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Zeitgeist·5. April 2026·0:38 h·5 Belegstellen

Claudia Kemfert — Ist die Abhängigkeit vom Öl unser Untergang? (Der Standard)

Quelle: Ist die Abhängigkeit vom Öl unser Untergang? | Claudia Kemfert

Wer spricht?

Claudia Kemfert — Geb. 1968 in Delmenhorst. Energieökonomin und eine der bekanntesten deutschen Klimaexpertinnen. Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am DIW Berlin (seit 2004); Professorin für Energiewirtschaft an der Leuphana Universität Lüneburg; Co-Vorsitzende des Deutschen Rats für Umweltfragen (seit 2016). Seit 20+ Jahren konsequente Verfechterin der Energiewende — damals oft belächelt, heute bestätigt. Prägte den Begriff der „Fossilokratie" — das fossil-industrielle Machtnetzwerk, das immer wieder Rückfälle in fossile Muster produziert. Bücher: Kampf um Strom (2013), Das fossile Imperium schlägt zurück (2017), Schockwellen (2023), und neu: Kurzschluss — Wie wir unsere Energiezukunft verspielen (Campus Verlag, 2026). Auszeichnungen: DFG Spitzenforscherin (2006), Deutscher Solarpreis (2016), Umweltmedienpreis (2022), Adam-Smith-Preis. Regelmäßig in ARD, ZDF, Spiegel, taz. Das Interview führt Daniel Richetsecker im Podcast Thema des Tages des österreichischen Der Standard.


Die größte fossile Energiekrise aller Zeiten

0:49

IEA-Chef Fatih Birol warnt vor der größten Energiekrise seit Jahrzehnten — Kemfert geht weiter: Es ist die fundamentalste fossile Energiekrise, die wir je erlebt haben. Gleichzeitig sind Öl, Gas, Lieferketten und Landwirtschaft betroffen — eine Dimension, die frühere Ölkrisen (1970er, Ukraine-Gaskrise) nicht hatten.

Für Europa: höhere Preise, mehr Volatilität, Inflationsdruck — auch ohne direkte Versorgungsunterbrechungen.

Was jetzt getan werden kann

Individuell:

Volkswirtschaftlich:

Spritpreise drücken ist ökonomisch und ökologisch falsch

Der politische Reflex — Spritpreisdeckelung, Tankrabatt — ist verlockend, aber dreifach falsch:

  1. Hält fossile Nachfrage künstlich hoch — verschärft die Importabhängigkeit statt sie zu lösen
  2. Entlastet falsche Gruppen — Entfernungspauschale und Dienstwagenprivileg begünstigen Hocheinkommensbezieher und Vielfahrer
  3. Fließt in Konzerngewinne — In Deutschland werden maximal 30% an Haushalte weitergegeben; 70% erhöhen die Margen der Mineralölkonzerne

Besser: Gezieltes Energiegeld / Klimageld für Niedrigeinkommen. Übergewinnsteuer auf Mineralölkonzerne. Deutschlandticket. Social E-Leasing für Niedrigeinkommensbezieher.

Das Ausmaß fossiler Subventionen

Zahlen, die selten so klar benannt werden:

Deutschland umweltschädliche Subventionen~65 Mrd. € (UBA, Basis 2018), aktuell eher 80–90 Mrd. €
Davon nur Verkehrssektor24 Mrd. € (Dieselprivileg, Entfernungspauschale, Dienstwagensteuer, Luftverkehr)
EU-weit fossile Subventionen~110 Mrd. € (Europäische Umweltagentur)

Kemfert: "Wenn wir dieses Geld in die Alternativen investieren würden, würde es uns deutlich besser gehen."

Fossil = Droge, Mensch = Junkie

10:45

Kemferts zentrales Bild für unsere Situation: Fossilenergie ist eine fundamentale Droge. Die Gesellschaft ist der Abhängige. Und alle, die fossile Energie verbilligen — Politiker, Lobbyisten, Subventionsempfänger — sind die Dealer, die den Junkie am Tropf halten.

