Quelle: Pentagon vs. Anthropic: Wer kontrolliert die KI? — Surplus (Lukas Scholle), März 2026

Wer spricht?

Adam Tooze — Wirtschaftshistoriker, Professor an der Columbia University New York. Einer der einflussreichsten wirtschaftspolitischen Intellektuellen im deutschsprachigen Raum — bekannt durch Crashed (Finanzkrise 2008) und Shutdown (Covid). Mitherausgeber von Surplus, einem linken Wirtschaftsmagazin. Tooze verbindet historische Tiefe mit politökonomischer Analyse — kein ideologischer Agitator, sondern präziser Strukturdenker.

Lukas Scholle — Gründer und Chefredakteur von Surplus, interviewt Tooze.

Spektrum: linke Wirtschaftsanalyse, systemkritisch, demokratisch-progressiv.

Kernsatz

„Europäer fragen mich immer: Gibt es bei euch den Rechtsstaat nicht mehr? Wir haben ein Staat mit Recht — aber das ist nicht, was ihr euch darunter vorstellt. Es ist einfach nur ein neues Kampfeld, wo wir vor Gericht ziehen und zwar über zwei, drei Jahre, und dann gucken wir mal, wer die meisten Milliarden hat, um seine Anwälte zu bezahlen.” — Adam Tooze


Der Konflikt: Pentagon gegen Anthropic

Das Kriegsministerium (Tooze benutzt diesen Begriff für das Pentagon unter Hegseth — Trump hat es offiziell in Department of Defense umbenannt, aber die Logik ist die eines Kriegsministeriums) verlangte von Anthropic, Claude unbegrenzt und ohne Bedingungen für militärische Zwecke bereitzustellen.

Anthropics zwei rote Linien:

  1. Keine autonomen Kampfroboter — Claude darf nicht in selbstständig tötende Waffensysteme eingebettet werden
  2. Keine automatisierte Massenüberwachung — Claude darf nicht als Infrastruktur für flächendeckende Bevölkerungskontrolle dienen

Hegseth lehnte beide Bedingungen ab. Die Drohung: Anthropic auf die Liste neben Huawei zu setzen — was im B2B-Umfeld einem Todesurteil gleichkäme. Kein Unternehmen darf mit Huawei-gelisteten Firmen zusammenarbeiten.

Der OpenAI-Kontrast

OpenAI capitulierte am selben Tag vollständig und stellte GPT-Modelle ohne Bedingungen zur Verfügung.

Das Paradoxon: Das Pentagon konzedierte OpenAI dennoch die beiden ursprünglichen Anthropic-Bedingungen — keine autonomen Killerroboter, keine Massenüberwachung. Tooze’ Einschätzung: OpenAI hat damit jede ethische Glaubwürdigkeit verloren, während Anthropic seinen Standpunkt hält und dafür juristisch bestraft wird.


Toozes Analyse: Die Inversion des Linken Projekts

Das eigentliche Dilemma benennt Tooze scharf:

Traditionsgemäß war es die progressive Linke, die verlangte, dass der Staat das Kapital diszipliniert und in den Dienst der Gesellschaft stellt. Jetzt macht das die Rechte — aber um das Kapital für Militarisierung einzusetzen.

Das ist keine normale linke oder rechte Politik mehr. Das ist eine Inversion: Der Staat zwingt privatwirtschaftliche KI-Unternehmen, ihre Technologie für staatliche Gewaltanwendung freizugeben. Wer sich weigert, wird bestraft.

„Investable America”

▶ 10:47

Tooze verweist auf eine breitere Debatte im Investitionsumfeld: Internationale Investoren stellen zunehmend die Frage, ob Amerika unter Trump noch investierbar ist. Die Willkür, mit der Unternehmen unter Druck gesetzt werden (Huawei-Drohung, Klage, Regulierungsaggressivität), untergräbt die Berechenbarkeit des Marktes.

Gleichzeitig: Diese Sorge bleibt bisher hypothetisch. Es gibt keine Kapitalflucht aus den USA nach Europa — was Tooze als Beleg dafür nimmt, wie naiv ordoliberale Erwartungen sind.


Die Europa-Frage: Attraktiv genug?

▶ 13:08

EU AI Act 2024 — die europäische KI-Regulierung ist umstritten. Auf beiden Seiten: Trump-Administration attackiert sie als Diskriminierung gegen amerikanische Firmen und Einschränkung der Meinungsfreiheit. Gleichzeitig mobilisieren europäische Wirtschaftsinteressen gegen die Regulierung — es ist kein einfaches Schwarz-Weiß.

