0:00
1:30
Gedankenraum
Zeitgeist·4. Oktober 2026·1:30 h·47 Belegstellen

Hanna Notte und Sergey Lagodinsky — Globales Kräftemessen

Russland war nie isoliert, nur aus Europa betrachtet: Hanna Notte und Sergey Lagodinsky über Dankbarkeit, die Moskau geerbt hat, und einen Westen, der seine eigenen Regeln zerbröseln ließ.

🎨

William Kentridge — eine alte Weltkarte in loser Kohle. Einmal lief ein feines Netz aus Fäden über alle Kontinente; jetzt ist es fast ganz ausradiert, nur Bruchstücke und graue Wischspuren sind geblieben. Auf dem Land stehen drei schwere, leere Throne, weit voneinander entfernt, jeder wirft einen langen Schatten über sein Gebiet, rote Striche strahlen von ihnen aus wie Ansprüche. Kein Mensch im Bild. Das ist Lagodinskys Unterscheidung, gemalt: Multilateralismus sind die Fäden, Normen, auf die sich alle einigen; Multipolarität sind die Stühle, „und das sind die Herrscher“. Kentridge, weil er mit Kohle zeichnet, radiert und darüberzeichnet, bis das Frühere nur noch als Spur durchscheint — und weil der Abend sagt, wer zuerst radiert hat (Irak), sei nicht nur der, der jetzt auf dem Stuhl sitzt. Eine erste Fassung zeigte die Szene mit den zwei Blatt Papier vor einer Kolonne afrikanischer Freiheitskämpfer; verworfen, weil sie Afrika zur Kulisse eines Abends über Russland und Europa machte und auf einer nicht verifizierbaren Anekdote stand. Die Vitas tragen Vermeer und Hopper.

Prompt: Wide 1200x500 panoramic banner in the manner of William Kentridge's charcoal animation drawings — loose, smudgy black charcoal on off-white paper, rough expressive hand, visible eraser marks, grey ghost traces of lines that have been rubbed out, a few accents of red pencil. Scene: an old world map drawn loosely in charcoal. Once a fine web of thin lines connected many small points across all continents — now most of this web has been violently rubbed out with an eraser: only broken fragments and grey smears remain, streaks of erasure sweep across the paper. On the continents themselves stand four heavy, oversized, empty carved thrones, far apart from each other, each firmly on land, each casting a long dark charcoal shadow over the territory around it; short red pencil lines radiate from each throne like claims. No people at all. Mood: shared rules being erased, power gathering in a few seats, quiet menace. No text, no letters, no country names, no flags, no symbols, no logos, no signature, hand-drawn, not photorealistic.

Worum es geht

Russland war nie isoliert, nur aus Europa betrachtet. An einem Abend im KörberForum erklärt die Russland-Analytikerin Hanna Notte, wie Moskau nach dem gescheiterten Blitzkrieg die nichtwestliche Welt mobilisierte — mit Öl für Indien, Bauteilen aus China, Nordkorea und Iran und mit einer Erzählung vom antikolonialen Krieg, die eine Dankbarkeit beerbt, die eigentlich der ganzen Sowjetunion galt. Der grüne Europaabgeordnete Sergey Lagodinsky, in Moskau aufgewachsen, antwortet mit eigener Biografie, mit Selbstkritik am Westen (der Irakkrieg als Sündenfall) und mit dem Satz, Isolieren allein sei keine Strategie. Man bekommt zwei Register nebeneinander: die kühle Analyse und den Politiker, der lauter urteilt, als die Belege tragen. Beides bleibt hier stehen.

Quelle: Globales Kräftemessen: Russland und Europa (2026) — Körber-Stiftung, KörberForum Hamburg, veröffentlicht am 29.09.2026, Themenschwerpunkt „Europa stärken“

Wer spricht?

Dr. Hanna Notte — Politikwissenschaftlerin, leitet von Berlin aus das Eurasia Nonproliferation Program des James Martin Center for Nonproliferation Studies (CNS, Monterey), Senior Associate am CSIS und Associate Fellow am Kennan Institute. Studium in Cambridge, Promotion in Oxford über russisch-amerikanische Zusammenarbeit im Nahen Osten, Forschung am Carnegie Moscow Center; sie spricht Russisch und Arabisch. Ihr Buch We Shall Outlast Them: Putin's Global Campaign to Defeat the West (2026) entstand aus Reisen in mehr als ein Dutzend Länder des Globalen Südens. → DenkerVita

