GedankenraumGood News — Gute Nachrichten September 2026
Elf Meldungen, ein gemeinsames Maß: Kaum eine ist jünger als zehn Jahre. Gutes kommt hier langsam, durch Geduld, durch Aufhören, durch Warten, bis die Natur nachwächst.
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Paul Klee (Hauptweg und Nebenwege, 1929) — Klee malte nach seiner Ägyptenreise Felder als Streifen und Quadrate, die sich über die Bildbreite langsam wandeln. Diese Ausgabe erzählt dasselbe: Die Strohschachbretter der Großen Grünen Mauer werden über Jahrzehnte zu grünen Feldern, und an der Küste wachsen die Mangroven zurück. Die eine dünne Linie, die geduldig über alles hinweg steigt, ist die lange Kurve, das gemeinsame Maß dieser Meldungen. Klee ist hier nicht Hausreflex. Er hat das Bild dafür schon gemalt.
Prompt: Painting in the style of Paul Klee's Highways and Byways (Hauptweg und Nebenwege, 1929), wide horizontal banner, thin transparent watercolor washes in horizontal bands and small rectangles like terraced fields. From left to right the bands change slowly: at the left pale sand and ochre squares divided by fine straw-colored grid lines like a checkerboard of straw in desert dunes, gradually turning into soft sage and green rectangles with tiny tree signs, then at the right edge deep blue-green water bands with little arched mangrove roots and a few small fish signs. A single thin dark line rises gently and patiently across the whole width like a slowly climbing curve. A small warm sun disc high on the right. Earthy palette of ochre, sand, sage, moss green, turquoise and blue, delicate, quiet, hopeful. No text, no letters, no numbers, no signature.
Elf Meldungen aus einem Monat, und sie haben ein gemeinsames Maß, das die Sendung nicht ausspricht: die Zeit. Die Große Grüne Mauer in China wächst seit fünfzig Jahren, die Mangroven erholen sich seit 2010, der Numbat seit den Siebzigern, das Rauchen sinkt in den USA seit sechzig Jahren, die HPV-Impfung gibt es seit zwanzig. Fast nichts hier ist ein Durchbruch. Das meiste ist eine lange Kurve, die endlich sichtbar geworden ist, und auffällig oft liegt das Gute darin, dass jemand mit etwas aufgehört hat: mit dem Schleppnetz, der Zigarette, der Rodung. Worauf man sich einlässt: gute Nachrichten mit Beipackzettel, wie immer in dieser Rubrik. Den langen Blick dieses Monats auf eine einzige Geschichte gibt es in Wenn Arbeiter Chefs werden.
Quelle: Your Monthly Dose of Good News | September — veröffentlicht am 13.09.2026, 21:25 Min. · Quellenliste des Kanals
Freddy Leppin — Gründer und Moderator des YouTube-Kanals Good News, der monatlich verifizierte positive Nachrichten aus Umwelt, Wissenschaft, Gesundheit und Politik kuratiert. Sein Anspruch ist kein naiver Optimismus, sondern ein Gegengewicht zum journalistischen Negativitätsbias: zeigen, dass Fortschritt existiert — ohne zu behaupten, die Welt sei in Ordnung.
Ein Abschnitt dieser Ausgabe, die Wiederaufforstung am Viktoriasee, ist wieder die Mission des Dauersponsors Planet Wild, diesmal zusammen mit dem Aufforstungsdienst veritree. Die Videobeschreibung kennzeichnet den Link als „(sponsored)", die vom Kanal selbst hochgeladenen englischen Untertitel führen die Stelle als „Planet Wild ad", und am Ende dankt Leppin dem Sponsor ausdrücklich. Wie im August verdient der Kanal über einen persönlichen Code pro Anmeldung.
In der offiziellen Kapitelliste taucht der Abschnitt gar nicht auf. Er steckt ohne eigene Marke im Kapitel über den Numbat, von 9:20 bis 11:15: rund zwei Minuten Werbung in einem Kapitel, dessen Meldung selbst etwa 35 Sekunden dauert. Wer über die Kapitel springt, landet mitten in der Werbung, ohne es zu merken. Das ist weniger Offenheit als im August, wo der Sponsorenteil wenigstens ein eigenes, neutral benanntes Kapitel hatte.
Die Große Grüne Mauer bremst die Gobi
0:45 — Die Bilder zeigen ein Gitter im Sand, Quadrate aus Stroh und Stöcken, die in langen Reihen über die Dünen laufen. Man nennt sie Strohschachbretter. Sie bremsen den Wind, halten Feuchtigkeit und den Sand fest, und in ihrem Schutz können junge Bäume und Sträucher wurzeln. 1:31 — Seit fünf Jahrzehnten stecken Millionen Menschen diese Gitter in den Norden Chinas. Zusammen bilden sie die Große Grüne Mauer, ein Wald aus nach Angaben des Kanals über sechzig Milliarden Bäumen, der bald die Fläche Deutschlands bedecken soll.
Das Video sagt, in den Achtzigern habe sich die Gobi jedes Jahr über zehntausend Quadratkilometer weiter ins Land gefressen, das Doppelte des Großraums Tokio (Faktencheck: falsch). Gemessen ist weniger, und es reicht: Die verwüstete Fläche Nordchinas wuchs Ende der Achtziger um gut 2.000, in den Neunzigern um 3.600 Quadratkilometer im Jahr. Sandstürme begruben Äcker und trugen Staub bis nach Korea und Japan. 2:18 — Seit 2000 gewinnt der Norden Chinas nach Daten chinesischer Staatsmedien und dem Langzeitmonitoring des Teams um Zhu Jiaojun jährlich über tausend Quadratkilometer zurück, die Fläche verwüsteten Landes ist um etwa ein Zehntel gesunken, die Waldbedeckung in der Projektregion hat sich fast verdreifacht.
Leppin nennt die Schwäche selbst: In den ersten Jahrzehnten wurden riesige Flächen mit einer einzigen Baumart bepflanzt, viele Bäume gingen ein, und erst später mischte man einheimische Arten dazu. Die Forschenden betonen, die Arbeit sei nicht fertig. Wiederhergestellte Landschaften brauchen Jahrzehnte Pflege.
