0:00
1:00
Gedankenraum
Zeitgeist·11. Oktober 2026·1:00 h·47 Belegstellen

Alles wird Strom — Warum Millionen Energiewende-Mythen glauben

Man muss niemanden vom Gegenteil überzeugen, es genügt ein Zweifel — zwei Solar-Erklärer über die Mythen der Energiewende und die Frage, warum sie verfangen.

🎨

Vincent van Gogh — Der Sämann von 1888, dick gespachtelt in Chromgelb und Violett. Van Gogh malte den Sämann als Bild für Hoffnung und neuen Anfang; hier sät einer im Stadtanzug, und wo seine Körner fallen, wachsen Disteln. Er muss kein Feld umpflügen, er streut nur. Über allem die riesige Sonne, von der es angeblich nicht genug gibt, am Horizont die Windräder, und in der erleuchteten Tür steht eine Familie und weiß nicht, wem sie glauben soll. Van Goghs pastoser Strich, weil er der Landschaft und dem Licht ein Gewicht gibt, gegen das der kleine dunkle Mann mit dem Sack fast lächerlich wirkt und trotzdem seine Spur hinterlässt.

Prompt: Wide panoramic banner in the style of Vincent van Gogh's The Sower (1888), thick impasto oil paint with visible directional brushstrokes. An enormous blazing yellow sun disc fills the upper center, sinking at the horizon. In the foreground a man in a dark city suit and hat strides across ploughed violet-blue furrows, casting a handful of small black seeds from a sack; where his seeds have fallen, grey thistles sprout in a trail behind him. Far in the background golden wheat and a row of tall white wind turbines turning, a farmhouse with a lit doorway where a small family stands watching, unsure. Complementary palette of chrome yellow, violet and ultramarine with green accents. No text, no letters, no signature.

Worum es geht

Man muss niemanden vom Gegenteil überzeugen, es genügt ein Zweifel. Felix Goldbach und Robin Schmid aus dem Podcast Alles wird Strom nehmen sich Sätze vor, die auf TikTok und Facebook tausendfach geteilt werden: CO₂ sei Leben, es gebe nicht genug Sonne, die Dunkelflaute dauere den ganzen Winter, saubere Energie ruiniere die Industrie. Am stärksten sind sie mit den Zahlen des Deutschen Wetterdienstes und mit einer kleinen Geschichte des Wirkungsgrads von der Kerze bis zur Wärmepumpe. Die Frage aus dem Titel, warum Millionen das glauben, streifen sie nur, in dem, was sie selbst „Handtaschenpsychologie“ nennen — darum nimmt die Nachbesprechung sie mit der Forschung wieder auf. Beide leben von der Energiewende, und die Folge bezahlt ein Heiztechnik-Hersteller; das gehört mit auf den Tisch.

Quelle: Die dümmsten Aussagen zur Energiewende – und warum sie Millionen Menschen glauben (Alles wird Strom, 28.07.2026, 65 Min., präsentiert von Viessmann)

Wer spricht?

Felix Goldbach (Hannover) — gelernter Banker und Betriebswirt, schrieb seine Bachelorarbeit über die Photovoltaik-Industrie und war sechs Jahre beim Speicherhersteller FENECON. Heute betreibt er den YouTube-Kanal Felix Goldbach (rund 85.000 Abonnenten) und den Zweitkanal Verbrennen ist vorbei. Er ist Kommunikator, kein Wissenschaftler, und hat ein eigenes Geschäft an der Sache: Über seine Plattform Money for Future bezahlen Installateure für Kundenanfragen, dazu kommen Affiliate-Links und bezahlte Vorträge vor Branchenpublikum. In dieser Folge hat er die Mythen gesammelt und vorbereitet.

→ DenkerVita

Robin Schmid (Berlin) — früher Radio- und Bühnenmoderator, erklärt seit 2017 auf Robin TV die Elektromobilität und auf Robin PV Balkonkraftwerke und Heimspeicher. Im Podcast ist er der Gastgeber, der fragt und zuspitzt; hier reagiert er ungeprobt auf Felix' Fundstücke und liest auch die Werbung des Sponsors. Seine Kanäle leben von Kooperationen mit der Branche, über die er berichtet (u. a. VW, EnBW, EcoFlow, FENECON).

→ DenkerVita


„CO₂ ist Leben“ — die halbe Wahrheit

6:07 — Der erste Satz auf Felix' Liste kommt nicht aus dem Netz. Ein Installateur hat ihn nach einem Vortrag angesprochen: toller Vortrag, aber das mit dem CO₂ sei eine riesige Lüge, man brauche es doch zum Leben. Auf Social Media steht derselbe Gedanke als Parole, „die Klimalüge ist entlarvt, CO₂ ist Leben“.

Was den Satz so haltbar macht, ist sein wahrer Kern. Pflanzen brauchen Kohlendioxid, Gewächshäuser werden damit gedüngt. Felix hält das Bild dagegen, das jeder versteht:

„Wasser ist Leben, aber wenn du bis zum Hals im Wasser stehst und es dann noch höher geht, dann ist es irgendwann zu viel Wasser.“6:53

Im Gespräch — 6:53

Auf die Menge kommt es an. Die Physik dahinter ist alt: Joseph Fourier beschrieb 1824, dass die Erde ohne eine Art Wärmedecke viel kälter sein müsste, und Eunice Foote zeigte 1856 in einem Glaszylinder in der Sonne, dass Luft mit Kohlendioxid sich stärker erwärmt14:29. Ohne Treibhausgase wäre das meiste Wasser auf der Erde Eis; mit zu vielen davon stößt auch das Pflanzenwachstum an seine Grenze, weil es den Pflanzen zu heiß wird.

12:11 — Dann ein Vergleich, der mehr erklärt als die Physik. Niemand kann im Detail erklären, wie das WLAN im Handy funktioniert, und niemand käme deshalb auf die Idee, es zu leugnen. Beim Klima gelingt genau das, weil man es nicht in der Hand hält wie ein Telefon. Darin liegt die Mechanik solcher Sätze: Sie greifen dort an, wo die eigene Anschauung aufhört und man auf das Wissen anderer angewiesen ist. Wer „CO₂ ist Leben“ sagt, muss nichts beweisen, er muss nur eine Selbstverständlichkeit gegen eine Abstraktion stellen.

Follow the money — in beide Richtungen

7:38 — Woher kommen solche Sätze? Felix' Antwort ist eine Kette von Namen. Charles Koch, Erbe eines der größten privaten Öl- und Chemiekonzerne der USA, habe mit seinem Bruder das Heartland Institute gegründet und es mit viel Geld ausgestattet, zuletzt mit vier Milliarden Dollar, für die er sogar ein Gesetz habe ändern lassen (Faktencheck: falsch — Heartland gründete David Padden 1984; die 4,3 Milliarden gingen 2022 an Kochs eigene Politik-Organisation). In Deutschland nennt er das EIKE als Ableger dieses Netzes, weltweit einige hundert Organisationen mit über 1.500 Vollzeitkräften10:41. Exxon könne nicht auf seine Website schreiben, dass es den Klimawandel nicht gibt — dafür brauche es Think Tanks. Dazu die Größenordnung: rund drei Milliarden Dollar am Tag über Jahrzehnte — Öl- und Gasrenten, die zum größten Teil an Förderstaaten gehen —, und Subventionen, die im Krisenjahr 2022 bei 1,3 bis 1,5 Billionen lagen und vor allem aus verbilligten Endkundenpreisen bestehen (Faktencheck: vereinfacht).

