Quelle: So krass werdet ihr von NIUS und BILD manipuliert

Wer spricht?

Topfvollgold — YouTube-Kanal von Mats Schoenauer, Journalist und Medienkritiker. Schoenauer recherchiert für seinen Kanal über Medien, YouTube und Social Media. Zusammen mit Moritz Tschermak veröffentlichte er das Buch Ohne Rücksicht auf Verluste (KiWi Verlag) — eine Analyse der Bild-Zeitung und ihrer Methoden.


Inhalt

Die erfundene Geschichte

▶ 0:46 — Im September 2025 titelt BILD: „Afghanen verpassen Flug, weil sie shoppen waren”. Die Geschichte: Ein afghanisches Ehepaar soll beim Zwischenstopp in Istanbul im Duty Free eingekauft und seinen Anschlussflug nach Deutschland verpasst haben. BILD behauptet, die Bundesregierung organisiere nun auf Steuerzahlerkosten einen Ersatzflug.

Die Meldung verbreitet sich rasend schnell. AfD-Chefin Alice Weidel teilt sie, rechte Influencer wie Tim Kellner, Annabelle Schunke und Boris Reitschuster übernehmen sie. Apollo News und das Magazin Compact schmücken sie zusätzlich mit KI-generierten Fakebildern aus.

▶ 2:18 — Auch die Junge Freiheit greift die Geschichte auf — und fragt dann, anders als die meisten, tatsächlich beim Auswärtigen Amt nach. Das Ergebnis: Die Geschichte war komplett erfunden.

„Die Darstellung, dass ein weiterer Flug aufgrund von Einkäufen verpasst wurde, entspricht nicht den Tatsachen.” — Auswärtiges Amt

Das Paar verpasste seinen Anschlussflug nicht wegen Shopping, sondern weil der vorherige Flug aus Islamabad über eine Stunde Verspätung hatte und ein vorher angeforderter Rollstuhl fehlte, um eine in ihrer Mobilität eingeschränkte Person zum Gate zu bringen. Zudem werde eingeflogenen Afghanen kein Geld vorab ausgezahlt — von Shopping konnte also schon deswegen keine Rede sein.


NIUS: Die Falschmeldung als Plattform

▶ 6:06 — Am selben Tag, an dem das Dementi bekannt wird, veröffentlicht NIUS ein ausführliches Video über den „Shopping-Skandal”. Moderator Alexander Puroka lässt sich minutenlang darüber aus, dass Kanzler Merz Afghanen ins Land lasse, obwohl er dies im Wahlkampf versprochen hatte zu beenden.

Was NIUS dabei verschweigt: Die 47 eingeflogenen Afghanen sind keine beliebigen Migranten. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, handelt es sich um besonders gefährdete Menschen — Frauenrechtlerinnen, Richterinnen, Journalisten, Demokratie-Aktivisten — die nach der Taliban-Machtübernahme aus Afghanistan flohen, vielfach auf Anraten der damaligen Bundesregierung. Deutschland hatte sich 2022 im Rahmen des Bundesaufnahmeprogramms verpflichtet, sie aufzunehmen.

▶ 9:08 — Weil die neue Bundesregierung die Menschen trotz gültiger Zusagen nicht einreisen lassen wollte, haben viele Betroffene erfolgreich geklagt. Es war also nicht Merz, der ihnen die Einreise erlaubte — es waren deutsche Gerichte, die die Bundesrepublik zur Einhaltung ihrer eigenen Zusagen zwangen.

Die 47 Menschen hatten tausende Dollar für Pässe, pakistanische Visa und Reisen nach Islamabad gezahlt, monatelang in Gästehäusern auf ihre Ausreise gewartet und mussten zuletzt pakistanische Polizeirazzien fürchten, bei denen Afghanen ins Abschiebelager gebracht wurden. Wie der Tagesspiegel beschreibt: eine Frauenrechtlerin mit zwei kleinen Kindern, eine Militärärztin, eine Wissenschaftlerin, ein Regimekritiker.


Die Gäste im NIUS-Studio

▶ 14:27Birgit Kelle, die sich im Studio über die „shoppenden Afghanen” empört, ist laut ihrer Website in Rumänien geboren und als Kind nach Deutschland gekommen. Dass in Afghanistan geborene Menschen nach Deutschland kommen, findet sie dennoch dermaßen unerträglich, dass sie kaum eine Gelegenheit auslässt, ihre Abschiebung zu fordern.

