belegt. Zwei Nuancen: Tata Steel (vormals Corus), ebenfalls indisch, war selbst Kartellmitglied, und offiziell aufgeflogen ist das Kartell erst 2011 (anonyme Anzeige, Selbstanzeige der Voestalpine). 53:20 Die „11 %“ stimmen: Private-Equity-Besitz erhöht die Kurzzeit-Sterblichkeit von Medicare-Patienten in Pflegeheimen um 11 % (Gupta et al.). Eine systematische Übersicht von 2025 urteilt vorsichtiger — Qualitätseinbußen „in manchen Fällen“. Quelle: Wikipedia: Schienenfreunde · Gupta/Howell/Yannelis/Gupta, Review of Financial Studies, doi:10.1093/rfs/hhad082 (Primärstudie, peer-reviewed, Instrumentvariablen-Design) · Orewa et al. 2025, Health Policy, doi:10.1016/j.healthpol.2025.105388 (systematische Übersicht)

Vereinfacht — Kalecki und die „massiv gesunkenen Lohnquoten“

30:32 Kalecki ist korrekt wiedergegeben: Vollbeschäftigung sei technisch machbar, scheitere aber am Widerstand der Unternehmer, weil sie deren Macht im Betrieb untergrabe. Der internationale Rückgang der Lohnquote seit den 1980ern ist gut belegt, etwa für die USA. 31:19 Für Deutschland stimmt „stagniert auf sehr niedrigem Niveau“ aber nicht: Die Lohnquote fiel bis 2007 auf knapp 65 % und stieg bis 2025 auf rund 75 %, einen Höchststand — so zeigen es die arbeitgebernahe IW und das gewerkschaftsnahe IAQ gleichermaßen. Ein Teil des Anstiegs spiegelt allerdings schwache Gewinne in der Stagnation. Quelle: Sawyer 2023, „Political Aspects of Full Employment: Eight Decades On“, doi:10.1080/09538259.2023.2248027 (Übersicht) · Autor et al. 2020, QJE, doi:10.1093/qje/qjaa004 · IW: Lohnquote auf hohem Niveau · sozialpolitik-aktuell: Bruttolohnquote 1991–2024

Vereinfacht — Reallöhne auf Stand 2019; „historisch einmaliger“ Vermögenszuwachs der Top 1 %

72:30 Schmitt liegt richtig: Laut Destatis lag der Reallohnindex 2025 knapp unter 2019, mit den Zuwächsen 2026 ist das Niveau erreicht. „Totale Stagnation“ gilt für den Durchschnitt — das untere Fünftel legte zuletzt am stärksten zu. 63:19 Göpel folgt Oxfam: 63 % des neuen Vermögens 2020/21 gingen an das reichste Prozent. Die Methode steht in der Kritik (Bewertung zu Börsenkursen; Nettovermögen macht verschuldete junge Menschen „arm“), und der Anstieg war nicht ungebrochen: 2022 sank das Weltvermögen erstmals seit 2008, der Anteil der Top 1 % ging leicht auf 44,5 % zurück. Seit 2023 melden die Milliardärsvermögen wieder Rekorde. Quelle: Destatis: Reallöhne 2025 um 1,9 % gestiegen · ZEIT: Reallöhne erneut gestiegen (Q2 2026) · Oxfam: Richest 1% bag nearly twice as much wealth · UBS Global Wealth Report 2023

Vereinfacht — „Aufrüsten und Schuldenquote senken: noch nie gelungen“

67:09 Als Tendenz richtig, als absolute Aussage nicht. Das IfW Kiel hat 114 militärische Ausgabenbooms seit 1870 ausgewertet: Kriegsbooms liefen fast immer über Schulden, von 88 Friedensbooms wurden aber 32 überwiegend über Steuern finanziert (bekanntes Beispiel: die USA im Koreakrieg) — mit Steuererhöhungen muss die Schuldenquote nicht steigen. Ein Befund spricht zudem gegen das Sparzwang-Szenario: Sozialausgaben wurden bei Aufrüstung selten gekürzt, typisch war „Guns and Butter“ mit höheren Schulden und Steuern. Quelle: Marzian/Trebesch, „Guns and Butter“, Kiel Working Paper 2310 (PDF) (Working Paper, nicht begutachtet)

