Zeitgeist·28. April 2026

Kai Schöneberg — Ölkrise lohnt sich für BP

Quelle: Energiekonzern verdoppelt Gewinne: Ölkrise lohnt sich für BP (taz)

Worum geht's?

Kai Schöneberg berichtet in der taz über BPs Quartalszahlen Q1/2026: Der Ölkonzern hat seinen Gewinn dank des Irankriegs auf 3,2 Mrd. USD mehr als verdoppelt — obwohl BP selbst kaum direkt betroffen ist. Parallel dazu revoltieren Aktionäre gegen die fossile Rückwärts-Strategie „Back to Black".


Krisengewinne ohne Krisenbetroffenheit

BP hat im ersten Quartal 2026 einen Gewinn von 3,2 Milliarden US-Dollar erzielt — nach 1,38 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Das beste Ergebnis seit vier Jahren. Der Treiber: Ölpreise bei ~110 USD/Fass, fast doppelt so hoch wie vor Ausbruch des Irankriegs.

Das Bemerkenswerte: BP ist selbst kaum direkt vom Irankrieg betroffen — wenig Produktion am Persischen Golf, wenig Transport durch die Straße von Hormus. Die Gewinne stammen aus Handelsmarkt-Preissprüngen, nicht aus eigener Krisenbetroffenheit. BP selbst nennt die Zahlen „außergewöhnlich".

Auch Deutschland trägt bei: Über Aral (2.400 Tankstellen, Marktführer) fließen die erhöhten Preise direkt in BPs Bilanz.


„Back to Black" — Fossile Verdopplung

Konzernchefin Meg O'Neill — die erste Frau an der Spitze eines Ölmultis — lobte den Kurs. BP hatte 2025 angekündigt, wieder verstärkt auf fossile Energien zu setzen. Motto: „Back to Black" — Schwarz wie Öl.

Shell geht denselben Weg: Kauf des kanadischen Schiefergasproduzenten ARC Resources für 16,4 Milliarden USD. Damit kontrolliert Shell 30 % des globalen Flüssiggashandels. Schiefergas wird durch besonders umweltzerstörendes Fracking gewonnen.


Aktionärsrevolte von innen — Follow This

Die niederländische Aktionärsvereinigung Follow This kauft sich in Ölkonzerne ein und drängt von innen auf Transformation. Bei BPs Hauptversammlung kippten die Aktionäre zwei Management-Anträge — darunter einen zur Abschaffung von Klimaberichtspflichten. Aufsichtsratschef Albert Manifold wurde nur mit 81,8 % bestätigt (100 % üblich).

Nächstes Ziel: Shells Hauptversammlung am 19. Mai. Anders als BP hat Shell den Strategieantrag zur Abstimmung zugelassen. Follow This hofft auf mehr als die bisherigen ~20 % Zustimmung.

Das ist ein neues Werkzeug neben Klimaklagen: Shareholder Activism als Transformationsdruck von innen.


Die Zahlen im Kontext


Faktencheck

Bestätigt

BPs Q1/2026-Gewinn von 3,2 Mrd. USD und die Verdopplung gegenüber dem Vorjahr sind offizielle Konzernzahlen vom 28.04.2026. Die Ölpreise lagen tatsächlich zeitweise über 110 USD/Fass.

Bestätigt

Die Aktionärsrevolte bei BP ist dokumentiert — zwei Anträge des Managements wurden abgelehnt. Follow This ist eine reale Organisation mit nachweisbaren Erfolgen bei Hauptversammlungen.

Vereinfacht

Der Artikel stellt den Zusammenhang Irankrieg → BP-Gewinne als direkte Kausalität dar. Der Preisanstieg ist real, aber Handelsgewinne entstehen auch durch BPs eigene Spekulationsabteilungen — nicht nur durch „passives" Profitieren von Preissprüngen. (Faktencheck: vereinfacht)

Einordnung

Die taz positioniert sich klar klimabewegt. Die Bezeichnung „obszön" stammt von 350.org, wird aber vom Artikel affirmativ übernommen. BP-Aktionäre kritisieren umgekehrt, dass die Dividende zu niedrig sei — also zu wenig ausgeschüttet wird. Beide Perspektiven haben Berechtigung.


Verbindungen

→ taz Reingehen — Wer das Öl hat, hat das Sagen

Direkte Ergänzung: Herrmann/Haque/Stendera analysieren die Hormus-Blockade und Öl als geopolitische Waffe. Dieser Artikel zeigt die konkrete Gewinn-Konsequenz dessen, was dort strukturell beschrieben wird.

→ Ines Schwerdtner — Energiepreiskrise und das Versagen der Bundesregierung

Schwerdtner fordert genau das, was dieser Artikel impliziert: eine Übergewinnsteuer auf fossile Krisengewinne. BP Q1/2026 ist der empirische Beleg für ihre These.

→ Claudia Kemfert — Ist die Abhängigkeit vom Öl unser Untergang? (Der Standard)

Kemferts These der strukturellen Ölabhängigkeit als Systemvulnerabilität erklärt, warum BP Krisengewinne extrahieren kann: Das System ist so gebaut, dass es keine Alternativen zulässt.

→ Volker Quaschning — Sprit-Abzocke und Ölabhängigkeit

Quaschning dokumentiert den Mechanismus: Krise → Preissprung → Margenausweitung der Konzerne. Nicht kostengetrieben, sondern marktmachtgetrieben.

→ MONITOR — Energiewende rückwärts? Katharina Reiche und der E.ON-Lobbyismus

Drehtür-Lobbyismus blockiert die Transformation, die BPs Geschäftsmodell gefährden würde. „Back to Black" ist politisch abgesichert.

→ Koshi Politik — Wer profitiert vom Iran-Krieg?

Dasselbe Muster auf anderer Ebene: geopolitische Akteure profitieren vom Chaos. BP profitiert auf der Energiepreis-Ebene, Kushner auf der Investitions-Ebene.

→ Erich Fromm — Haben oder Sein

BPs „Back to Black" ist Fromms Haben-Modus in Reinform: pathologische Akkumulation statt Transformation. Die Aktionärsrevolte von Follow This ist ein Versuch, den Sein-Modus einzufordern — Überleben statt Gewinnmaximierung.

→ Steffen Mau — Triggerpunkte: Konsens und Konflikt

Energiepreisexplosionen sind exakt einer von Maus „Triggerpunkten" — sie verletzen das Gleichbehandlungsempfinden (Konzerne profitieren, Verbraucher leiden) und können den impliziten Gesellschaftsvertrag sprengen.

→ Thomas Fricke — Wie die Wirtschaftskrise den Rechten nützt (Surplus)

Die politische Konsequenz von BPs Krisengewinnen: Energiepreise treiben Unzufriedenheit, die rechtspopulistisch instrumentalisiert wird.

→ Follow This — Die grüne Horzel in Big Oil

Follow This als Akteur hinter der BP-Aktionärsrevolte — Tiefenprofil der Organisation und ihrer Methode.

→ Laura Zöckler — Bürgerenergie und die Demokratisierung der Energiewende

Bürgerenergie als Systemalternative: Genossenschaftsgewinne fließen an Mitglieder vor Ort, nicht an Konzern-Aktionäre.

Von hier einen Faden gehen7 Stationen, rückwärts durch den Bestand

Im Bestand

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