Julius Böhm, ein weiterer NIUS-Mitarbeiter, arbeitete mehr als sechs Jahre für die Bild-Zeitung — und kennt deren Methoden also aus eigener Erfahrung.


Die „kein Deutsch”-Anschuldigung

▶ 22:02 — NIUS macht sich zusätzlich über eine Menschenrechtsaktivistin lustig, die in einem Deutschlandfunk-Bericht über den Flug nicht auf Deutsch antwortete — obwohl sie angeblich seit Monaten Deutsch lernte. Schlussfolgerung bei NIUS: Sie lügt, sie hat kein Wort gelernt.

▶ 23:34 — Schoenauer fragt beim Journalisten nach — Peter Hornung, ARD-Korrespondent in Südostasien, beteiligt an den Panama Papers-Recherchen, Dozent für investigative Recherche:

„Das ist natürlich vollkommener Blödsinn, dass sie überhaupt kein Deutsch spricht. Ich habe sie nicht auf Deutsch angesprochen, ich habe sie nicht gebeten auf Deutsch zu antworten, weil die Fragen doch relativ kompliziert waren und ich wollte sie jetzt auch nicht irgendwie da vorführen als Deutschlernende.”

Hornung stellte das Interview über WhatsApp durch eine NGO. Er zweifelt nicht daran, dass sie bereits etwas Deutsch konnte — aber für ein Interview reichte es noch nicht. Eine ganz billige Nummer, urteilt er.


Keine Korrektur — und politische Konsequenzen

▶ 30:24 — BILD ließ die Falschmeldung fast 8 Tage online, bevor sie sie korrigierte. Die Korrektur ging nicht viral. Auf ihrer Facebook-Seite steht die Falschmeldung bis heute unverändert. Julian Reichelt — Gesicht von NIUS und früherer BILD-Chefredakteur — teilte die Geschichte mit großer Empörung, löschte seinen Tweet still, als sie aufflog. Keine Korrektur, keine Entschuldigung. Bei NIUS selbst: bis zum Produktionszeitpunkt des Videos keinerlei Richtigstellung. Die Videos dienen weiterhin als Munition.

▶ 32:42 — Der eigentliche Skandal, so Schoenauer, liegt tiefer: Die Bundesregierung legt den noch in Pakistan wartenden Afghanen mit gültigen Aufnahmezusagen systematisch Steine in den Weg. Alle bereits terminierten Sicherheitsinterviews wurden kurz nach Amtsantritt der neuen Regierung abgesagt, ein zuständiger BAMF-Mitarbeiter außer Landes gebracht. Seitdem sind keine Interviews mehr möglich. Aufnahmezusagen werden mit bizarren Begründungen widerrufen — z.B. weil jemand eine laminierte Kopie des eigenen Ausweises mitbrachte. Das gilt als „Dokumentfälschung”. Die Antwortfrist bei Widerrufsbescheiden wurde von vier Wochen auf eine bis zwei Wochen verkürzt.

▶ 35:42 — Schoenauers Analyse: Die Politik handelt aus Angst vor NIUS. Jeder Afghan, der in Deutschland ankommt, könnte eine Schlagzeile produzieren, die rechte Portale für weitere Kampagnen nutzen. Die Leidtragenden sind nicht nur die, die mit falschen Geschichten manipuliert werden, sondern vor allem die, die ohnehin schon extrem gelitten haben — und jetzt von Deutschlands institutionellen Versprechen im Stich gelassen werden.

„Was News und BILD machen, ist kein Journalismus, sondern migrantenfeindlicher Aktivismus.”


Faktencheck

Bestätigt — BILD-Geschichte war erfunden

Das Auswärtige Amt bestätigte auf Anfrage der Jungen Freiheit: Das Paar verpasste den Flug wegen Flugverspätung und fehlendem Rollstuhl, nicht wegen Shopping. Eingeflogenen Afghanen wird kein Geld vorab ausgezahlt. Quellen: Junge Freiheit — Regierung dementiert · Correctiv Faktencheck · Übermedien — Die Wutmaschine

Bestätigt — Afghanen waren schutzberechtigte Programmteilnehmer

Es handelt sich um besonders gefährdete Personen aus dem Bundesaufnahmeprogramm mit gültigen deutschen Zusagen (Frauenrechtlerinnen, Journalisten, Richterinnen, Demokratie-Aktivisten), die nach Klagen vor deutschen Gerichten einreisen durften. Die neue Bundesregierung hatte ihre Aufnahme aktiv blockiert. Quellen: Tagesspiegel — 45 Afghanen mit Aufnahmezusage gelandet · GFF — Aufnahmeprogramm Deutschland muss Schutzzusage einhalten · taz — Endlich durchatmen · taz — Dobrindts Tricksereien untergraben den Rechtsstaat