Bestätigt — Steuerreform; Berliner Volksentscheid

71:43 Nach dem Kabinettsentwurf gilt der Satz von 45 % künftig ab 250.000 € zu versteuerndem Einkommen, ab 280.000 € steigt er auf 47 % — „2 % mehr ab 280.000“ trifft es. Das Entlastungsvolumen von 10 Mrd. € wird ausdrücklich „unter anderem“ über Subventionsabbau gegenfinanziert; die Reichensteuer allein reicht nicht. Der Volksentscheid 2021 war rechtlich ein nicht bindender Beschluss. 77:48 Kaczmarczyks „Forderung durchgebracht“ ist zu optimistisch: Vergesellschaftet ist bis heute nichts, die Bundeskoalition will sie per Bundesgesetz untersagen, und die Frage ist Thema der Berlin-Wahl am 20.09.2026. Quelle: Tagesschau: Koalition einigt sich auf Reform der Einkommensteuer · ZEIT: Kabinett bringt Einkommensteuerreform auf den Weg · ZEIT: Koalitionsbeschluss zur Vergesellschaftung

Vereinfacht — Historische Nebenbezüge (Nachkriegs-USA, Keynes, Pariser Protokoll)

75:32 Das Committee for Economic Development gründeten 1942 Unternehmer; es prägte die „stabilizing budget policy“ von 1947, einen Vorläufer des konjunkturbereinigten Haushalts — ironischerweise die Ahnin der Konjunkturkomponente der Schuldenbremse. „Viel der modernen Makroökonomik entwickelt“ übertreibt; die Theorie kam von Keynes, Hansen und Samuelson. 62:33 Keynes stimmt: Die General Theory endet mit dem Satz, gefährlich seien Ideen, nicht Interessen. 11:32 Das Pariser Protokoll 1994 sagt keine eigene Währung zu; Artikel IV verspricht nur, die „Möglichkeit“ einer einvernehmlichen palästinensischen Währung weiter zu besprechen. Drei Währungen im Umlauf (Schekel, Dollar, Dinar) ist korrekt. Quelle: Costantini, INET WP 24: The Cyclically Adjusted Budget · Wikipedia: Committee for Economic Development · Keynes, General Theory, Kap. 24 · PalQuest: Protokoll über wirtschaftliche Beziehungen


Weiterführende Quellen

Aus der Video-Beschreibung:

Im Gespräch erwähnt:

  • Philippa Sigl-Glöckner: Gutes Geld — das Buch, um das der Abend kreist (Freiheit als Nichtbeherrschung, die Maastricht-Recherche)
  • Patrick Kaczmarczyk: Kampf der Nationen — über den Standortwettbewerb in der EU
  • Michał Kalecki: Political Aspects of Full Employment (The Political Quarterly, 1943)
  • Philip Pettit: Republicanism. A Theory of Freedom and Government (1997) — Freiheit als Nichtbeherrschung
  • Amartya Sen: Development as Freedom (1999) — der Befähigungsansatz
  • Isabella Weber — Arbeiten zu strategischer Preispolitik (im Gespräch als Vorlage für Preiseingriffe in Krisen)
  • Tom Krebs & Patrick Kaczmarczyk — Studie zu den Wachstumseffekten von Rüstungsausgaben

Faktencheck (Sherlock):


Verbindungen

→ Maja Göpel & Achim Truger — Wachstum NEU DENKEN

Dort lautet der Befund, ökonomische Grenzen seien politisch gebaut, und das eigentliche Problem seien Sätze wie „Der Staat kann nicht wirtschaften“. Sigl-Glöckner liefert mit der Maastricht-Fußnote den Beleg aus dem Archiv, Kaczmarczyk drückt bei genau diesem Satz den Buzzer. Der Leuphana-Abend geht weiter: Wo Truger die Schuldenbremse als Falle beschreibt, die man neu einstellen kann, fragt Sigl-Glöckner zuerst nach den Zielen (Pettit, Sen) und leitet die Regel daraus ab. Und die Rüstung zeigt, dass „die Grenze ist gebaut“ noch nicht sagt, wohin das Geld dann fließen soll.

→ Heiner Flassbeck — Deutschlands größtes Tabu

Flassbeck nennt Maastricht eine aus Deutschland exportierte Lehre; der Faktencheck dort hielt fest, dass die 3 Prozent von Guy Abeille stammen und keine wissenschaftliche Grundlage hatten. Sigl-Glöckners Protokoll-Suche ist das Gegenstück für die 60 Prozent: keine Begründung, eine knappe Abstimmung, eine Fußnote, die sich Zufall nennt. Flassbecks Kern bleibt stehen, seine Schuldzuweisung an Deutschland wird brüchig. Flassbeck war es auch, der Kaczmarczyk über das Palästina-Projekt zum Geld brachte — der ergänzt dessen Nachfrage-Blick um das zweite Auge fürs Angebot: Netze, Monopole, Puffer.

