Quelle: YouTube — SRF Kultur, Sternstunde Philosophie Moderation: Wolfram Eilenberger | Ausgestrahlt: 22. März 2026, SRF 1

Wer spricht?

Prof. Dr. Annette Kehnel — Inhaberin des Lehrstuhls für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Mannheim (seit 2005), 2021–2024 Prorektorin für Studium und Lehre. Studium in Freiburg, Oxford (Somerville College) und München; Promotion 1995 am Trinity College Dublin, Habilitation 2003 TU Dresden. Fellowship am St. Gallen Kollegium. Forschungsschwerpunkte: Wirtschafts- und Kulturgeschichte des Mittelalters, Commons-Management, Frauen in der mittelalterlichen Wirtschaft, nachhaltige Architektur (Beginenhöfe), Kleinkreditsysteme. Bücher: Wir konnten auch anders — Eine kurze Geschichte der Nachhaltigkeit (2021, NDR Kultur Sachbuchpreis, Bestseller), Die sieben Todsünden — Menschheitswissen für das Zeitalter der Krise (2024). In Arbeit: Der Phönixeffekt. Aufgewachsen in einer Winzerfamilie mit neun Geschwistern.


Das “dunkle Mittelalter” als Erfindung der Moderne

▶ 0:01

Das Bild vom finsteren, rückständigen Mittelalter ist nicht historisch gewachsen, sondern wurde im 18./19. Jahrhundert gezielt konstruiert. In einer Epoche, die sich selbst als Höhepunkt der Geschichte betrachtete, brauchte man eine möglichst dunkle Vorzeit — damit die eigene Gegenwart umso heller erstrahlt.

“Je dunkler die Vorzeit war, desto heller erstrahlt die eigene Gegenwart.”

Diese Entstelungsnarrative haben reale Konsequenzen: Wir können aus dem Mittelalter nichts lernen, wenn wir es reflexartig als barbarisches Zeitalter abtun.

Auch die Hexenverbrennung gehört zu diesen Verzerrungen: Das große Zeitalter der Hexenverfolgungen war das 17. Jahrhundert — also die frühe Neuzeit, nicht das Mittelalter.


Konsensual statt absolut — Herrschaft im Mittelalter

▶ 1:31

Absolut wurde erst im Absolutismus regiert — dem Zeitalter der weißen Seidenstrümpfe und Perücken (Ludwig XIV., 17. Jahrhundert). Im Mittelalter hingegen wurde konsensual regiert: Kein König, nicht einmal der Kaiser, konnte ohne seine Peers regieren.

“Ein König, der konnte nicht ohne seine Piier regieren.”

Diese Erinnerung ist politisch relevant: Die Sehnsucht nach “Klarheit” und “Führerstärke”, die heute von autoritären Bewegungen bedient wird, ist in Wirklichkeit eine Sehnsucht, die sich das falsche Bild vom Mittelalter borgt.


Arbeitszeit und Erholung

▶ 2:16

Im Mittelalter arbeiteten Menschen ca. 1600 Stunden pro Jahr — heute sind es 1800–2000. Das dramatische Ansteigen der Arbeitszeiten geschah im 19. Jahrhundert mit der Industrialisierung.

Mittelalterliche Innovationen der Entschleunigung:

  • Blauer Montag — mittelalterliche Erfindung: Montags wurde blaugemacht
  • Zahlreiche Feiertage — mehr als heute
  • Frohntage mit doppelter Anrechnung: Wer ganztägig arbeitete, bekam zwei Arbeitstage angerechnet

Commons und Almende — 500 Jahre nachhaltiges Wirtschaften am Bodensee

▶ 20:31

Das berühmteste Beispiel aus Kehnels Forschung: Der Bodensee wurde 500 Jahre lang nicht überfischt — obwohl die technischen Mittel zur Überfischung vorhanden gewesen wären. Warum gelang das?

