Quelle: Söders Energie-Irrtum? Der fundierte Faktencheck
Wer spricht?
Michael Sterner (1974) — Professor für Energiespeicher und Energiesysteme an der OTH Regensburg. Mitentwickler des Power-to-Gas-Konzepts, Mitglied des Bayerischen Energiebeirats. Autor zweier Standardwerke zu Energiespeichern bei Springer. Ist persönlich mit Katharina Reiche aneinandergeraten, als sie Texte von ihm strich — erst die Androhung von Öffentlichkeit und Klage stellte seine wissenschaftliche Freiheit wieder her.
Der Auslöser: Söder vor laufenden Kameras
▶ 2:19 — Anlass dieses Videos ist ein Moment, der Sterner beim Kopfschütteln erwischt hat: Bei der Übergabe eines Förderbescheids für das Wasserstoffzentrum Pfeffenhausen — an dem Sterner selbst beteiligt ist — fragt ein Journalist der Süddeutschen Zeitung Markus Söder nach Bayerns Klimazielen. Die Antwort ist eine öffentliche Positionierung mit Konsequenzen:
„Wir hängen an einer Vision, an einem Traum, an einer Hoffnung, dass alles komplett über Erneuerbare geht. Aber das wird nicht reichen, um eine hochleistungsfähige Wirtschaft dauerhaft grundsätzlich mit Energie zu versorgen. Das wird nicht gehen. Deswegen wirst du auch fossile Brennstoffe brauchen mit CCS. Und du brauchst Kernkraft — alles andere wird nicht funktionieren.”
Die Rahmung ist entscheidend: Söder delegitimiert die 100%-Erneuerbare-Vision durch Sprache. “Vision, Traum, Hoffnung” — das ist der Wortschatz von Naivität und Illusion. Sterner nimmt diese Rahmung auseinander und kehrt sie um: Was wenn der eigentliche Alptraum die fossile Strategie ist?
Weitergedacht
Söder sagt, 100% Erneuerbare sei ein “Traum”. Aber ist die Annahme, Atom und Gas seien günstig, sicher und unabhängig, nicht selbst eine Illusion — nur eine, die vertrauter klingt?
Wer ist der Mann, der Söder widerspricht?
▶ 5:24 — Bevor Sterner in die Sachargumente geht, erklärt er seinen Hintergrund — nicht aus Eitelkeit, sondern als Kontextualisierung. Er ist parteilos, war im CSU-Arbeitskreis Umwelt unter Josef Göppel aktiv, hat im nationalen Wasserstoffrat mitgearbeitet, und ist seit 37 Jahren ehrenamtlich in der Kirche tätig. Sein Großonkel wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von den Amerikanern zum Bürgermeister gemacht, weil er — fast als Einziger im Dorf — nichts mit den Nazis zu tun gehabt hatte. Eine Cousine seines Großvaters wurde im KZ ermordet.
▶ 6:55 — Dann der entscheidende Schlenker: Josef Göppel, der bekannteste CSU-Umweltpolitiker, hat öffentlich eingestanden — beim ersten Göppel-Symposium — dass seine Generation “dramatisch versagt” habe in der Klimafrage. Derselbe Göppel sagte Sterner beim letzten Gespräch vor seinem Tod: “Dein weiteres Engagement bei uns macht eigentlich keinen Sinn, weil diese erneuerbaren Themen bei uns in der Parteiführung einfach nicht gehört werden.”
Was diese Einleitung leistet: Sie macht Sterner ungreifbar für den einfachen Links-Rechts-Reflex. Er ist kein Klimaaktivist. Er ist ein bayerischer Wissenschaftler, eingebettet in konservative Netzwerke, der trotzdem — oder gerade deshalb — zu anderen Schlüssen kommt als die aktuelle CSU-Führung.
Faktencheck 1: Braucht Bayern Kernkraft?
▶ 7:41 — Sterners Urteil ist klar:
„Es gehe nicht ohne Kernkraft. Das ist faktisch falsch.”
Vier Argumente werden vorgebracht, alle empirisch gestützt:
1. Global rückläufig, nicht im Aufschwung. Die oft zitierte “Atom-Renaissance” findet nicht statt. Global ist die Kernkraft in absoluten Zahlen rückläufig. Wer heute neue Reaktoren bauen möchte, braucht Partner — und die Optionen sind dünn.