Die Meldung ist die Überschrift dieser Ausgabe: Das Gute hier ist fünfzig Jahre alt. Kein Satellit hat es entdeckt, keine Erfindung hat es möglich gemacht. Menschen haben Stroh in den Sand gesteckt, Jahr für Jahr, und irgendwann zeigte die Statistik eine Wende. Zwei Dinge fehlen im Video. Die Große Grüne Mauer ist in der Forschung umstritten. Beim Wasser streiten die Studien bis heute, ob die Pflanzungen Boden- und Grundwasser erschöpfen oder über mehr Verdunstung selbst Regen erzeugen. Und der Regen steht in Leppins eigener Quelle: Zhu Jiaojun spricht bei AP von „harter Arbeit und ein bisschen Glück mit dem Klima", und die Setzlinge in den Strohgittern werden bewässert. Überziehen sollte man die Kritik nicht, denn im Osten und in der Mitte des Programmgebiets sehen mehrere Studien die Pflanzungen als Haupttreiber des Ergrünens. Die sechzig Milliarden sind allerdings gepflanzte Bäume, und wie viele davon noch stehen, sagt die Zahl nicht; die Überlebensraten gelten als niedrig. Ausgerechnet der bezahlte Abschnitt fünf Minuten später liefert das Argument dafür (siehe unten).
Die Welt lebt besser als 2015, und verfehlt trotzdem ihre Ziele
3:04 — 2015 einigten sich alle UN-Mitgliedsstaaten auf siebzehn Ziele für nachhaltige Entwicklung, die bis 2030 erreicht sein sollen: extreme Armut und Hunger beenden, Gesundheit und Bildung verbessern. 3:50 — Der neue Fortschrittsbericht nennt, was seither erreicht ist. Über neunzig Prozent der Weltbevölkerung haben Strom, fünf Prozentpunkte mehr als 2015. Der Internetzugang stieg von vierzig auf fast fünfundsiebzig Prozent. Mehr Kinder schließen die Schule ab. Die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren sank seit 2015 um dreizehn Prozent, neue HIV-Infektionen bis 2024 um dreißig Prozent. 4:37 — Siebenundvierzig Länder sind von der WHO als malariafrei zertifiziert.
Dann sagt Leppin, was ein guter Nachrichtensprecher sagen muss: Viele Ziele werden bis 2030 nicht erreicht. Kriege, Klimawandel und steigende Schulden bremsen den Fortschritt. Der Bericht selbst wird deutlicher: Von 139 Zielen mit Trenddaten sind nur 36 Prozent auf Kurs, 15 Prozent liegen unter dem Stand von 2015, die Kindersterblichkeit sinkt seit 2015 langsamer als davor, und die Malaria-Inzidenz ist gestiegen. 5:22 — „Billions of people are now, on average, living better lives today than they were a decade ago."
Der Bericht zeigt beides: Die Welt ist besser geworden, und sie verfehlt ihre eigenen Ziele. Welcher der beiden Sätze ist die Nachricht? Und wer entscheidet das, der Bericht, der Sender oder wir beim Hören?
Ein Viertel des EU-Stroms aus der Sonne
5:22 — Im Juni 2026 erzeugte die Sonne zum ersten Mal ein Viertel des Stroms der Europäischen Union, laut dem Thinktank Ember 52 Terawattstunden. Damit war Solar in diesem Monat die größte einzelne Stromquelle, vor Kernkraft, Gas, Wind und Wasser.
Leppin interessiert weniger der Rekord als die Kurve. 6:13 — Im Juni 2016 lag der Solaranteil bei etwa sechs Prozent. Fünf Jahre brauchte er bis zehn Prozent, weitere fünf bis fünfundzwanzig. „Solar isn't just steadily increasing each year. It's actually accelerating." Dann schränkt er selbst ein: „well at least for June."
Das Wort „at least for June" ist die ehrlichste Stelle der Meldung. Ein Junirekord ist ein Sommerrekord. Im Dezember liefert dieselbe Fläche einen Bruchteil, und das eigentliche Problem der Energiewende liegt in den dunklen, windstillen Wochen, nicht im Juni. Die Beschleunigung der Kurve ist trotzdem echt und schwerer zu übersehen als jeder Einzelmonat: Von 2016 bis 2021 kamen gut vier Prozentpunkte dazu, in den fünf Jahren danach fast fünfzehn. Und der Winter bleibt: Im Dezember 2025 lieferte die Sonne 4,4 Prozent des EU-Stroms, übers Jahr 13,8.
Spanien: Strom, der sich vom Gaspreis löst
6:13 — Anfang des Jahres stiegen die europäischen Gaspreise nach dem Krieg der USA und Israels gegen Iran um etwa drei Viertel, und viele erwarteten, dass der Strom mitzieht. 7:01 — In Spanien blieb er stabil. Leppin erklärt es an zwei Grafiken von Ember. 2021 und 2022 laufen Strom- und Gaspreis fast deckungsgleich: steigt das Gas, steigt der Strom. 7:48 — Für 2025 und 2026 zeigt die Grafik große Flächen, in denen der Strom billiger war als Gasstrom. Wind und Sonne haben den Preis vom Gas abgekoppelt: 2021 bestimmte das Gas den spanischen Strompreis in 52 Prozent der Stunden, von Januar bis Mai 2026 nur noch in 9. Im März kostete die Megawattstunde in Spanien 42 Euro, in Italien 143.
Ein typischer Haushalt im regulierten Tarif spart dadurch nach einer Szenario-Rechnung von Ember für März und April rund zehn Euro im Monat. 8:34 — Das Video rechnet das auf alle neunzehn Millionen Haushalte hoch, fast 190 Millionen Euro jeden Monat (Faktencheck: falsch). Der regulierte Tarif betrifft etwa ein Drittel der Haushalte; belegt sind grob 60 bis 65 Millionen Euro im Monat, für zwei Monate. „Renewable energy isn't just about reducing emissions. It's also about making countries more resilient to global events."
Diese Meldung und die davor erzählen dieselbe Geschichte von zwei Seiten. Die EU-Zahl zeigt, wie viel Sonnenstrom es gibt. Spanien zeigt, was das im Portemonnaie heißt, wenn in einem fernen Meer eine Krise ausbricht. Das Argument der Unabhängigkeit ist für viele Menschen überzeugender als das des Klimas, und es ist genauso wahr. Die zehn Euro kommen nicht bei allen an. Ember sagt es selbst: Sie gelten für den regulierten Tarif, nicht für die vielen Haushalte mit Festpreis, bei denen die Entlastung erst mit dem nächsten Vertrag ankommt. Dann aber schon, denn Spaniens Terminpreise für das kommende Jahr blieben stabil, während die italienischen um ein Viertel stiegen.
Die Numbats kehren zurück
8:34 — Der Numbat ist ein kleines, gestreiftes Beuteltier aus Westaustralien, das fast nur Termiten frisst. Lebensraumverlust und eingeschleppte Räuber, vor allem Füchse und verwilderte Katzen, drückten den Bestand Ende der Siebziger auf rund dreihundert Tiere. Jahrzehnte des Schutzes, Fuchsbekämpfung, eingezäunte Schutzgebiete und Wiederansiedlungen, zeigen jetzt Wirkung: 2026 leben zwischen 2.000 und 3.000 Numbats in freier Wildbahn. Die eigentliche Nachricht erwähnt das Video nicht. Die Weltnaturschutzunion IUCN hat den Numbat von „stark gefährdet" auf „potenziell gefährdet" herabgestuft. Der Biologe Tony Friend vom Naturschutzamt Westaustraliens warnt trotzdem: Rund dreitausend Tiere seien sehr wenig für eine ganze Art, und ohne dauerhafte Bekämpfung von Fuchs und Katze fiele der Bestand schnell zurück.