Bestätigt — ARD-Journalist hat Interview bewusst nicht auf Deutsch geführt

ARD-Korrespondent Peter Hornung bestätigte gegenüber Schoenauer direkt: Er hat die Frau nicht auf Deutsch befragt, um sie nicht vorzuführen — das Interview lief über WhatsApp via NGO. Die NIUS-Darstellung (sie lüge über ihre Deutschkenntnisse) ist eine Erfindung ohne jede Recherche. Quelle: Direkte Aussage von Peter Hornung im Video ▶ 23:34 — keine unabhängige schriftliche Quelle, da persönliche Kommunikation

Vereinfacht — BILD-Korrektur nach 8 Tagen

BILD korrigierte die Geschichte, allerdings erst nach fast 8 Tagen — nur auf der Website, nicht auf Facebook, wo die Falschmeldung weiterhin unverändert steht. NIUS hat bis Veröffentlichungszeitpunkt des Videos (12.04.2026) keine Korrektur veröffentlicht. Reichelt löschte seinen Tweet still. Quelle: Übermedien — Die Wutmaschine · Dokumentation im Video ▶ 30:24

Falsch — NIUS-Narrativ: Merz holt Afghanen ins Land entgegen seinen Versprechen

Die eingeflogenen Afghanen kamen nicht auf Initiative von Merz, sondern aufgrund gerichtlicher Urteile: Gerichte zwangen die Bundesregierung zur Einhaltung bereits erteilter Aufnahmezusagen. Die Regierung versuchte aktiv, die Einreise zu verhindern — und ließ Sicherheitsinterviews absagen und Aufnahmezusagen mit fragwürdigen Begründungen widerrufen. Quellen: Tagesspiegel — Pakistan schiebt Bundeswehr-Ortskräfte ab · GFF — Aufnahmeprogramm · Verfassungsblog — Der deutsche Rechtsstaat geht in Islamabad verloren


Weiterführende Quellen

Aus der Video-Beschreibung:

Im Video zitierte und für den Faktencheck verwendete Quellen:


Verbindungen

Topfvollgold — Mordfall Stade und das Versagen von NiUS

Die jüngste Ausführung des hier beschriebenen Musters: NIUS erklärt nach dem Sechsfachmord von Stade eine völlig Unbeteiligte per Namensgleichheit zur Verdächtigen — die Fallstudie dazu, wie aus erfundenen Geschichten reale Hetzjagden werden.

Katharina Nocun — Wie KI-Content das politische Vorfeld der extremen Rechten praegt

Topfvollgold dokumentiert den manuellen Vorgänger des Phänomens — erfundene Migrationsgeschichten von BILD, aufgepeppt mit KI-Fakebildern. Bei Nocun ist diese Pipeline vollständig automatisiert: der Fake entsteht per Prompt, die Verbreitung läuft über Sockenpuppen-Netzwerke. BILD/NIUS machen manuell, was KI-Slop industriell kann.

Rainer Mausfeld — Warum schweigen die Lämmer

Mausfelds Analyse der Zustimmungsproduktion durch Medien: BILD/NIUS als Paradebeispiel für gezielte Meinungssteuerung durch emotionale Aufladung statt Faktenvermittlung

Wilhelm Heitmeyer — Die Durchrohung der Gesellschaft

Heitmeyers These der institutionalisierten Verrohung findet hier ein konkretes Fallbeispiel: Medien als aktive Treiber von Enthemmung und Gewaltfantasien in den Kommentarspalten

MONITOR — AfD-Erfolg trotz Skandalen

Beide zeigen, wie rechte Medienarbeit politische Normalisierung betreibt: Nicht durch Überzeugung, sondern durch Dauerbeschallung

Nachtsitzung — Die rechte Internationale: CPAC und sein Netzwerk bis nach Deutschland

Vernetzung rechter Medienstrukturen; NIUS als Teil eines breiteren transnationalen Ökosystems

Dietrich Bonhoeffer — Theorie der Dummheit

Bonhoeffers Beobachtung, dass Dummheit nicht fehlende Intelligenz ist, sondern soziale Konditionierung durch Macht — NIUS-Zuschauer als Beispiel für manipulative Kollektivmeinungsbildung