2. Bauen dauert zu lange. ▶ 8:26 Flamanville in Frankreich: letzter neuer Reaktor mit 18 Jahren Verspätung, Kosten von 3 auf 24 Milliarden Euro versiebenfacht. Olkiluoto in Finnland: 14 Jahre Verspätung, vierfache Kosten. Für ein Klimaziel bis 2040 oder 2045 kommt neue Kernkraft zu spät.
3. Technologisch abhängig von Russland. Die Brennstäbe kommen nach wie vor aus Russland — auch während der Sanktionen, auf Initiative Frankreichs. Wer Unabhängigkeit und Resilienz will, bekommt mit Kernkraft das Gegenteil. Der Widerspruch ist auffallend: Öl und Gas aus Russland? Sanktioniert. Uran-Brennstäbe? Weiterhin importiert.
4. SMR: Noch keine einzige funktionierende Anlage. Small Modular Reactors klingen elegant — aber kein einziger läuft kommerziell. Sterner: “Zeigt mir einen, der läuft.” Und selbst wenn: Auch SMRs brauchen Endlager — dann eben viele kleine.
Weitergedacht
Wenn Kernkraft als “Brücke” verkauft wird — wohin überbrückt sie? Und warum sollte man eine Brücke bauen, die teurer ist als das Ziel?
Faktencheck 2: Braucht Bayern fossile Energien mit CCS?
▶ 10:42 — Söders zweite These: Fossile Energien mit CCS (Carbon Capture and Storage) seien notwendig. Auch hier fällt Sterners Urteil eindeutig aus.
Das Gegenargument ist nicht akademisch, sondern handfest: An der Zapfsäule kostet Benzin bereits über 2,50 € pro Liter. Das entspricht rechnerisch den 5 D-Mark, die die Grünen in den 1990ern forderten und für die sie massiv kritisiert wurden. Das Paradoxe: Durch fossile Abhängigkeit und Geopolitik ist genau dieses Preisniveau eingetreten — nicht durch klimapolitische Eingriffe, sondern durch die Konsequenzen einer fossil ausgerichteten Politik.
„Wenn wir jetzt weiterhin auf Importgas setzen, dann macht sich Bayern erpressbar. Für ein unabhängiges, sicheres Bayern setzt man mit den Fossilen einfach auf das falsche Pferd.”
Das Argument hat eine strategische Tiefe: Erneuerbare Energien sind “Freiheitsenergien” — heimisch produziert, nicht erpressbar, nicht abhängig von Tankerrouten durch die Straße von Hormus oder von russischen Lieferketten. Ein Bayern, das auf Importgas setzt, wiederholt den Fehler, der bei Russland-Gas so teuer bezahlt wurde.
Die technische Lösung: Power-to-Gas als bayerischer “Max”
▶ 11:27 — Sterner räumt ein, was oft als Einwand gegen Erneuerbare kommt: Wind und Sonne alleine reichen nicht. Aber das ist kein Argument gegen Erneuerbare, sondern für Speicher. Und hier kommt seine eigene Erfindung ins Spiel: Power-to-Gas.
▶ 12:12 — Die Kombination: Wind- und Solarstrom + Batteriespeicher + Pumpspeicher + Biogas + Power-to-Gas. Biogas fungiert dabei wie der “Max” im Kartenspiel — der Pik-Ass, den man nicht beim ersten Stich ausspielt, sondern erst wenn es brenzlig wird. Die 8.000 Biogasanlagen in Deutschland produzieren 100–120 Terawattstunden Gas, rund 10% des deutschen Verbrauchs. Verbunden mit Power-to-Gas könnten sie 75% der deutschen Gasspeicher mit heimischem grünen Gas füllen.
Der entscheidende Vorteil: Dezentralität. Biogasanlagen sind über das ganze Land verteilt — das bedeutet Resilienz, Redundanz, Unabhängigkeit. Sterner zieht einen ernsten Vergleich: In der Ukraine ist 80% der Energieinfrastruktur zerstört. Zentralisierte Anlagen sind Angriffspunkte. Dezentrale sind es nicht.