Das Modell der lokalen Selbstverwaltung:

  • Fischer verschiedener Zunfte trafen sich jährlich
  • Sie besprachen Fischbestände, Wetterbedingungen, Nachfrage und Probleme
  • Gemeinsam wurden Regeln für die kommende Saison beschlossen (Bottom-up-Logik)
  • In mageren Jahren: Maschenweite der Netze vergrößern → weniger Ertrag heute, mehr Fisch für die Zukunft

“Nicht so ein Horizont wie ein toter Fuchs, sondern 20, 30, 40 Jahre.”

Es war kein konfliktfreier Ponyhof: Es gab Spannungen zwischen Kleinfischern (konnten die ganze Nacht fischen) und professionellen Zunftfischern. Aber es gab funktionierende Selbstregulierungsmechanismen.

Wissenschaftlicher Kontext: Diese Erkenntnisse korrespondieren mit Elinor Ostrom, Wirtschaftsnobelpreisträgerin 2009 für ihre Forschung zu Commons-Institutionen — die zeigt, dass die “Tragödie der Allmende” (Hardin 1968) kein Naturgesetz ist, sondern unter richtigen institutionellen Bedingungen vermeidbar.

“Die Vorstellung der Tragödie der Almende können wir vergessen. Das ist Forschung, die ist 60 Jahre alt.”


Beginenhöfe — Städte der Frauen

▶ 26:43

Ein weiteres Vorurteil: Das Mittelalter sei besonders frauenfeindlich gewesen. Die historische Realität ist komplexer.

Die Beginenhöfe (13.–15. Jahrhundert) waren selbstorganisierte Frauengemeinschaften in den wirtschaftlichen Boomzentren Europas (Flandern, Niederlande, Deutschland, Schweiz):

  • In manchen Städten lebte bis zu ein Zehntel der Stadtbevölkerung in solchen Gemeinschaften
  • Ganze Stadtteile, für Frauen von Frauen gebaut und bewohnt
  • Heute 13 UNESCO-Weltkulturerbestätten in Belgien und den Niederlanden
  • Heterogene Lebensform: Von armen bis zu wohlhabenden Bewohnerinnen (mit Dienerinnen)
  • Kein Gemeinschaftsbesitz vorgeschrieben — individuelle Eigenständigkeit
  • Jenseits von Familie — eine Alternative zur Ehe

Die frühe Wissenschaft (20. Jh.) erklärte diese Gemeinschaften mit einem “Frauenüberschuss” in der Gesellschaft — ein Blick, der mehr über das frühe 20. Jahrhundert verrät als über das Mittelalter. Kehnel: “Unfähigkeit, sich eine Welt vorzustellen, in der es anders zugeht.”


Gender und soziale Diversität im Mittelalter

▶ 32:01

Gerichtsakten belegen Fälle von Menschen, die über Jahrzehnte in einer anderen Geschlechterrolle als der körperlichen lebten — und erst durch Ehekonflikte vor Gericht kamen. Kehnel interpretiert das nicht nur als Unterdrückung, sondern als Zeichen:

“Es war möglich, 30, 40 Jahre in dieser Rolle alt zu werden, bevor man vor Gericht gestellt wird.”

Und: Nur was nicht funktionierte, wurde dokumentiert. Vielleicht lebten viel mehr Menschen so.

Universitäten entstanden um 1200 spontan, emergent — niemand gründete sie top-down. Sie waren von Anfang an Motoren sozialer Mobilität. Die Vorstellung, früher hätten nur Eliten studiert, ist “völlig kontrafaktisch.”

“Eine Mischung zwischen Armenhaus und Konvent.”


Das Fegefeuer als intergenerationaler Vertrag

▶ 35:06

Das Purgatorium (Fegefeuer) — eine Erfindung des 11./12. Jahrhunderts — war theologisch zunächst eine Gnadengeste: Statt Himmel oder Hölle gab es nun einen Reinigungsraum für lässliche Sünden.

