Quelle: Die rechte Internationale: Ihr Netzwerk reicht bis nach Deutschland (Nachtsitzung, 2026)

Wer spricht?

Benjamin Biersky — Betreiber des YouTube-Kanals Nachtsitzung (seit März 2024, ~16.000 Abonnenten). Ehemaliger Kreisgeschäftsführer einer Partei (linkes Spektrum), Podcaster (Linkes Gerede, Rosa-Luxemburg-Club Oberberg).

Positionierung: explizit links, analytisch-politisch bildnerisch — kein klassischer Journalismus, aber mit theoretischem Anspruch. Schwerpunkte: US-Rechtspopulismus, AfD/CDU, rechte internationale Netzwerke, politische Theorie.


Inhalt

Von Watergate zur CPAC

▶ 0:46 — Der Ausgangspunkt ist der Watergate-Skandal: Die Republikaner lagen nach Nixon’s Bespitzelungsaffäre am Boden. Die ACU (American Conservative Union) gründete daraufhin die CPAC — Conservative Political Action Conference — ursprünglich als Werkzeug zur Imagepolitur. Ronald Reagan prägte die frühen Treffen. Was einst eine schlichte Vernetzungskonferenz war, hat sich fundamental gewandelt.

▶ 2:21 — Die modernen CPAC-Treffen sind unvergleichlich mit den Anfängen: spektakuläres Bühnenprogramm (hier der bekannte Musk-Kettensägen-Moment), ein großer Ausstellungsbereich für NGOs und Think Tanks, bezahlte Panels für “Weiterbildung im Kulturkampf”. Nicht mehr nur Politiker — auch Medienschaffende, Aktivisten, Unternehmensvertreter.

„Was früher mal ein einfaches Treffen gewesen ist, wo sich Konservative treffen und austauschen konnten, hat sich massiv weiterentwickelt.”

Die “Schurkenhochzeit”

▶ 4:40 — Benjamin nennt CPAC treffend eine “Schurkenhochzeit”: Allianzen werden gebildet, Finanzströme offenbaren, wer mit wem kooperiert. Die Finanzierung läuft über Tickets (100–7.000 $), bezahlte Ausstellerplätze, bezahlte Bühnenauftritte — und vor allem über Spenden von Milliardären und der Industrie. Mehrere Tage, Partys drumherum, diskrete Hotelgespräche.

Thematische Hauptachsen: Antiimmigration, klassische Kleinfamilie, “freie Meinungsäußerung” (sprich: ungehemmter Hass darf geäußert werden, trans Existenz soll verboten werden), unreglementierte Marktwirtschaft.

CPAC Ungarn: Das europäische Einfallstor

▶ 7:45 — Die CPAC ist längst global: Brasilien, Japan, Spanien, Portugal — und vor allem Ungarn. CPAC Hungary ist eine 1:1-Kopie der US-Konferenz, ideologisch deckungsgleich. Besonderheit: 2025 wurden ~3 Millionen Euro ungarischer Steuergelder in die Konferenz gepumpt.

▶ 9:17 — Bei CPAC Hungary wurde der Schlüsselsatz erstmals ausgesprochen:

„Keine Migration, kein Gender, kein Krieg.”

Inzwischen offizielle US-Politik unter Trump. Orbán ließ CPAC Hungary bei sich stattfinden und wird dafür mit Legitimität und internationalem Networking belohnt.

▶ 10:03 — Das geopolitische Ziel: Eine Welt aus 2–3 Machtpolen (USA, Russland-Sieg in Ukraine, möglicherweise China). Europa als eigenständiger Machtpol ist in dieser Vision nicht vorgesehen. CPAC Hungary ist das Werkzeug, um diese antieuropäische Stimmung zu transportieren. Gäste: Alice Weidel, Herbert Kickl, Netanyahus Sohn (Podcaster, “schwer rechtsextrem”).

Heritage Foundation, Atlas-Netzwerk und die Verbindung nach Deutschland

▶ 13:53 — Kernakteur: die Heritage Foundation, Urheberin des Project 2025, heute Trumps faktisches Regierungsprogramm. Sie gehört zum Atlas-Netzwerk — einem Dachverband rechter bis rechtsextremer NGOs weltweit. Ein Heritage-Vertreter reiste nach Ungarn und hielt danach einen Vortrag im Bundestag bei der CDU/CSU-Fraktion — Correctiv hat darüber berichtet.