Die Meldung ist kurz, kürzer als der Werbeblock, der direkt auf sie folgt.
Der bezahlte Abschnitt: Bäume, die man nachzählt
9:20 — Am Viktoriasee, dem größten See Afrikas, liegt eine Gemeinde, deren Hänge Jahr für Jahr kahler wurden. Die Bäume, die den Boden hielten, waren gerodet. Bei jedem Regen rutschte mehr Erde ab, bis nur der Fels blieb, und das Wasser riss Schlamm und Chemikalien von den Feldern in den See. 10:05 — Die Lösung klingt einfach, Bäume pflanzen, und hier sagt der Sponsorenteil etwas Wichtiges: „A lot of tree-planting projects quietly fail. They count the trees they plant, but not how many survive years later." In manchen Gegenden seien nach fünf Jahren fast die Hälfte tot. Planet Wild und veritree setzen darum Drohnen mit Laserscannern ein, Sensoren an den Bäumen und Mikrofone im Wald, die die zurückkehrenden Tiere hören. 80.000 Bäume, drei Jahre lang überwacht.
Die Werbung widerspricht, ohne es zu merken, der Aufmachermeldung derselben Sendung. Wer sagt, dass viele Pflanzprojekte ihre Bäume zählen, aber nicht deren Überleben, beschreibt genau die Kritik an der Großen Grünen Mauer mit ihren sechzig Milliarden. Das macht den Sponsorenteil nicht unwahr, eher im Gegenteil: Überleben zu messen statt Pflanzungen zu zählen ist der richtige Maßstab. Er sollte nur für beide Meldungen gelten. Die Transparenzfrage bleibt davon getrennt (siehe oben).
Die Mangroven wachsen wieder
11:15 — Mangroven sind die Bäume, die mit verschlungenen Wurzeln direkt aus dem Meer wachsen, an tropischen Küsten rund um die Welt. 11:39 — Sie schützen Küstendörfer vor Sturmfluten, sind Kinderstube für Fische und Krebse und binden pro Hektar bis zu viermal so viel Kohlenstoff wie Wälder an Land, das meiste davon im Boden unter ihren Wurzeln. Jahrzehntelang galten sie als verlorener Posten.
Eine neue Studie in Science von Forschenden der Tulane University, gestützt auf fast vierzig Jahre Satellitenbilder, zeichnet ein anderes Bild. Von den Achtzigern bis in die späten 2000er schrumpften die Mangrovenwälder. Um 2010 kehrte sich das um: Weltweit wuchs mehr nach, als verloren ging. 12:27 — Die bestehenden Wälder werden zudem dichter und speichern mehr Kohlenstoff. Die Forschenden nennen drei Gründe: strengere Schutzgesetze, weniger Rodung und eine Eigenschaft der Mangroven selbst. Sie erholen sich gut aus eigener Kraft und besiedeln neue Küsten.
Arran: Wo kein Netz mehr über den Grund schleift
12:27 — Beim Grundschleppnetz werden schwere Netze über den Meeresboden gezogen. Das fängt viele Fische, zerstört dabei aber Korallen, wirbelt Sediment auf und reißt alles mit, was am Grund lebt. 13:17 — Im Schutzgebiet South Arran vor der Westküste Schottlands ist diese Fischerei seit 2016 in großen Teilen verboten. Eine Studie der Universität Exeter hat den Schlammboden verglichen: In den geschützten Zonen leben etwa doppelt so viele Arten und dreimal so viele Tiere, Würmer, Muscheln und Schnecken, wie in benachbarten Gebieten, in denen weiter geschleppt wird. Es ist ein Vergleich zu einem Zeitpunkt, keine Zeitreihe; von „Erholung" spricht man, weil der Unterschied so deutlich ist.
„Once we stopped damaging these ecosystems, nature took care of the rest."
Mangroven und Arran sind die beiden stillsten Meldungen dieser Ausgabe und vielleicht die wichtigsten. In beiden Fällen hat niemand etwas gebaut. Man hat aufgehört: weniger gerodet, nicht mehr geschleppt. Den Rest hat das Leben selbst erledigt. Die Hinter-Geschichte fehlt im Video. Das Verbot vor Arran kam nicht von oben. 1995 gründeten zwei Taucher von der Insel, Howard Wood und Don MacNeish, die Community of Arran Seabed Trust. Nach zwölf Jahren Kampagne kam 2008 die fischereifreie Zone in der Lamlash-Bucht, 2014 das Schutzgebiet, 2016 die Fangregeln. Es ist das einzige Meeresschutzgebiet Schottlands, das eine Gemeinschaft selbst entwickelt hat, nach eigener Darstellung gegen den Widerstand eines Teils der Fischerei. Die Rettung fing auch hier mit Menschen an, die etwas nicht mehr hinnehmen wollten.
Wenn so viel Gutes in dieser Ausgabe aus dem Aufhören kommt, aus weniger Rodung, weniger Schleppnetz, weniger Zigaretten, warum erzählen wir Fortschritt fast immer als etwas, das man hinzufügt, und so selten als etwas, das man lässt?
Zwölf neue Geoparks
14:05 — Die UNESCO hat in diesem Jahr zwölf neue Globale Geoparks ernannt, Landschaften, die für ihre Geologie, ihre Artenvielfalt und ihre Kultur ausgezeichnet werden. 14:52 — Leppin stellt vier vor. Tunesien ist zum ersten Mal auf der Liste, mit Wüstenlandschaften, Höhlenwohnungen und alten Ölmühlen. In China liegen Berge, die zeigen, wie Tibet über Jahrmillionen entstand, samt einem jährlichen Pilgerfest. In Russland stehen drei einzelne Hügel, die Reste eines Korallenriffs von vor rund dreihundert Millionen Jahren sind. 15:42 — Und die kleine griechische Insel Nisyros trägt eine der besterhaltenen Calderen der Ägäis. Vulkanisch aktiv ist die Insel seit rund 150.000 Jahren, die Caldera selbst entstand vor etwa 60.000, und in ihr liegt der Stefanos-Krater, ein dampfender hydrothermaler Krater und natürliches Labor für die Vulkanforschung.
Die Meldung ist die leichteste der Sendung und will nicht mehr sein als ein Blick über den Rand: Die Erde hat eine Geschichte, die älter ist als jede Nachricht.