Dr. Sergey Lagodinsky (1975, Astrachan) — Jurist und Publizist, seit 2019 Europaabgeordneter für Bündnis 90/Die Grünen, stellvertretender Vorsitzender der Fraktion Grüne/EFA, Sprecher für Rechtspolitik, Russland und die transatlantischen Beziehungen. 1993 kam er mit seiner russisch-jüdischen Familie als Kontingentflüchtling aus Moskau nach Deutschland — erste Station: ein Flüchtlingsheim in Norderstedt bei Hamburg. 2011 verließ er die SPD wegen ihres Umgangs mit Thilo Sarrazin. Als Yale World Fellow war er im selben Jahrgang wie Alexej Nawalny, mit dem ihn eine Freundschaft verband. → DenkerVita

Moderation: Leslie Schübel, Körber-Stiftung (Berliner Forum Außenpolitik, Körber Policy Game).


Das Bild vom isolierten Russland

4:09 — Die Moderatorin beginnt mit einem Foto. Vor gut zwei Wochen saß Wladimir Putin beim BRICS-Gipfel in Delhi am Tisch mit Narendra Modi und Xi Jinping und lachte in die Kamera; inzwischen haben die USA Putin persönlich zum G20-Gipfel im Dezember in Miami eingeladen. Wer so fotografiert wird, ist nicht isoliert. Hanna Notte widerspricht dem Bild gar nicht erst, sie widerspricht der Brille, durch die es betrachtet wurde:

„Die Idee eines isolierten Russlands in der Welt war immer eine sehr westliche Sicht auf die Situation. Russland war nie wirklich isoliert in der Welt.“ 4:55

Hören — 4:55

Ihre Erklärung beginnt im Februar 2022, mit einem Irrtum. Geplant war, so liest sie die Kriegsplanung, tatsächlich eine „Spezialoperation“: ein kurzer Krieg, die Regierung in Kiew kollabiert, ein prorussisches Regime, ein neues fait accompli wie 2014 auf der Krim. Der Westen würde es nicht mögen und sich doch arrangieren. Den totalen Bruch, die Sanktionen, die Russland zum meistsanktionierten Land der Welt machten, hatte in Moskau niemand eingepreist. Als klar war, dass es ein langer Krieg wird, musste der Staatsapparat umgebaut werden — nach außen, in die nichtwestliche Welt.

6:28 — Dort fing Russland nicht bei null an. Die Sowjetunion war in Afrika, im Nahen Osten, in Asien präsent gewesen, die Fäden lagen noch. Notte zählt auf, was Moskau daraus machte: neue Abnehmer für Öl (Indien fuhr seine Importe massiv hoch), Konsumgüter und vor allem Dual-Use-Güter für die Rüstung, geliefert im Wesentlichen von drei Staaten — China, Nordkorea, Iran. Dazu ein Krieg der Erzählungen: Russland verkaufte seinen Angriff als Verteidigung gegen die NATO-Osterweiterung und, rhetorisch geschickter, als antikolonialen Krieg. Russische Häuser wurden in Afrika eröffnet, Medienkooperationen geschlossen. Die BRICS wurden erweitert, und unter russischem Vorsitz organisierte Moskau 2024 Hunderte Veranstaltungen bis zum Gipfel in Kasan. Das Ergebnis, sagt Notte, ist ein Land, das wirtschaftlich gestützt wird, deshalb weiterkämpfen kann, und das Bild der Isolation „ein Stück weit zerschlagen“ hat.

Notte erzählt Russlands Erfolg kalt, im besten Sinn: ohne ihn zu bewundern und ohne ihn kleinzureden, weil er unangenehm ist. Wer verstehen will, warum Sanktionen den Krieg nicht beendet haben, muss zuerst zugeben, dass die Welt größer ist als der Westen.

Ein Mann aus Norderstedt

9:31 — Sergey Lagodinsky beginnt mit einem Dank. Hier in Hamburg sei er vor über dreißig Jahren gelandet, als seine Familie aus Moskau auswanderte; in Norderstedt wohnten sie im Flüchtlingsheim. Das werde zu selten gesagt und zu selten gedankt. Dann stellt er klar, woher er nicht spricht:

„Ich habe kein sentimentales Verhältnis zu meinem Herkunftsland.“ 10:17

Hören — 10:17

Was er stattdessen mitbringt, ist eine Erinnerung an die Neunziger. Er hat gesehen, wie sehr die russische Gesellschaft damals litt, und darin liegt für ihn die Tragik: Die Leidensphase fiel mit der Öffnungsphase zusammen. Demokratie, Westbindung, Freiheit kamen gleichzeitig mit Armut, Verlust und Erniedrigung, und so verband sich beides im Gedächtnis vieler Menschen. Er zieht selbst die Parallele zur DDR und zum Osten der Bundesrepublik: Das hinterlässt Spuren. Die verbreitete These, der Westen habe Russland gedemütigt, teilt er dennoch nicht. Er erinnert sich an amerikanische Kredite, die die russische Wirtschaft stabilisieren sollten, und daran, wie warm er als russischer Schüler in den USA empfangen wurde. Triumph oder Rachsucht habe er nicht gesehen. „Die Geschichte hat einfach diese Geschichte geschrieben.“