▶ 14:39 — Atlas-Netzwerk erreicht auch die FDP: Das Prometheus Institut (Deutschland) gehört dazu und wird laut Benjamin von Frank Schäffler, FDP-Bundestagsmitglied, geleitet. Neues Kapitel: Denkfabrik 21 / R21 — ein neuer konservativer Think Tank, der CPAC-ähnliche Konferenzen in Deutschland starten will. Erstes Treffen: 14. April 2026, Thema: “Meinungsfreiheit in Deutschland in Gefahr”. Die Denkfabrik grenzt sich rhetorisch von MAGA und der Heritage Foundation ab — teilt aber deren gesamte weltanschauliche DNA.

Steve Bannon, AfD und die Epstein-Files

▶ 10:49 — Aus den Epstein-Files: Steve Bannon bezeichnete sich selbst als Berater für die AfD und andere der größten rechtsextremen Parteien in Europa. CPAC Hungary war der institutionelle Rahmen, in dem Bannon–Weidel-Kontakte entstehen konnten.

US-Außenministerium: Geld für rechte Netzwerke in Europa

▶ 11:34 — Die Financial Times berichtete über ein US-Regierungsprogramm: Gelder des Außenministeriums sollen gezielt für rechte NGOs in London, Paris, Berlin und Brüssel fließen — eine Neuauflage älterer Staatsprogramme zur Interessenverbreitung, jetzt mit rechtskonservativem Vorzeichen. Ein britischer NGO-Mitarbeiter kommentierte trocken:

„Die US-Regierung führt einen Kreuzzug zur Rettung Europas.”

Rettung wovor? Vor Wirtschaftsregulierung, vor EU-Datenschutz für Tech-Konzerne, vor Migration, vor trans Existenz.

Faschismus als Elitenprojekt — ein Hoffnungsschimmer

▶ 17:45 — Benjamins zentrales Argument und sein unerwartetes Fazit:

„Faschismus ist kein Graswurzelprojekt. Die komplette innovative Kraft, sich mit Kulturkämpfen auseinanderzusetzen — das kommt nicht von Menschen auf der Straße, das ist gezielt von oben gesteuert.”

Das macht es gleichzeitig gefährlich und verwundbar: Es sind nur eine Handvoll sehr reicher, eng vernetzter Menschen. Scheitert ein Knotenpunkt (Trump, AfD-Verbot), strahlt das auf das gesamte Netzwerk aus und es braucht Jahre des Wiederaufbaus. Die Basis — frustrierte Anhänger — hat keine eigenständige innovative Kraft, sie sind für die Führungsetage nur Verhandlungsmasse.

„Ich muss mich nicht mit Hans Peter an der Bushaltestelle kloppen. Ich muss das Netzwerk öffentlich machen.”


Faktencheck

Bestätigt — CPAC Hungary mit ~3 Millionen Euro ungarischer Steuergelder finanziert

Atlatszo.hu dokumentiert: “CPAC Budapest was fully funded by the Hungarian taxpayer to the tune of possibly more than 3 million euros” — finanziert über das staatliche Centre for Fundamental Rights. Präzise korrekt. Quelle: atlatszo.hu, Mai 2024

Vereinfacht — Steve Bannon bezeichnete sich in Epstein-Dokumenten als Berater der AfD

Die Epstein-Dokumente (veröffentlicht Feb. 2026) belegen, dass Bannon sich gegenüber Epstein als Berater europäischer Rechtsparteien bezeichnete — darunter ausdrücklich die AfD. Jedoch: Es ist eine Selbstdarstellung in privaten Nachrichten, keine belegte formale Beratertätigkeit. Ob die AfD dies je bestätigt oder formal beauftragt hat, ist offen. (Faktencheck: vereinfacht) Quellen: The Guardian, Feb. 2026

Bestätigt — Heritage Foundation hielt Vorträge bei CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Correctiv berichtete am 19. März 2025: Heritage Foundation-Vertreter waren bei der CDU/CSU “willkommener Gast”. Datum und Inhalt korrekt. Quelle: correctiv.org, 19.3.2025

Bestätigt — Frank Schäffler (FDP) gründete Prometheus Institut, Mitglied des Atlas-Netzwerks

Wikipedia und Lobbypedia bestätigen: Schäffler co-gründete 2014 “Prometheus — Das Freiheitsinstitut”, das Mitglied des Atlas Network ist. Er ist auch Geschäftsführer — der Claim ist vollständig korrekt. Quellen: Wikipedia Frank Schäffler · Lobbypedia Prometheus