Mundkrebs: ein Abstrich statt eines Skalpells
15:42 — Mundkrebs trifft jedes Jahr Hunderttausende Menschen. Laut Video sind die wichtigsten Risikofaktoren Rauchen und HPV; für den Krebs der Mundhöhle sind es Tabak und Alkohol, HPV spielt vor allem beim Krebs des Mundrachens eine Rolle (Faktencheck: falsch). 16:29 — Früh erkannt, ist er gut behandelbar, aber die Diagnose verlangt bisher eine Biopsie: ein Stück Gewebe, mit dem Skalpell aus dem Mund geschnitten, ins Labor geschickt, Ergebnis oft erst nach Wochen. Forschende haben nun eine Alternative entwickelt. Ein weicher Tupfer streicht Zellen von der Mundschleimhaut, ein Algorithmus sucht darin nach Genen, die mit Mundkrebs verbunden sind. 17:18 — In einer Studie mit 545 Patientinnen und Patienten aus Großbritannien und Indien erkannte der Test Mundkrebs mit rund 95 Prozent Sensitivität und Spezifität, das Ergebnis lag nach etwa einer Stunde vor. Größere Studien laufen noch, in etwa zwei Jahren könnte das Verfahren in Kliniken ankommen.
Bei Diagnoseverfahren sagt „95 Prozent Genauigkeit" allein wenig. Wichtig ist, wie oft der Test einen Krebs übersieht und wie oft er Alarm schlägt, wo keiner ist. Bei einer Krankheit, die in der getesteten Gruppe selten ist, erzeugt schon eine kleine Fehlerquote ebenso viele Fehlalarme wie Treffer, oder mehr: Ist nur jede zwanzigste verdächtige Stelle bösartig, wäre mit diesen Werten etwa jeder zweite positive Befund ein Fehlalarm. In der Studie hatten vier von fünf Teilnehmenden Krebs, ein Aufbau, der die Genauigkeit meist überschätzt. Die Forschenden selbst sehen den Test als Vorsortierung, die Menschen mit geringem Risiko eine Gewebeprobe erspart. Die Biopsie ersetzt er nicht. Die Meldung ist eine Hoffnung auf dem Weg, noch kein Ergebnis.
Amerika raucht so wenig wie nie
17:18 — Laut der Gesundheitserhebung der US-Seuchenbehörde CDC ist das Zigarettenrauchen unter Erwachsenen in den USA auf den tiefsten je gemessenen Stand gefallen. 18:08 — Nur noch etwa jeder elfte Erwachsene raucht Zigaretten, Mitte der Sechziger waren es 42 Prozent, fast fünfmal so viel. Die E-Zigarette ist verbreiteter geworden, hat die Zigarette aber nicht einfach ersetzt. Die Gründe sind unspektakulär: höhere Preise, Aufklärungskampagnen, Warnhinweise auf den Packungen. Zusammen haben sie verändert, wie die Gesellschaft das Rauchen sieht. Früher galt es als schick, heute als eine der wichtigsten vermeidbaren Ursachen von Krankheit und Tod. 18:56 — Auch der Alkohol verliert: Nur noch 54 Prozent der Erwachsenen in den USA sagen, dass sie trinken, der tiefste Wert seit Beginn der Gallup-Reihe 1939.
Sechzig Jahre für eine Kurve. Keine Einzelmaßnahme hat das Rauchen besiegt; es war die lange Summe aus Steuer, Etikett, Werbeverbot und einem Bild, das sich langsam gedreht hat. Das ist die unglamouröseste Form des Fortschritts und vielleicht die zuverlässigste, weil sie in den Gewohnheiten ankommt, nicht nur in den Gesetzen. Zwei Dinge fehlen im Video. Die E-Zigarette ist bei Schülern seit Jahren rückläufig, 2025 dampften 5,2 Prozent, aber wer dampft, tut es intensiver, jeder Dritte täglich. Und derselbe AP-Bericht, auf den sich die Meldung stützt, erzählt, dass die US-Regierung 2025 die Abteilung der CDC für Tabakprävention aufgelöst und ihre Aufklärungskampagne eingestellt hat. Einer der Hebel, die Leppin als Ursache nennt, wird gerade abgebaut.
HPV: die Impfung, die Krebs verhindert
18:56 — HPV ist eine Gruppe von über hundert verwandten Viren, meist sexuell übertragen und meist harmlos. Einige Typen können aber Krebs an Gebärmutterhals, Mund und Rachen auslösen. 19:43 — In den USA gehen sechzig bis siebzig Prozent der Krebserkrankungen des Mundrachens, also von Mandeln und Zungengrund, auf HPV zurück. Das Video spricht von „Mund- und Rachenkrebs" (Faktencheck: falsch), und genau dieser Unterschied wird gleich wichtig. Die erste Impfung kam vor zwanzig Jahren, empfohlen wird sie mit elf oder zwölf, vor dem ersten Kontakt mit dem Virus. In Ländern mit hoher Impfquote sind die Todesfälle durch Gebärmutterhalskrebs stark gesunken. 20:29 — In England starb zwischen 2020 und 2024 keine einzige Frau Anfang zwanzig an Gebärmutterhalskrebs, bei einer Impfquote von rund neunzig Prozent in dieser Altersgruppe. Die Hoffnung ist, dass dieselbe Impfung auch Mund- und Rachenkrebs verhindert. Die Langzeitforschung dazu läuft.
Die Sendung schließt hier einen Kreis über drei Meldungen: Mundkrebs habe zwei große Ursachen, das Rauchen und HPV. Die eine sinke seit sechzig Jahren, gegen die andere gebe es eine Impfung, und für die Früherkennung komme ein Abstrich. Der Kreis ist gebaut. Der Abstrich-Test sucht Krebs der Mundhöhle, die Impfung zielt auf den Mundrachen, zwei Krankheiten an benachbarten Orten. Und der zweite große Risikofaktor der Mundhöhle, der Alkohol, fällt heraus, obwohl die Sendung eine Minute vorher seinen Rückgang erwähnt. Die eigenen Quellen des Kanals, die CDC und die Oral Cancer Foundation, trennen das sauber. Jede der drei Meldungen hält für sich. Der Bogen, der sie verbindet, hält nicht.
Die England-Zahl stand schon in der August-Ausgabe (→ August Teil 2). Sie bleibt erstaunlich, und sie bleibt eine Zahl über etwas, das nicht geschehen ist. Solche Erfolge haben im Nachrichtenstrom keine Form, weil ein ausgebliebener Tod kein Ereignis ist. Dass eine Sendung wie diese sie zweimal erzählt, ist vielleicht ihr eigentlicher Dienst.
