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Zeitgeist·5. April 2026·0:19 h·4 Belegstellen

Ines Schwerdtner — Energiepreiskrise und das Versagen der Bundesregierung

Quelle: Ines Schwerdtner Entlarvt Merz & Die Heuchelei Der Politik! (Hyperpolitik, März 2026)

Wer spricht?

Ines Schwerdtner — Co-Vorsitzende der Partei Die Linke (seit Oktober 2024, gemeinsam mit Jan van Aken), seit 2025 direkt gewähltes Mitglied des Bundestags für Berlin-Lichtenberg. Zuvor Chefredakteurin der deutschen Ausgabe des sozialistischen Magazins Jacobin (2019–2023). Demokratische Sozialistin, Fokus auf soziale Ungleichheit, Umverteilung und Klassenpolitik. Steht für eine Linke, die sich klar von Ampel-Sozialdemokratie und CDU-Establishment abgrenzt.

→ DenkerVita

Kernthese

„Die Bundesregierung kann den Krieg nicht als völkerrechtswidrig anerkennen — und kann deswegen auch nicht die wirtschaftlichen Folgen in ihrem realen Ausmaß benennen. Diese Realitätsverleugnung ist das eigentliche Problem."


Kontext: Warum die Preise steigen

4:39

Der Iran-Krieg (USA/Israel gegen Iran, Frühjahr 2026) hat die Straße von Hormus blockiert — eine der wichtigsten Ölrouten der Welt. Schwerdtner betont: Das war ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg. Weder das iranische Atomprogramm noch laufende Verhandlungen hätten die USA oder Israel zur Gewalt ermächtigt. Und — das ist entscheidend — es gab offensichtlich keinen Plan für danach: Die Vorstellung, man könne wie in Venezuela einfach das Regime stürzen, indem man den Führer tötet, ist nicht aufgegangen.

Folgen dieser Planlosigkeit:

Selbst wenn der Krieg heute enden würde — die wirtschaftlichen Folgen sind noch kaum absehbar.

Im Gespräch — 4:39

Versagen der Bundesregierung — Postpolitik

8:25

Schwerdtner benennt das Muster präzise als Postpolitik: Politiker so tun, als seien politische Krisen technische Probleme, die durch Verwaltungshandeln lösbar sind.

Konkrete Beispiele:

Das ideologische Gefängnis von CDU und SPD: Beide Parteien leben nach dem TINA-Prinzip (There Is No Alternative — Margaret Thatchers Formel). Solange man nicht bereit ist, dieses Gerüst zu hinterfragen, kann man auf die Krise nicht wirklich reagieren.

Zusätzliche Blockade: Die Bundesregierung kann den Iran-Krieg nicht als völkerrechtswidrig verurteilen, weil man sich nicht traut, Trump zu kritisieren. Also benennt man auch die wirtschaftlichen Folgen nicht — was die öffentliche Frustration massiv steigert, weil die Menschen die Diskrepanz spüren.

„Merz und Klingbell befinden sich in einem selbstgebauten Gefängnis."

Im Gespräch — 8:25

Die Forderungen der Linken

Schwerdtner setzt dem Postpolitik-Muster konkrete staatliche Eingriffe entgegen:

Sofortige Entlastung

Markteingriffe

16:48

Strukturelle Reform

19:04


Katharina Reiche als Sicherheitsproblem

19:04

Schwerdtner greift Wirtschaftsministerin Reiche frontal an: Als Staatssekretärin vor 14 Jahren hat Reiche maßgeblich dazu beigetragen, dass die Solarindustrie in Deutschland zugrunde gegangen ist. Als Gaslobbyistin hat sie die fossile Abhängigkeit strukturell verfestigt. Jetzt — in einer Krise, die genau diese Abhängigkeit schmerzhaft sichtbar macht — verstärkt Reiche durch neue Gesetze die fossile Bindung weiter, anstatt in Energiesouveränität zu investieren.

„Katharina Reiche ist ein sicherheitspolitisches Problem für dieses Land."

Im Gespräch — 19:04

Pedro Sanchez als Gegenmodell

Als positives Gegenbeispiel nennt Schwerdtner den spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sanchez:

Fazit für Deutschland: Boris Pistorins wäre gefordert, klar zu sagen: „Rammstein wird nicht für diesen Krieg verwendet." Das geschieht bisher nicht.


Politische Einordnung

Schwerdtner verortet das Problem in einem größeren Zusammenhang: Die Frustration in der Bevölkerung ist berechtigt und wächst. Die Gefahr: Dieser Frust landet bei der Rechten — die aber keine echten Eingriffe in den Markt plant, sondern nur Scheinlösungen (Steuersenkungen, Symbolpolitik) und das neoliberale Programm im Kern beibehält.

Aufgabe der Linken: Gesellschaftliche Mehrheiten (gegen den Krieg, für Markteingriffe) in konkrete Politik übersetzen — und Glaubwürdigkeit gewinnen, indem man auch auf die Straße geht.

„Wir müssen dieser Untätigkeit der Bundesregierung nicht stumm zuschauen. Wir protestieren für unser Recht auf bezahlbare Energie."