Eigene Einschätzung
Das Biogas-”Max”-Bild ist eines der klügsten Kommunikationsbeispiele in der deutschen Energiedebatte. Es bricht die Dunkelflaute-Angst herunter auf ein bayerisches Kartenspiel — und das ist kein Zufall. Sterner kommuniziert für ein Publikum, das Energiesystemdesign nicht studiert hat. Der politische Clou daran: Biogasanlagen gehören den Bauern. Wer sie stärkt, stärkt den ländlichen Raum und die regionale Wertschöpfung — ein klassisch konservatives Argument, das hier für die Energiewende eingesetzt wird.
Der wissenschaftliche Beweis: Studien statt Meinungen
▶ 14:28 — Sterner beruft sich auf drei unabhängige Forschungslinien, die alle zum gleichen Ergebnis kommen:
Christian Breyer / LUT University (2019): Global Energy Systems based on 100% Renewable Energy. Eine weltweite Simulation aller Sektoren — Strom, Wärme, Verkehr, Industrie — bis 2050. Das Ergebnis: Ein globales 100%-Erneuerbare-System ist kostengünstiger als das heutige System und erreicht die Pariser Klimaziele.
▶ 15:14 Mark Jacobson / Stanford Solutions Project: Über 143 Länder mit 100% Erneuerbare-Szenarien simuliert und bestätigt.
Fraunhofer ISE: Mehrere Studien zu klimaneutralen Energiesystemen, alle mit demselben Kern: erneuerbarer Ausbau + Speicher + Sektorenkopplung = technisch machbar, ökonomisch günstigste Lösung.
Und die Praxis? Paraguay, Äthiopien, Island, Albanien betreiben bereits 100% erneuerbare Stromversorgung. Uruguay und Norwegen sind nah dran. Österreich — direkter Nachbar Bayerns — ebenfalls.
„Merksatz: 100% erneuerbare Energien funktionieren technisch, sind ökologisch absolut notwendig und sind ökonomisch das Beste für Wirtschaft und Bürger.”
Eigene Einschätzung
Dass Sterner seinen ehemaligen Bürokollegen Breyer zitiert, ist kein Zufall — es zeigt, wie eng das Netzwerk der 100%-Erneuerbare-Forschung ist. Das kann man als Stärke lesen (echte wissenschaftliche Gemeinschaft) oder als Schwäche (Bestätigung innerhalb einer Bubble). Söder würde letzterem zustimmen. Die Frage ist, ob die Widerlegung durch internationale Realbeispiele (Island, Albanien, Österreich) diese Einwände entkräftet — und ich glaube, sie tut es.
Bayerns Platz im Bundesvergleich: Nicht Nummer 1, sondern Platz 9
▶ 16:44 — Söders Behauptung: Bayern sei “Energieland Nummer 1”. Sterner zerlegt das mit Statistik:
- Installierte Gesamtleistung: Ja, Bayern ist Nummer 1 — aber Bayern ist auch das größte Flächenland Deutschlands. Das ist kein Ruhmestitel.
- Solarenergie: Unangefochten Nummer 1. Aber: Das haben die Bürger selbst gemacht, dank EEG — nicht die Landespolitik, die jahrelang gegen das EEG gestimmt hat (Ausnahme: Josef Göppel).
- Windkraft: Platz 8. Weit abgeschlagen hinter Norddeutschland. Ursache: Jahrelange Blockade durch die 10H-Regelung unter Seehofer und Söder.
- Flächenbezogener Vergleich: Platz 9. Mittelfeld. Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Niedersachsen liegen vorne.
- Eigenversorgungsquote: Bayern deckt nur 60% seines Strombedarfs aus eigenen erneuerbaren Quellen. Norddeutsche Länder haben sogar Überschüsse.
Das war Franz Josef Strauß immer ein Kernanliegen: Dass Bayern autark ist und sich selbst versorgen kann. Nach diesem Maßstab — dem eigenen bayerisch-konservativen Maßstab — ist Söders Energiepolitik gescheitert.
Eigene Einschätzung
Das Strauß-Argument ist rhetorisch brillant. Sterner schlägt Söder mit dessen eigenem ideologischem Erbe. Autarkie und Unabhängigkeit sind keine grünen Werte — sie sind genuin konservativ. Wenn Bayern unter Söders Führung energiepolitisch von Importen abhängig bleibt, scheitert das Land am Maßstab seiner eigenen Tradition.