Faktencheck
Alle elf Meldungen stehen in der öffentlichen Quellenliste des Kanals; der Sponsorenteil ist nur über die Videobeschreibung verlinkt. Die Fehler folgen dem Muster vom August und verstärken das Gute: Der Zustand vorher wird größer gemacht (Gobi), eine Ersparnis wird auf alle Haushalte hochgerechnet (Spanien), zwei verschiedene Krebsarten werden zu einem Bogen verbunden (Mundkrebs und HPV). Keine Geschichte kippt dadurch. Neu ist ein zweites Muster: Die Einschränkungen, die im Video fehlen, stehen in den Quellen, die der Kanal selbst verlinkt. Zugleich bringt Leppin mehr eigene Vorbehalte als im August (Monokulturen, „at least for June", verfehlte Ziele).
Die Zeitmarken unten sind die Kapitelstarts aus der Videobeschreibung; die ▶-Marken im Text sind 45-Sekunden-Blöcke des Transkripts und liegen bis zu 45 Sekunden früher.
Strom: 92 % der Weltbevölkerung, 2015 waren es 87 %. Internet: von 40 auf 74 %. Kindersterblichkeit unter fünf Jahren: 37,4 pro 1.000 Lebendgeburten (2024), 13 % weniger als 2015; das „bis zu" im Video ist unnötig. HIV-Neuinfektionen: −30 % (2015–2024). Malariafrei: 47 Länder und ein Territorium. Der Bericht sagt mehr, als das Video zeigt: Die Kindersterblichkeit sinkt seit 2015 viel langsamer als davor (1,5 % statt 3,9 % pro Jahr), die Malaria-Inzidenz ist von 59 auf 64 pro 1.000 gestiegen, und von 139 Zielen mit Trenddaten sind nur 36 % auf Kurs, 15 % liegen unter dem Stand von 2015. Leppin benennt das Scheitern allgemein, aber ehrlich. Quelle: UN — The Sustainable Development Goals Report 2026 (PDF), S. 12–13 · UN News, 07/2026
Juni 2026: 52,2 TWh und 25,0 %, vor Kernkraft (21 %), Gas (15 %), Wind (14 %) und Wasser (12 %); erst der dritte Monat überhaupt mit Solar an der Spitze. Die Zeitreihe bestätigt die Kurve: Juni 2016 6,0 %, Juni 2021 10,4 %, Juni 2026 25,0 %. Die „180 Mio. Haushalte" stammen nicht von Ember, sind aber plausibel (rund 3.500 kWh pro Haushalt und Jahr). Zu „es beschleunigt sich": Die absoluten Zuwächse wachsen, die prozentuale Wachstumsrate bleibt bei etwa 20 % im Jahr; der Juni 2026 lag nur 10 % über dem Vorjahresjuni. Leppins „at least for June" trägt: 2025 kam Solar übers Jahr auf 13,8 %, im Dezember auf 4,4 %. Quelle: Ember — A quarter of EU power came from solar for the first time in June · Ember Monthly Electricity Data
Ende der 1970er etwa 300 Tiere, 2026 zwischen 2.000 und 3.000; die 2.500 im Video sind der Mittelwert. Die eigentliche Nachricht fehlt im Video: Die IUCN hat den Numbat von Endangered auf Near Threatened herabgestuft. Es fehlt auch die Warnung von Tony Friend (DBCA), rund 3.000 Tiere seien sehr wenig für eine ganze Art und der Erfolg hänge an dauerhafter Fuchs- und Katzenbekämpfung. Ein Teil der neuen Populationen lebt in eingezäunten Schutzgebieten. Quelle: Mongabay, 07/2026 · IUCN Red List — Myrmecobius fasciatus
Zhang u.a. (Tulane, Science, Juni 2026) bauen aus Satellitendaten einen globalen Jahresdatensatz seit den 1980ern. Um 2010 kippte die weltweite Bilanz vom Netto-Verlust zum Netto-Gewinn; von den 1980ern bis 2023 änderte sich die Fläche insgesamt kaum (−0,5 % ± 1,4 %), bestehende Wälder werden dichter. Gründe: weniger Umwandlung, weniger Ausdünnung, natürliche Regeneration, Ausbreitung zur See. Solidität: Primärstudie mit globalem Datensatz, die frühere höhere Verlustschätzungen korrigiert; Anschlussstudien stehen aus. „Bis zu viermal mehr Kohlenstoff" gilt pro Hektar und für die Einbindungsrate; beim Vorrat sind es rund 1.000 t C/ha, zum größten Teil im Boden (Donato u.a. 2011). Quelle: Zhang u.a., Science (2026): doi:10.1126/science.aec9773 · Donato u.a., Nature Geoscience (2011): doi:10.1038/ngeo1123 · UN — Ocean and climate
Harris u.a. (Estuarine, Coastal and Shelf Science, 2026, Convex Seascape Survey der Universität Exeter): In den geschützten Schlammböden etwa doppelt so viele Arten und dreimal so viele Tiere wie in benachbarten befischten Zonen, gemeint ist die Infauna. Drei Präzisierungen: ein Vergleich zu einem Zeitpunkt, keine Zeitreihe (die Autoren nennen selbst Umweltfaktoren, die verzerren können); die Regeln von 2016 schließen Schleppnetze und Dredgen in großen Teilen des Gebiets aus, nicht im ganzen; es geht um Schlamm, nicht um Korallen. Solidität: Primärstudie, ein Schutzgebiet, Open Access. Die Geschichte der Inselgemeinschaft COAST (gegründet 1995, No-Take-Zone Lamlash 2008, Schutzgebiet 2014, Fangregeln 2016) ist belegt; den Widerstand der Fischerei beschreibt vor allem COAST selbst. Quelle: Harris u.a., ECSS (2026): doi:10.1016/j.ecss.2026.109881 · Mongabay, 05/2026 · COAST — Our story
Benannt am 22.04.2026, insgesamt 241 in 51 Ländern. Tunesien ist mit Dahar erstmals dabei, China mit Mt. Siguniang am Ostrand des Qinghai-Tibet-Plateaus, Russland mit Toratau (Reste eines Barriereriffs von vor 280–300 Mio. Jahren, Gestein bis 1 Mrd. Jahre), Griechenland mit Nisyros. Verrutscht ist nur eine Zahl: Rund 150.000 Jahre alt ist die vulkanische Tätigkeit der Insel, die Caldera entstand vor etwa 60.000 Jahren, der Stefanos-Krater ist ein jüngerer hydrothermaler Explosionskrater. Quelle: UNESCO, 22.04.2026 · Upper Nisyros Pumice, 57,1 ± 1,5 ka (Quaternary Science Reviews)
