Quelle: Ist die Abhängigkeit vom Öl unser Untergang? | Claudia Kemfert
Wer spricht?
Claudia Kemfert — Geb. 1968 in Delmenhorst. Energieökonomin und eine der bekanntesten deutschen Klimaexpertinnen. Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am DIW Berlin (seit 2004); Professorin für Energiewirtschaft an der Leuphana Universität Lüneburg; Co-Vorsitzende des Deutschen Rats für Umweltfragen (seit 2016). Seit 20+ Jahren konsequente Verfechterin der Energiewende — damals oft belächelt, heute bestätigt. Prägte den Begriff der „Fossilokratie” — das fossil-industrielle Machtnetzwerk, das immer wieder Rückfälle in fossile Muster produziert. Bücher: Kampf um Strom (2013), Das fossile Imperium schlägt zurück (2017), Schockwellen (2023), und neu: Kurzschluss — Wie wir unsere Energiezukunft verspielen (Campus Verlag, 2026). Auszeichnungen: DFG Spitzenforscherin (2006), Deutscher Solarpreis (2016), Umweltmedienpreis (2022), Adam-Smith-Preis. Regelmäßig in ARD, ZDF, Spiegel, taz. Das Interview führt Daniel Richetsecker im Podcast Thema des Tages des österreichischen Der Standard.
Inhalt
Die größte fossile Energiekrise aller Zeiten
IEA-Chef Fatih Birol warnt vor der größten Energiekrise seit Jahrzehnten — Kemfert geht weiter: Es ist die fundamentalste fossile Energiekrise, die wir je erlebt haben. Gleichzeitig sind Öl, Gas, Lieferketten und Landwirtschaft betroffen — eine Dimension, die frühere Ölkrisen (1970er, Ukraine-Gaskrise) nicht hatten.
Für Europa: höhere Preise, mehr Volatilität, Inflationsdruck — auch ohne direkte Versorgungsunterbrechungen.
Was jetzt getan werden kann
Individuell:
- Sprit- und Heizverbrauch senken
- Auf Elektromobilität umsteigen (E-Fahrer sind “fein raus”)
- ÖPNV und Bahn stärker nutzen
- Temporeduktion (besonders Deutschland ohne Tempolimit)
- Homeoffice als Beitrag
Volkswirtschaftlich:
- Abhängigkeit von Öl und Gas durch Erneuerbare senken
- Energetische Gebäudesanierung
- Wärmepumpen, E-Mobilität, Schienenverkehr
Spritpreise drücken ist ökonomisch und ökologisch falsch
Der politische Reflex — Spritpreisdeckelung, Tankrabatt — ist verlockend, aber dreifach falsch:
- Hält fossile Nachfrage künstlich hoch — verschärft die Importabhängigkeit statt sie zu lösen
- Entlastet falsche Gruppen — Entfernungspauschale und Dienstwagenprivileg begünstigen Hocheinkommensbezieher und Vielfahrer
- Fließt in Konzerngewinne — In Deutschland werden maximal 30% an Haushalte weitergegeben; 70% erhöhen die Margen der Mineralölkonzerne
Besser: Gezieltes Energiegeld / Klimageld für Niedrigeinkommen. Übergewinnsteuer auf Mineralölkonzerne. Deutschlandticket. Social E-Leasing für Niedrigeinkommensbezieher.
Das Ausmaß fossiler Subventionen
Zahlen, die selten so klar benannt werden:
| Deutschland umweltschädliche Subventionen | ~65 Mrd. € (UBA, Basis 2018), aktuell eher 80–90 Mrd. € |
| Davon nur Verkehrssektor | 24 Mrd. € (Dieselprivileg, Entfernungspauschale, Dienstwagensteuer, Luftverkehr) |
| EU-weit fossile Subventionen | ~110 Mrd. € (Europäische Umweltagentur) |
Kemfert: “Wenn wir dieses Geld in die Alternativen investieren würden, würde es uns deutlich besser gehen.”