Der Weg raus: Kalter Entzug — aber abgefedert durch ein Methadonprogramm (gezielte Förderung der Alternativen). Clean sein ist das Ziel. Wir sind es noch nicht.

Das Versagen der deutschen Autoindustrie

18:20

Kemfert hat vor 20+ Jahren öffentlich vor Autokonzernmanagern für Elektromobilität plädiert — und wurde verlacht. Das Ergebnis:

Kemfert: "Mir wäre es immer lieber, ich hätte nicht recht gehabt."

Bidirektionales Laden als Gamechanger

E-Autos nicht nur als Verbraucher, sondern als dezentrale Speicher: Batterie kann auch ins Netz zurückspeisen → Netze stabilisieren, Systemkosten senken. Studien: bis zu 1.500 € im Jahr zusätzlich verdienen. In Deutschland seit Kurzem endlich ermöglicht. Frankreich macht es schon länger.

Kombination: Solar auf dem Dach + E-Auto + Heimspeicher + Smart Meeter = Prosumer. Verhaltensökonomisch interessant, weil es Eigenverantwortung und Gewinnmöglichkeit verbindet.

Kernkraft: Nein — aus vier Gründen

34:59

Auf Von der Leyens Behauptung, der Atomausstieg sei ein Fehler gewesen:

  1. Grundlast-Problem: Atomkraft läuft durch — in einem System mit viel Erneuerbarer braucht man aber Flexibilität, nicht Grundlast. Atomkraft kann man nicht schnell hoch- und runterfahren.
  2. Teuerste Stromerzeugung: Erneuerbare sind günstiger, bereits heute.
  3. Endlagerproblem: Ungelöst.
  4. Klimawandel-Risiko: Sinkende Flusswasserpegel → Kühlprobleme. Frankreich musste Reaktoren bei Extremhitze drosseln.

Small Modular Reactors (SMRs): "Technologieoffenheit" als politische Ausrede zur Verzögerung wirksamer Lösungen. IEA: frühestens ab 2040–2050. Extrem teuer, kein Beitrag zur kurzfristigen Lösung.

Die Lösung: Heimische Friedenstechnologien

37:17

Kemferts Fazit: Die billigste Energie der Zukunft ist nicht fossil, sondern heimische Erneuerbare.

Paket: Wind + Solar + Speicher + E-Mobilität + Digitalisierung + Flexibilität + Lastmanagement + europäischer Stromverbund = Vollversorgung ohne Atom, ohne Fossil.

Und: Erneuerbare Energien sind Friedenstechnologien — sie entziehen uns den geopolitischen Energiekriegen.


Weiterführende Quellen

Aus der Video-Beschreibung und dem Gespräch:

  • Claudia Kemfert: Kurzschluss — Wie wir unsere Energiezukunft verspielen (Campus Verlag, 2025/26) — das dem Interview zugrundeliegende Buch

Faktencheck

Vereinfacht — IEA-Energiekrise

Fatih Birol warnte mehrfach (2021–2022) vor der schlimmsten Energiekrise seit Jahrzehnten, konkret im Kontext der Gaspreiskrise nach dem Ukraine-Krieg. Der Claim ist korrekt, aber ohne Zeitangabe unscharf — unklar, auf welche konkrete Aussage Kemfert sich bezieht. Quelle: IEA World Energy Outlook 2022

Vereinfacht — Fossile Subventionen Deutschland 80–90 Mrd. €

Das UBA bezifferte umweltschädliche Subventionen 2018 auf ~65 Mrd. €, für 2020 bereits ~70 Mrd. €. Die Hochrechnung auf „80–90 Mrd." ist eine Schätzung, kein offizieller UBA-Wert. Die EU-Zahl (~110 Mrd.) stammt von der EEA, variiert aber je nach Berechnungsmethode. Quelle: UBA – Umweltschädliche Subventionen 2022

Vereinfacht — Dieselskandal 30 Mrd.