CDC-Erhebung NHIS (vorläufige Daten 2025, über 24.200 Befragte), über AP: 9 % der Erwachsenen rauchen, Mitte der 1960er waren es 42 %. E-Zigaretten nutzen rund 7 % der Erwachsenen, stabil. Alkohol: Laut Gallup trinken nur noch 54 %, der tiefste Wert seit 1939. Was fehlt: Derselbe AP-Text berichtet, dass die Regierung das CDC Office on Smoking and Health aufgelöst und die Kampagne „Tips From Former Smokers" eingestellt hat; Leppin nennt Aufklärungskampagnen als Ursache und verschweigt, dass dieser Hebel gerade abgebaut wird. Quelle: AP / Press Democrat, 29.05.2026 · CDC NHIS Early Release 2025 (PDF) · Gallup — Americans' Drinking Remains at Record Low
Erster Impfstoff im Juni 2006 zugelassen, Empfehlung mit 11 bis 12 Jahren. Die England-Zahl hält, wie schon im August geprüft: Unter den 20- bis 24-Jährigen 2020–2024 kein Todesfall, erwartet wären rund 23 gewesen, Impfquote etwa neun von zehn. Solidität: registerbasierte Beobachtungsstudie in einer Reihe konsistenter Befunde. Zu weit geht nur der Teaser am Anfang, eine Impfung habe „eine Krebsart nahezu ausgerottet": belegt für geimpfte Jahrgänge, nicht für die Bevölkerung. Quelle: Sasieni & Falcaro, The Lancet (2026): doi:10.1016/S0140-6736(26)00918-9 · Zeitouni u.a., Lancet Reg Health Americas (2025, Review): doi:10.1016/j.lana.2025.101243
Was hält: Seit dem Höchststand im Jahr 2000 gehen jährlich über 1.000 km² verwüstetes Land zurück (AP nach Staatsmedien; die CAS-Fernerkundung kommt unabhängig auf −1.375 km²/Jahr für 2000–2010). Verwüstetes Land insgesamt etwa −10 %, schwer verwüstetes über −40 %; Waldbedeckung im Programmgebiet von 5 % (1978) auf 14 % (2022). Die „60 Mrd. Bäume" sind die amtliche Zahl der Pflanzungen seit 1978, keine überlebenden Bäume; die kumulierte Pflanzfläche von 500.000 km² liegt in der Größenordnung Deutschlands. Nicht belegt ist die „neue Studie": AP zitiert Monitoringdaten und Staatsmedien, keine neue Veröffentlichung. Weggelassen, obwohl es in der eigenen Quelle steht: Zhu Jiaojun (CAS) spricht bei AP von „harter Arbeit und ein bisschen Glück mit dem Klima", die Setzlinge werden bewässert, und seine größte Sorge ist, wie das Erreichte hält, wenn Arbeit und Geld zurückgehen. Die Forschung ist uneins: Cao u.a. (2011) und Feng u.a. (2016) warnen vor den Wassergrenzen der Aufforstung in Trockengebieten, Zhang u.a. (2022) widersprechen und nennen die Wasserfrage „contentious"; Wang u.a. (2020) sehen im Osten und in der Mitte des Programmgebiets die Aufforstung als Haupttreiber des Ergrünens und dokumentieren zugleich niedrige Überlebensraten. Quelle: AP, 13.07.2026 · Cao u.a., Earth-Science Reviews (2011, Review): doi:10.1016/j.earscirev.2010.11.002 · Feng u.a., Nature Climate Change (2016): doi:10.1038/nclimate3092 · Zhang u.a., GRL (2022): doi:10.1029/2022GL098025 · Wang u.a., Land Degradation & Development (2020): doi:10.1002/ldr.3314 · Guan u.a., Scientific Reports (2026): doi:10.1038/s41598-026-39895-5
(Sponsorenteil) [9:20] Das Argument des Sponsors ist gut gedeckt. Banin u.a. (2022) werteten 176 Aufforstungsflächen im tropischen und subtropischen Asien aus: nach einem Jahr im Mittel 18 % der Bäume tot, nach fünf Jahren 44 %. Von 174 untersuchten Pflanzorganisationen erwähnten nur 18 % ein Monitoring und nur 5 % die Überlebensrate (Martin u.a. 2021). Nicht prüfbar sind die Projektzahlen (80.000 Bäume, drei Jahre Überwachung, Drohnen, Sensoren, Mikrofone); sie stammen nur aus dem Missionsvideo von Planet Wild. Zur Kennzeichnung: Die Kapitelliste hat keine eigene Marke, die Werbung läuft von 9:20 bis 11:15 innerhalb des Kapitels „Conservation Efforts Revitalize Numbat Population" (8:44–11:15), die Numbat-Meldung selbst dauert etwa 35 Sekunden. „Planet Wild ad" steht in den vom Kanal hochgeladenen Untertiteln. Quelle: Banin u.a., Phil. Trans. R. Soc. B (2022): doi:10.1098/rstb.2021.0090 · Martin u.a., Biological Conservation (2021): doi:10.1016/j.biocon.2021.109224 · Planet Wild — Mission 39
Teh u.a. (Biomarker Research, 2026, Queen Mary University und Indien), Test qMIDS V3: Bürstenabstrich, mRNA von vier Genen. 545 Patientinnen und Patienten, davon 443 mit Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle. Sensitivität 95,7 %, Spezifität 95,1 %, AUC 0,975, Ergebnis nach etwa einer Stunde; die „zwei Jahre" sind die Hoffnung der Forschenden auf Vermarktung. Warum vereinfacht: eine Fall-Kontroll-Studie mit 81 % Krebsfällen, ein Design, das die Genauigkeit meist überschätzt. Die Autoren sehen den Test als Vorsortierung, die über 90 % der Menschen mit geringem Risiko eine Gewebeprobe ersparen soll; die Biopsie ersetzt er nicht, anders als das Video nahelegt. Solidität: Primärstudie, Open Access, in einer Screening-Population noch nicht extern bestätigt. Quelle: Teh u.a., Biomarker Research (2026): doi:10.1186/s40364-026-00963-7 · ScienceAlert, 08.07.2026 · Queen Mary University of London
Die CAS-Fernerkundung misst die Winderosions-Verwüstung in ganz Nordchina: +1.560 km²/Jahr (späte 1950er–1975), +2.100 (1975–1988), +3.600 (1988–2000). Die Gobi ist nur ein Teil davon, ihre Ausbreitung kann also nicht größer gewesen sein; die 10.000 km² liegen etwa um das Fünffache darüber. Die Zahl kursiert in populären Texten, auch in einem Artikel der eigenen Quellenliste, ohne Primärbeleg; AP, die Hauptquelle, führt sie nicht. Das Tokio-Bild hat Leppin selbst ergänzt. Wohin der Fehler zeigt: Der Zustand vorher wird größer, die Wende steiler. Dabei ist die belegte Wende schon eindrucksvoll: von +3.600 auf −1.375 km² im Jahr. Quelle: Wang, International Soil and Water Conservation Research (2014): doi:10.1016/S2095-6339(15)30056-3