Fossil = Droge, Mensch = Junkie
Kemferts zentrales Bild für unsere Situation: Fossilenergie ist eine fundamentale Droge. Die Gesellschaft ist der Abhängige. Und alle, die fossile Energie verbilligen — Politiker, Lobbyisten, Subventionsempfänger — sind die Dealer, die den Junkie am Tropf halten.
Der Weg raus: Kalter Entzug — aber abgefedert durch ein Methadonprogramm (gezielte Förderung der Alternativen). Clean sein ist das Ziel. Wir sind es noch nicht.
Das Versagen der deutschen Autoindustrie
Kemfert hat vor 20+ Jahren öffentlich vor Autokonzernmanagern für Elektromobilität plädiert — und wurde verlacht. Das Ergebnis:
- Solar und Wind nach China abgewandert
- Batterietechnologie in China aufgebaut (2007: ehemaliger Audi-Manager geht nach China, weil er hier keine Zukunft findet → chinesische E-Auto-Revolution)
- Dieselskandal: 30 Mrd. investiert in Betrug statt in E-Mobilität
- Ergebnis: Europa und Deutschland zahlen heute den Preis für 15 Jahre Rückwärtsgewandtheit
Kemfert: “Mir wäre es immer lieber, ich hätte nicht recht gehabt.”
Bidirektionales Laden als Gamechanger
E-Autos nicht nur als Verbraucher, sondern als dezentrale Speicher: Batterie kann auch ins Netz zurückspeisen → Netze stabilisieren, Systemkosten senken. Studien: bis zu 1.500 € im Jahr zusätzlich verdienen. In Deutschland seit Kurzem endlich ermöglicht. Frankreich macht es schon länger.
Kombination: Solar auf dem Dach + E-Auto + Heimspeicher + Smart Meeter = Prosumer. Verhaltensökonomisch interessant, weil es Eigenverantwortung und Gewinnmöglichkeit verbindet.
Kernkraft: Nein — aus vier Gründen
Auf Von der Leyens Behauptung, der Atomausstieg sei ein Fehler gewesen:
- Grundlast-Problem: Atomkraft läuft durch — in einem System mit viel Erneuerbarer braucht man aber Flexibilität, nicht Grundlast. Atomkraft kann man nicht schnell hoch- und runterfahren.
- Teuerste Stromerzeugung: Erneuerbare sind günstiger, bereits heute.
- Endlagerproblem: Ungelöst.
- Klimawandel-Risiko: Sinkende Flusswasserpegel → Kühlprobleme. Frankreich musste Reaktoren bei Extremhitze drosseln.
Small Modular Reactors (SMRs): “Technologieoffenheit” als politische Ausrede zur Verzögerung wirksamer Lösungen. IEA: frühestens ab 2040–2050. Extrem teuer, kein Beitrag zur kurzfristigen Lösung.
Die Lösung: Heimische Friedenstechnologien
Kemferts Fazit: Die billigste Energie der Zukunft ist nicht fossil, sondern heimische Erneuerbare.
Paket: Wind + Solar + Speicher + E-Mobilität + Digitalisierung + Flexibilität + Lastmanagement + europäischer Stromverbund = Vollversorgung ohne Atom, ohne Fossil.
Und: Erneuerbare Energien sind Friedenstechnologien — sie entziehen uns den geopolitischen Energiekriegen.