Den naheliegenden Einwand spricht er selbst aus: Ihr wollt doch nur eure Wärmepumpen und Solarmodule verkaufen. Seine Antwort:

„Dieses Geschäft des Verkaufs der Energiewende ist ein Pups-furz-klein-Mini-Quatschgeschäft im Vergleich zu den Multimilliarden, die die Fossillobby täglich macht.“17:31

Hören — 17:31

Und dann der Gedanke, der am meisten trägt18:16: Es sei gelungen, die Verhältnisse umzudrehen. Die weltweite Klimaforschung koste vielleicht eine halbe bis eine Milliarde Euro (Faktencheck: zu niedrig — allein die USA geben rund vier Milliarden Dollar aus), und doch gelten die Forschenden als die, die abkassieren wollen. Die Pointe trägt auch mit den richtigen Zahlen: Sie liegen zwei bis drei Größenordnungen unter den fossilen Renten.

Bei den Gewinnen trägt das Argument mit der Größenordnung, bei den Märkten nicht: Die Internationale Energieagentur erwartet für 2025 rund 2,2 Billionen Dollar Investitionen in saubere Energie, doppelt so viel wie in fossile (Faktencheck: falsch). „Ein paar Millionen“ ist die Stelle, an der das eigene Interesse unsichtbar gemacht wird — ausgerechnet in dem Satz, der den Vorwurf des Eigeninteresses abwehren soll. Ein Interesse wird nicht dadurch kleiner, dass das andere größer ist. Die Folge selbst zeigt es: Bevor das erste Wort über Desinformation fällt, liest Robin drei Minuten lang die Vorzüge eines Viessmann-Stromspeichers vor, und Felix verdient an Vorträgen und Kundenvermittlung für Installateure. Dabei ist selbst dieses Interesse nicht eindeutig: Viessmann gehört seit 2024 dem US-Konzern Carrier und verkauft weiter Gasbrennwertkessel, profitiert also auch von dem Heizungsgesetz, das die beiden am Ende verspotten. Beides macht die DWD-Zahlen nicht falsch. Aber wer „follow the money“ zum Prüfstein erklärt, muss ihn auch an sich selbst anlegen lassen — und Robin tut es, als er sagt, man solle nachlesen, statt eins zu eins zu übernehmen, zum Beispiel bei Christian Stöcker12:56.

Weitergedacht

Wenn „follow the money“ der Prüfstein ist — wie misst man ein Interesse, das kleiner ist als das der Gegenseite, aber trotzdem da? Reicht es, es offen zu nennen?

Der Arzt, der Metzger und die Talkshow

19:01 — Felix staunt über eine Doppelmoral, die er überall sieht. Wenn ein Unternehmen wie Biontech eine Krebstherapie fände, nähme jeder die Wissenschaft gern an, obwohl Biontech damit Geld verdient. Wird die Wissenschaft unbequem, heißt es plötzlich, da wolle nur jemand verdienen. Rund 21.000 bis 22.000 Forschende befassten sich mit dem Klima — eine Zahl, für die sich keine Quelle findet —, und sie wollten den Menschen helfen wie Mediziner auch.

Sein Bild dafür ist der Blinddarm20:31. Wenn zwei, drei Ärzte sagen, man müsse sofort operieren, lässt man sich operieren. Niemand geht zum Metzger, nur weil der sich mit Innereien auskennt. Und doch passiert genau das im Fernsehen:

„Dann lädt man einen […] in eine Talkshow ein und setzt den neben einen hochrenommierten Klimaforscher, und dann wird so getan, als wenn der eine genauso viel Ahnung hat wie der andere.“20:31

Im Gespräch — 20:31

Die Medienforschung hat für dieses Muster einen Namen, false balance — die falsche Ausgewogenheit, die einem Forschungsstand und einer Einzelmeinung gleich viel Sendezeit gibt und damit einen Streit inszeniert, den es in der Wissenschaft nicht gibt. Felix' Beispiel dazu ist eine Liste angeblicher Wissenschaftler mit Namen, die mit der Sache nichts zu tun hatten16:00. Am besten passt die Leipziger Erklärung, die Fred Singers amerikanischer Verein SEPP 1995 und 1997 verbreitete: Unter rund 140 Unterzeichnern waren 25 Wetteransager, und als das dänische Fernsehen die europäischen Namen prüfte, bestritten zwölf, je unterschrieben zu haben. Die Korrektur kam, aber sie erreichte nie die Reichweite der Liste. Die Blinddarm-Analogie hat allerdings eine Lücke, die man nennen sollte: Beim Arzt entscheidet man über den eigenen Körper, beim Klima über das Heizungsgesetz des Nachbarn. Wer die Diagnose annimmt, muss auch die Therapie mittragen, und über die Therapie darf man streiten.

Genug Sonne — und das eigentliche Problem

21:16 — „Es gibt nicht genug Sonne“: Bei diesem Satz bricht Robin in Gelächter aus. Felix erinnert an Holger Neuhaus vom Fraunhofer-Institut, der ihm gesagt habe, es gebe so viel Sonnenenergie, dass sie uns zu den Ohren herauskomme. Die Zahlen dazu23:35: Die Welt braucht für alles zusammen — Fahren, Heizen, Industrie, Strom — rund 16 Terawatt, die Sonne liefert allein auf die Landflächen rund 23.000, der Wind 20 bis 80 — Zahlen aus einer Grafik von 2009, der Bedarf liegt heute eher bei 19 bis 20 Terawatt, am Verhältnis ändert das nichts.

Dann dreht er das Argument um, mit Absicht absurd:

„Wenn die Sonne begrenzt wäre, wäre es ja unglaublich wichtig, dass wir möglichst viel von dieser Energie noch schnell einfangen.“22:50

Im Gespräch — 22:50

Das Wichtigere sagt er gleich danach. Der einzige echte Vorteil der Fossilen sei, dass man sie ausgraben, hinlegen und nutzen kann, wann man will — „wie eine vollgeladene Batterie, die du aus der Erde rausbuddelst“, ergänzt Robin24:20. Davon kommt bei Kohle oder Öl nur ein Drittel bis die Hälfte als Nutzen an, der Rest verpufft als Wärme. Das Problem der Erneuerbaren ist die Speicherung, nicht die Menge. Diese ehrliche Verschiebung ist mehr wert als das Gelächter, denn sie verlegt den Streit dorthin, wo er hingehört. Weniger tragfähig ist Felix' Gedankenspiel eines Solarbands um den Äquator mit Leitungen nach Norden und Süden25:05; die chinesischen 800-Kilovolt-Leitungen gibt es, ein Weltnetz aus ihnen ist eine Vision und keine Planung.

Die Dunkelflaute in Zahlen

25:51 — „Die Dunkelflaute ist den ganzen Winter.“ Hier ist die Folge am besten, weil Felix aufhört zu spotten und eine Grafik zeigt. Im Winter weht in Deutschland viel Wind, an stürmischen Tagen decken die Erneuerbaren, vor allem die rund 29.000 Windräder an Land, schon heute zeitweise mehr als den gesamten Bedarf; im Sommer scheint die Sonne. Legt man beide Kurven übereinander, ergänzen sie sich gut.