Der Kern stimmt: Nach dem Krieg der USA und Israels gegen Iran stiegen die europäischen Gaspreise um etwa 75 %. Spaniens Strompreis wurde 2021 in 52 % der Stunden vom Gas bestimmt, Januar bis Mai 2026 nur noch in 9 %; im März 42 €/MWh in Spanien, 143 in Italien. Die 10 Euro sind aber eng eingegrenzt: ein typischer Haushalt im regulierten Tarif PVPC mit 250 kWh im Monat, März und April 2026, als Differenz zu einem Szenario mit der Gasabhängigkeit von 2021 (15 € vermiedene Großhandelskosten minus 6 € höhere Ausgleichskosten). Ember schreibt ausdrücklich, das betreffe etwa ein Drittel der Haushalte und nicht die Festpreistarife. Das Video macht daraus „den durchschnittlichen Haushalt" und multipliziert mit allen 19 Mio. Belegt sind grob 6 Mio. Haushalte mal 10 €, also 60 bis 65 Mio. € im Monat, für zwei Monate. Wohin der Fehler zeigt: Aus einer vorsichtigen Szenario-Rechnung wird eine Ersparnis für das ganze Land; die Einschränkung steht in der verlinkten Quelle. Quelle: Ember — Renewables shield Spanish consumers from elevated gas prices, 16.06.2026 (Methodik)
Die CDC-Seite aus der Quellenliste des Kanals nennt 60 bis 70 % der Krebserkrankungen des Mundrachens (Mandeln, Zungengrund, hinterer Rachen) und schreibt dazu: „HPV is not known to cause other head and neck cancers, including those in the larynx, lip…". Die Oral Cancer Foundation, ebenfalls in der Liste, nennt für die vordere Mundhöhle Tabak und Alkohol als Hauptursachen, HPV nur bei einem sehr kleinen Teil. Damit bricht der Bogen über drei Meldungen („die zwei größten Risikofaktoren für Mundkrebs sind Rauchen und HPV"): Der Abstrich sucht Krebs der Mundhöhle, die Impfung zielt auf den Mundrachen, und der Alkohol fällt heraus. Motiv: eine runde Dramaturgie, keine Täuschung zum eigenen Vorteil. Der Fehler trägt aber den Schluss der Sendung, und die eigenen Quellen widerlegen ihn. Quelle: CDC — HPV and Oropharyngeal Cancer · Oral Cancer Foundation — Facts
Weiterführende Quellen
Aus der Videobeschreibung und der Quellenliste des Kanals:
- AP — China's straw checkerboards against the desert — die Aufmachermeldung
- UN — The Sustainable Development Goals Report 2026 (PDF) · UN News zum Bericht
- Ember — A quarter of EU power came from solar for the first time in June
- Ember — Renewables shield Spanish consumers from elevated gas prices
- Mongabay — Australia's numbat is making a hopeful recovery
- Mangroven-Studie in Science: doi:10.1126/science.aec9773
- COAST — Community of Arran Seabed Trust — die Inselgemeinschaft hinter dem Schutzgebiet
- UNESCO names 12 new Global Geoparks
- ScienceAlert — Painless swab detects oral cancers in an hour · QMIDS — Queen Mary Oral Cancer Detection
- AP — Adult cigarette smoking falls to record low
- CDC — HPV and oropharyngeal cancer · WHO — Cervical cancer
- Planet Wild — der Sponsor des Abschnitts am Viktoriasee (bezahlte Partnerschaft)
- Good News Newsletter
Recherche (Sherlock):
- AP — China's 'Green Great Wall' tames desert growth, but scientists warn the fight is not over — mit Zhus Satz über das Glück mit dem Klima
- Wang, ISWCR (2014): doi:10.1016/S2095-6339(15)30056-3 — die gemessenen Ausbreitungsraten vor und nach 2000
- Cao u.a. (2011): doi:10.1016/j.earscirev.2010.11.002 · Feng u.a. (2016): doi:10.1038/nclimate3092 · Zhang u.a. (2022): doi:10.1029/2022GL098025 · Wang u.a. (2020): doi:10.1002/ldr.3314 — die Debatte um Wasser, Regen und Überlebensraten
- Gerlein-Safdi u.a., One Earth (2020): doi:10.1016/j.oneear.2019.12.015 — Satellitenprüfung der Wiederbewaldung in Nordchina
- Ember Monthly Electricity Data · Ember — Spanien, Methodik
- IUCN Red List — Numbat — die Herabstufung auf Near Threatened
- Banin u.a. (2022): doi:10.1098/rstb.2021.0090 · Martin u.a. (2021): doi:10.1016/j.biocon.2021.109224 — Überlebensraten und fehlendes Monitoring bei Pflanzprojekten
- Harris u.a., ECSS (2026): doi:10.1016/j.ecss.2026.109881 — die Arran-Studie, Open Access · Wikipedia — Community of Arran Seabed Trust
- Teh u.a., Biomarker Research (2026): doi:10.1186/s40364-026-00963-7 — die Abstrich-Studie mit Design und Stichprobe
- CDC NHIS Early Release 2025 (PDF) · Gallup zu Alkohol · NYTS 2025 (Nicotine & Tobacco Research) — E-Zigaretten bei Jugendlichen
- Oral Cancer Foundation — Facts — Mundhöhle und Mundrachen sauber getrennt
Verbindungen
→ ARTE Re — Wenn Arbeiter Chefs werden
Der lange Blick desselben Monats auf eine einzige Geschichte. Die Monatsausgabe erzählt das Gute als Kurve über Jahrzehnte, die Reportage zeigt, wie sich eine solche Kurve von innen anfühlt: mehr Arbeit für dasselbe Geld, schlaflose Nächte, eine Galette im Januar. Beide Notes enden bei derselben Frage, ob man Erfolg an dem misst, was getan wurde, oder an dem, was geblieben ist. Duralex, im Nachtrag der Reportage wieder insolvent, erinnert daran, dass lange Kurven auch zurückkippen können.
→ Good News — Gute Nachrichten August 2026
Die August-Ausgabe endete mit der Meldung, die hier zum Bauprinzip wird. Eine ewige Chemikalie verschwindet aus den Basstölpel-Eiern am Sankt-Lorenz-Strom: 55 Jahre Messreihe, fast 75 Prozent weniger, weil ein Hersteller aufhörte und die Regulierung nachzog. Beim Rauchen kehrt dasselbe Muster wieder, bis in die Kehrseite: Dort stiegen die Hersteller auf Ersatzstoffe um, hier bindet die E-Zigarette junge Menschen ans Nikotin, und in beiden Fällen muss weiter gemessen werden. Auch der Energiefaden läuft weiter. Das gestrichene Worst-Case-Szenario beruht auf demselben billig gewordenen Solarstrom, dessen EU-Kurve sich jetzt beschleunigt.