Die 30 Mrd. € beziehen sich auf Rückstellungen und Strafzahlungen von VW allein bis ~2020, nicht auf die gesamte Autoindustrie. Die Formulierung „statt E-Mobilität" ist rhetorische Vereinfachung — die Mittel wären nicht automatisch in E-Mobilität geflossen.

Bestätigt — Erneuerbare günstiger als neue Kernkraft

LCOE-Vergleiche von IRENA, Lazard und IEA belegen konsistent: neue Solar- und Windkraft sind günstiger als neue Kernkraftwerke. Hinkley Point C und Flamanville haben die Kostenüberschreitungen der AKW-Neubau-Prognosen eindrücklich bestätigt. Quelle: Lazard LCOE Analysis 2023

Vereinfacht — Bidirektionales Laden 1.500 €/Jahr

Studien zeigen diese Größenordnung unter optimalen Bedingungen. In der Praxis abhängig von Tarifen, Netzregulierung und Batterielebensdauer. In Deutschland war V2G-Vermarktung regulatorisch bis 2024 kaum möglich — 1.500 € ist ein Maximalwert, kein typischer Erwartungswert. Quelle: Fraunhofer ISI – BidiCharge

Vereinfacht — SMRs erst 2040–2050

Die IEA nennt eher 2035–2040 als realistischen kommerziellen Einstieg — nicht 2050. „Frühestens 2040–2050" ist leicht zu pessimistisch. Mehrere früh geplante SMR-Projekte (NuScale) wurden verschoben oder eingestellt. Die Kernaussage — keine kurzfristige Lösung — bleibt richtig. Quelle: IEA – Nuclear Power and Secure Energy Transitions 2022

Bestätigt — CO2-Konzentration seit 2 Mio. Jahren

WMO Greenhouse Gas Bulletin 2023: CO2-Konzentrationen (~420 ppm) höher als zu irgendeinem Zeitpunkt in den letzten 3–5 Mio. Jahren. „2 Millionen Jahre" ist sogar konservativ. Quelle: WMO Greenhouse Gas Bulletin 2023


Weiterführende Quellen

Aus dem Gespräch:

  • Claudia Kemfert: Kurzschluss — Wie wir unsere Energiezukunft verspielen (Campus Verlag, 2025/26)

Sherlock-Recherche:


Verbindungen

→ Mario Buchinger — Lügen der Kernenergie (2/6): Kernenergie und Erneuerbare

Buchinger zeigt empirisch, warum Kernkraft und Erneuerbare nicht kompatibel sind; Kemfert bestätigt dasselbe aus ökonomischer Sicht: Grundlast vs. Flexibilität

→ Mario Buchinger — Lügen der Kernenergie (3/6): Kernenergie ist wirtschaftlich

Buchinger widerlegt die Wirtschaftlichkeit, Kemfert ergänzt: Erneuerbare sind schon heute billiger als neue Atomkraftwerke

→ Mario Buchinger — Lügen der Kernenergie (6/6): Neue Reaktorgenerationen lösen alle Probleme

SMRs als Zukunftsversprechen: Kemfert und Buchinger kommen unabhängig zum selben Schluss — IEA erst 2040–2050, extrem teuer, keine kurzfristige Lösung

→ Mario Buchinger — Es gibt keine Renaissance der Kernenergie

Von der Leyens "Renaissance der Kernenergie" trifft auf Kemferts Analyse: Die wirtschaftliche und systemische Realität widerspricht dem politischen Narrativ vollständig

→ Volker Quaschning — Sprit-Abzocke und Ölabhängigkeit

Quaschnings und Kemferts Analyse greifen ineinander: Quaschning zur Preisentwicklung und Konzerngewinnen; Kemfert zu den strukturellen Fehlanreizen fossiler Subventionen und warum Preisdämpfung die falsche Antwort ist

→ PhoenixRunde — Trumps Iran-Krieg: Chaos oder Strategie?