Dann die Zahlen des Deutschen Wetterdienstes28:51, vorgestellt auf seiner Klima-Pressekonferenz im März 2018. Gezählt sind Phasen von mindestens 48 Stunden, in denen Wind (und Sonne) im Mittel weniger als zehn Prozent ihrer Nennleistung liefern, Wetterdaten von 1995 bis 2015:

Was eingerechnet istPhasen > 48 h pro Jahr
Wind an Land23
Wind an Land und auf See13
Wind und Sonne, Deutschland2
Wind und Sonne, europäischer Verbund0,2

Das ist ein Maß für extremes Wetter, nicht dafür, wann der Strom nicht reicht — Felix liest es etwas großzügiger. Zehn bis zwanzig Tage im Jahr, an denen es wirklich eng wird, schätzt er selbst30:24; dann braucht es Gaskraftwerke, Biogas, große Batterien. Felix sagt es klar:

„Das Problem der tatsächlichen Dunkelflaute ist natürlich da. Das kann man auch nicht schönreden, aber es ist ingenieurstechnisch durchaus lösbar.“32:42

Im Gespräch — 32:42

Den Hieb, den er gleich anschließt, kann er sich nicht verkneifen: Zweimal im Jahr soll unlösbar sein, aber die Kernfusion in fünf Jahren schaffen wir, „lieber Herr Merz“. Den Widerspruch zwischen Fusions-Optimismus und Dunkelflauten-Pessimismus gibt es, die fünf Jahre nicht — der Aktionsplan der Regierung nennt die 2040er (Faktencheck: vereinfacht). Das Europa-Argument danach ist mehr als Pflichtbekenntnis35:45. Das europäische Verbundnetz nennt Felix „die größte Maschine der Welt“, eine Maschine, die immer laufen muss und mit allen Nachbarn verbunden ist; irgendwo in Europa weht immer Wind. Der Stromausfall in Spanien im April 2025 habe gezeigt, dass diese Verbindungen noch zu schwach sind (Faktencheck: vereinfacht — der ENTSO-E-Bericht nennt die Spannungshaltung als Ursache, auch von Wind- und Solaranlagen). Und Robin zieht die politische Linie37:16: Lieber ein bisschen abhängig von Wind aus Portugal als von einem Lieferanten, der sagt, ändert euer Mediengesetz, sonst gibt's kein LNG mehr.

Eine Grenze dieser Zahlen bleibt bei Felix unerwähnt. Die DWD-Auswertung zählt Wetterlagen, sie sagt nichts darüber, wie viel Speicher und Reservekraftwerke man für die seltenen langen Flauten tatsächlich braucht. Gerade die seltenen, großräumigen Winterflauten bestimmen das — das extremste Ereignis seit 1985 war der Winter 1996/97, und es traf viele Länder zugleich (Kittel, Roth & Schill 2026, doi:10.1038/s41467-026-72681-5). „Lösbar“ bleibt richtig, klein ist das Problem nicht; mehr dazu in der Nachbesprechung.

Weitergedacht

Zweimal im Jahr in Deutschland, alle fünf Jahre im europäischen Verbund — ist das Vertrauen auf die Nachbarn ein technisches Argument oder ein politisches, und was gilt, wenn Europa sich nicht mehr einig ist?

Kerze, Glühbirne, LED — Modernisierung statt Ruin

41:50 — „Deutschland wird durch saubere Energien deindustrialisiert“, ein Industrieland könne man nicht mit dezentralen Kleinanlagen betreiben, „das ist unser Ruin“. Felix räumt mehr ein, als man erwartet: Die ersten achtzig Prozent erneuerbarer Strom seien technisch kein großes Problem, die letzten zehn bis zwanzig — Wasserstoff, Hochtemperatur-Prozesse der Industrie — seien die eigentliche Herausforderung und würden lange dauern42:36.

Seine Gegenthese übernimmt er von Tim Meyer, Autor von Strom: Die Energiewende sei falsch benannt.

„Man darf das gar nicht Energiewende nennen eigentlich. Eigentlich müsstest du es Modernisierungsprogramm nennen.“40:18

Im Gespräch — 40:18

Die Begründung ist eine kleine Geschichte des Wirkungsgrads44:08. Licht: die Kerze mit einem Prozent, die Glühbirne mit fünf, die LED mit rund fünfunddreißig (Faktencheck: die Zahlen sind ungenau, der Sprung ist sogar größer — Kerze unter einem Promille, Glühbirne rund zwei, LED fünfzehn bis dreißig Prozent). Wärme: das Holzfeuer mit zwanzig Prozent, die Gastherme mit knapp hundert, die Wärmepumpe mit drei- bis vierhundert — genauer: einer Jahresarbeitszahl von drei bis vier, wie Fraunhofer-Feldtests im Altbau zeigen —, weil sie die Energie aus der Luft holt — „das klingt wie Hexerei“, sagt Felix, „Perpetuum mobile“, spottet Robin45:40. Kraftwerke, die Dampf erzeugen, kommen wegen der Thermodynamik (Carnot) nie in die Bereiche, in denen Strom direkt arbeitet. Überall dieselbe Bewegung: vom Verbrennen zum Strom. Wir streiten, so Felix, noch nicht einmal über Glühbirne oder LED, wir streiten über Kerze oder Glühbirne.

Dazu die schönste Anekdote des Abends. Als die ersten Elektroherde auf den Markt kamen, sagten die Leute: „Das Essen schmeckt elektrisch.“47:59 Heute isst fast jeder elektrisch gekochtes Essen, und keiner merkt es. Das Steuer-Argument, das Felix nebenbei abräumt — der Staat verliere die Benzinsteuer —, beantwortet er mit Vermögens- und Erbschaftssteuer und dem Wachstum neuer Branchen39:33. Das ist eine politische Position und keine Mythenkorrektur; man kann sie teilen, aber sie gehört zu einer anderen Debatte.

Warum Millionen es glauben

51:50 — Nach fast einer Stunde kommen die beiden zu der Frage aus dem Titel, und man merkt, dass sie hier selbst nur tasten. Robin wundert sich über die Auswahl50:19: Wer LED und Elektroherd selbstverständlich nutzt, glaubt beim Auto plötzlich an den Haarausfall. Felix kennt Leute mit Solaranlage, Wärmepumpe und E-Auto, die keine Mikrowelle im Haus haben wollen. Felix nennt zwei Erklärungen. Der Mensch verstehe keine exponentiellen Kurven — 1900 die Fifth Avenue in New York voller Pferdekutschen mit einem einzigen Auto, dreizehn Jahre später das umgekehrte Bild. Und die Evolution habe uns gegen Neues misstrauisch gemacht: Wer neugierig auf einen Säbelzahntiger zuging, überlebte nicht. Er nennt das selbst „meine Handtaschenpsychologie“53:21.

Dann sagt Robin den Satz, der die Folge rettet, weil er das Bullshit-Bingo vom Anfang zurücknimmt:

„Ich würde gar niemandem da draußen unterstellen, dass er irgendwie doof ist oder sich nicht richtig verhält. Ich finde eher, dass die Umgebung so fies ist.“55:36

Hören — 55:36

Er erzählt es an seiner eigenen Familie56:21. Er ist der, der jede Neuerung sofort ausprobiert, und die Familie fragt, was er jetzt wieder für modernen Kram auspackt. Er sucht Quellen, erklärt, gibt sich Mühe, und irgendwann sagen sie: leuchtet ein. Stünde aber ein erfundener böser Bruder daneben, der bei jedem Satz sagt, aus wissenschaftlichen Gründen sei alles ganz anders — dann würden sie skeptisch bleiben, und niemand führe ein Elektroauto. Felix setzt den letzten Stein:

„Das war immer nicht die Taktik, die Leute vom Gegenteil zu überzeugen, sondern Zweifel zu säen, damit sie bei dem bleiben, was sie kennen.“57:06

Hören — 57:06

So war es bei der Tabakindustrie, deren Memo von 1969 es wörtlich sagt — „Doubt is our product“ —, und bei der Zuckerindustrie, die 1965 Harvard-Forscher für einen Überblicksartikel bezahlte, der Zucker als Ursache von Herzkrankheiten kleinredete (Kearns, Schmidt & Glantz 2016, doi:10.1001/jamainternmed.2016.5394). Der Gedanke dreht die Frage aus dem Titel um. Die Menschen, die die Mythen teilen, müssen sie gar nicht für wahr halten; es reicht, dass sie den Eindruck bekommen, die Fachleute seien sich nicht einig. Dann ist Abwarten die vernünftigste Haltung der Welt. Das erklärt auch Robins Familie besser als der Säbelzahntiger: Skepsis gegenüber Neuem ist kein Defekt, sie ist eine Arbeitsteilung, die vom Vertrauen in die Erklärer lebt. Wer dieses Vertrauen vergiftet, muss kein einziges Argument gewinnen. Welche Forschung es dazu gibt und was gegen den gesäten Zweifel tatsächlich hilft, steht unten in der Nachbesprechung.