Könnte Europa Anthropic anlocken? Tooze ist nüchtern:

Kapital folgt nicht ordentlicher Regulierung und Rechtsstaatlichkeit — Kapital folgt Gewinnaussichten. Und die sind nach wie vor in Amerika größer: Marktgröße, Kapitalzugang, Wachstumsdynamik.

Die Idee, dass Stabilität und Ordnung für den Kapitalismus gut seien, nennt Tooze „eine verrückt abwegige provinzielle kleinbürgerliche Vorstellung” — und alle wüssten es, die KI-Leute am besten.

Ein europäischer Investitionsschub wäre der richtige Moment — aber nicht durch Angebote von Rechtsstaatlichkeit, sondern durch echte Gewinnperspektiven.


Rechtsstaat als Ressourcenkampf

Toozes prägnanteste These über das, was in Amerika passiert:

Europäer fragen mich: Gibt es euren Rechtsstaat nicht mehr? Die Antwort: Wir haben einen Staat mit Recht — aber das ist nicht mehr das, was ihr euch darunter vorstellt. Es ist ein neues Kampfeld. Du kannst recht behalten. Aber bis das Gericht entscheidet, bist du pleite.

Die Klage Anthropics gegen die US-Regierung läuft voraussichtlich über Jahre. In dieser Zeit: Reputationsschaden, Unsicherheit für Investoren, Abschreckung anderer Unternehmen. Das Recht als Ausblutungsstrategie — nicht als Gerechtigkeit.

Frankfurter Schule im Hintergrund

▶ 14:41

Tooze ordnet das explizit ein: Diese Fragen — was ist das Verhältnis zwischen progressiver Politik und Rechtsstaatlichkeit? — haben die Frankfurter Schule (Horkheimer, Adorno, Benjamin) bereits in der Zwischenkriegszeit umgetrieben. Es sind keine neuen Fragen.

Seine Antwort: Trotz aller Defizite sollte man am Rechtsstaat festhalten — denn „die total entfesselte Macht ist ungeheuer beängstigend.” Die Diskriminierung, die wir sehen, sei brutal und offensichtlich — aber auch nicht das erste Mal in der neueren amerikanischen Geschichte.


Prognose: Was wäre das Schlimmste?

Tooze auf die Frage, was ihn negativ überraschen würde:

„Alle sagen, Claude ist super. Wenn es den Trump-Leuten wirklich gelingt, Anthropic zu zerstören, dann wird das als Mahnstein stehen — wie das gut ausgeht.”

Das wäre mehr als ein wirtschaftlicher Verlust. Es wäre ein Beweis dafür, dass Innovationsunternehmen in Amerika nur überleben können, wenn sie sich dem militärischen Komplex fügen — ohne Bedingungen.


Faktencheck

Bestätigt — Pentagon vs. Anthropic

Anthropic hat tatsächlich Klage gegen das Verteidigungsministerium eingereicht, nachdem Hegseth die Nutzungsbedingungen ablehnte. Die beiden roten Linien (autonome Waffen, Massenüberwachung) sind dokumentiert. Quelle: breite Pressberichterstattung März 2026.

Bestätigt — EU AI Act 2024

Der EU AI Act wurde am 1. August 2024 in Kraft gesetzt und ist in verschiedenen Stufen bis 2026 implementiert. Die Kritik der Trump-Administration daran ist zeitlich und inhaltlich korrekt.

Vereinfacht — OpenAI capitulierte „am selben Tag"

Die genaue Chronologie der OpenAI-Pentagon-Vereinbarung ist in dieser Zuspitzung nicht vollständig verifikziert. Die Grundaussage — OpenAI arbeitet eng mit dem Pentagon zusammen ohne ethische Bedingungen — ist konsistent mit öffentlichem Wissen, aber das Timing „am selben Tag” ist aus dem Transkript nicht unabhängig bestätigt.

Vereinfacht — Huawei-Drohung

Tooze beschreibt die Drohung, Anthropic auf eine Huawei-ähnliche Blacklist zu setzen. Das ist die dramatischste Form einer solchen Drohung; die konkrete Huawei-Entity-List-Drohung ist im Kontext plausibel, aber aus dem Interview nicht mit Quellenbeleg hinterlegt.