Der Iran-Krieg ist der direkte Auslöser dieser Energiekrise: Kemfert analysiert die energiepolitischen Folgen (Hormuz, Ölpreis, Abhängigkeit), die Runde analysiert die geopolitischen

→ Thomas Fricke — Wie die Wirtschaftskrise den Rechten nützt (Surplus)

Fricke: Inflation als Populismus-Treiber; Kemfert: Fossile Energiekrisen produzieren Inflationsschocks. Beide zeigen: Wer die fossile Abhängigkeit nicht beendet, befeuert auch den Rechtsruck

→ Heiner Flassbeck — Krise und Rechtsruck

Flassbeck analysiert die makroökonomischen Abhängigkeiten; Kemfert die energiepolitische Dimension: Fossile Energieimporte sind ein permanentes Transferproblem, das Volkswirtschaften destabilisiert

→ Ines Schwerdtner — Energiepreiskrise und das Versagen der Bundesregierung

Schwerdtner fordert die konkreten politischen Eingriffe, die Kemferts Struktur-Diagnose impliziert: Übergewinnsteuer, Energiekrisengeld, Vergesellschaftung. Kemfert liefert die Ursachenanalyse, Schwerdtner den Handlungsrahmen.

→ Staiy — News: Krasser Machtmissbrauch von CDU/CSU (25.03.2026)

STAIY berichtet über Bodentruppen-Pläne zur Sicherung der Straße von Hormus — der konkrete Eskalationspunkt, für den Kemferts Energieabhängigkeits-Analyse den Rahmen liefert

→ MONITOR — Energiewende rückwärts? Katharina Reiche und der E.ON-Lobbyismus

Reiches Pläne verlängern die fossile Abhängigkeit aktiv: Ein verlangsamter Ausbau der Erneuerbaren ist direkt das, was Kemfert als gefährlichste politische Entscheidung beschreibt.

→ ARTE Mit offenen Karten — Die Sojabohne als geopolitische Waffe

Öl wie Soja sind geopolitische Hebel: wer Produktion kontrolliert, kontrolliert Politik — strukturell dasselbe Abhängigkeitsmuster in zwei Rohstoffsektoren.

→ ARTE — Woher bekommen wir saubere Energie? (Gute Nachrichten vom Planeten)

Konkrete Ausstiegspfade aus der fossilen Abhängigkeit: Großbardorf (kommunale Energieautarkie), B Energy (Biogas für Afrika), Solarlaternen (dezentrale Versorgung ohne Netz)

→ Good News — Positive Nachrichten März 2026

China und Indien 2025 erstmals seit 1973 gleichzeitig mit weniger Kohle: direkte empirische Antwort auf Kemferts Kernthese der fossilen Abhängigkeit

→ taz Reingehen — Wer das Öl hat, hat das Sagen

Ulrike Herrmann ergänzt Kemferts Energieperspektive um die machtpolitische Dimension: Iran und Russland nutzen fossile Ressourcen als geopolitische Waffe — Kemfert zeigt den Ausstiegspfad, Herrmann die Kosten des Zögerns

→ Felix Goldbach (MoneyForFuture) — Batteriespeicher und die ignorierte Lösung der Energiewende

Felix liefert die Investorenperspektive zu Kemferts volkswirtschaftlicher Diagnose: 81 Mrd. €/Jahr fossile Importe, Speicher als heimische Wertschöpfung — beide zeigen denselben Ausweg aus der Abhängigkeit

→ Breaking Lab — CO₂-Geothermie und Factor 2 Energy

Konkrete Technologie, die Kemferts Diagnose beantwortet: kein Öl, kein Import, Energie aus dem Boden — und gleichzeitig CO₂-Entsorgung. Ein Ausweg, der zwei Krisen gleichzeitig adressiert.

→ Norio — Vergessener DDR-Schatz: Neue Giga-Mine rettet Deutschlands Industrie?