13:22 — Dann eine Szene, die man nicht vergisst. Mit sechzehn, an einer amerikanischen Highschool, war die Offenbarung nicht die Fülle in den Supermärkten. Es war Freud. Dass man sich im Unterricht mit Psychoanalyse beschäftigte, sei in Russland bis heute unvorstellbar — und das habe gesamtgesellschaftliche Folgen:

„… dass eben diese Reflexionsebene tabuisiert ist, dass das ein Zeichen der Schwäche ist, wenn man sich mit sich selbst, mit der inneren Welt auseinandersetzt.“ 14:07

Im Gespräch — 14:07

Daraus folgt seine harte Linie. Mitgefühl mit dem Einzelnen, ja. Aber die Gesellschaft als Ganzes habe eine Wahl getroffen; viele seien gegangen, manche säßen im Gefängnis, viele seien gefoltert worden — er meint den Politologen Alexander Kynew, der nach seiner Kritik an der Dumawahl unter Drogenvorwurf festgenommen und dabei schwer verletzt wurde, und seinen Freund Alexej Nawalny. Doch sehr viele hätten sich arrangiert. „Und ich moralisiere darüber nicht. Das steht mir nicht zu, ich bin nicht drüben, aber alles hat seine Konsequenzen.“ 15:39 Die Isolation sei die Konsequenz dessen, dass im Namen dieser Menschen, mit ihrem Schweigen oder ihrer Zustimmung, im Nachbarland getötet und vergewaltigt werde.

Weitergedacht

Lagodinsky sagt, er moralisiere nicht — und spricht im selben Atemzug einer ganzen Gesellschaft die Fähigkeit zur Selbstreflexion ab. Wie viel kollektive Verantwortung kann man einem Volk zuschreiben, das unter Repression lebt, ohne die eigene Biografie (wer gehen konnte, und wer nicht) zum Maßstab zu machen?

16:24 — Die überraschendste Wendung kommt am Ende seiner Antwort, und sie richtet sich gegen die eigene Seite. Isolieren als moralisches Statement, Technologie-Embargos gegen die Rüstung: da ziehe er voll mit. Aber eine Strategie für danach sehe er nicht, auch nicht in Brüssel, „weil wir auf unserer Seite glauben, dass durch das Isolieren alles getan ist, was wir tun konnten. Und das ist nicht so. Das ist zu einfach.“

Eigene Einschätzung

Lagodinsky spricht aus einer Lage, die selten auf Podien sitzt: als einer, der die russische Gesellschaft von innen kennt und sie trotzdem nicht verklärt. Die Freud-Szene ist mehr als eine Anekdote. Sie benennt einen Mechanismus, den man auch hierzulande kennt: Wo Selbstprüfung als Schwäche gilt, wird jeder Verlust zur Kränkung und jede Kränkung zum Grund für Härte. Das Urteil über „die Gesellschaft, die sich arrangiert hat“, ist allerdings das Urteil eines Mannes, der mit siebzehn gehen konnte. Er weiß das selbst — „ich bin nicht drüben“ —, und gerade deshalb hätte man die Frage gern weiter gedacht: Was trennt Duldung von Ohnmacht, wenn Widerspruch Knochenbrüche kostet?

„Wir werden sie überdauern“

17:11 — Nottes Buchtitel zitiert ein sowjetisches Motiv: Der Kommunismus werde den Kapitalismus überdauern. Heute, so ihre These, ist die Konfrontation mit dem Westen zum zentralen Ordnungsprinzip der russischen Außenpolitik geworden. Den Krieg in dieser Größe — sie nennt 1,5 Millionen getötete und verwundete russische Soldaten (das CSIS, an dem sie selbst forscht, kam bis Juni 2026 auf rund 1,4 Millionen) — habe Moskau nicht gewollt, aber bekommen. Aufgeben sei aus Putins Sicht keine Option, weil er daran sein innenpolitisches Schicksal knüpfe und Russlands Status in der Welt.