Weitergedacht

Robin glaubt, dass gute Erklärung überzeugt, wenn kein „böser Bruder“ daneben steht. Was aber, wenn der Zweifel von innen kommt, aus dem Gefühl, dass mit der Wärmepumpe auch ein Lebensstil abgewählt wird — hilft dann noch eine Grafik?

Wenn die Ministerin selbst falsch rechnet

57:51 — Zum Schluss hat Felix „noch so ein paar Dinger mitgebracht“, und diesmal kommen sie aus dem Wirtschaftsministerium. Katherina Reiche habe gesagt, für drei Milliarden Euro werde Strom weggeworfen. Abgeregelt werde tatsächlich, aber die Entschädigung für die Solar- und Windanlagen koste nur einige hundert Millionen; das große Geld gehe an die Betreiber der Kraftwerke im Süden, die angeworfen werden, weil der Strom aus dem Norden nicht durch die Leitungen kommt. Die Zahlen der Bundesnetzagentur geben ihm recht: 3,07 Milliarden Euro kostete das Engpassmanagement 2025, davon 433 Millionen die Entschädigung für abgeregelten Ökostrom; der Rest ging an Kohle-, Öl- und Gaskraftwerke und an die Netzreserve. Reiches Summe stimmt, ihre Zuordnung nicht. Und zum neuen Heizungsgesetz habe sie Planungssicherheit versprochen, während im Gesetz selbst stehe, dass sich die Preise für die „Bio-Treppe“ nicht vorhersagen lassen58:37. Auch das trifft er fast wörtlich, nur steht der Satz in der Folgenabschätzung der Beschlussempfehlung, nicht im Normtext: „Die Preise für biogene Brennstoffe in der Zukunft können nicht vorhergesagt werden“ (Drucksache 21/7009). Dass sogar die EU-Kommission das Gesetz kritisiert habe, lässt sich nicht belegen; die belegte Kritik kam vom Normenkontrollrat und aus den Ausschüssen des Bundesrats.

„Es ist wirklich Trumpismus pur.“59:22

Im Gespräch — 59:22

Felix' Befund stimmt, sein Etikett nicht. Das Wort ist zu groß, und gerade nach Robins Satz über die fiese Umgebung fällt es auf. Aber der Befund dahinter ist ernster als der Spott über TikTok-Parolen. Felix sagt es selbst: Gegen die Fakten spielen auch die eigenen Politiker, neben Social Media und Charles Koch59:22. Wenn die Zahl einer Ministerin dasselbe Muster hat wie die Parole aus dem Netz — wahre Beobachtung, falsche Zuordnung —, verschwimmt die Grenze zwischen Desinformation und politischer Rhetorik. Bei Reiche heißt das Muster: richtige Summe, falsche Schublade.


Nachbesprechung

Zwei Fragen, die die Folge aufwirft und offen lässt — und was man über das hinaus weiß, was an diesem Abend gesagt wurde.

Hilft Erklären gegen gesäten Zweifel?

Robins Vertrauen in die gute Erklärung hat einen Gegner, den er nicht nennt. 2012 befragten Dan Kahan und Kollegen US-Amerikaner zu den Risiken des Klimawandels und maßen zugleich, wie gut sie mit Zahlen und naturwissenschaftlichem Wissen umgehen. Wer mehr wusste, war nicht besorgter, er war gespaltener: Bei den Kundigsten lagen die politischen Lager am weitesten auseinander (Kahan et al. 2012, Nature Climate Change, doi:10.1038/nclimate1547; viel zitierte Querschnittsstudie). Kahans Deutung ist, dass Menschen ihr Wissen benutzen, um die Position ihrer Gruppe zu verteidigen, weil der Streit ums Klima ein Streit um Zugehörigkeit ist. Dann säße Robins „böser Bruder“ in jedem Einzelnen mit am Tisch.

Ganz so düster hält der Befund nicht. Als Ben Tappin, Gordon Pennycook und David Rand die Vorüberzeugungen herausrechneten, blieb ein Effekt der politischen Identität, aber kein klarer Beleg, dass Bildung ihn verstärkt (Tappin, Pennycook & Rand 2021, doi:10.1037/xge0000974; drei Einzelstudien, USA). Und die Sorge, eine Korrektur könne den Irrtum noch festigen — der berühmte Backfire-Effekt —, ließ sich in großen Testreihen kaum bestätigen: Korrekturen wirken im Schnitt, oft schwach, aber sie schaden selten (Wood & Porter 2019, doi:10.1007/s11109-018-9443-y; Ecker, Lewandowsky & Chadwick 2020, doi:10.1186/s41235-020-00241-6). Die Forschung gibt Robin also halb recht. Erklären hilft ein wenig und schadet kaum; wo an einem Thema eine Identität hängt, bewegt es weniger, als er hofft.

Felix' These vom gesäten Zweifel hat ein eigenes Forschungsprogramm. Sander van der Linden nennt den wahrgenommenen Konsens der Fachleute eine „Einstiegsüberzeugung“: Wer erfährt, dass sich rund 97 Prozent der Klimaforschenden einig sind, schätzt die Einigkeit höher ein, und mit ihr steigen Sorge und Zustimmung zur Klimapolitik (van der Linden et al. 2015, doi:10.1371/journal.pone.0118489). Eine Bündelung von neun Studien mit knapp 13.000 Teilnehmenden stützt das Modell (Rode et al. 2025, doi:10.1016/j.cobeha.2025.101521); sie kommt allerdings aus demselben Umfeld, und Kahan hielt schon die Effekte der ersten Studie für dürftig. Umgekehrt gelesen ist das genau Felix' Punkt. Wenn der Eindruck von Einigkeit Haltungen verschiebt, dann verschiebt der Eindruck von Streit sie auch — und die Talkshow mit dem Metzger am Tisch stellt ihn her.

Was hilft, wenn der Zweifel schon gesät ist? Am besten untersucht ist die Impfung vorher, das Prebunking. In einem Feldversuch sahen gut 22.000 Menschen auf YouTube statt einer Werbung einen kurzen Clip, der eine Manipulationstechnik erklärt — falsche Entweder-oder, emotionalisierte Sprache, Sündenböcke —, und erkannten sie danach häufiger wieder, über die politischen Lager hinweg (Roozenbeek et al. 2022, Science Advances, doi:10.1126/sciadv.abo6254). Meta-Analysen bestätigen kleine bis mittlere Effekte: Falschmeldungen werden weniger geglaubt, ohne dass die Menschen danach allem misstrauen (Lu et al. 2023, doi:10.2196/49255; Simchon et al. 2026, doi:10.1016/j.copsyc.2025.102194). Auf die Absicht, Falsches weiterzuteilen, war der Effekt nicht signifikant, und wie lange die Impfung hält, ist offen. Den Stand des Debunkings fasst Ecker et al. 2022, Nature Reviews Psychology, doi:10.1038/s44159-021-00006-y zusammen.

Für Deutschland fehlt ausgerechnet der Gegenstand der Folge: Eine belastbare Erhebung, wie verbreitet einzelne Energiewende-Mythen sind, war nicht zu finden. Es gibt eine Auftragsumfrage des Stromanbieters Tibber, nach der 57 Prozent glaubten, 2024 hätten Kohle und Gas den meisten Strom geliefert — tatsächlich war es der Wind (topagrar); wer sie zitiert, sollte den Auftraggeber dazusagen. Und es gibt einen Befund, der Felix' Bild verschiebt. Andreas Löschel fand in den windreichsten Gemeinden Nordrhein-Westfalens eine Mehrheit, die der Windkraft zustimmt und ihre Nachbarn für dagegen hält. Dort muss niemand Zweifel säen; die Mehrheit unterschätzt sich selbst und schweigt.