Kehnels Interpretation: Das Fegefeuer schuf einen intergenerationalen Vertrag:

  1. Meine Zeit im Fegefeuer kann durch die Gebete und Abbitte der Lebenden verkürzt werden
  2. Wer also gut in Erinnerung bleiben will, muss gut für die nachfolgende Generation handeln
  3. Das schafft strukturelle Anreize für langfristiges, übergenerationelles Denken

Kehnel will nicht das Fegefeuer wiedereinführen. Ihr Punkt:

“Wir brauchen Anreizesysteme, die es billiger machen, nachhaltig zu handeln.”

Heute wird lanfristiges nachhaltiges Handeln steuerlich und wirtschaftlich bestraft. Das muss sich ändern.


Kollektive Rhythmen — Fasten und Ernährung

▶ 43:31

Bis zur Reformation kannte Europa kollektive Ernährungsrhythmen:

  • Wöchentlich: 2–3 fleischlose Tage (Mittwoch und/oder Freitag)
  • Quartemperfast: Zu jedem Jahreszeitenbeginn eine fleischlose Woche
  • Vor jedem Heiligentag: Mindestens ein fleischloser Tag
  • Insgesamt bis zu 130 fleischfreie Tage pro Jahr in manchen Regionen

Schon 1527, kurz nach der Reformation, berichtete ein Straßburger Chronist: Als die Leute täglich Fleisch zu essen begannen, stiegen die Fleischpreise dramatisch und die Weiden wurden übernutzt. Der Zusammenhang zwischen Ernährung und Umweltzustand war damals bereits sichtbar.

“Wer immer jetzt Angst hat, dass wenn wir Veggie Days einführen, da wird gegen gute alte europäische Traditionen verstoßen — bis ins 16. Jahrhundert hat Europa eigentlich sehr regelmäßig Veggie Tage gehabt.”

Das Entscheidende war der kollektive Rhythmus: Im Kollektiv etwas einzuhalten ist viel leichter als allein. Das Ramadan-Beispiel zeigt es auch heute: Kollektives Fasten stärkt Gemeinschaft und macht die Praxis tragfähig.


Der Schlüsselmoment: Vancouver und das traditionelle Wissen des Westens

Kehnel reiste nach Vancouver zur University of British Columbia, um von den First Nations zu lernen. In einer Diskussionsrunde mit Überlebenden der Residential Schools konfrontierte sie eine Frau:

“Weiß wohl dir — ihr habt uns schon so viel genommen: unsere Sprache, unsere Traditionen, unsere Kinder. Und jetzt wollt ihr auch noch unser Wissen, um die Probleme zu lösen, die ihr verursacht habt.”

Der entscheidende Nachsatz: “Habt ihr eigentlich selber kein traditionelles Wissen in eurer Kultur?”

Dieser Satz war Kehnels Erweckungsmoment:

“Man, Anette — du bist Expertin für 1000 Jahre Geschichte von 500 bis 1500 und hast noch nie in deinem Leben darüber nachgedacht, ob deine eigene Kultur nicht auch traditionelles Wissen hat.”

Danach betrachtete sie ihre eigene Forschung unter einem neuen Vorzeichen: Als Suche nach dem traditionellen Wissen des Westens.


Die Sehnsucht nach Mittelalter — und ihre politische Vereinnahmung

Mittelalterfestivals, Live-Reenactment, “richtiges Leben” — Kehnel versteht die Faszination: Es ist die Sehnsucht nach Einfachheit, Materialität, Handwerksarbeit, klarer Rolle, Zugehörigkeit. Hartmut Rosas Begriff der “gestörten Weltbeziehung” beschreibt genau das Gegenteil dieser Sehnsucht.

Das Problem: Diese legitimen Bedürfnisse — nach Sicherheit, Heimat, Entschleunigung, Gemeinschaft — werden von autoritären Bewegungen und Parteien systematisch vereinnahmt.

“Das Bedürfnis nach Sicherheit, nach Einfachheit, nach Entschleunigung — die sind legitim. Aber sie werden von Parteien missbraucht, die eigentlich zu Autokratien führen würden.”