18:45 — Worum es in diesem Krieg geht, reicht für Notte weit über die Ukraine hinaus. Es geht um die Rückkehr als Großmacht mit weltweitem Ordnungsanspruch und um die Abwicklung der europäischen Sicherheitsarchitektur nach dem Kalten Krieg, die Russland immer als ungerecht empfand, weil ihm darin kein Veto und keine privilegierte Einflusssphäre zustand. Seither ist die ganze Außenpolitik dem Krieg untergeordnet. Nach außen heißt das Mobilisierung, gegenüber Europa heißt es Druck.

Wie dieser Druck aussah, erzählt sie als Abfolge von Werkzeugen. Zuerst die nukleare Einschüchterung, die mit der Zeit „abwetzte“. Dann der Versuch, die Rhetorik mit Taten zu unterlegen: die Abkehr vom New-START-Vertrag, dem letzten Rüstungskontrollabkommen mit den USA; der Verteidigungsminister in der Arktis, wo die Sowjetunion einst Atomtests durchführte; eine neue Nukleardoktrin. 21:49 — „Aber irgendwann ist man eben am Ende der Leiter.“ Darum der Übergang in das, was im Westen hybride Kriegsführung heißt: Desinformation, Unsicherheit, Drohnen.

23:24 — Neu sei seit Monaten die offene Begründung. Moskau sagt den Europäern, sinngemäß: Eure Rüstungsindustrie ist mit der ukrainischen verflochten, ihr bildet Soldaten aus, „ihr seid zum strategischen Hinterland der Ukraine geworden und damit seid ihr für uns auch legitimes Ziel in diesem Krieg.“ Die Drohne mit Sprengsatz am Flughafen Leipzig/Halle im August, die Lokomotive eines Personenzugs Kyjiw–Warschau, im September knapp vor der polnischen Grenze getroffen und von Moskau mit Militärtransporten aus Europa begründet: So gelesen war das angekündigt. Die eigentliche Frage sei, wie weit Russland es treibt — eine Frage nach Abschreckung und nach Moskaus Bild von Artikel 5.

Weitergedacht

Wenn Russland jede Unterstützung der Ukraine als Kriegsbeteiligung deklariert, verschiebt es die Grenze dessen, was „Krieg“ heißt. Wer bestimmt eigentlich, ab wann ein Land Kriegspartei ist — das Völkerrecht, der Angreifer, oder die Bereitschaft der Angegriffenen, es so zu nennen?

Multipolar ist nicht multilateral

25:43 — Lagodinsky ordnet Nottes Befund historisch ein: als Triumph der Primakow-Doktrin. Russlands erster Außenminister Andrej Kosyrew wollte die Integration in den Westen; Jewgeni Primakow, vorher Chef des Auslandsgeheimdienstes, setzte ein selbstbewusstes, eigenständiges Russland dagegen — genährt durch die Kosovo-Krise und die Bombardierung Jugoslawiens. Und dann sagt der grüne Politiker etwas, das man von einem Unterstützer der Ukraine auf dieser Bühne nicht erwartet: Der Westen sei nicht unschuldig. Seine Handlungen mögen moralisch gerechtfertigt gewesen sein, aber sie hätten immer wieder die Glaubwürdigkeit des ganzen Systems in Frage gestellt.

„Für mich persönlich ist der Sündenfall der Irakkrieg gewesen.“ 26:29

Im Gespräch — 26:29

27:15 — Er erzählt es als Zeuge. In seinem Studium in den USA saß er im Unterricht über Massenvernichtungswaffen bei Ash Carter, dem späteren Verteidigungsminister, und las die CIA-Berichte über den Irak. „Da war nichts.“ Ein paar Röhren, aus denen man ein Waffenprogramm schloss. „Dieses Narrativ fängt dort an, und diese Zerbröselung der internationalen Gemeinschaft und der Regeln, die hat nicht mit Trump angefangen und leider auch nicht mit Putin.“ 28:01 Putin habe sie nur rücksichtslos benutzt.

28:48 — Der begrifflich schärfste Moment des Abends folgt. Russland und China sprechen gern von Multipolarität, und es klingt fast wie das, was Europa Multilateralismus nennt. Lagodinsky trennt beides: Multilateralismus heißt Normen, auf die sich alle einigen. Multipolarität heißt Pole — „und das sind die Machtpole, das sind die Herrscher.“ Es gibt dann eben nicht nur den einen im Weißen Haus und Brüssel, es gibt auch den im Kreml, und der darf tun, was er will. Notte ergänzt trocken: eine Nostalgie für die bipolare Welt. Zwei weitere Bausteine nennt er, beide älter als der Krieg: die „traditionellen Werte“, die Russland und China bei der UNO schon Anfang der 2000er gegen individuelle Menschenrechte in Stellung brachten — heute gegen LGBTI-Rechte und Feminismus, und es schwappe herüber —, und die „Nichteinmischung“, überhöht zum Grundsatz, innerhalb der eigenen Grenzen sei alles erlaubt. Aus diesem Gemisch, sagt er, entstehen Kriege und Hass, und jede Solidarität mit der Ukraine werde darin umgedeutet, bis plötzlich der Westen der Täter ist.