Bestätigt — „Investable America"-Diskurs

Die Debatte über die Investierbarkeit der USA unter Trump ist ein reales Diskursfeld in internationalen Investitionskreisen (Stichwort: Eurobond-Debatte, Kapitalflüsse, Dollarreserven-Frage). Tooze’ Einschätzung ist analytisch fundiert, auch wenn sie Prognosecharakter hat.


Verbindungen

Lacina Koné — Afrikas digitale Souveränität

Von außerhalb des Machttischs betrachtet: Koné verlangt einen Platz, wo Tooze den Kampf um die KI-Kontrolle innerhalb der Zentren kartiert. Zusammen die volle Machtgeografie der KI.

rp26 — KI-Industriepolitik richtig gemacht

Kaltheuner und Jung entwickeln den europäischen Gegenentwurf zu Toozes US-Diagnose: Statt Staat-zwingt-Kapital-zur-Militarisierung (Pentagon/Anthropic) fordert AI Directionism demokratisch legitimierte, gemeinwohlorientierte Lenkung von KI-Anwendungen. Beide Notes kreisen um dieselbe Grundfrage: Wer bestimmt, wohin KI steuert?

Andreas Kemper — Technofaschismus und die AfD

Kemper beschreibt den Technofaschismus als Phänomen, bei dem Tech-Milliardäre (Musk) die staatliche Macht für ihre Zwecke instrumentalisieren. Tooze zeigt die Kehrseite: Der Staat (Hegseth/Pentagon) instrumentalisiert die Tech-Unternehmen für militärische Zwecke — und bestraft diejenigen, die sich weigern. Zwei Seiten derselben Machtkonstellation: der rechte Staat und das Tech-Kapital verschmelzen.

Andreas Kemper — Faschismen im 21. Jahrhundert

Kempers Typus des Technofaschismus (KI als Machtinstrument, kein Massenmobilisierungsbedarf) findet im Pentagon-Anthropic-Konflikt eine konkrete Ausprägung: Autonome Kampfroboter und Massenüberwachung sind die technologischen Formen, gegen die Anthropic sich wehrt — und die Kemper als Kern technofaschistischer Herrschaft beschreibt.

Herfried Münkler — Muss es Kriege geben

Tooze verwendet den Begriff „Kriegsministerium” für das Pentagon — exakt die symbolische Umbenennung, die Münkler in seiner Analyse des Dealmaker-Paradoxons erwähnt (Trump, der postheroische Tausch-Denker, benennt das DoD um). Münklers Analyse des postheroischen Gesellschaft erklärt, warum die Militarisierung der KI so beunruhigend ist: Eine Gesellschaft, die keine Opfer mehr bringen will, baut stattdessen autonome Killer.

MONITOR — Irankrieg und das Ende des Völkerrechts

Hegseth und das Pentagon sind dieselben Akteure im Iran-Krieg. Der Angriff auf Anthropic und die Operation Epic Fury zeigen denselben Modus: keine institutionellen Grenzen, kein Kongressvotum, keine vertraglichen Bindungen. Die Logik des Disregard gilt nicht nur gegenüber dem Völkerrecht, sondern auch gegenüber privatwirtschaftlichen Verträgen und demokratischen Kontrollinstanzen.

Philip Manow — Autoritäre Zeiten: Die Macht der Wähler

Manow analysiert, wie demokratische Regression durch Wahlen legitimiert wird. Tooze zeigt die praktische Konsequenz: Wenn die demokratisch gewählte Regierung den Rechtsstaat zur Ausblutungsstrategie umfunktioniert, verliert das Recht seine schützende Funktion — auch wenn die Spielregeln formal eingehalten werden. Das ist Manows autoritäre Demokratie in Aktion.

Rainer Mausfeld — Warum schweigen die Lämmer

Mausfeld beschreibt, wie Meinungskorridore durch Bedrohung und Sanktion aufrechterhalten werden. Hegseth’s Huawei-Drohung ist ein Lehrstück: Du musst keinen Zensurbefehl erlassen — es reicht, die wirtschaftliche Existenz eines Unternehmens zu bedrohen. Das Schweigen der anderen KI-Unternehmen (OpenAI’s Kapitulation ohne Widerstand) ist genau das Ergebnis, das Mausfeld beschreibt.