Kehnels Gegenstrategie: Das emanzipatorische, diverse, progressive Potenzial des Mittelalters sichtbar machen. Commons-Wirtschaft, Beginenhöfe, soziale Mobilität, Gender-Diversität — das ist auch Mittelalter.


Der Phönixeffekt — Kehnel im Schreiben

▶ 49:39

Ihr neues Buch: Der Phönixeffekt fragt, wie Kulturen sich aus dem Stand zu etwas radikal Neuem entscheiden können.

Ihre Antwort ist ehrlich uneindeutig:

“Wir müssen Neues wagen, von dem wir nicht wissen, was es ist.”

Das erfordert Gottvertrauen — aber nicht im religiösen Sinne. Es braucht ein säkulares Gottvertrauen: Die Fähigkeit, mit Emergenz und Ungewissheit zu leben, statt sie durch Verdrängung oder Festhalten am Status quo zu bekämpfen.

Gegenbeispiel — Plinius der Ältere: Naturkundler und Flottenkommandant, lebte beim Vesuv, glaubte nicht an Vulkanismus (“Ammenmärchen”). Während alle flohen, ließ er sich näher heranfahren, um besser beobachten zu können. Er kam im Vulkanausbruch 79 n. Chr. um.

“Vulkanleugner. Und er blieb da.”

Kulturen der Verdrängung zahlen irgendwann den Preis — manchmal das eigene Leben.


Faktencheck

Bestätigt — Hexenverbrennung als neuzeitliches Phänomen

Die großen Hexenverfolgungen (ca. 40.000–60.000 Hinrichtungen) konzentrieren sich auf 1580–1680, also frühe Neuzeit. Im Mittelalter waren Hexenprozesse selten und von der Kirche oft skeptisch bewertet (Canon Episcopi). Der Malleus Maleficarum erschien 1487 — am Ende des Mittelalters. Historisch korrekt.

Bestätigt — Bodensee-Fischerei als nachhaltiges Commons-Modell

Historiker Michael Zeheter (nicht “Zehitcher” wie im Transkript) hat die Bodensee-Fischereizünfte des Mittelalters rekonstruiert. Die kollektive Selbstverwaltung und Schonung der Ressource über Jahrhunderte ist dokumentiert. Elinor Ostrom erhielt 2009 den Wirtschaftsnobelpreis für ihre Theorie nachhaltiger Commons-Bewirtschaftung.

Bestätigt — Beginenhöfe als UNESCO-Weltkulturerbe

13 flämische Beginenhöfe in Belgien stehen seit 1998 auf der UNESCO-Welterbeliste. Die Hochphase der Beginenbewegung war das 13.–14. Jahrhundert in den wirtschaftlichen Zentren Flanderns und des Rheinlands.

Vereinfacht — Mittelalterliche Arbeitszeit von 1600 Stunden/Jahr

Die 1600-Stunden-Schätzung stammt aus wirtschaftshistorischen Analysen (u.a. Gregory Clark, Hans-Joachim Voth). Die Daten sind fragmentarisch und variieren stark je nach Region, Jahrhundert und Berufsgruppe. Die Tendenz stimmt: Das 19. Jahrhundert brachte dramatisch längere Arbeitszeiten. Die genaue Zahl ist eine Annäherung, kein gesicherter Wert.

Vereinfacht — Fegefeuer als "intergenerationaler Vertrag"

Das Fegefeuer wurde auf dem Konzil von Lyon 1274 dogmatisch verankert (Ideen kursierten seit dem 12. Jh.). Kehnels Interpretation als Nachhaltigkeitslogik ist eine kreative, nicht klassisch theologische Lesart — sie ist historisch nicht belegbar als intendierte Funktion, aber als Wirkungsanalyse plausibel.