→ Clara Mattei — Geschichte der Austeritätspolitik

Mattei erklärt, was Kaczmarczyk so aufregt: warum Knappheit bei der Kita gilt und bei der Rüstung nicht. Bei ihr sind Militärausgaben die „sichere“ Staatsausgabe — sie stützen private Investoren, ohne die Arbeiter unabhängiger vom Markt zu machen; Kaleckis Argument von 1943, historisch breit ausgeführt. Zugleich widerspricht sie der Zuversicht des Abends. Ist Sparpolitik ein Werkzeug statt eines Irrtums, dann ändert eine entzauberte Fußnote wenig — und Sigl-Glöckners Unternehmer als Bündnispartner (USA nach 1945) wären genau die Klasse, deren Macht die Sparpolitik schützt.

→ Zehn Wirtschaftsmythen, zwei Widerlegungen

Dort streiten MMT und Neukeynesianismus über Bilder. Hier greift eine Ökonomin, die nicht von der MMT her denkt, deren Kernstück an, die Jobgarantie — mit einem Freiheitsargument statt einem Haushaltsargument: Wer auf die Garantie angewiesen ist, steht einem Monopolisten gegenüber. Ihr Liberia-Beispiel, ein Kredit in Dollar, die das Land nicht drucken kann, zeigt, wie viel an der Frage hängt, wer die Währung herausgibt. Beide Notes zeigen, wie Begriffe mitentscheiden: „Schuldenberg“ dort, „Generationengerechtigkeit“ hier.

→ Adam Tooze und Maja Göpel — Die Polykrise

Von ihren „Regrettables“, den bedauerlichen Ausgaben, kommt Göpel in Lüneburg zur Frage nach 28 Prozent Marge auf Munition. Der Abend schärft den Begriff in zwei Richtungen: Schmitt wirft dem eigenen Lager vor, mit „Geld ist da“ die Aufrüstung erst möglich gemacht zu haben; Sigl-Glöckner verschiebt die Frage vom Ob zum Wie — eine Regierung, die bei ein oder zwei Anbietern zum doppelten Preis kauft, macht aus der bedauerlichen eine doppelt bedauerliche Ausgabe. Kaczmarczyks Absage an ein „olivgrünes Wirtschaftswunder“ stützt Göpels Weigerung, Rüstung als Wachstumsmotor zu feiern.

→ Amlinger & Nachtwey — Zerstörungslust: Elemente des demokratischen Faschismus

Schmitts „Austerität in den Köpfen“ — die Lust, Gerechtigkeit herzustellen, indem der Nachbar weniger bekommt — ist das Nullsummendenken, das Amlinger und Nachtwey in Interviews erforscht haben. Bei der Ursache gehen die Notes auseinander. Schmitt leitet die Engherzigkeit aus realer Verknappung ab; Amlinger und Nachtwey finden auch den Verlust von Privilegien, den kein Haushalt ausgleicht. Wer Großzügigkeit für das Gegengift hält, muss mit dieser Quelle rechnen. Göpels Antwort — Zugehörigkeit ohne Ausschluss — zielt eher dorthin als jedes Budget.

→ Die Neuen Zwanziger — Salon Lektüren Januar 2026

Im Salon ging es um Kaczmarczyks Zerfall der Weltordnung: Troika-Sparen für Griechenland, Abwrackprämie für Deutschland, IWF-Kürzungen im Gesundheitswesen des Südens. In Lüneburg kehrt dieselbe Doppelmoral nach Deutschland zurück — Knappheit für Kitas, keine für Rüstung, De-Risking als Rückimport aus dem Globalen Süden. Schmitt hat den Salon getragen und moderiert beide Male; diesmal greift er den Autor selbst an.

→ Ulrike Herrmann — Technisch möglich, ökonomisch unbezahlbar

Die Gegenrechnung zum Titel. Selbst wenn Geld genug da ist, liegt für Herrmann die Grenze in der Physik der Energieumwandlung, die kein Haushaltsbeschluss aufhebt. Sigl-Glöckner behält als Einzige am Tisch diese echte Knappheit im Blick — Fachkräfte, Stahl, gute Jobs in einer schwachen Industrie; ihr „zwei statt drei Autos exportieren, dafür genug Pflege“ lenkt reale Ressourcen um und ist keine Geldfrage mehr. Herrmanns demokratische Rationierung und Sigl-Glöckners „Kochrezept“ gehen in derselben Reihenfolge vor: erst festlegen, was gebraucht wird. Sie trennen sich an der Frage, ob die Wirtschaft dabei wachsen darf.