Hannah Arendt — Die Banalität des Bösen

Die Kommentarspalten mit Nazi-Referenzen und „Problem selbst lösen”-Fantasien verweisen auf Arendts Warnung: Das Böse wächst nicht aus Monstern, sondern aus Mitläufern

ARTE — Forschung Fake und faule Tricks

Das Tabak-Blueprint-Muster (Zweifel säen statt widerlegen) ist das Industriemodell hinter BILD/NIUS-Taktiken: Erfundene Geschichten müssen nicht wahr sein — sie müssen nur die Gegenerzählung unmöglich machen und Handlungsräume schließen

MONITOR — Abschiebungen vs. Fachkräfte

Gegenüberstellung: BILD konstruiert die Feindbilder (shoppende Afghanen), MONITOR zeigt die realen Menschen dahinter — Francis Emeka (Bäcker, 10 Jahre Deutschland) und Abduhli Saidi (Dachdecker, wartet auf Visum in Gambia)

rabbit hole — Ungarn-Wahl KI-Wahlkampf

Megafon (Ungarn) und BILD/NIUS (Deutschland) nach demselben Prinzip: industriell produzierte Feindbilder; zeigt, dass Orbáns Playbook exportierbar ist

Daniel - AfD Bundestag-Propaganda Schulvorfall Schleife

identische Propagandaarchitektur, verschiedene Bühnen: BILD/NIUS laden medial auf, Chrupalla tut es parlamentarisch; Morddrohungen als gemeinsame Konsequenz der Hetze

Tilo Jung — Erben Wirtschaft AfD-Strategie

Jung als Gegenmodell: transparenter Journalismus mit offener Haltung statt BILD/NIUS-Desinformation

Torsten Heinrich — Was die Tagesschau verschweigt

Heinrichs Spiegel-Analyse (wie Wortwahl Israel Schuld zuweist) ist die subtile Variante dessen, was Topfvollgold als offene Medienfabrikation dokumentiert; beide zeigen: Framing ist immer Positionierung — bewusst oder unbewusst

Steffen Mau — Spaltung der Gesellschaft

Mau benennt BILD als „Triggermedium” und liefert den soziologischen Rahmen: Triggerpunkte werden nicht gefunden, sondern von Polarisierungsunternehmern und ihren Medien gezielt konstruiert

Steffen Mau — Triggerpunkte Konsens und Konflikt

Maus Theorie der Polarisierungsunternehmer liefert den soziologischen Rahmen für das, was Topfvollgold an BILD/NIUS konkret dokumentiert: systematische Triggerpunkt-Aktivierung

Staiy — News Leipzig Medienschweigen und Rechte Mediabubble (10.05.2026)

Staiys Medienschweigen-Analyse dokumentiert dasselbe Asymmetrie-Muster auf Macro-Ebene: weniger Berichterstattung bei deutschen Tätern als bei Tätern mit Migrationshintergrund — Topfvollgold zeigt den Mechanismus auf Artikel-Ebene (Bild/NIUS-Fabrikation).

Topfvollgold — NiUS erfindet Islam-Skandal

Direktes Folgevideo zum selben Muster: NiUS erfindet im März 2026 einen “Islam-Skandal” aus einer harmlosen Kantineneröffnung — identisches Playbook wie beim “Shopping-Skandal” mit den Afghanen. Reichelt steigert diesmal auf “Vollendung der deutschen Unterwerfung unter den Islam”.

Dobusch und Zaboura — Ganz normale Medien und Faschismus

D/Z liefern den theoretischen Rahmen für das, was Topfvollgold konkret dokumentiert: Sain-Washing und Bewertungsverweigerung als strukturelle Muster. Der Satz „Die Politik handelt aus Angst vor NIUS” ist das Paradebeispiel für D/Zs Teufelskreis — Angst vor dem Aktivismus-Vorwurf treibt Qualitätsmedien in die Unterwerfung unter Propagandastandards. Topfvollgold zeigt NIUS in der Fabrikation, D/Z erklärt, warum sie damit durchkommen.

Topfvollgold — Die Wahrheit über die Öffentlich-Rechtlichen

Die Innenseite des Kreislaufs: Diese Note zeigt, wie erfundene Geschichten Hass produzieren — Schönauers ÖRR-Insider-Recherche zeigt, wo dieser Hass ankommt. Redakteure berichten von der „Angst vor dem Hass” und dem „kurzen Zusammenzucken bei der Themenverteilung”: Die Hetzmaschine wirkt nicht nur aufs Publikum, sondern erzeugt die Schere im Kopf im Inneren des Journalismus, den sie angreift.