Vereinfacht — Mittelalterliche Veggie-Tage bis zu 130/Jahr

Fastenregeln variierten stark nach Region, Orden und Jahrhundert. Die Angabe von “bis zu 130 fleischfreien Tagen” ist möglich für strenge monastische Kontexte, dürfte für die Durchschnittsbevölkerung zu hoch sein. Die Tendenz — deutlich mehr kollektive Fleischverzichtstage als heute — ist korrekt.

Bestätigt — Reformation und Fleischpreisanstieg

Zeitgenössische Chronisten (u.a. aus Straßburg) dokumentieren tatsächlich Klagen über steigende Fleischpreise und Weidenübernutzung nach Abschaffung der Fastenregeln im frühen 16. Jahrhundert. Das ist historisch belegt.


Verbindungen

Carel van Schaik und Kai Michel — Die drei Naturen des Menschen

Kehnels Allmende verlängert van Schaiks „erste Natur” in die historische Zeit: Teilen und egalitäre Ökonomie sind keine Steinzeit-Fossilien, sondern haben mitten in der zweiten Natur (Kultur) überlebt. Ein Beleg dafür, dass van Schaiks „neue Lagerfeuer” nicht bei null anfangen müssten — das Gegenmodell war nie ganz weg.

Hartmut Rosa — Resonanz und Unverfügbarkeit

Rosa’s “gestörte Weltbeziehung” wird im Interview direkt angesprochen; Sehnsucht nach Einfachheit und “echter” Weltbeziehung als Gegenbewegung zur Beschleunigung

Erich Fromm — Haben oder Sein

Fromms Kritik der “Haben”-Gesellschaft spiegelt sich in Kehnels Kritik an quartalsgetriebenen Wirtschaftslogiken und kurzfristigen Eigentumsinteressen

Erwin Thoma — Strategien der Natur

Langfristiges Denken und Nachhaltigkeit als Prinzip; was die Natur kennt, kannte auch das mittelalterliche Commons-Wirtschaften

Heiner Flassbeck — Krise und Rechtsruck

Die legitimen Sehnsüchte nach Sicherheit und Gemeinschaft, die Kehnel beschreibt, sind dieselben Kräfte, die Flassbeck als Treibstoff des Rechtsrucks analysiert

Philip Manow — Autoritäre Zeiten: Die Macht der Wähler

Populismus als Reaktion auf Entfremdung und Ohnmacht; Kehnel zeigt, wie Mittelalter-Nostalgie politisch instrumentalisiert wird

Eva von Redecker — Über den neuen Faschismus (Jung & Naiv 811)

Der “Drang nach Härte” und klaren Ordnungen; Kehnel zeigt das emanzipatorische Gegenbild

Wilhelm Heitmeyer — Die Durchrohung der Gesellschaft

Verlust von Gemeinschaft und kollektiven Ritualen als Grundlage der Verrohung; Kehnel zeigt, was wir verloren haben

Hannah Arendt — Denken ohne Geländer

Politisches Handeln in Gemeinschaft, Pluralität als Grundlage des Politischen; Commons als Praxis des Miteinanders

Leonhard Horowski — Adel, Klassen und Gesellschaft

Soziale Strukturen und Mobilität in der Vormoderne; Gegenthese zur starren Feudalgesellschaft

Volker Quaschning — Sprit-Abzocke und Ölabhängigkeit

Quaschnings Forderung nach günstigem ÖPNV und Umverteilung statt Tankrabatt ist eine moderne Commons-Logik: kollektive Infrastruktur statt Subvention privaten Konsums — das historische Modell, das Kehnel im Mittelalter zeigt.

ARTE Mit offenen Karten — Die Sojabohne als geopolitische Waffe

Die Soja-Dokumentation zeigt, wohin globale Monokulturen und Exportabhängigkeit führen: genau das, was Kehnel mit zirkulären, lokalen Wirtschaftsmodellen überwinden will.

Good News - Positive Nachrichten März 2026

High Seas Treaty und Naturrechte für Bienen (Peru) sind zeitgenössische Ausprägungen der Commons-Logik: Schutz geteilter Güter als kollektive Verantwortung — Kehnels Mittelalter-Modell in moderner Politik.