→ Tom Krebs — Wege aus der Krise, Vergesellschaftung und neoliberale Märchen

Kaczmarczyks Koautor macht aus der Netzrechnung dieses Abends ein Programm: öffentliches Eigentum überall, wo privates Kapital Rendite kostet, ohne Innovation zu bringen. Sigl-Glöckners Einwand vom Staat als Monopolisten trifft ihn am härtesten, und Krebs räumt selbst ein, dass auch Stadtwerke sich wie Blackrock benehmen können.

→ Adam Tooze — Krise und demokratische Gelegenheit

Tooze nennt die Schuldenbremse die offensichtlichste Form von Nichthandeln als Macht — zwei Jahre vor ihrer Lockerung.

→ Mithu Sanyal und Şeyda Kurt — Entgegenkommen, wenn es feindlich wird?

Am Tag danach streiten Göpel und Mithu Sanyal, ob ein Sondervermögen ein „Kriegskredit“ ist; die Rheinmetall-Anekdote kehrt wieder.

→ Was ist Großzügigkeit?

Das wachsende Panorama zur Großzügigkeit führt diese Note als Stimme unter „Kann eine Gesellschaft großzügig sein?“ und „Muss man sich Großzügigkeit leisten können?“.

→ Isabella Weber — Antifaschistische Wirtschaftspolitik

Kaczmarczyk erinnert an die Pufferlager, die der Globale Süden einst forderte; Weber führt sie auf Henry Wallace und Bretton Woods zurück und hat sie für die G20 neu durchgerechnet. An der Rüstungsausnahme der Schuldenbremse fürchten alle drei dieselbe Sparpolitik, die damit schon programmiert sei.


Weiterdenken

Was Sokrates vielleicht gefragt hätte
  • Wenn Knappheit oft eine Entscheidung ist — wer müsste dann eigentlich die Beweislast tragen: wer eine Ausgabe fordert oder wer sie mit „kein Geld“ ablehnt?
  • Vier Stimmen aus einem Lager, keine Gegenstimme am Tisch. Was hätte eine ordoliberale Ökonomin auf die Maastricht-Fußnote geantwortet — und wäre ihre Antwort („eine Grenze wirkt gerade, weil sie nicht verhandelbar ist“) so leicht zu entkräften?
  • Schmitt wirft dem progressiven Lager vor, mit „Geld ist da“ der Aufrüstung den Weg geebnet zu haben. Kann man ein ökonomisches Argument für die richtigen Zwecke haben, ohne es den falschen zu überlassen?
  • Sigl-Glöckner misstraut dem Staat als Monopolisten, Kaczmarczyk will natürliche Monopole in staatliche Hand. Welche Freiheit schützt mich besser: die Konkurrenz vieler Arbeitgeber oder die demokratische Kontrolle eines einzigen?
  • Wenn Austerität in den Köpfen ankommt als Missgunst gegenüber dem Nachbarn — wo in meinem eigenen Alltag rechne ich in Knappheit, obwohl genug da wäre?

Von hier einen Faden gehen7 Stationen, rückwärts durch den Bestand

Im Bestand

Tom KrebsWege aus der Krise,…Patrick KaczmarczykDenkerVitaIsabella WeberAntifaschistische…Philippa Sigl-GlöcknerDenkerVitaSusanne Weigelin-SchwiedrzikAmerikas Plan, China in den…Mithu Sanyal und Şeyda KurtEntgegenkommen, wenn es…Rechtspopulismus und der…Vermögenssteuer gegen Fake…Veronika GrimmDer Preis als Signal (Jung &…Stephan Marks und Aladin…Unter der Wut die Scham?Henrike von Scheliha und…Aladin El-MafaalaniMisstrauensgemeinschaften und…Susanne BoshammerWas heißt verzeihen?Simone WeilAufmerksamkeit, die seltenste…Roberto SimanowskiSprachmaschinen und der…Dietmar Dath und Wolfgang M.…Verschwendung als Möglichkeit?Maja Göpel und Jagoda MarinićVertrauen, utopisch?Roger de WeckWas ist konservativ, was…Carsten BrosdaNächste Demokratie?Harald Welzer und Barbara…Großzügigkeit und Gegenwärtigkeit

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