Eigene Einschätzung

Die Unterscheidung zwischen multipolar und multilateral ist das Nützlichste, was man von diesem Abend mitnimmt. Sie zeigt, warum Moskaus Kritik an westlicher Vorherrschaft im Globalen Süden so gut ankommt und trotzdem etwas anderes verspricht, als sie sagt: Wer die Herrschaft eines Pols kritisiert, fordert noch keine Regeln — nur mehr Pole. Bemerkenswert ist, dass Lagodinsky diesen Gedanken mit der eigenen Selbstkritik verbindet. Das Argument der westlichen Doppelmoral wird nicht dadurch falsch, dass Russland es benutzt. Es wird dadurch gefährlich, dass es stimmt.

Die Kraft der Emotionen

31:50 — Die Moderatorin fragt, halb im Scherz, ob man von Russland lernen könne, wie man mit Narrativen umgeht. Lagodinsky nimmt die Provokation auf, ebenfalls halb im Scherz: „Wir müssen Propaganda lernen.“ Ernst gemeint ist der Rest. Europa müsse entschlossener, erfinderischer, selbstbewusster erzählen, auch „disruptiv“; Deutsche Welle und Goethe-Institute seien wichtig, reichten aber nicht. Man müsse „ein bisschen mehr mit menschlicher Psyche arbeiten“ — nicht manipulativ, betont er.

„Die Kraft der Argumente kann sehr schnell zerstört werden mit der Kraft der Emotionen.“ 33:21

Hören — 33:21

Dann schießt er über das Ziel. Mindestens drei Parteien im deutschen System bedienten sich dieser Narrative, und „wenn wir 45 % Menschen haben, die für AfD stimmen, die genau eins zu eins das sagt, was Putin sagt“, dürfe man sich über nichts wundern. Die 45 Prozent entsprechen dem AfD-Ergebnis in Sachsen-Anhalt (43,8 Prozent), nicht dem Bund (rund 27 Prozent); das „eins zu eins“ ist Polemik (Faktencheck: vereinfacht). Was er danach erzählt, ist dagegen das Glaubwürdigste seines Auftritts. 34:06 — Zu Beginn des Krieges reiste er als zuständiger Abgeordneter durch Brandenburg, als Grüner, der für Waffen an die Ukraine war. Angenehm war das nicht. Aber man könne reden, „man muss halt nur zuhören“ und akzeptieren, dass Menschen durch ihre Biografie zu anderen Schlüssen kommen. Was wirke, seien Geschichten: wie er Nawalny in Deutschland begleitete, wie er dessen Frau Julija am Tag seines Todes auf der Münchner Sicherheitskonferenz umarmte, wie Russen gerettet wurden, die nur gegen den Krieg waren, wie Ukrainerinnen erzählen, wer aus ihrer Familie noch lebt. „Nicht irgendwelche Argumente, die wir ja so lieben … die toten Argumente.“

Eigene Einschätzung

Hier liegen zwei Lagodinskys nebeneinander. Der eine hat in Brandenburg zugehört und gelernt, dass Geschichten tragen, wo Argumente abprallen. Der andere wirft die AfD-Wähler, in Sachsen-Anhalt fast jeden Zweiten, mit Putin in einen Topf — genau die Geste, die jedes Zuhören in Brandenburg zunichtemacht. Die Forderung, „mit der Psyche zu arbeiten“, ist zweischneidig. Persönliche Zeugnisse sind ehrlich, solange sie wahr sind und für sich stehen. Sobald eine Demokratie anfängt, Emotionen als Werkzeug zu planen, nähert sie sich dem, wogegen sie sich wehrt. Die Grenze verläuft wohl dort, wo die Geschichte dem Zuhörer etwas zeigt, statt ihn zu etwas zu bringen.

David gegen Goliath

35:36 — Was in der nichtwestlichen Welt verfängt, ist Nottes eigentliches Feld, und hier wird der Abend am genauesten. Sie nennt drei Pfeiler. Erstens Antiamerikanismus und antiwestliches Ressentiment: den Finger in die Wunde legen, Irakkrieg, Doppelmoral. Der Krieg in Gaza habe da „sehr, sehr stark reingespielt“ — Russland habe ihn im UN-Sicherheitsrat und in Medienkampagnen genutzt und damit viel Anklang gefunden. „Weil es sich eben profiliert als dieser David, der es aufnimmt mit dem westlichen Goliath.“ 37:09 Zweitens die konservativen Werte, Putin als Beschützer der Tradition — auch dafür gibt es ein Publikum. Drittens die historisch gewachsene Dankbarkeit, etwa in Südafrika: Die Sowjetunion war die Macht, die den Kampf gegen den Kolonialismus unterstützte.