Felix Goldbach (MoneyForFuture) — Batteriespeicher und die ignorierte Lösung der Energiewende

Felix argumentiert für Batteriespeicher als heimische Wertschöpfung statt fossiler Kapitalabflüsse — das ist Kehnels Commons-Logik in Investitionsform: Wert im Land halten statt ins Ausland exportieren

Good News - Gute Nachrichten April 2026

Guineawurm-Ausrottung: kein Medikament, kein Impfstoff — nur Wasserfilter und Gemeinschaftsaufklärung durch das Carter Center. Das reinste Gegenbeispiel zu High-Tech-Solutionismus: kollektives, low-tech Handeln als wirksamster Fortschrittstyp — Kehnels Mittelalter-These in der globalen Gesundheitspolitik.

Good News - Gute Nachrichten April 2026 Teil 2

30-Hills-Sumatra als integrierte Bewirtschaftung: Naturschutz nur dort wirksam, wo Gesundheitsversorgung, Schule und Tierschutz als ein einziger Vertrag gedacht werden. Kehnels Commons-Logik im tropischen Regenwald — direkter Beleg, dass Ordnungsmodelle aus dem Mittelalter heute funktionieren.

Teresa Bücker — Zeit NEU DENKEN

Kehnel und Bücker denken denselben Gegensatz: mittelalterliche Muße und zirkuläre Zeit vs. moderne Beschleunigungslogik. Bücker nennt die Zeitbanken in Italien (seit den 1980ern kommunal verankert) — eine Institution, die direkt aus Kehnels Commons-Tradition stammt: Zeit als gemeinsames Gut statt als Produktionsfaktor.

Die Neuen Zwanziger — Salon Lektueren Januar 2026

Thomas Wagners Rojava/Bookchin als modernes Pendant zu Kehnels mittelalterlichen Commons und dezentraler Selbstverwaltung

Clara Mattei — Geschichte der Austeritaetspolitik

Mattei zeigt, warum die Zerstörung der Commons (Privatisierung) strukturell zum Kapitalismus gehört

Walther Ziegler — Smith in 60 Minuten

Smith forderte Abschaffung der Zünfte und Gilden — Kehnel zeigt, dass deren Commons-Modelle funktioniert haben

Petersdorff und Seydack — Wie wir unsere Leichtigkeit retten

Öffentliche Räume als Refugien der Leichtigkeit — Kehnels Commons als historisches Vorbild.

Demokratische Wertschoepfung

Kehnels Commons-Forschung und Ostrom-Referenz sind das historische Fundament des Panoramas: Gemeinschaftliches Wirtschaften ist kein modernes Experiment, sondern eine erprobte Organisationsform mit Jahrhunderten Praxis.

Marquardt - Zeit als Schluessel zum guten Leben

Marquardt entwickelt eine Kulturgeschichte der Beschleunigung, für die Kehnels Mittelalter-Befunde das historische Gegenmaterial liefern: Vor Newton gab es keine absolute, lineare Zeit — es gab liturgische Zeit, Jahreszeitenrhythmus, Commons-Denken. Marquardt zeigt, was verloren ging; Kehnel zeigt, dass es konkret existierte.

Fediverse — Die digitale Allmende

Das Fediverse ist Kehnels Bodensee-Modell im digitalen Raum: eine Infrastruktur, die niemandem gehört, nach gemeinsamen Regeln verwaltet wird und von allen genutzt werden kann — die aber wie der Bodensee von 1400 an der Grenze zwischen funktionierender Selbstverwaltung und Übernutzung balanciert. Der Soziologe Marco Wähner misst empirisch, was Kehnel für das Mittelalter rekonstruiert: dass Allmenden nicht automatisch stabil sind, sondern organisiert werden müssen. Ostroms Bedingungen — klare Grenzen, Regeln, Sanktionen — klingen im Fediverse wie offene Design-Anforderungen.