Kupfer-Importabhängigkeit als strukturell identisches Problem neben Öl: 1,3 Mio. t/Jahr, null Primärförderung — der EU Critical Raw Materials Act als verspätete Antwort auf Kemferts Grunddiagnose

→ Good News — Gute Nachrichten April 2026

Das Nordsee-Energienetz (10 Länder, 11 Mrd. $, 100 GW bis 2050) liefert den empirischen Beweis für Kemferts normatives Argument: Russlands Invasion beschleunigt Energieautonomie schneller als Klimaargumente — fossile Abhängigkeit ist jetzt auch sicherheitspolitisch nicht mehr vertretbar.

→ Staiy — News: Reiche EXPOSED, Kerosinmangel und Haushaltskürzungen (16.04.2026)

IEA-Chef warnt: 6 Wochen Kerosin für Europa — Kemferts Warnung vor fossiler Abhängigkeit wird Realität

→ Heiner Flassbeck — Nachfragekrise und Schuldenlogik

Flassbeck analysiert Ölpreise als Nachfrageentzug — die makroökonomische Konsequenz von Kemferts struktureller Abhängigkeitsdiagnose. Was Kemfert als Versorgungsrisiko beschreibt, wird bei Flassbeck zum Konjunkturkiller.

→ Bundestalk — Iran, USA und die Straße von Hormus

Empirische Bestätigung der Fossilokratie-These: 20% Öl blockiert, Europa hilflos, Herrmann fordert denselben Ausweg wie Kemfert

→ Markus Reisner — Lage an der Straße von Hormus ist fragil

Konkreter Eskalationsfall für Kemferts abstrakte Warnung: 6 Monate Minenräumung = akute europäische Versorgungskrise

→ Presseclub — Reiches Energiewende: Rolle rückwärts oder wirtschaftlich vernünftig?

Presseclub diskutiert Reiches Gaskraftwerk-Strategie: genau der fossile Lock-in, vor dem Kemfert warnt

→ Daniel - Weidel beim Schwurblertreff AWEF

Weidels Fossil-zuerst-Agenda beim AWEF als Gegenposition zu Kemferts Analyse

→ Kai Schöneberg — Ölkrise lohnt sich für BP

BPs Krisengewinne zeigen die konkrete Konsequenz der hier beschriebenen strukturellen Ölabhängigkeit.

→ Follow This — Die grüne Horzel in Big Oil

Follow This versucht, die strukturelle Ölabhängigkeit von innen aufzubrechen — Shareholder Activism als Transformationshebel.

→ Laura Zöckler — Bürgerenergie und die Demokratisierung der Energiewende

Bürgerenergie als systematische Auflösung der strukturellen Ölabhängigkeit — jede Genossenschaft ist ein Stück weniger Dependenz.

→ Natalie Amiri — Hölle auf Erden im Iran

Kemferts Warnung vor Energieabhängigkeit wird durch Amiri konkret: Iran sitzt auf Ölreserven, kann aber nicht liefern — Hormus-Blockade als Realitätscheck.

→ Michael Sterner — Söders Energie-Irrtum: Faktencheck

Sterner wendet Kemferts 'Fossilokratie'-Diagnose auf den konkreten Fall Söder an: Wer Kernkraft und Fossil fordert, macht sich von russischem Uran und nahöstlichem Öl abhängig — das ist der Kern des erpressbaren Deutschlands.

→ Tim Meyer und Jan Hegenberg — In China lachen sie über unsere Energiewende

Meyer/Hegenberg bestätigen Kemferts Kernthese aus chinesischer Perspektive: China reduziert Gas-Abhängigkeit auf 3–4% im Strommix, minimiert Öl-Import durch Elektromobilität — exakt weil Transportwege (Taiwan-Straße, Hormuz) geopolitische Verwundbarkeit erzeugen. Was Kemfert für Europa fordert, praktiziert China bereits als industrielle Strategie.