Gegen den Reflex, Botschaften immer feiner zu schleifen, steht Aladin El-Mafaalani: Wer Misstrauenden mit Framing und neuen Narrativen begegnet, beweist ihnen nur, dass man sie bearbeiten will. Das trifft auch einen Podcast, der seine Aufklärung mit drei Minuten Werbung für einen Stromspeicher eröffnet.

→ Weiter im Panorama: Wie viel darf man der Wissenschaft glauben?, mit Wilholt, Lewandowsky, Oreskes und El-Mafaalani — und neu Buyx, DiResta und Löschel.

Wie viel Speicher braucht die Dunkelflaute?

Felix rechnet mit der Zahl der Ereignisse: zweimal im Jahr in Deutschland, alle fünf Jahre in Europa. Für den Speicherbedarf zählt aber weniger, wie oft eine Flaute kommt, als was zwischen zwei Flauten nachgeladen werden kann. Oliver Ruhnau und Staffan Qvist haben ein Stromsystem aus hundert Prozent Erneuerbaren für Deutschland durch 35 Jahre stündlicher Wetterdaten geschickt (Ruhnau & Qvist 2022, Environmental Research Letters, doi:10.1088/1748-9326/ac4dc8; peer-reviewte Modellstudie). Einzelne knappe Phasen dauerten höchstens zwei Wochen. Das größte Defizit aber zog sich über neun Wochen, weil mehrere Flauten kurz aufeinander folgten, mit Speicherverlusten bis zu zwölf. Der kostengünstigste Speicher dafür muss 36 Terawattstunden liefern, rund dreimal so viel, wie die schlimmsten zwei Wochen allein bräuchten — überwiegend Wasserstoff in Salzkavernen. Batterien decken Stunden und Tage, die Wochenlücke decken sie nicht. Die Studie rechnet Deutschland als Insel; mit den Nachbarn wird die Lücke kleiner, aber sie verschwindet nicht: Für Europa bleiben selbst bei unbegrenztem Austausch drei Prozent des Jahresstrombedarfs als Langzeitspeicher (Kittel, Roth & Schill 2026, siehe Faktencheck).

Das Wetter dahinter ist gut verstanden. Die meisten deutschen Dunkelflauten fallen in den Winter und gehen auf ein blockierendes Hoch über Europa zurück; liegt der Block über Grönland, wird es zugleich kalt, und der Bedarf steigt (Mockert et al. 2023, Meteorological Applications, doi:10.1002/met.2141). Einen Trost hat die Klimaforschung: Nach einer Modellstudie mit Klimaprojektionen bleiben Häufigkeit und Dauer solcher Lagen auch bei weiterer Erwärmung im Mittel etwa gleich (Strnad et al. 2026, doi:10.1017/eds.2026.10038; Einzelstudie).

Wie sich eine echte Flaute anfühlt, hat Deutschland im November und Dezember 2024 erlebt. Am 12. Dezember kostete die Megawattstunde im Day-Ahead-Handel in der teuersten Stunde 936 Euro. Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt prüften die Tage und fanden keinen Missbrauch: Der steuerbare Kraftwerkspark lief fast vollständig, Importe dämpften die Preise, Reserven von zwölf bis dreizehn Gigawatt standen bereit, und die Versorgung war jederzeit gesichert (Bundesnetzagentur, 21.10.2025). Beide Lager können sich darauf berufen: Die Preisspitze war echt, ein Blackout drohte nicht. Die Behörden zogen daraus einen Schluss, der Felix' „genug Batterien und ein paar Gaskraftwerke“ schwerer macht, als es klingt — neue steuerbare Kraftwerke und mehr Flexibilität, nicht das eine statt des anderen. Die Bundesregierung will in einer ersten Runde rund zehn bis zwölf Gigawatt neue, wasserstofffähige Gaskraftwerke ausschreiben (solarserver, 16.01.2026). Im Bestand halten Dirk Specht und Maximilian Fichtner dagegen, dass Speicher und Biogas mehr tragen könnten, als die Planung ihnen zutraut; der Akkudoktor rechnet vor, dass für ein paar hundert Reservestunden im Jahr billige Gasturbinen genügen und Kernkraft das falsche Werkzeug ist.

Felix' „lösbar“ bleibt stehen. Was die Forschung hinzufügt, ist die Größe der Aufgabe: Das Problem sind nicht zwei schlechte Tage im Jahr, sondern ein Winter, in dem drei schlechte Wochen aufeinander folgen.

→ Ein wachsendes Panorama zu dieser Frage gibt es noch nicht. Die Rechnung des Bestands steht im Panorama Energie, ausführlich bei Gutachter Kail.


Faktencheck

Falsch — Koch, Heartland und die vier Milliarden

Charles Koch habe mit seinem Bruder das Heartland Institute gegründet, es zuletzt mit 4 Mrd. $ ausgestattet und dafür ein Gesetz ändern lassen, damit es keine Steuern zahlt (7:38, 8:24). Heartland gründete 1984 der Chicagoer Investor David H. Padden; die Kochs haben das Cato Institute mitbegründet. Als Koch-Spende an Heartland ist nur 2011 ein Betrag von 25.000 $ belegt, die großen Geldgeber waren ExxonMobil (736.500 $, 1998–2005) und Donors Trust (13,5 Mio. $, 2002–2010). Die Milliarden gibt es an anderer Stelle: 2022 übertrug Koch Aktien von Koch Industries im Wert von 4,3 Mrd. $ an „Believe in People“, eine politische 501(c)(4)-Organisation seines eigenen Netzwerks, kein Klima-Thinktank. Auch das Gesetz hat einen wahren Kern: Koch Industries lobbyierte 2015/16 für die Schenkungsteuer-Befreiung von 501(c)(4)-Spenden, die im Dezember 2015 Gesetz wurde, in einer breiten Koalition bis zu liberalen Gruppen; Steuern spart der Spender, nicht die Organisation. Dass das Koch-Netzwerk Klimaleugnung finanziert hat, ist belegt (Brulle 2014, doi:10.1007/s10584-013-1018-7). Die Erzählung verdichtet das auf eine Person und einen Akt — griffig, und in den Details falsch. Quelle: Wikipedia: Heartland Institute · Sludge: Kochs 4,3-Mrd.-Spende · Popular Information: Koch-Lobbying 2015 (parteiischer Newsletter, verweist auf die Lobby-Register)

Vereinfacht — EIKE als „Ableger“, „einige hundert Organisationen, 1.500 Vollzeitkräfte“

EIKE sei ein Ableger dieses Netzes; weltweit gebe es einige hundert Organisationen mit über 1.500 Vollzeitkräften10:41. EIKE ist ein eigenständiger Verein in Jena; die Recherche von Correctiv und Frontal21 (2020) belegt aber, dass Heartland EIKE-Konferenzen mitfinanziert, EIKE selbst nannte sich „lose verbunden“ mit Heartland und CFACT. „Ableger“ überzeichnet, die Verbindung ist belegt. Die Forschung zählt in den USA 164 Organisationen der Gegenbewegung zum Klimaschutz (Farrell 2016, PNAS, doi:10.1073/pnas.1509433112). Für die „1.500 Vollzeitkräfte“: keine unabhängige Quelle gefunden. Quelle: Correctiv: Das Heartland Institute · Clean Energy Wire

Vereinfacht — „3 Mrd. $ Gewinn am Tag“ und „1,4 Billionen direkte Subventionen“

Die Fossilbranche verdiene seit Jahrzehnten 3 Mrd. $ am Tag, und wir subventionierten sie zusätzlich mit 1,4 Billionen jährlich9:55. Die 3 Mrd. stammen aus einer Auswertung von Aviel Verbruggen (2,8 Mrd. $ am Tag, 1970–2020): Öl- und Gasrenten, also Erlös minus Förderkosten, die zum größten Teil an Förderstaaten fließen, nicht an Konzerne. Die 1,4 Billionen sind die Spitze des Krisenjahrs 2022 (IMF explizit 1,3 Bio. $, OECD/IEA 1,48 Bio. $); 2023 fielen die Verbrauchssubventionen laut IEA auf rund 620 Mrd. $. Überwiegend sind es verbilligte Endkundenpreise in Schwellenländern und Krisenhilfen wie Tankrabatte. Die Größenordnung hält, der Spitzenwert als Dauerzustand nicht. Quelle: Guardian: Oil sector's $3bn-a-day profits · IEA: Fossil fuel subsidies · IISD zur IMF-Schätzung 2022