Vereinfacht — Atlas-Netzwerk als Dachverband "rechter bis rechtsextremer" NGOs

Das Atlas Network ist ein libertär-konservativer Dachverband mit über 500 Partnerorganisationen — Heritage Foundation ist dabei. Die Einordnung “rechtsextrem” ist eine politische Wertung: Das Netzwerk versteht sich als libertär-freiheitlich, wird von Kritikern als radikal-neoliberal und teils rechtsextrem eingestuft. (Faktencheck: vereinfacht)

Vereinfacht — CPAC gibt es in 11 Ländern

Die CPAC-Website listet Japan, Australien, Ungarn, Brasilien, Israel, Korea, Mexiko (7 Länder + USA = 8). Die Zahl “11” ist nicht eindeutig belegbar und wahrscheinlich zu hoch. (Faktencheck: vereinfacht)

Bestätigt — US-Außenministerium plant Programm zur Finanzierung rechter NGOs in Europa

Financial Times berichtete, bestätigt durch Politico EU und Brussels Times: Gelder für MAGA-nahe Organisationen in London, Paris, Berlin, Brüssel — gegen EU-Digitalgesetze und zur Verbreitung US-amerikanischer Positionen. Quellen: Financial Times · Politico EU

Vereinfacht — "Keine Migration, kein Gender, kein Krieg" erstmals bei CPAC Hungary

Der Slogan ist eng mit CPAC Hungary verbunden und wurde dort von Orbán verwendet. Ob er dort erstmals geprägt wurde, lässt sich nicht eindeutig belegen — er kursierte bereits 2023 in europäischen Rechtsparteien. (Faktencheck: vereinfacht)

Bestätigt — Denkfabrik R21 plant erste Konferenz am 14. April 2026

Die Website bestätigt: Konferenz “Zum Zustand der Meinungsfreiheit in Deutschland”, 14. April, 14–18 Uhr, dbb forum Berlin. Quelle: denkfabrik-r21.de

Vereinfacht — Project 2025 ist Trumps "Regierungsprogramm"

Project 2025 wurde von der Heritage Foundation erarbeitet — korrekt. Trump distanzierte sich im Wahlkampf öffentlich davon. Bis Anfang 2026 wurden jedoch ~53% der Agenda umgesetzt (NPR). Treffender: maßgebliche Blaupause mit starkem Einfluss, kein offiziell erklärtes Regierungsprogramm. (Faktencheck: vereinfacht) Quelle: NPR, Jan. 2026


Weiterführende Quellen

Aus der Video-Beschreibung:

Zusätzlich (Sherlock-Recherche):


Verbindungen

Amerikas Zerrspiegel — wird die AfD zu Trumps Konservatismus umgedeutet?

Die lebende Fortsetzung als Spur: Wo diese Note das Netz kartiert (CPAC, Atlas, Heritage), verfolgt die Spur das Netz in Aktion — die mediale Ausleitung, wenn Fox einen friedlichen Anti-AfD-Protest zum „far-left riot” und die AfD zur „conservative party” umdeutet. Institutionen-Ebene hier, Erzähl-Ebene dort.

Katharina Nocun — Wie KI-Content das politische Vorfeld der extremen Rechten praegt

Nocuns KI-Fake-Frauen und Verfallporn-Accounts sind das taktische Ausführungslevel der Infrastruktur, die die CPAC-Note beschreibt: Heritage Foundation und Atlas-Netzwerk liefern die Agenda, KI-Sockenpuppen skalieren sie auf Social Media.

Andreas Kemper — Technofaschismus und die AfD

Direkte Verlängerung: Wo Kemper zeigt, wie Musk und Tech-Eliten die AfD strukturell stützen, liefert die CPAC-Note den transatlantischen Institutionenrahmen — Heritage Foundation, Atlas-Netzwerk, Bannon. Beide Notes zusammen: informelle Netzwerke + formelle Konferenzinfrastruktur

Andreas Kemper — Faschismen im 21. Jahrhundert

Kempers These, dass moderner Faschismus nicht mehr in Stiefeln marschiert, sondern in Institutionen operiert, wird durch CPAC empirisch unterfüttert: CPAC Hungary als europäisches Einfallstor ist genau jene neue institutionelle Form

Rainer Mausfeld — Warum schweigen die Lämmer

Mausfeld analysiert, wie Eliten demokratische Zustimmung durch Manipulation organisieren; die CPAC-Note liefert den konkreten Apparat: Denkfabriken, NGOs, Staatsgelder als Instrumente zur Erzeugung scheinbarer Graswurzelbewegungen

Ece Temelkuran — So beginnt Faschismus in Amerika

Temelkuran fragt wie demokratische Erosion passiert; CPAC erklärt wer und womit — der organisatorische Unterbau, der diese Erosion grenzüberschreitend koordiniert