→ Good News — Gute Nachrichten August 2026 Teil 2
Die England-Zahl zur HPV-Impfung steht in beiden Ausgaben, und die September-Note sagt selbst, warum sich die Wiederholung lohnt: Ein ausgebliebener Tod ist kein Ereignis. Dazu kommen zwei Formen des Lassens, die einander ergänzen. Das Arktis-Moratorium verbietet eine Fischerei, bevor sie begonnen hat. Vor Arran endete das Schleppen erst nach Jahrzehnten Schaden, und seither leben dort doppelt so viele Arten. Die offene Amazonas-Frage des August, wie ein Wald unabhängig davon wird, wer regiert, beantwortet Arran mit einer Inselgemeinschaft, die das Verbot über Jahre selbst erkämpft hat.
→ Good News — Gute Nachrichten Juni 2026
Im Juni lobte die Note an Ecosia, dass dort langsamer gepflanzt und über Jahrzehnte geprüft wird, ob die Bäume nützen. Den Preis dieser Sorgfalt nannte sie auch: Tempo. Im September spricht ausgerechnet der Sponsorenteil denselben Maßstab aus: Viele Projekte zählen Pflanzungen und keine Überlebenden. Zugleich feiert dieselbe Sendung sechzig Milliarden Bäume der Großen Grünen Mauer ohne jede Überlebensrate. Dazu ein Kontrast bei der Transparenz: Ecosia war ausdrücklich unbezahlt, Planet Wild steckt im September ohne eigenes Kapitel mitten im Numbat-Abschnitt.
→ Frauke Fischer — Kann KI die Natur retten?
Fischer erklärt die Rechnung, die nie gestellt wird, ausdrücklich an der Mangrove: Solange der Wald steht, kostet der Küstenschutz nichts und taucht in keiner Bilanz auf. Die Science-Studie über fast vierzig Jahre Satellitenbilder zeigt jetzt, was geschieht, wenn man die Mangrove lässt. Ihr Eimer Sand passt auf die Hänge am Viktoriasee, wo nach der Rodung nur Fels blieb: Fruchtbaren Boden kann niemand herstellen, er wächst nur über lange Zeit nach. Die Mikrofone, mit denen Planet Wild die zurückkehrenden Tiere hört, sind die Soundscape-Methode aus Fischers ecuadorianischem Beispiel.
→ Mark Benecke — Umwelt-Messungen Sommer 2026
Benecke sagt, keine Aufforstung wirke schnell genug, sie brauche zwanzig bis dreißig Jahre. Die Große Grüne Mauer bestätigt beide Hälften des Satzes: Sie wirkt, und sie hat dafür fünfzig Jahre gebraucht. Seine Vorhersage von 1975 ist das dunkle Gegenstück zu den langen Kurven dieser Ausgabe, denn auch das Schlechte war Jahrzehnte vorher sichtbar. Sein Baseline Shift trifft die Arran-Zahl: Die Artenzahl hat sich im Vergleich zu den weiter geschleppten Nachbargebieten verdoppelt; wie der Meeresboden vor dem Schleppen aussah, sagt die Meldung nicht.
→ Tobias Rüther — Wie Sucht im Gehirn entsteht
Die Rauch-Meldung nennt als Gründe für den Rückgang Preise, Kampagnen und Warnhinweise. Rüther sagt, Drohbilder auf der Packung erreichen den nicht, der morgens im Entzug zugreift. Beides passt zusammen, wenn man die Kurve zu einem guten Teil als Wirkung auf die liest, die gar nicht erst anfangen. Genau dort sitzt Rüthers Warnung, die den offenen Punkt der Note schärft: Wer zwischen 12 und 19 Nikotin ins reifende Gehirn baut, wird die Anfälligkeit nicht mehr los, und die E-Zigarette erreicht vor allem diese Altersgruppe.
→ Claudia Kemfert — Ist die Abhängigkeit vom Öl unser Untergang?
Kemfert nannte die Erneuerbaren im März, mitten in der Energiekrise nach dem Iran-Krieg, Friedenstechnologien. Die spanischen Ember-Grafiken liefern ein halbes Jahr später die Messung dazu: Der Strompreis folgt dem Gaspreis nicht mehr, rund zehn Euro pro Haushalt und Monat. Ihr Bild von der fossilen Energie als Droge bekommt in derselben Note einen echten Vergleichsfall. Der Abschied von der Zigarette hat in den USA sechzig Jahre gedauert, über Preis, Etikett und Ansehen, und ist nicht beendet. Das ist eine nüchterne Vorlage für die Frage, wie schnell ein „kalter Entzug" gesellschaftlich überhaupt gehen kann.
→ Good News — Gute Nachrichten September 2026 Teil 2
Die zweite Ausgabe desselben Monats bringt die Spanien-Hochrechnung ein zweites Mal, als Erinnerung an diese Folge, mit derselben falschen Zahl. Ihr roter Faden ist das Nachsehen: ein Riff vor Benin, sechzig Jahre für tot gehalten, weil niemand zurückging. Die Wale und die Kemp's-Ridley-Schildkröte führen das Aufhören und Warten dieser Ausgabe fort, die Schildkröte auch bis an seine Grenze.
Weiterdenken
- Fast jede Meldung dieser Ausgabe ist eine Kurve von zehn bis sechzig Jahren. Wenn das Gute so langsam kommt, ist dann ein monatliches Format überhaupt die richtige Form dafür, oder verwandelt es lange Linien in kurze Ereignisse?
- Mangroven, Arran, das Rauchen: Das Gute entstand, weil jemand mit etwas aufgehört hat. Was müssten wir heute lassen, damit in dreißig Jahren eine ähnliche Meldung möglich ist, und wer müsste dafür verzichten?
- Der Sponsorenteil sagt, viele Pflanzprojekte zählen Bäume statt Überlebende, und dieselbe Sendung feiert sechzig Milliarden gepflanzte Bäume. Woran messen wir den Erfolg eines guten Vorhabens: an dem, was getan wurde, oder an dem, was geblieben ist?
- Spanien ist unabhängiger vom Gas geworden, und das spart zehn Euro im Monat. Überzeugt uns Klimaschutz eher, wenn er sich als Sicherheit und Geld erzählt, und was geht verloren, wenn er nur noch so erzählt wird?
- Ein ausgebliebener Tod ist kein Ereignis. Wie viel von dem, was in der Welt gut läuft, sehen wir nie, weil es aus Dingen besteht, die nicht passieren?
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Im Bestand
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