Fazit: Wessen Traum ist wirklich unrealistisch?
▶ 19:02 — Das Schluss-Argument ist die Umkehr von Söders Framing. Söder nannte 100% Erneuerbare einen “Traum”. Sterner kehrt das um:
„Wenn das, was er vorschlägt — weiterhin auf Atom und auf Fossile zu setzen — Realität wird, dann wird dieser Traum für die Energieversorgung in der Umsetzung zum Albtraum für uns alle, für das Klima, für die Gesellschaft, aber vor allem auch für die Wirtschaft.”
Das ist kein emotionaler Appell, sondern die logische Konsequenz der vorgetragenen Argumente: Kernkraft kommt zu spät und kostet das Dreifache. Fossil macht erpressbar und treibt Preise. Power-to-Gas und Biogas bieten eine technisch erprobte, regional verankerte, wirtschaftlich günstigere Alternative.
Söder hat einen Begriff richtig verwendet: “Realität”. Nur ist die Realität nicht auf seiner Seite — sie ist auf der Seite der erneuerbaren Studien, der Länder die es bereits umgesetzt haben, und der Wissenschaftler die es durchgerechnet haben.
Faktencheck
Vereinfacht — Flamanville: 18 Jahre Verzug, Faktor 8
Die Note nennt 18 Jahre Verspätung und Kostenfaktor 8. Der französische Rechnungshof weist Baukosten von 23,7 Mrd. Euro aus (ursprünglich 3,3 Mrd.), was Faktor ~7,2 ergibt — nicht exakt 8. Die Verzögerung beträgt ca. 12–13 Jahre (Baubeginn 2007, Inbetriebnahme Dezember 2024), nicht 18 Jahre. Sterner dürfte die Gesamtdauer seit Planungsbeginn meinen. Die Kostenexplosion ist real — die genauen Zahlen leicht verzerrt. Quelle: IWR — Bauzeit 17 Jahre, Kosten 23,7 Mrd. Euro
Vereinfacht — Olkiluoto: 14 Jahre Verzug, Faktor 4
Bauzeit 2005–2022, ursprünglich geplant bis 2008 — also 14 Jahre Verzögerung stimmt. Kosten stiegen von ~3,2 auf ca. 11 Mrd. Euro — Faktor ~3,4, nicht 4. Leicht übertrieben, liegt aber im plausiblen Bereich. Quelle: Kernkraftwerk Olkiluoto — Wikipedia
Bestätigt — Bayern Platz 9 flächenbezogen bei Erneuerbaren
Bezogen auf installierte erneuerbare Leistung pro Flächeneinheit liegt Bayern auf Platz 9 der Bundesländer — bestätigt durch Marktstammdatenregister und unabhängige Quellen. Die 10H-Abstandsregel blockierte den Windausbau jahrelang. Quelle: Bayern im Wettlauf um erneuerbare Energien — martin-stuempfig.de
Bestätigt — Brennstäbe aus Russland trotz Ukraine-Krieg
Uran und Brennelemente aus Russland (Rosatom) waren bis Ende 2024 nicht von EU-Sanktionen erfasst. Erst das 14. EU-Sanktionspaket (Jahreswechsel 2024/25) zielt erstmals auf Rosatom. Frankreich, Finnland, Ungarn beziehen oder bezogen Brennstäbe aus Russland. Quelle: EU-Sanktionen: Rosatom erstmals im Visier — ad-hoc-news
Falsch — Biogas: 8.000 Anlagen, 100–120 TWh Gas, ~10% deutschen Verbrauchs
Alle drei Zahlen sind ungenau: (1) Anlagenzahl liegt bei ~9.300+ — nicht 8.000. (2) 100–120 TWh ist das technische Potenzial, nicht die aktuelle Einspeisung ins Gasnetz (~12 TWh). (3) Diese ~12 TWh Einspeisung entsprechen ca. 1,9% des deutschen Gasverbrauchs — nicht 10%. Die 10%-Zahl ist grob falsch für die aktuelle Lage. Quelle: Fachverband Biogas — Branchenzahlen 2025
Vereinfacht — Bayern deckt nur 60% aus Erneuerbaren