Falsch — Die Energiewende sei ein Geschäft von „paar Millionen“

Der Verkauf der Energiewende sei gegen die fossilen Milliarden ein „Pups-furz-klein-Mini-Quatschgeschäft“17:31. Die IEA erwartet für 2025 rund 2,2 Billionen $ Investitionen in saubere Energie, doppelt so viel wie in fossile (1,1 Bio. $). Investitionen sind keine Gewinne, und die fossilen Renten bleiben höher — aber ein Markt von „ein paar Millionen“ ist das nicht. Hier liegt das Interesse der Sprecher offen: Die Verkleinerung macht das eigene Geschäft (Vorträge, Vermittlung von Installateuren, ein Sponsor aus der Heiztechnik) unsichtbar, ausgerechnet in dem Satz, der den Vorwurf „ihr wollt nur verkaufen“ abwehrt. Quelle: IEA World Energy Investment 2025

Vereinfacht — Klimaforschung koste weltweit „500 Mio. bis 1 Mrd. €“, „21.000–22.000 Klimaforscher“

(18:16, 19:01) Allein die USA meldeten für 2023 rund 4 Mrd. $ für ihr Programm zur globalen Klimaforschung (USGCRP-Crosscut). Die Weltzahl ist deutlich zu niedrig, das vergrößert den Kontrast; die Pointe hält trotzdem, denn auch realistische Zahlen liegen zwei bis drei Größenordnungen unter den fossilen Renten. Für die 21.000–22.000 Forschenden: keine unabhängige Quelle gefunden. Quelle: Congressional Research Service: USGCRP — Overview

Bestätigt — Fourier 1824, Foote 1856 und die Grenze der CO₂-Düngung

Fourier beschrieb 1824 den Wärmeeffekt der Atmosphäre, Eunice Foote zeigte 1856, dass sich Luft mit CO₂ in der Sonne stärker erwärmt; zu viel Erwärmung hebt den Düngeeffekt auf (14:29, 15:15). Der Düngeeffekt ist real, er erklärt rund 70 % der globalen Ergrünung seit den 1980ern (Zhu et al. 2016, Nature Climate Change, doi:10.1038/nclimate3004). Aber jedes Grad Erwärmung kostet im Mittel 6,0 % Ertrag bei Weizen, 7,4 % bei Mais, 3,2 % bei Reis, 3,1 % bei Soja (Zhao et al. 2017, PNAS, vier unabhängige Methoden, doi:10.1073/pnas.1701762114), und mehr CO₂ senkt den Gehalt an Zink, Eisen und Protein im Getreide (Myers et al. 2014, Nature, Meta-Analyse, doi:10.1038/nature13179). Das Bild vom Wasser bis zum Hals trägt. Quelle: NOAA Climate.gov: Eunice Foote

Bestätigt (im Kern) — Die gefälschte Wissenschaftlerliste

In den USA sei eine Liste von etwa 150 angeblichen Wissenschaftlern verbreitet worden, darunter Unbeteiligte und Nicht-Wissenschaftler16:00. Am besten passt die Leipziger Erklärung (SEPP, Fred Singer, 1995/1997): bis zu 140 Unterzeichner, darunter 25 TV-Wetteransager; von 33 geprüften europäischen Unterzeichnern bestritten 12 die Unterschrift, 4 waren nicht auffindbar, insgesamt hatten nur etwa 20 einen fachlichen Bezug zum Klima. Die bekanntere Oregon Petition (1998, über 31.000 Namen) passt nicht zur Größenordnung. Dass falsche Expertenlisten verfangen und man vorbeugen kann, ist experimentell belegt (van der Linden et al. 2017, doi:10.1002/gch2.201600008; Cook, Lewandowsky & Ecker 2017, doi:10.1371/journal.pone.0175799). Quelle: Wikipedia: Leipzig Declaration · Wikipedia: Oregon Petition

Bestätigt — 16 TW Bedarf, 23.000 TW Sonne, 20–80 TW Wind

23:35 Das ist die bekannte Grafik von Perez & Perez (2009, IEA SHC): Solar 23.000 TW-Jahre pro Jahr auf den Landflächen, Wind 25–70, Weltverbrauch 16. Der heutige Bedarf liegt eher bei 19–20 TW; am Verhältnis ändert das nichts. Quelle: Perez & Perez: A fundamental look at energy reserves for the planet

Vereinfacht — HGÜ: „1 % Verlust auf 1.000 km“, ein China-Netz „bis nach Afrika“

(25:05, 36:30) Bei ±800 kV gehen etwa 2–3,5 % pro 1.000 km auf der Leitung verloren, dazu rund 1,5 % in den Konverterstationen — trotzdem weit besser als Wechselstrom. Eine chinesische HGÜ-Verbindung nach Afrika gibt es nicht, das sind die Weltnetz-Visionen von State Grid. Europa ist weiter, als Felix' „320 kV“ nahelegt: NordLink läuft mit ±525 kV. Quelle: POWER Magazine: China completes UHV transmission superhighway

Bestätigt — Die DWD-Zahlen zu Dunkelflauten

Phasen über 48 Stunden: Wind an Land 23-mal im Jahr, mit Offshore 13-mal, mit Photovoltaik 2-mal, im europäischen Verbund 0,2-mal (28:51, 31:57). Die Zahlen stammen von der DWD-Klima-Pressekonferenz am 6. März 2018. Gezählt wurden 48-Stunden-Phasen, in denen die mittlere Erzeugung unter 10 % der Nennleistung blieb, gerechnet mit heutiger Anlagentechnik. Das misst extremes Wetter, nicht den ungedeckten Bedarf; Felix' Lesart „zu wenig, um uns komplett zu versorgen“29:39 trifft es nicht ganz. Der DWD betont selbst, dass Reservekraftwerke, Speicher und großräumiger Austausch nötig bleiben. Quelle: DWD-Pressemitteilung 06.03.2018

Vereinfacht — „10 bis 20 Tage im Jahr“ und Europa löst es „alle fünf Jahre“

(30:24, 31:57) Die 15–20 Tage sind Felix' eigene Schätzung, keine DWD-Zahl. Und gerade die seltenen Ereignisse bestimmen den Speicherbedarf: Das extremste seit 1985 war der Winter 1996/97, es traf viele Länder gleichzeitig. Bei realistischem Netzverbund braucht Europa dafür 351 TWh Langzeitspeicher (7 % des Jahresstrombedarfs), selbst bei unbegrenztem Ausgleich 159 TWh (3 %). „Lösbar“ bleibt richtig, klein ist das Problem nicht. Quelle: Kittel, Roth & Schill 2026, Nature Communications, doi:10.1038/s41467-026-72681-5

Vereinfacht — „Kernfusion in fünf Jahren, lieber Herr Merz“

32:42 Laut Koalitionsvertrag soll das erste Fusionskraftwerk der Welt in Deutschland stehen; der Aktionsplan vom Oktober 2025 nennt dafür die 2040er-Jahre. Den Widerspruch zwischen Fusions-Optimismus und Dunkelflauten-Pessimismus gibt es, die fünf Jahre sind zugespitzt, damit die Gegenseite lächerlicher wirkt. Quelle: ZDFheute: Kernfusion — kommt bald der Durchbruch?