Im Gespräch — 19:04

Faktencheck

Bestätigt — Völkerrechtswidrigkeit des Iran-Angriffs

Überwältigende Mehrheit der Völkerrechtler wertet den US-israelischen Angriff als Verstoß gegen Art. 2 Abs. 4 UN-Charta. Ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags kommt zum selben Schluss. Quellen: Verfassungsblog · Zeit: Bundestags-Gutachten

Bestätigt — Straße von Hormus blockiert, wirtschaftliche Folgen

Iran hat die Straße von Hormus faktisch blockiert (Seeminen, Drohnenangriffe auf Tanker, Schiffsverkehr laut Tagesanzeiger um ~90 % eingebrochen). Ölpreis stark gestiegen. Düngemittellieferungen ebenfalls betroffen. Quellen: Tagesanzeiger · SRF: Warum jetzt der Dünger knapp wird

Vereinfacht — Österreich hat einen „echten Spritpreisdeckel"

Österreich hat Ende März 2026 eine Spritpreisbremse beschlossen — aber keinen klassischen Preisdeckel. Das Paket umfasst eine temporäre Senkung der Mineralölsteuer (~5 Cent/Liter) und eine Margenbremse. Einen fixen Höchstpreis hat die österreichische Regierung explizit abgelehnt. (Faktencheck: vereinfacht) Quellen: ORF · Der Standard

Bestätigt — Pedro Sánchez verweigert NATO-Basen für den Iran-Krieg

Spanien hat den USA die Nutzung der Militärbasen Rota und Morón für Operationen gegen den Iran verweigert. Sánchez bezeichnete den Krieg als „kolossalen Fehler". Quellen: The Guardian · DW

Vereinfacht — Katharina Reiche „hat die Solarindustrie zugrunde gerichtet"

Reiche war 2012 als Parlamentarische Staatssekretärin an der EEG-Reform beteiligt, die die Solarförderung massiv kürzte — ein Mitfaktor der deutschen Solarindustriekrise. Als Gaslobbyistin (Vorstandsvorsitzende von Westenergie, E.ON-Tochter) belegt. Die Formulierung „maßgeblich zugrunde gerichtet" übervereinfacht: Die Solarbranche hatte mehrere Ursachen (v.a. chinesischer Preisdruck). (Faktencheck: vereinfacht) Quellen: Lobbypedia · pv-magazine

Bestätigt — Die Linke fordert Energiekrisengeld von 150 €

Konkret im Bundestag eingebracht: Einmalzahlung 150 € + Übergewinnsteuer auf Mineralölkonzerne + 9-Euro-Ticket. Quellen: Bundestag · dielinkebt.de


Weiterführende Quellen


Verbindungen

→ re:publica 26 — Wie gelingt die Energiewende? Und was bedeutet sie für unsere Demokratie?

Netzbetreiber Müller korrigiert dieselbe Preisdebatte von der Sachseite: Der Strompreisanstieg gehe im Kern auf den russischen Überfall zurück, nicht auf die Energiewende. Beide landen bei der Verteilungsfrage — die Sorge vor finanziellem Abstieg entscheidet, wen die Wende noch erreicht.

→ Volker Quaschning — Sprit-Abzocke und Ölabhängigkeit

Direkter thematischer Zwilling: Quaschning analysiert dieselbe Energiepreiskrise aus wissenschaftlicher Perspektive — Ölmarktmechanismen, Konzernmargen, politische Scheinlösungen. Schwerdtner liefert die politische Handlungsdimension. Zusammen ergibt sich ein vollständiges Bild.

→ Thomas Fricke — Wie die Wirtschaftskrise den Rechten nützt (Surplus)

Kern-These dieser Note: wirtschaftliche Ohnmacht der Bevölkerung befeuert Rechtsruck. Schwerdtner macht dasselbe Argument — und fordert eine linke Antwort darauf, die den Frust nicht der Rechten überlässt.

→ Heiner Flassbeck — Krise und Rechtsruck

Flassbeck ergänzt Fricke mit makroökonomischer Perspektive: Das TINA-Dogma (Austerität, Marktlogik) ist kein Naturgesetz, sondern politische Entscheidung — und hat reale politische Folgekosten. Schwerdtner setzt genau hier an.

→ Claudia Kemfert — Ist die Abhängigkeit vom Öl unser Untergang? (Der Standard)

Kemfert liefert den strukturellen Rahmen für Schwerdtners Argumente: fossile Abhängigkeit als systemisches Risiko, das sich in jeder Krise erneuert. Ergänzend zur kurzfristigen Krisenanalyse.

→ Philip Manow — Autoritäre Zeiten: Die Macht der Wähler

TINA als Schließung des politischen Raums → Populismus als Reaktion. Manows Öffnung-Schließung-Achse erklärt genau den Mechanismus, den Schwerdtner beschreibt: wer keine Alternative anbietet, öffnet das Feld für Populisten.

→ Mario Buchinger — Es gibt keine Renaissance der Kernenergie

Katharina Reiche und die Gaslobby als Kontinuität fossiler Blockade: Buchinger zeigt den Subventions- und Desinformationskontext. Reiche ist personeller Ausdruck dieser strukturellen Blockade.