38:41 — An dieser Dankbarkeit zeigt Notte etwas, das man leicht übersieht. Auf ihren Reisen fiel ihr auf, dass viele die Ukraine gar nicht als eigene Nation wahrnehmen — „das ist ja irgendwie alles Rus“, alles Sowjetunion. Russland habe es geschafft, die Dankbarkeit, die der ganzen Sowjetunion galt, für sich allein zu monopolisieren. Dabei, wenn man sich mit Veteranen des African National Congress hinsetzt, mit Kämpfern gegen die Apartheid, die sich im Kalten Krieg in der Sowjetunion ausbilden ließen — die einfachen Kämpfer bei Odessa und auf der Krim, die Führung in Moskau:

„Die sind nach Odessa gefahren, die sind nach Kiew gefahren, nicht nach Moskau.“ 38:41

Im Gespräch — 38:41

39:27 — Ihr Rat folgt daraus. Wenn westliche Diplomaten in diese Länder reisen und belehren, die Ukraine sei Opfer eines imperialistischen Russlands, verfängt das wenig. Besser ist, die Ukrainer erzählen es selbst. Die Ukraine hat das erkannt, spät — nach 1990 war Afrika keine Priorität ihrer Außenpolitik, und als die Invasion kam, fehlten Werkzeug und Präsenz. Notte sprach mit dem früheren Außenminister Dmytro Kuleba, der 2022 und 2023 unzählige Male nach Afrika reiste. Er erzählte ihr eine Szene, ohne das Land zu nennen. 40:14 — Er kam zu einer Außenministerin mit zwei Blatt Papier: auf dem einen die zehn wichtigsten Investoren ihres Landes, auf dem anderen die zehn größten Geber humanitärer Hilfe. Alles westliche Länder, Russland auf keiner Liste. Die Antwort:

„Du hast deine Hausaufgaben gemacht, aber du musst eines verstehen. Der Westen, ihr, also die Europäer, die schulden uns aufgrund all dieser Verbrechen, die sie auf unserem Kontinent begangen haben. Russland hat uns nie was Böses getan.“ 41:00

Hören — 41:00

Mit diesem Satz, sagt Notte, kämpfen europäische und ukrainische Diplomatie, wann immer sie Unterstützung gegen Russland suchen.

Eigene Einschätzung

Die Anekdote mit den zwei Blatt Papier erzählt in einer Minute, was viele Analysen auf zwanzig Seiten verfehlen. Kuleba argumentierte mit Zahlen; die Ministerin antwortete mit Geschichte. Zahlen konnten Geschichte nicht schlagen. Dass ausgerechnet die Ukraine — selbst eine Kolonie im Bewusstsein vieler Ukrainer — im Globalen Süden als Teil des „weißen Nordens“ gilt, ist die bitterste Ironie dieses Abends. Nottes ANC-Detail zeigt, wo eine ehrliche Gegenerzählung ansetzen könnte: an der Wahrheit, dass die Sowjetunion mehr war als Moskau. Lagodinskys „Geschichten statt Argumente“ und Nottes „lasst die Ukrainer selbst sprechen“ treffen sich hier, von zwei Seiten kommend.

Ein Fenster, solange Trump regiert

41:45 — Gibt es den Westen noch, der gemeinsam antwortet? Für Lagodinsky ist die zweite Amtszeit Trumps für Russland ein „Gelegenheitsfenster“. Wenn Moskau eine militärische Operation gegen den Westen wage, dann in den kommenden Jahren, bevor Trump weg ist. Über Trumps mögliche Verbindungen zum Kreml habe er „Theorien“, wolle aber nicht spekulieren, „es gibt schon Indizien“. Alles, was Trump mache, sei im Interesse Russlands — er räumt die Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil ein, „unwillig“ (Faktencheck: falsch — zehn Tage zuvor hatte Trump auch das Graham-Sanktionsgesetz gegen Russland unterzeichnet) —, Europa müsse über das PURL-Programm alles bezahlen, was in die Ukraine geht, die Pendeldiplomatie verschleppe, und das Bündnisversprechen der NATO sei so oft in Frage gestellt, dass die NATO für Russland „einfach keine Gefahr“ mehr sei.