Vereinfacht — Spaniens Blackout zeige zu schwache Vernetzung

35:45 Der Abschlussbericht der ENTSO-E-Expertengruppe (20.03.2026) nennt Überspannung und unzureichende Spannungshaltung als Ursache: Konventionelle Kraftwerke lieferten zeitweise weniger als 75 % der angeforderten Blindleistung, viele Wind- und PV-Anlagen liefen mit festem Leistungsfaktor, manche trennten sich vor Erreichen der Grenzwerte vom Netz. Die Verbindung nach Frankreich riss erst am Ende der Kaskade. Iberiens schwache Anbindung ist ein reales Problem, war aber nicht die Ursache. Felix' Version lässt den Teil weg, der für die Solarbranche unbequem ist — „die Erneuerbaren sind schuld“ trägt umgekehrt aber auch nicht. Quelle: pv magazine zum ENTSO-E-Abschlussbericht

Vereinfacht — Die Wirkungsgrad-Leiter von der Kerze zur Wärmepumpe

(44:08, 47:12, 47:59)

  • Licht: Die Zahlen stimmen nicht, die Richtung schon — Kerze etwa 0,04 % Lichtausbeute, Glühbirne etwa 2 %, LED 11–32 %. Der Sprung ist größer, als Felix sagt.
  • Wärmepumpe: Fraunhofer-Feldtests im Bestand ergaben Jahresarbeitszahlen von im Mittel 3,1–3,4 (Luft) und 4,1–4,3 (Erdwärme). 300–400 % passt für gute Anlagen; der Fachbegriff ist Arbeitszahl.
  • Kohle gegen Solar: „40 % gegen 90 %“ vergleicht Brennstoffumwandlung mit Wechselrichterverlusten; ein Modul wandelt rund ein Fünftel des Sonnenlichts um. Das Argument trägt trotzdem, weil Sonnenlicht kein Brennstoff ist, den man bezahlt.
  • „Schmeckt elektrisch“: Keine unabhängige Quelle gefunden; Felix zitiert Tim Meyer.

Quelle: Wikipedia: Luminous efficacy · Fraunhofer ISE: WPsmart im Bestand

Bestätigt — Infraschall: Autofahrt gegen Windrad, Rechenfehler der BGR

(49:32, 50:19) Im Auto bei 130 km/h werden etwa 100–120 dB(G) gemessen, an einem Windrad in 300 m etwa 55–75 dB(G); 40–50 dB Differenz entsprechen dem Faktor 10.000 und mehr. Die Messungen der LUBW zeigen, dass Infraschall in 150–300 m Abstand deutlich unter der Wahrnehmungsschwelle liegt. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe hatte die Schallintensität von Windrädern jahrelang um mehr als den Faktor 4.000 überschätzt und räumte den Rechenfehler 2021 ein. Quelle: ingenieur.de: Infraschall von Windrädern · energiezukunft: Infraschall jahrelang überschätzt

Bestätigt — Zweifel säen statt überzeugen: Tabak, Zucker, Öl

57:06 Das Brown-&-Williamson-Memo von 1969: „Doubt is our product … the means of establishing a controversy.“ Die Zuckerindustrie bezahlte 1965 Harvard-Forscher für einen Überblicksartikel, der Zucker bei Herzkrankheiten kleinredete (Kearns, Schmidt & Glantz 2016, JAMA Internal Medicine, doi:10.1001/jamainternmed.2016.5394). Exxons eigene Klimaprojektionen lagen seit 1977 richtig, während der Konzern öffentlich Zweifel säte (Supran, Rahmstorf & Oreskes 2023, Science, doi:10.1126/science.abk0063). Quelle: SourceWatch: Smoking and Health Proposal (1969)

Bestätigt — Reiches „3 Milliarden für weggeworfenen Strom“

57:51 Reiche sagte am 4. März 2026 in einem Video des Wirtschaftsministeriums: „Jedes Jahr wird Strom für 3 Milliarden Euro einfach weggeworfen.“ Laut Bundesnetzagentur kostete das Engpassmanagement 2025 insgesamt 3,071 Mrd. €. Davon entfielen 433 Mio. € auf die Entschädigung für abgeregelten Ökostrom (2024: 554 Mio.), 1,176 Mrd. € auf das Hochfahren konventioneller Kraftwerke, 1,359 Mrd. € auf die Netzreserve (davon 952 Mio. € reine Bereitstellung), 0,102 Mrd. € auf Countertrading; über 96 % des Ökostroms wurden eingespeist. Die Summe stimmt, die Zuordnung „weggeworfen“ nicht — und mit ihr begründet die Ministerin ihr Netzpaket, das Entschädigungen für neue Anlagen kürzen soll. Felix vereinfacht nur „Gaskraftwerke im Süden“: Die Reserve besteht aus Kohle-, Öl- und Gaskraftwerken, und beides folgt aus demselben Nord-Süd-Engpass. Quelle: SMARD/Bundesnetzagentur: Netzengpassmanagement 2025 · Cleanthinking: Faktencheck Redispatch (EE-nahes Fachportal, Zahlen deckungsgleich mit SMARD)

Bestätigt — Bio-Treppe: Preise „nicht vorherzusagen“ trotz versprochener Planungssicherheit

58:37 In der Beschlussempfehlung zum Gebäudemodernisierungsgesetz (Drucksache 21/7009 vom 08.07.2026) steht: „Die Preise für biogene Brennstoffe in der Zukunft können nicht vorhergesagt werden“ und „Eine belastbare Abschätzung der in der Zukunft zu erwartenden Kosten ist derzeit nicht möglich.“ Zwei Präzisierungen: Der Satz steht in der Folgenabschätzung, nicht im Normtext, und Reiche versprach im Mai 2026 Planungssicherheit „für die Branche“, nicht Kostensicherheit für die Bürger. Die Spannung bleibt. Quelle: Bundestag Drucksache 21/7009 · DATEV-Magazin zum Kabinettsbeschluss

Nicht belegt — Die EU-Kommission habe das Heizungsgesetz kritisiert

59:22 Eine Stellungnahme der Kommission war nicht zu finden. Belegt ist harte Kritik vom Normenkontrollrat, aus den Ausschüssen des Bundesrats („ohne vorangegangene nähere Folgenabschätzung“), von Verbänden und der Deutschen Umwelthilfe, die eine Verfassungsbeschwerde angekündigt hat. Ob das Gesetz mit der EU-Gebäuderichtlinie vereinbar ist, ist umstritten. „Trumpismus pur“ ist eine Wertung, keine Tatsachenbehauptung. Quelle: ZfK: Ausschüsse gehen hart mit Heizgesetz ins Gericht

Vereinfacht — „100 Mrd. Steuerhinterziehung“, „113 bis 130 Mrd. Klimastrafen“

39:33 Die 100 Mrd. liegen im Rahmen gängiger Schätzungen (30 bis über 100 Mrd.), es ist eine Schätzung, keine Messung. Für 113–130 Mrd. Klimastrafen: keine Quelle gefunden. Veröffentlichte Schätzungen für Zertifikatskäufe nach der EU-Lastenteilung bis 2030 liegen bei 16,2 Mrd. € (T&E 2024) bis 34 Mrd. € (Agora) — die Zahl im Podcast ist drei- bis viermal zu hoch, und gerade so schrumpft im Vergleich die wegfallende Benzinsteuer. Quelle: energiezukunft: Deutschland drohen Kosten in Milliardenhöhe (T&E) · Kanzlei Juhn: Überblick der Schätzungen


Weiterführende Quellen

Aus der Video-Beschreibung:

Im Gespräch genannt:

  • Christian Stöcker: Männer, die die Welt verbrennen (Ullstein 2024) — die Empfehlung der beiden zur Geschichte der fossilen Desinformation
  • Claudia Kemfert: Kurzschluss — zur Lobbyarbeit gegen die Energiewende
  • Tim Meyer (früher Vorstand bei Naturstrom): Strom. Über Nostalgie, Zukunft und warum der Markt längst entschieden hat (2025) — von ihm stammt die Elektroherd-Anekdote, die Wirkungsgrad-Grafik steht laut Felix auf Meyers Website
  • Deutscher Wetterdienst, Klima-Pressekonferenz 06.03.2018 — Auswertung von Dunkelflauten (Phasen ≥ 48 h) für Deutschland und Europa

Weitere Belege (Sherlock):


Verbindungen

→ ARTE — Forschung, Fake und faule Tricks

Die Doku erzählt die Vorgeschichte zu Felix' Satz vom gesäten Zweifel: Proctors Agnotologie, das Tabak-Memo von 1969 und Fred Singer, der auch hinter der Leipziger Erklärung stand. An einer Stelle widerspricht sie ihm. Naomi Oreskes fand bei den ersten Klimaskeptikern weniger Gewinnstreben als die Weltsicht von Physikern aus dem Kalten Krieg, die in jeder Umweltregel Sozialismus sahen. Wer „follow the money“ zum Generalschlüssel macht, übersieht die Überzeugten, und die lassen sich schwerer entkräften als die Bezahlten.