Sandra Navidi — Verbrecher getarnt als Regierung: Wie Trump die USA ausraubt (Der Standard)

Navidi zeigt die finanzielle Seite derselben Tech-Staat-Konvergenz, die Tooze institutionell beschreibt: Musk-Aufträge über DOGE, SEC-Entmachtung, Golden Dome als erfundenes Beschaffungsprogramm für Verbündete. Tooze: Pentagon erzwingt KI-Kooperation. Navidi: Oligarchen erhalten Staatsaufträge als Gegenleistung für Loyalität.

Manfred Spitzer — KI, Gehirn und Lernen

Spitzer analysiert KI aus neuropsychologischer und pädagogischer Perspektive — die Frage, was KI mit dem menschlichen Gehirn macht. Tooze fragt das politökonomische Gegenstück: Wer kontrolliert KI — und zu welchem Zweck? Beide Perspektiven zusammen ergeben das vollständige Bild: KI verändert sowohl das individuelle Denken (Spitzer) als auch die Machtstrukturen des Staates (Tooze).

Nico Lange — Hat Trump die Kontrolle über den Iran-Krieg verloren

Derselbe Apparat (Pentagon/Hegseth), den Tooze im KI-Kontext analysiert, tritt im Iran-Krieg als militärische Gewalt auf. Lange beschreibt, wie Witkoffs Inkompetenz und Hegseths strategische Kurzfristigkeit die Konsequenzen für Ukraine und Verhandlungsführung prägen.

Anna-Verena Nosthoff — Kybernetik und die Macht der Tech-Eliten (scobel)

Nosthoff liefert den historischen Hintergrund zu Toozes Gegenwartsbefund: Kybernetik entstand militärisch (Wieners Antiaircraft Predictor), KI entstand militärisch — der Kreis schließt sich. Wenn das Pentagon KI-Unternehmen zwingt, für den Militärkomplex zu arbeiten, ist das keine Anomalie, sondern die Rückkehr zum Ursprung. Tooze zeigt den aktuellen Machtkampf; Nosthoff erklärt die Genealogie.


Loosh & Solar-Flash — Die 666-Matrix und das Erwachen der schlafenden Götter

Beide beschreiben KI als Machtinstrument — Tooze geopolitisch-realistisch (Pentagon vs. Anthropic), die Loosh-Note als kosmische Kontrollmatrix der Administratoren. Die Gegenüberstellung macht sichtbar, wie dasselbe reale Phänomen (KI-Macht) einmal analytisch und einmal paranoid-mythologisch verarbeitet werden kann.


Weiterführend

  • Adam Tooze: Crashed (2018) — Finanzkrise und die globale Ordnung
  • Adam Tooze: Shutdown (2021) — Pandemie und politische Ökonomie
  • Surplus (Magazin, surplusmagazin.de) — linke Wirtschaftsanalyse
  • Max Horkheimer / Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung — Frankfurter Schule, Aufklärung und Herrschaft
  • EU AI Act (in Kraft seit August 2024): Risikobasierte KI-Regulierung der EU
  • Staiy — News Machtmissbrauch CDU CSU (25.03.2026) — STAIY kommentiert OpenAI/Sora-Einstellung und Anthropic/Claude als Konkurrenz: die Marktverschiebung, die Tooze im Pentagon-Kontext analysiert, zeigt sich im öffentlichen Diskurs
  • ARTE Mit offenen Karten — Die Sojabohne als geopolitische Waffe — Bayer/BASF als Saatgut-Oligopol ist die analoge Struktur zur KI-Machtkonzentration: wer Schlüsseltechnologien besitzt, besitzt geopolitischen Hebel.
  • Die Neuen Zwanziger — Salon Lektueren Februar 2026 — Tooze wird direkt zitiert als Gegenposition zu Herrmanns „Überkapazitäten”-These: Seine Chartbook-Analysen zeigen, dass der Westen nicht passiv ist
  • Die Neuen Zwanziger — Salon Lektueren Januar 2026 — Dario Amodeis „Adolescence of Technology” als Insider-Perspektive zu dem, was Tooze von außen analysiert
  • Gerdes — Ukraine Zelensky wird staerker — Budanows Briefing zum KI-Drohnenkrieg auf dem Kiewer Sicherheitsforum zeigt die operative Realität: Die Ukraine setzt bereits ein, worüber das Pentagon noch verhandelt — Tooze analysiert den institutionellen Kampf, Gerdes die Feldanwendung
  • StreitClub — Europa allein zu Haus — Europäische Perspektive auf Tech-Sicherheitsabhängigkeit und Regulierungsmacht
  • Markus Gabriel — Ethische Intelligenz (scobel) — Gabriel beurteilt denselben Anthropic-Pentagon-Konflikt aus philosophischer Perspektive: Anthropics Constitutional AI ist richtig, aber zu eng (kalifornisch). Was Tooze als geopolitischen Machtkampf beschreibt, sieht Gabriel als Symptom einer fehlenden europäischen KI-Vision