Götz Aly — Wie konnte das geschehen

Aly zeigt, dass der Nationalsozialismus kein Unfall war, sondern vorbereitet und organisiert wurde. Die CPAC-Note stellt dieselbe Frage in die Gegenwart: Faschismus als Elitenprojekt ist keine neue Erkenntnis — sie wird strukturell wiederholt

Leonhard Horowski — Adel, Klassen und Gesellschaft

Horowskis historische Analyse der Klassenreproduktion durch exklusive Netzwerke (Adel, Hofgesellschaft) hat eine direkte strukturelle Analogie in der CPAC-Infrastruktur: Internationale Eliten reproduzieren Macht nicht durch Erbfolge, sondern durch institutionalisierte Vernetzung

MONITOR — Energiewende rückwärts? Katharina Reiche und der E.ON-Lobbyismus

Beide Notes zeigen denselben Mechanismus auf verschiedenen Feldern: Think Tanks und NGOs als Scharniere zwischen Industrieinteressen und politischer Agenda — einmal Energie, einmal Kulturkampf. Prometheus Institut und E.ON-Lobbyismus sind strukturelle Geschwister

Ernst Gelegs — Ist das Regime Orbán am Ende

Gelegs liefert die Innenperspektive auf Orbán als CPAC-Knotenpunkt: Ungarn als europäischer Brückenkopf der rechten Internationale — das, was CPAC als Netzwerk beschreibt, ist in Ungarn bereits staatliche Realität

Hannah Arendt — Denken ohne Geländer

Arendts Begriff des banalen Bösen als Systemfunktion ohne persönliche Verantwortungsübernahme findet in der CPAC-Netzwerklogik seine zeitgenössische Form: Keiner der Akteure trägt allein Verantwortung, das System produziert die Wirkung

Ibram X. Kendi — Great Replacement Theory und der Weg zur Wahlautokratie

Great Replacement und Anti-Immigrations-Agenda sind die Kernthemen bei CPAC-Treffen

Thomas Fricke — Wie die Wirtschaftskrise den Rechten nützt (Surplus)

Wirtschaftskrise als Nährboden, den CPAC-Netzwerke gezielt ausnutzen und narrativ verarbeiten

Philip Manow — Autoritäre Zeiten: Die Macht der Wähler

Manow analysiert den Aufstieg rechter Parteien; CPAC liefert die transnationale Infrastruktur, die diesen Aufstieg koordiniert

Wilhelm Heitmeyer — Die Durchrohung der Gesellschaft

Heitmeyers “Roheit von oben durch Autoritarismus” — Benjamins Eliten-These ergänzt die Erklärung: Es sind bewusste, finanzierte Strategien, keine spontane Kulturentwicklung

Topfvollgold — BILD und NIUS: Wie erfundene Geschichten Hass schüren

NIUS als Teil desselben rechten Medienökosystems, das CPAC institutionell koordiniert — Boulevard-Aktivismus und Think-Tank-Netzwerk als zwei Seiten derselben Infrastruktur

Nachtsitzung — Trumps Machtbasis bricht zusammen

Direkte Fortsetzung: Was die CPAC-Note als Infrastruktur beschreibt, zeigt Biersky hier in der Auflösung — Heritage Foundation zieht sich zurück, die Milliardäre distanzieren sich, das Netzwerk wendet sich vom scheiternden Instrument ab

rabbit hole — Ungarn-Wahl KI-Wahlkampf

Orbáns KI-Propaganda-Netzwerk (Megafon + Storm-1516) als konkreter Arm der rechten Internationale; CPAC-Ungarn koordiniert die Strukturen, die rabbit hole im Wahlkampf dokumentiert

Brockschmidt & Nocun — Codes der extremen US-Rechten

Die CPAC-Infrastruktur ist der transatlantische Kanal, über den die hier dekodierten Codes reisen: Heritage Foundation, Bannon-Netzwerk und CPAC Hungary exportieren US-Strategien (Dog Whistles, Fashwave, Remigration) nach Europa. Was Brockschmidt/Nocun als Sprach- und Bildsprache analysieren, ist hier als institutionelle Infrastruktur dokumentiert.

TheTrumpWeek — Ölkrise, KI-Staatsfonds, Thiels Abgang

Peter Thiel ist ein Knotenpunkt dieser transnationalen rechten Infrastruktur. Sein Exit nach Argentinien ist eine Sollbruchstelle im Netzwerk: Wenn die Funder abziehen, gerät die Finanzierungskette ins Wanken.