→ Der Heizungshammer

Was Robin „die fiese Umgebung“ nennt, hat eine Oxford-Studie an einem einzigen Wort ausgezählt: Über 1.100 Artikel außerhalb der BILD übernahmen den Heizungshammer. Hier setzt die seriöse Presse den Metzger neben den Arzt und übernimmt gleich seine Sprache. Am Ende der Folge schließt sich der Kreis: Das Gesetz, das der Kampfbegriff zu Fall brachte, kehrt als Gebäudemodernisierungsgesetz zurück, mit einer Bio-Treppe, deren Preise niemand vorhersagen kann.

→ Akkudoktor — Programmbeschwerde gegen Markus Lanz: Energiewende-Desinformation im ZDF

Hier steht Felix' Talkshow-Bild als konkreter Fall: Altmaier sagt bei Lanz „8 Prozent“, und niemand am Tisch widerspricht. Andreas Schmitz' Primärenergie-Falle ist die Rückseite der Wirkungsgrad-Leiter von der Kerze bis zur Wärmepumpe: Je effizienter die neue Technik arbeitet, desto kleiner wird ihr Anteil in der Statistik. Beide Notes zusammen zeigen, wie sich ein Effizienzgewinn als Stillstand erzählen lässt.

→ Felix Goldbach — Batteriespeicher

Derselbe Felix ein halbes Jahr früher, vor Investoren eines Partnerunternehmens, mit denselben DWD-Zahlen und derselben Effizienz-Leiter. Dort folgt aus den Zahlen noch, im europäischen Verbund gebe es „praktisch keine unlösbaren Dunkelflauten“. Die Nachbesprechung hier hält Ruhnau & Qvist dagegen: Teuer wird die Häufung von Flauten über Wochen, nicht die einzelne.

→ Greenpeace — Katherina Reiche und die Gasindustrie

Reiches drei Milliarden für „weggeworfenen Strom“ sind gebaut wie das Systemkosten-Argument, das Greenpeace von 2012 bis 2026 verfolgt. Beide haben einen wahren Kern — Netzengpässe kosten Geld — und beide ziehen daraus den umgekehrten Schluss. Die Greenpeace-Note liefert, was der Podcast nur andeutet: das bestellte EnBW-Papier gegen Batteriespeicher und den VKU hinter der Bio-Treppe. Daneben wirkt Felix' „Trumpismus pur“ überzeichnet, sein Befund aber hält.

→ Renée DiResta — Invisible Rulers

„You don't have to move them, just entrench them“ ist Felix' Satz vom gesäten Zweifel in der Sprache der Propagandaforschung. DiResta folgert daraus, dass Faktenchecks an Identitätsfragen wenig ändern und das Entlarven der Techniken vorab mehr bewirkt; die Nachbesprechung belegt das mit Kahan und Roozenbeek. Das trifft auch die Form der Folge, denn ein Bullshit-Bingo über „die dümmsten Aussagen“ erreicht vor allem die, die schon überzeugt sind.

→ Mark Benecke — Die neuen Umwelt-Messungen für Sommer 2026

Benecke ergänzt den Podcast um etwas Unbequemes: Die Erwärmung stand 1975 in Science, und „eure Eltern wussten das auch“. Robin sagt, niemand sei doof, die Umgebung sei fies; Benecke hält dagegen, dass die Wahrheit trotzdem offen lag. Exxons eigene Projektionen seit 1977 belegen beides: einen gesäten Zweifel und eine Gesellschaft, die ihn bereitwillig annahm.

→ Tim Meyer und Jan Hegenberg — In China lachen sie über unsere Energiewende

Tim Meyer ist die stille Quelle der Folge. Von ihm stammen das Wort „Modernisierungsprogramm“, die Wirkungsgrad-Grafik und die Anekdote vom elektrisch schmeckenden Essen. In China erklären er und Hegenberg die Wende mit Industrielogik und ernten Staunen, wenn sie erzählen, dass Erneuerbare in Deutschland als grün oder links gelten. Kahans Befund aus der Nachbesprechung, als Ländervergleich: Mythen finden dort Halt, wo eine Technik eine Gesinnung anzeigt.

→ Panorama Forschung

Die Nachbesprechung zum gesäten Zweifel führt in die Frage „Wie viel darf man der Wissenschaft glauben?“ — Robin und Felix stehen dort jetzt neben Lewandowsky, Oreskes und El-Mafaalani.


Weiterdenken

Was Sokrates vielleicht gefragt hätte
  • Wenn Zweifel genügt und kein Gegenbeweis nötig ist — kann eine Aufklärung, die mit Fakten antwortet, diesen Wettlauf überhaupt gewinnen, oder braucht sie etwas anderes als Fakten?
  • Die beiden spotten über „die dümmsten Aussagen“ und sagen am Ende, niemand sei doof. Welcher der beiden Töne erreicht die Menschen, die die Sätze teilen — und welcher nur die, die schon überzeugt sind?
  • Ein Podcast über Desinformation, präsentiert von einem Heizungshersteller: Wo verläuft die Grenze zwischen Aufklärung und Werbung, wenn beide dasselbe wollen?
  • Felix nennt die Energiewende ein Modernisierungsprogramm. Was würde sich an der Debatte ändern, wenn man ihr diesen Namen gäbe — und wer würde sich dann übergangen fühlen?
  • Robins Familie lässt sich überzeugen, weil sie ihm vertraut. Wem vertraut jemand, der keinen Robin in der Familie hat?

Von hier einen Faden gehen7 Stationen, rückwärts durch den Bestand

Im Bestand

ForschungFelix GoldbachDenkerVitaRobin SchmidDenkerVitaARTEForschung, Fake und faule TricksDer Heizungshammerwie ein erfundenes Wort ein…AkkudoktorProgrammbeschwerde gegen Markus…Felix Goldbach…Batteriespeicher und die…GreenpeaceKatherina Reiche und die…Renée DiRestaInvisible Rulers: Wie Lügen zur…Mark BeneckeDie neuen Umwelt-Messungen für…Tim Meyer und Jan HegenbergIn China lachen sie über unsere…FichtnerZehn Batteriemythen, die uns…Andreas LöschelStrom NEU DENKENAladin El-MafaalaniMisstrauensgemeinschaften und…Alena BuyxGesellschaft NEU DENKENWie umgehen mit Russland?Lars WienandПривет, Russentrolle! Auf…Philipp BlomDie UnterwerfungMichael SternerEnergiewende ist gelebter…re:publica 26Wie gelingt die Energiewende?…

14 gedachte Verweise · sechs geteilte Quellen, die noch niemand verlinkt hat · 4 weitere nicht gezeigt

verlinktdieselbe Quelle, nie verlinkt
▶
bei 0:00schließen P