44:53 — Die Moderatorin hält dagegen, und Notte gibt ihr recht. Russlands engste Partner — Syrien, Venezuela, Iran — bekamen keine Hilfe, als es für sie eng wurde. Trump habe angekündigt, keine Kriege mehr zu führen, und dann zwei russische Partner angegriffen: Maduro in Venezuela beseitigt, den zweiten Krieg gegen den Iran begonnen. Die USA interessieren sich für Zentralasien und den Südkaukasus, Regionen, die Moskau als seine Zone betrachtet. Die Trumpsche Disruption ist aus russischer Sicht „ein gemischtes Bild“. 46:25 — Und weil Russland alle Ressourcen in den Krieg steckt, schwindet sein Einfluss anderswo: Mit Assad ging ein wichtiger Verbündeter verloren, im Nahen Osten ist Russland nicht mehr, was es vor fünf Jahren war, im Südkaukasus haben die Türkei und Aserbaidschan Hebel gewonnen.

47:11 — Der wichtigste Faktor auf lange Sicht ist für Notte China. 2014, zur Zeit der Krim-Annexion, lief nach ihren Zahlen rund 80 Prozent des russischen Handels mit Europa und etwa 10 Prozent mit China (Faktencheck: vereinfacht — der EU-Anteil lag eher bei der Hälfte). Heute kommen 40 Prozent der russischen Importe aus China, und China bringt 35 Prozent der Exporteinnahmen. Ausweichen kann Russland kaum — China ist Abnehmer für Öl und Gas, Nachbar, Lieferant der Dual-Use-Güter für die Aufrüstung nach dem Krieg. Nicht allen in den russischen Eliten gefalle das; man würde gern wieder mehr mit Europa, aber nur unter der Bedingung, dass Europa die Ukraine aufgibt. Ihr Fazit hält die Waage: Demografie und strukturelle Wirtschaftskrise machen die mittel- und langfristige Zukunft düster. Einen nahen Kollaps sieht sie nicht. „Russland kann auch noch gut eine Weile weiterkämpfen, und das ist eben das Problem, was wir haben.“ 48:42

Lagodinsky antwortet aus einem anderen Register. Die Lage der Menschen interessiere „einen“ nicht, entschieden werde von Putin und dem FSB; in Moskau müsse es den Leuten gutgehen, weil dort Revolutionen stattfänden. Die China-Abhängigkeit beunruhigt ihn, weil sie die beiden zu einem Lager verschmilzt. Für Putin sei das kein Problem: Er denke nicht langfristig, wolle ewig leben, und seine Pläne würden „immer weniger rational“.

Weitergedacht

Notte analysiert Putin als rationalen Akteur mit falschen Prämissen, Lagodinsky als zunehmend irrationalen Tyrannen. Welche Annahme ist für Europa gefährlicher, wenn sie falsch ist — und nach welcher sollte man eine Abschreckung bauen?

Hirngeleitet

50:59 — Die letzte Frage vor der Runde: Was heißt wertegeleitete Außenpolitik gegenüber Ländern, die die Sanktionen nicht mittragen? Lagodinsky nennt „wertegeleitet“ eine Floskel, die den Grünen gern zugeschrieben werde; auch unter Annalena Baerbock sei vieles interessengeleitet gewesen. Für ihn ist das falsch gestellt:

„Es muss hirngeleitet sein. Ja, es muss irgendwie klug sein.“ 52:29

Im Gespräch — 52:29

Klug heißt für ihn: keine Kompromisse bei Prinzipien, die der eigenen Gesellschaft wichtig sind, und die Einsicht, dass Werte sich schnell als Interessen herausstellen. 53:16 — Sein Beispiel stammt aus der eigenen Arbeit, dem KI-Gesetz, das er mitverhandelt hat. Jahrelang sei Europas Beharren auf menschenzentrierter KI, auf Grenzen der Massenüberwachung und auf Nachhaltigkeit belächelt worden, von der Industrie und von den „amerikanischen Freunden“. Heute gebe es KI-Systeme, die „praktisch alles knacken können“, China werde bald nachziehen, und in den USA protestieren Menschen gegen Rechenzentren, weil ihre Strompreise steigen. Was als Wert begann, ist Sicherheitsinteresse geworden.

54:49 — Daraus folgt sein Projekt, das weit über Russland hinausreicht: ein Vertrag mit den beiden KI-Supermächten, USA und China, der die Entwicklung der stärksten Modelle drosselt und ein Verifikationsregime einführt — KI behandelt wie Massenvernichtungswaffen, „denn die Potenz dieser Technologie sind Massenvernichtungswaffen“. Bei Atomwaffen habe man es auch geschafft. Darum findet er auch das Treffen von Außenminister Wadephul mit Lawrow „nicht verkehrt“: ein Zeichen, dass man nicht nur auf Waffen setzt. Was für Brandenburg gilt, gelte für die UNO — miteinander sprechen, ohne die eigenen Prinzipien aufzugeben.