→ Staiy — News: Krasser Machtmissbrauch von CDU/CSU (25.03.2026)

Zeitlich unmittelbar benachbart: CDU/CSU und SPD als Blockierer progressiver Energiepolitik. Beide Notes dokumentieren denselben politischen Moment aus verschiedenen Blickwinkeln.

→ Gilda con Arne #28 — Angriff auf kritische Zivilgesellschaft

Sahebi/Semsrott analysieren dasselbe Bundesregierungsversagen — Übergewinnsteuer blockiert, Tempolimit verweigert, Outsourcing statt Strukturreform — aus liberaler Perspektive. Schwerdtner liefert die linke politökonomische Rahmung; GCA #28 den journalistischen Echtzeit-Kommentar.

→ Wilhelm Heitmeyer — Die Durchrohung der Gesellschaft

Heitmeyer analysiert, wie staatliche Untätigkeit und erlebte Ohnmacht zur sozialen Erosion führen. Schwerdtners Beschreibung der öffentlichen Frustration über die Bundesregierung ist ein konkretes Fallbeispiel dieser Dynamik.

→ Staiy — News: Altersvorsorge 2.0, MwSt-Debatte & Demo Coline Fernandez (27.03.2026)

STAIYs MwSt-Debatte und Rentenanalyse zeigen dieselbe Logik wie Schwerdtners Energiepolitik-Kritik: Bundesregierung greift zu regressiven Instrumenten (MwSt statt Vermögenssteuer) statt zu strukturellen Eingriffen. Das Muster der Belastungsverschiebung nach unten ist das verbindende Element.

→ MONITOR — Energiewende rückwärts? Katharina Reiche und der E.ON-Lobbyismus

Reiche nennt Strompreissenkung als Ziel und verfolgt eine Politik, die Experten als preistreibend einordnen — ein konkretes Beispiel des politischen Versagens, das Schwerdtner strukturell analysiert.

→ ARTE — Woher bekommen wir saubere Energie? (Gute Nachrichten vom Planeten)

Die Gegenerzählung zur politischen Kritik: Was Bundesregierung und Lobbyismus versäumen, wird von Bürgerinnen und Gemeinschaften selbst umgesetzt — Großbardorf, B Energy, Energiegarten Grensfeen

→ Felix Goldbach (MoneyForFuture) — Batteriespeicher und die ignorierte Lösung der Energiewende

Felix zeigt konkret, welche Technologie-Entscheidungen falsch getroffen werden (Gaskraftwerke statt Speicher) — Schwerdtner benennt das politische Versagen, Felix die technische Alternative, die Reiche ignoriert

→ Andreas Löschel — Strom NEU DENKEN

Löschel diagnostiziert dasselbe Muster — reaktive Einzelmaßnahmen destabilisieren Erwartungen —, zieht aber die marktwirtschaftliche Gegenkonsequenz: verlässliche Preissignale statt Übergewinnsteuer und Preisbremse. Der produktivste Widerspruch zu Schwerdtners Interventionslogik.

→ Isabella Weber — Antifaschistische Wirtschaftspolitik

Auf Webers Buchpremiere erzählt Schwerdtner, woher diese Forderungen kommen: Weber schlug den Gaspreisdeckel vor, bevor der Schock kam, und wurde von der eigenen Zunft dafür verspottet. Was hier als Programm der Linken steht, ist dort als Theorie ausgearbeitet: Der Deckel kauft die Zeit für den Umbau.

→ Veronika Grimm — Der Preis als Signal (Jung & Naiv 612)

Die ökonomische Gegenrede zu dieser Liste, Jahre früher gehalten: Grimm will Zufallsgewinne nicht abschöpfen, weil die Branche, die jetzt schnell sein soll, sonst abwartet, und sie hält einen Staat, der Mengen zuteilt, für unkontrollierbar.

Von hier einen Faden gehen7 Stationen, rückwärts durch den Bestand

Im Bestand

Ines SchwerdtnerDenkerVitare:publica 26Wie gelingt die Energiewende?…Volker QuaschningSprit-Abzocke und ÖlabhängigkeitThomas FrickeWie die Wirtschaftskrise den…Heiner FlassbeckKrise und RechtsruckClaudia KemfertIst die Abhängigkeit vom Öl…Philip ManowAutoritäre Zeiten: Die Macht der…Mario BuchingerEs gibt keine Renaissance der…StaiyNews: Krasser Machtmissbrauch…Gilda con Arne #28Angriff auf kritische…Wilhelm HeitmeyerDie Durchrohung der GesellschaftStaiyNews: Altersvorsorge 2.0,…MONITOREnergiewende rückwärts?…ARTEWoher bekommen wir saubere…Felix Goldbach…Batteriespeicher und die…StaiyNews: Reiche EXPOSED,…Heiner FlassbeckNachfragekrise und SchuldenlogikBundestalkIran, USA und die Straße von…Kai SchönebergÖlkrise lohnt sich für BPFollow ThisDie grüne Horzel in Big Oil

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