Weiterführende Quellen
Aus der Video-Beschreibung und dem Gespräch:
- Claudia Kemfert: Kurzschluss — Wie wir unsere Energiezukunft verspielen (Campus Verlag, 2025/26) — das dem Interview zugrundeliegende Buch
Faktencheck
Vereinfacht — IEA-Energiekrise
Fatih Birol warnte mehrfach (2021–2022) vor der schlimmsten Energiekrise seit Jahrzehnten, konkret im Kontext der Gaspreiskrise nach dem Ukraine-Krieg. Der Claim ist korrekt, aber ohne Zeitangabe unscharf — unklar, auf welche konkrete Aussage Kemfert sich bezieht. Quelle: IEA World Energy Outlook 2022
Vereinfacht — Fossile Subventionen Deutschland 80–90 Mrd. €
Das UBA bezifferte umweltschädliche Subventionen 2018 auf ~65 Mrd. €, für 2020 bereits ~70 Mrd. €. Die Hochrechnung auf „80–90 Mrd.” ist eine Schätzung, kein offizieller UBA-Wert. Die EU-Zahl (~110 Mrd.) stammt von der EEA, variiert aber je nach Berechnungsmethode. Quelle: UBA – Umweltschädliche Subventionen 2022
Vereinfacht — Dieselskandal 30 Mrd.
Die 30 Mrd. € beziehen sich auf Rückstellungen und Strafzahlungen von VW allein bis ~2020, nicht auf die gesamte Autoindustrie. Die Formulierung „statt E-Mobilität” ist rhetorische Vereinfachung — die Mittel wären nicht automatisch in E-Mobilität geflossen.
Bestätigt — Erneuerbare günstiger als neue Kernkraft
LCOE-Vergleiche von IRENA, Lazard und IEA belegen konsistent: neue Solar- und Windkraft sind günstiger als neue Kernkraftwerke. Hinkley Point C und Flamanville haben die Kostenüberschreitungen der AKW-Neubau-Prognosen eindrücklich bestätigt. Quelle: Lazard LCOE Analysis 2023
Vereinfacht — Bidirektionales Laden 1.500 €/Jahr
Studien zeigen diese Größenordnung unter optimalen Bedingungen. In der Praxis abhängig von Tarifen, Netzregulierung und Batterielebensdauer. In Deutschland war V2G-Vermarktung regulatorisch bis 2024 kaum möglich — 1.500 € ist ein Maximalwert, kein typischer Erwartungswert. Quelle: Fraunhofer ISI – BidiCharge
Vereinfacht — SMRs erst 2040–2050
Die IEA nennt eher 2035–2040 als realistischen kommerziellen Einstieg — nicht 2050. „Frühestens 2040–2050” ist leicht zu pessimistisch. Mehrere früh geplante SMR-Projekte (NuScale) wurden verschoben oder eingestellt. Die Kernaussage — keine kurzfristige Lösung — bleibt richtig. Quelle: IEA – Nuclear Power and Secure Energy Transitions 2022
Bestätigt — CO2-Konzentration seit 2 Mio. Jahren
WMO Greenhouse Gas Bulletin 2023: CO2-Konzentrationen (~420 ppm) höher als zu irgendeinem Zeitpunkt in den letzten 3–5 Mio. Jahren. „2 Millionen Jahre” ist sogar konservativ. Quelle: WMO Greenhouse Gas Bulletin 2023
Weiterführende Quellen
Aus dem Gespräch:
- Claudia Kemfert: Kurzschluss — Wie wir unsere Energiezukunft verspielen (Campus Verlag, 2025/26)
Sherlock-Recherche:
- IEA World Energy Outlook 2022 — Energiekrise, fossile Abhängigkeiten
- UBA – Umweltschädliche Subventionen in Deutschland (2022) — Offizielle Subventionsdaten mit Sektoraufschlüsselung
- Lazard LCOE Analysis 2023 — Stromgestehungskosten-Vergleich: Kernkraft vs. Erneuerbare
- IEA – Nuclear Power and Secure Energy Transitions (2022) — SMR-Zeitplan und Kernkraft-Perspektiven