Laut Bayern Innovativ deckten Erneuerbare 2024 ca. 57–59% des bayerischen Bruttostromverbrauchs — “60%” ist eine zulässige Rundung. Zu beachten: Bayern erzeugte 75% seines erzeugten Stroms aus Erneuerbaren, aber verbraucht mehr als es produziert. Beide Zahlen sind korrekt, beziehen sich aber auf unterschiedliche Messwerte. Quelle: Bayern Innovativ — 59 Prozent EE-Anteil 2024
Vereinfacht — LUT-Studie (Breyer 2019): 100% EE günstiger als heutiges System
Die Studie existiert und die Kernaussage stimmt. Einschränkungen: (1) Sie modelliert das Jahr 2050, keine heutige Situation. (2) Die Studie hat methodische Kritik erhalten (Unterschätzung von Systemkosten). “Günstiger als heutiges System” ist eine legitime Zusammenfassung, ohne Zeitdimension aber verkürzt. Quelle: pv-magazine — EWG/LUT-Studie 2019
Weiterführende Quellen
Sherlock-Quellen:
- IWR — Flamanville: 17 Jahre, 23,7 Mrd. Euro — Offizielle Zahlen des französischen Rechnungshofs
- Kernkraftwerk Olkiluoto — Wikipedia — Chronologie Bau, Kosten, Verzögerungen
- Bayern Innovativ — 59% EE-Anteil 2024 — Amtliche Schätzbilanz Bayern
- martin-stuempfig.de — Bayern Platz 9 — Flächenbezogenes Ranking, Marktstammdatenregister
- ad-hoc-news — EU-Sanktionen Rosatom — Sanktionslage Uran/Brennstäbe bis 2024/25
- Fachverband Biogas — Branchenzahlen — Anlagenzahlen, Einspeisung, TWh-Werte
- pv-magazine — LUT/EWG-Studie 2019 — Zusammenfassung und Einordnung Breyer-Studie
Aus der Video-Beschreibung:
- Global Energy System based on 100% Renewable Energy (Breyer/LUT, 2019) — Weltweite 100%-Erneuerbare-Simulation aller Sektoren bis 2050
- On the History and Future of 100% Renewable Energy Systems Research (Breyer, 2022) — Übersichtsstudie: Stand der weltweiten Forschung zu 100%-Szenarien
- Solutions Project (Jacobson/Stanford) — 143 Länder, 100% Erneuerbare simuliert
- Fraunhofer ISE: Wege zum klimaneutralen Energiesystem — Deutscher Referenzrahmen für Dekarbonisierungspfade
- Fraunhofer IEE/UBA: Energieziel 2050 — 100% Strom aus erneuerbaren Quellen — UBA-Studie zu 100% erneuerbarem Strom
- Michael Sterner: So retten wir das Klima — Populärwissenschaftliches Buch des Sprechers
Verbindungen
→ Michael Sterner — Energiewende ist gelebter Patriotismus
Dieselbe Umkehrung der Rahmung — nicht die Erneuerbaren sind der „Traum“, die fossile Strategie ist der Albtraum; hier positiv als Patriotismus besetzt.
→ Sterner — Energiewende-Studie und Reiche-Blockade
Direkte Vorläufer-Note: Sterner deckt auf, wie das BMWK eine eigene Studie zur regionalen Wertschöpfung durch Erneuerbare nicht kommuniziert — dasselbe Muster von politischem Verschweigen unbequemer Fakten, das auch diese Note adressiert.
→ Sterner — Reiche gegen Marktwirtschaft
Die Katharina-Reiche-Kritik zieht sich durch alle Sterner-Notes. Dort geht es um das StromVKG als Instrument gegen Batteriespeicher; hier um ihre Zustimmung zu Söders Energiepolitik als “mutig und richtig”.
→ Mario Buchinger — Es gibt keine Renaissance der Kernenergie
Buchinger widerlegt das Kernenergie-Narrativ von der Leyens empirisch (Kosten, Bauzeiten, Sicherheit) — Sterner wendet dieselbe Logik auf Söders bayerische Variante an. Beide zeigen: Die Kernkraft-Forderung ist eine Verzögerungsstrategie, keine ernsthafte Alternative.