Yanis Varoufakis — Technofeudalism

Zwei Makroökonomen, die Big Tech aus verschiedenen Winkeln analysieren: Tooze beschreibt den geopolitischen Machtkampf zwischen Staat und KI-Unternehmen; Varoufakis die ökonomische Mutation des Kapitalismus selbst. Toozes Crashed zur Finanzkrise ist die historische Vorarbeit zu Varoufakis’ These — QE als Geburtshelferin des Technofeudalism.

Morpheus — Warum alle chinesische KI nutzen

Tooze zeigt, wie das Pentagon Anthropic zur Kooperation zwang — Morpheus dokumentiert die chinesische Spiegelung: 24.000 Fake-Accounts die Anthropic-Modelle für Destillation ausbeuten. Der Anthropic-Bericht ist das verbindende Ereignis: einmal als US-Machtkampf, einmal als industrieller Technologieklau.

Jan-Keno Janssen — Nvidia Tokenextremismus

Tooze beschreibt, wie staatliche Macht KI-Infrastruktur für nicht-demokratisch legitimierte Zwecke einspannt. Janssens „von Milliardären für Milliardäre”-Diagnose zeigt die Gegenseite: Nvidia baut nicht für Staat, nicht für Bürger, sondern für Rechenzentren-Betreiber mit ausreichend Kapital. Beide Notes beschreiben eine KI-Welt, in der die Mehrheit weder Subjekt noch Adressat der Technologie ist.

Büttner & Kaufmann — KI-Souveränität in Europa

Büttner und Kaufmann liefern die unternehmerische Gegenstrategie zu dem, was Tooze als Machtkonflikt beschreibt: Statt auf staatliche Regulierung zu warten, wird europäische Alternativinfrastruktur gebaut. Die europäische Souveränitätsfrage bekommt bei Tooze ihren geopolitischen Rahmen — Büttner/Kaufmann geben die operative Antwort.

Neitzel und Iltisberger — Hype Is a System

Der Anthropic-Pentagon-Konflikt als Fallbeispiel für den Skynet-Effekt: KI-Kritik und Open Letters verstärken paradoxerweise das Allmachts-Narrativ. Neitzel/Iltisberger liefern den Systemrahmen — Tooze zeigt, wie der Epistemic Control Loop (Regulatory Backlash) als Machtinstrument statt als Korrektiv eingesetzt wird.

Constanze Kurz — Stochastischer Papagei, Chatkontrolle und Palantir

Kurz bremst das Anthropic-Narrativ von der anderen Seite: Während Tooze Anthropics Weigerung als politisch relevante Grenzziehung analysiert, setzt Kurz die nüchterne Informatikerin-Brille auf — alle großen Anbieter sind längst Vertragspartner des Militärs, ein Nein in einer Klausel ist kein struktureller Widerstand. Beide zusammen ergeben das vollständige Bild: die politökonomische Theorie (Tooze) und die technische Skepsis gegenüber jeder PR-Geschichte (Kurz).

TheTrumpWeek — Ölkrise, KI-Staatsfonds, Thiels Abgang

Trumps KI-Staatsfonds kippt Toozes Machtraum-Frage: Der Staat sozialisiert die Verluste der Privaten, ohne die Kontrolle zu übernehmen — das Gegenteil eines souveränen Staatsfonds à la Norwegen. Wer kontrolliert KI-Infrastruktur? Im Staatsfonds-Szenario: niemand, der es sollte.

Dahlmann und Kuhle — Senkt KI die Hemmschwelle zum Krieg

Die re:publica-Debatte mit Anja Dahlmann und Konstantin Kuhle stellt die Verantwortungsfrage zu Toozes Machtfrage: Während hier um die Kontrolle über militärische KI gerungen wird, fragen Dahlmann/Kuhle, was aus Verantwortung wird, wenn die Kill Chain den Menschen zum Abnick-Rädchen macht.