- WMO Greenhouse Gas Bulletin 2023 — CO2-Konzentration und historischer Vergleich
- Fraunhofer ISI – BidiCharge Projekt — V2G-Potenziale und Regulierungsfragen Deutschland
Verbindungen
→ Mario Buchinger — Lügen der Kernenergie (2▸6) Kernenergie und Erneuerbare
Buchinger zeigt empirisch, warum Kernkraft und Erneuerbare nicht kompatibel sind; Kemfert bestätigt dasselbe aus ökonomischer Sicht: Grundlast vs. Flexibilität
→ Mario Buchinger — Lügen der Kernenergie (3▸6) Kernenergie ist wirtschaftlich
Buchinger widerlegt die Wirtschaftlichkeit, Kemfert ergänzt: Erneuerbare sind schon heute billiger als neue Atomkraftwerke
→ Mario Buchinger — Lügen der Kernenergie (6▸6) Neue Reaktorgenerationen
SMRs als Zukunftsversprechen: Kemfert und Buchinger kommen unabhängig zum selben Schluss — IEA erst 2040–2050, extrem teuer, keine kurzfristige Lösung
→ Mario Buchinger — Es gibt keine Renaissance der Kernenergie
Von der Leyens “Renaissance der Kernenergie” trifft auf Kemferts Analyse: Die wirtschaftliche und systemische Realität widerspricht dem politischen Narrativ vollständig
→ Volker Quaschning — Sprit-Abzocke und Ölabhängigkeit
Quaschnings und Kemferts Analyse greifen ineinander: Quaschning zur Preisentwicklung und Konzerngewinnen; Kemfert zu den strukturellen Fehlanreizen fossiler Subventionen und warum Preisdämpfung die falsche Antwort ist
→ PhoenixRunde — Trumps Iran-Krieg: Chaos oder Strategie?
Der Iran-Krieg ist der direkte Auslöser dieser Energiekrise: Kemfert analysiert die energiepolitischen Folgen (Hormuz, Ölpreis, Abhängigkeit), die Runde analysiert die geopolitischen
→ Thomas Fricke — Wie die Wirtschaftskrise den Rechten nützt (Surplus)
Fricke: Inflation als Populismus-Treiber; Kemfert: Fossile Energiekrisen produzieren Inflationsschocks. Beide zeigen: Wer die fossile Abhängigkeit nicht beendet, befeuert auch den Rechtsruck
→ Heiner Flassbeck — Krise und Rechtsruck
Flassbeck analysiert die makroökonomischen Abhängigkeiten; Kemfert die energiepolitische Dimension: Fossile Energieimporte sind ein permanentes Transferproblem, das Volkswirtschaften destabilisiert
→ Ines Schwerdtner — Energiepreiskrise und das Versagen der Bundesregierung
Schwerdtner fordert die konkreten politischen Eingriffe, die Kemferts Struktur-Diagnose impliziert: Übergewinnsteuer, Energiekrisengeld, Vergesellschaftung. Kemfert liefert die Ursachenanalyse, Schwerdtner den Handlungsrahmen.
→ Staiy — News Machtmissbrauch CDU CSU (25.03.2026)
STAIY berichtet über Bodentruppen-Pläne zur Sicherung der Straße von Hormus — der konkrete Eskalationspunkt, für den Kemferts Energieabhängigkeits-Analyse den Rahmen liefert
→ MONITOR — Energiewende rückwärts? Katharina Reiche und der E.ON-Lobbyismus
Reiches Pläne verlängern die fossile Abhängigkeit aktiv: Ein verlangsamter Ausbau der Erneuerbaren ist direkt das, was Kemfert als gefährlichste politische Entscheidung beschreibt.
→ ARTE Mit offenen Karten — Die Sojabohne als geopolitische Waffe
Öl wie Soja sind geopolitische Hebel: wer Produktion kontrolliert, kontrolliert Politik — strukturell dasselbe Abhängigkeitsmuster in zwei Rohstoffsektoren.