→ Mark Benecke — Die neuen Umwelt-Messungen für Sommer 2026

Benecke zeigt forensisch, was Kemfert ökonomisch analysiert: Die CO₂-Vorhersagen der 1970er trafen exakt ein, die Ölstaaten fördern bis zum letzten Tropfen — die Daten sind seit 50 Jahren eindeutig.

→ erneuerbare tv — Bidirektionales Laden / Vehicle-to-Grid

V2G verlängert Kemferts These vom E-Auto als Ausstiegstechnologie: Nicht nur kein fossiler Kraftstoff, sondern das E-Auto als aktiver Netzpuffer — der Wagen, der nicht nur fährt, sondern die Energiewende mitträgt. Die Doppelbesteuerung in Deutschland blockiert genau diesen nächsten Schritt.

→ Energiewende mit Tücken — Wenn der Versorger die eigene Solaranlage abschaltet

Kemferts „Fossilokratie" zeigt sich hier in einer neuen Variante: nicht durch direkte Ablehnung von Erneuerbaren, sondern durch regulatorisches Unterlassen. Ein Unternehmer investiert in Solarenergie — und wird durch Netzversagen daran gehindert, sie zu nutzen.

→ Fichtner — Zehn Batteriemythen

Fichtner widerlegt den Rohstoff-Mythos mit demselben Argument, das Kemferts Struktur-Analyse zugrunde liegt: Batterie-Rohstoffe sind einmalig nötig und bleiben im System, fossile Brennstoffe werden jährlich verbrannt und erfordern permanente Importabhängigkeit. Beide benennen die „Fossilokratie" als politisch aufrechterhaltenes System, nicht als technisches Schicksal.

→ MONITOR — Atomkraft-Comeback? Was hinter den neuen Mini-Reaktoren steckt

MONITOR bestätigt Kemferts ökonomische Einordnung der Atomkraft als teuerste Stromform mit ungelöstem Endlagerproblem — diesmal am Fall der Mini-Reaktoren. Beide zeigen: „Resilienz" und „Versorgungssicherheit" sind rhetorische Türöffner; die schnellste und billigste Antwort bleiben die Erneuerbaren.

→ Der Super-El-Niño 2026 — und die Kunst der Zurückhaltung

Die ökonomische Fernwirkung als Brücke: Beautemps' Callahan-&-Mankin-Befund (El Niño = Billionen-Schock mit jahrelangem Nachhall, Brandbeschleuniger bestehender Krisen) trifft Kemferts Analyse fossiler Abhängigkeit als systemische ökonomische Verwundbarkeit — Klima nicht als Wetter, sondern als Kraft auf Märkte und Preise.

→ Good News — Gute Nachrichten August 2026 Teil 2

Die Buchungszeile zum Sicherheitsargument: Die EU sparte 2025 einen zweistelligen Milliardenbetrag allein dadurch, dass Solarstrom fossile Importe ersetzte — und wurde damit unempfindlicher gegen Preissprünge aus fremden Konflikten. Kemferts These, dass Fossilabhängigkeit zuerst eine Sicherheitsfrage ist, in einer Jahreszahl.

→ Good News — Gute Nachrichten September 2026

Ein halbes Jahr nach dem Gespräch zeigt Spanien Kemferts Friedenstechnologie in Euro: In der Gaspreiskrise nach dem Iran-Krieg blieb der Strompreis stabil, weil Wind und Sonne ihn vom Gas gelöst haben, rund zehn Euro pro Haushalt und Monat.

→ Dirk Specht — Das Ende des Erdöls beginnt jetzt

Wie andere Länder dieselbe Krise beantworteten, zeigt Specht aus Asien: Rationierung nach Sektoren, Einschränkung mit Angebot, und ein Tankrabatt, der auch 2026 zum Teil bei den Konzernen landete.

→ Veronika Grimm — Der Preis als Signal (Jung & Naiv 612)

Beim Preissignal sind sich Kemfert und Grimm einig, beide wollen es halten und als Klimageld zurückgeben. Bei der Kernkraft und der Übergewinnsteuer stehen sie gegeneinander.

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