→ MONITOR — Katharina Reiche und der E.ON-Lobbyismus
Reiche erscheint in Sterners Faktencheck als konkrete Blockade des Netzpakets. Die MONITOR-Note dokumentiert denselben Mechanismus von außen: eine Wirtschaftsministerin, die wissenschaftliche Expertise ignoriert. Söder und Reiche sind zwei Seiten desselben politischen Blocks.
→ Energiesubventionen — Atomkraft vs. Erneuerbare Energien
Sterners Argument, Kernkraft sei zu teuer, bekommt hier den historischen Beleg: 287 Mrd. € reale Subventionen über 67 Jahre für die Atomkraft, kein privatwirtschaftlich rentabler Business Case weltweit — genau die Kostendimension, auf die Sterner gegenüber Söder verweist.
→ Felix Goldbach — Batteriespeicher und die ignorierte Lösung
Komplementäre Speicher-Perspektiven: Sterner zeigt Power-to-Gas und Biogas als Langzeitspeicher (der “bayerische Max”), Goldbach zeigt Batterien als kurzfristigen Ausgleich. Zusammen ergibt sich das vollständige Speicher-Portfolio, das Söders “Erneuerbare reichen nicht”-Argument entkräftet.
→ Claudia Kemfert — Die Fossilokratie
Kemferts “Fossilokratie”-Begriff trifft den Kern von Sterners Kritik: Wer auf Kernkraft und fossile Energien mit CCS setzt, macht Deutschland erpressbar — russisches Uran, nahöstliches Öl. Kemfert liefert den systematischen Begriff für das, was Sterner am konkreten Söder-Fall vorführt.
→ Laura Zöckler — Bürgerenergie und die Demokratisierung der Energiewende
Sterners regionaler Wertschöpfungs-Gedanke (Erneuerbare als heimische Industrie gegen Importabhängigkeit) findet bei Zöckler seine politische Konsequenz: 40% der deutschen Erneuerbaren-Kapazität in Bürgerhand untermauert das Strauß-Argument (Autarkie als konservatives Kernanliegen) empirisch.
→ Presseclub — Reiches Energiewende
Der Presseclub verhandelt dieselbe Grundfrage — ist Reiches und Söders Kurs wirtschaftlich vernünftig oder Rückschritt? — aber aus journalistischer Metaperspektive statt wissenschaftlicher. Die Debatte über Netzausbau und Speicheralternativen spiegelt Sterners technische Argumentation im politischen Diskurs.
→ Dirk Specht — Merit Order und Großbatterien
Specht entzaubert denselben “Primärenergieirrtum” wie Sterner Söders Kernkraft-Mythos: Beide zeigen, wie falsche Kategorien politisch instrumentalisiert werden. Wo Sterner auf Söder und Bayern zoomt, liefert Specht die systemische Marktanalyse — Merit Order, Speicherblockaden, das chinesische Direktversorgungsmodell.
→ MONITOR — Atomkraft-Comeback und die Mini-Reaktoren
MONITOR zeigt Söders SMR-Vorstoß („Blaupause made in Bavaria”) im O-Ton, den Sterner hier faktencheckt — mit denselben Belegen (Flamanville, Olkiluoto, Kostenexplosion). Sterner liefert die wissenschaftliche Widerlegung, MONITOR das investigative Fallbeispiel inklusive des insolventen THTR-Erbes.
Weiterdenken
Was Aristoteles vielleicht gefragt hätte
- Söder rahmt 100% Erneuerbare als “Traum” — aber ist das politische Sprache oder echte Überzeugung? Und was wäre die Konsequenz, wenn beides stimmt?
- Wenn Bayern mit seinen Biogasanlagen und Power-to-Gas tatsächlich energieautark sein könnte — warum ist das kein konservatives Kernanliegen? Was verhindert die Verbindung zwischen Heimatliebe und Energieautarkie?
- Sterner ist überzeugender Bürgerkommunikator und Wissenschaftler — aber bleibt er in seiner eigenen Bubble? Welche Studien würden Söders Position tatsächlich stützen?
- Die Brennstäbe aus Russland werden kaum diskutiert. Warum schweigt die Kernkraft-Debatte über ihre eigene geopolitische Abhängigkeit?
- Dezentrale Biogasanlagen als Rüstzeug gegen Infrastrukturangriffe (Ukraine-Vergleich) — denkt Sicherheitspolitik Energie schon so?