→ ARTE — Woher bekommen wir saubere Energie? (Gute Nachrichten vom Planeten)
Konkrete Ausstiegspfade aus der fossilen Abhängigkeit: Großbardorf (kommunale Energieautarkie), B Energy (Biogas für Afrika), Solarlaternen (dezentrale Versorgung ohne Netz)
→ Good News - Positive Nachrichten März 2026
China und Indien 2025 erstmals seit 1973 gleichzeitig mit weniger Kohle: direkte empirische Antwort auf Kemferts Kernthese der fossilen Abhängigkeit
→ taz Reingehen — Wer das Öl hat, hat das Sagen
Ulrike Herrmann ergänzt Kemferts Energieperspektive um die machtpolitische Dimension: Iran und Russland nutzen fossile Ressourcen als geopolitische Waffe — Kemfert zeigt den Ausstiegspfad, Herrmann die Kosten des Zögerns
→ Felix Goldbach (MoneyForFuture) — Batteriespeicher und die ignorierte Lösung der Energiewende
Felix liefert die Investorenperspektive zu Kemferts volkswirtschaftlicher Diagnose: 81 Mrd. €/Jahr fossile Importe, Speicher als heimische Wertschöpfung — beide zeigen denselben Ausweg aus der Abhängigkeit
→ Breaking Lab — CO2-Geothermie und Factor 2 Energy
Konkrete Technologie, die Kemferts Diagnose beantwortet: kein Öl, kein Import, Energie aus dem Boden — und gleichzeitig CO₂-Entsorgung. Ein Ausweg, der zwei Krisen gleichzeitig adressiert.
→ Norio — Kupferschiefer-Mine in der Lausitz
Kupfer-Importabhängigkeit als strukturell identisches Problem neben Öl: 1,3 Mio. t/Jahr, null Primärförderung — der EU Critical Raw Materials Act als verspätete Antwort auf Kemferts Grunddiagnose
→ Good News - Gute Nachrichten April 2026
Das Nordsee-Energienetz (10 Länder, 11 Mrd. $, 100 GW bis 2050) liefert den empirischen Beweis für Kemferts normatives Argument: Russlands Invasion beschleunigt Energieautonomie schneller als Klimaargumente — fossile Abhängigkeit ist jetzt auch sicherheitspolitisch nicht mehr vertretbar.
→ Staiy — News Reiche EXPOSED, Kerosinmangel und Haushaltskuerzungen (16.04.2026)
IEA-Chef warnt: 6 Wochen Kerosin für Europa — Kemferts Warnung vor fossiler Abhängigkeit wird Realität
→ Heiner Flassbeck — Nachfragekrise und Schuldenlogik
Flassbeck analysiert Ölpreise als Nachfrageentzug — die makroökonomische Konsequenz von Kemferts struktureller Abhängigkeitsdiagnose. Was Kemfert als Versorgungsrisiko beschreibt, wird bei Flassbeck zum Konjunkturkiller.
→ Bundestalk — Iran USA und die Strasse von Hormus
Empirische Bestätigung der Fossilokratie-These: 20% Öl blockiert, Europa hilflos, Herrmann fordert denselben Ausweg wie Kemfert
→ Markus Reisner — Strasse von Hormus fragil
Konkreter Eskalationsfall für Kemferts abstrakte Warnung: 6 Monate Minenräumung = akute europäische Versorgungskrise
→ Presseclub — Reiches Energiewende
Presseclub diskutiert Reiches Gaskraftwerk-Strategie: genau der fossile Lock-in, vor dem Kemfert warnt
→ Daniel - Weidel beim Schwurblertreff AWEF
Weidels Fossil-zuerst-Agenda beim AWEF als Gegenposition zu Kemferts Analyse
→ Kai Schöneberg — Ölkrise lohnt sich für BP (taz)
BPs Krisengewinne zeigen die konkrete Konsequenz der hier beschriebenen strukturellen Ölabhängigkeit.
→ Follow This — Die grüne Horzel in Big Oil
Follow This versucht, die strukturelle Ölabhängigkeit von innen aufzubrechen — Shareholder Activism als Transformationshebel.
→ Laura Zoeckler — Buergerenergie und die Demokratisierung der Energiewende
Bürgerenergie als systematische Auflösung der strukturellen Ölabhängigkeit — jede Genossenschaft ist ein Stück weniger Dependenz.
→ Natalie Amiri — Hoelle auf Erden im Iran
Kemferts Warnung vor Energieabhängigkeit wird durch Amiri konkret: Iran sitzt auf Ölreserven, kann aber nicht liefern — Hormus-Blockade als Realitätscheck.
→ Michael Sterner — Soeders Energie-Irrtum Faktencheck
Sterner wendet Kemferts ‘Fossilokratie’-Diagnose auf den konkreten Fall Söder an: Wer Kernkraft und Fossil fordert, macht sich von russischem Uran und nahöstlichem Öl abhängig — das ist der Kern des erpressbaren Deutschlands.
→ Tim Meyer und Jan Hegenberg — China Energiewende
Meyer/Hegenberg bestätigen Kemferts Kernthese aus chinesischer Perspektive: China reduziert Gas-Abhängigkeit auf 3–4% im Strommix, minimiert Öl-Import durch Elektromobilität — exakt weil Transportwege (Taiwan-Straße, Hormuz) geopolitische Verwundbarkeit erzeugen. Was Kemfert für Europa fordert, praktiziert China bereits als industrielle Strategie.
→ Mark Benecke — Umwelt-Messungen Sommer 2026
Benecke zeigt forensisch, was Kemfert ökonomisch analysiert: Die CO₂-Vorhersagen der 1970er trafen exakt ein, die Ölstaaten fördern bis zum letzten Tropfen — die Daten sind seit 50 Jahren eindeutig.
→ erneuerbare tv — Bidirektionales Laden Vehicle-to-Grid
V2G verlängert Kemferts These vom E-Auto als Ausstiegstechnologie: Nicht nur kein fossiler Kraftstoff, sondern das E-Auto als aktiver Netzpuffer — der Wagen, der nicht nur fährt, sondern die Energiewende mitträgt. Die Doppelbesteuerung in Deutschland blockiert genau diesen nächsten Schritt.
→ Kontrovers BR24 - Energiewende Solarabschaltung Mittelstand
Kemferts „Fossilokratie” zeigt sich hier in einer neuen Variante: nicht durch direkte Ablehnung von Erneuerbaren, sondern durch regulatorisches Unterlassen. Ein Unternehmer investiert in Solarenergie — und wird durch Netzversagen daran gehindert, sie zu nutzen.
→ Fichtner — Zehn Batteriemythen
Fichtner widerlegt den Rohstoff-Mythos mit demselben Argument, das Kemferts Struktur-Analyse zugrunde liegt: Batterie-Rohstoffe sind einmalig nötig und bleiben im System, fossile Brennstoffe werden jährlich verbrannt und erfordern permanente Importabhängigkeit. Beide benennen die „Fossilokratie” als politisch aufrechterhaltenes System, nicht als technisches Schicksal.
→ MONITOR — Atomkraft-Comeback und die Mini-Reaktoren
MONITOR bestätigt Kemferts ökonomische Einordnung der Atomkraft als teuerste Stromform mit ungelöstem Endlagerproblem — diesmal am Fall der Mini-Reaktoren. Beide zeigen: „Resilienz” und „Versorgungssicherheit” sind rhetorische Türöffner; die schnellste und billigste Antwort bleiben die Erneuerbaren.
→ Der Super-El-Niño 2026 — und die Kunst der Zurückhaltung
Die ökonomische Fernwirkung als Brücke: Beautemps’ Callahan-&-Mankin-Befund (El Niño = Billionen-Schock mit jahrelangem Nachhall, Brandbeschleuniger bestehender Krisen) trifft Kemferts Analyse fossiler Abhängigkeit als systemische ökonomische Verwundbarkeit — Klima nicht als Wetter, sondern als Kraft auf Märkte und Preise.