Publikumsfragen

Leslie Schübel öffnet die Runde nach knapp einer Stunde; das Publikum im Saal fragt per Mikrofon, gesammelt wird nur am Ende. Sieben Fragen in gut dreißig Minuten — die meisten klingen nach Sorge, wenige nach Fachpublikum.

„Was ist wertegeleitete Politik? Kein blasser Schimmer.“ 57:05 — Eine Frau aus der ersten Reihe, ohne Umschweife. Lagodinsky wiederholt seine Balance zwischen Werten und Interessen, wird dann aber konkret: Es liege vielleicht nicht im unmittelbaren Interesse, sich für die Menschen von Butscha einzusetzen, und vielleicht solle man bei den Uiguren den Mund halten — „aber es gibt gewisse Werte, und wenn Menschen abgeschlachtet werden, dann sagt man was“. Falsch werde es, wenn Außenpolitik nur noch aus Predigen bestehe; da habe man übertrieben. Sein Gegenmodell erzählt er aus fünf Jahren Türkei-Arbeit im Parlament: erst die Gespräche mit AKP- und Erdoğan-Leuten über gemeinsame Interessen, danach der Besuch bei politischen Gefangenen, deren Fälle er vorher angesprochen hatte. „Ich habe nicht gepredigt, sondern ich habe gesagt, wir müssen das und das für euch lösen.“ „Es ist ein Tanz. Das ist ein Tango.“

Wird Putin Kiew zerstören, um den Krieg zu beenden? 59:23 — Notte sieht eine Phase kommen, in der Russland noch deutlich mehr zerstören will, aber nicht Kiew als Ganzes, „weil letztendlich will man dieses Land ja regieren“. Die Zeichen seien da: Die Luftabwehr ist begrenzt, Patriot-Munition wegen des Iran-Krieges knapp, ballistische Raketen kommen häufiger durch. Angriffe gibt es inzwischen tagsüber — im Frühjahr, bei ihrem letzten Besuch, ging man noch nachts in den Bunker. Ziel sind Agrarexporte, die Stahlindustrie ist „im Prinzip kaputt“, die Energieversorgung vor dem Winter. Das Kalkül: den Ukrainern einen richtig harten Winter bereiten und im Frühjahr sehen, wozu sie am Verhandlungstisch bereit sind — zumal die USA im Persischen Golf gebunden sind und vor den Zwischenwahlen stehen. „Es wird sicherlich vermutlich der härteste Winter, den die Ukrainer bisher hatten.“

Welche konkreten Vorschläge gibt es gegen die hybriden Angriffe? 61:41 — Die Fragerin sagt offen, dass es sie beunruhigt. Notte ordnet in zwei Kategorien. Abschreckung durch Vorsorge: die Gesellschaft resilienter machen, Vorbild Finnland mit seinen Bunkern und Organisationen, in denen Menschen abends Erste Hilfe und Überleben trainieren — ein anderes Mindset aus der Erfahrung des Winterkriegs. Hundertprozentige Resilienz gebe es in offenen Gesellschaften aber nicht: Der Informationsraum ist offen, Schengen auch, und die „Wegwerfagenten“ des russischen Militärgeheimdienstes sind meist keine Russen, sondern über kriminelle Strukturen angeheuerte Dritte. Abschreckung durch Bestrafung: Da tue sich Europa schwer. Auf einen Cyberangriff auf ein polnisches Krankenhaus antworte man nicht mit Gleichem, „weil bei uns gelten andere Maßstäbe“; dazu kommen ungeklärte Zuständigkeiten. Die Schließung des Russischen Hauses in Berlin nach dem Vorfall in Leipzig/Halle sei nicht falsch, aber Symbolpolitik; ernster wäre ein gemeinsames Vorgehen der Ostseeanrainer gegen die Schattenflotte. Und immer die Frage, wie weit man eskaliert: „Man muss sich immer Spielraum nach oben lassen.“ Lagodinsky ergänzt: Aufklärung, die 72-Stunden-Vorräte, ein Radio. Was lächerlich klinge, gebe das Gefühl, nicht hilflos ausgeliefert zu sein. Putin arbeite mit Angst; Institutionen müssten funktionieren, „ob von Putin oder von irgendwelchen Idioten, die ein Kabel durchschneiden“. Dass Flughäfen keine Drohnenabwehr hatten, bis „etwas fast explodiert“ sei, dürfe nicht sein.

„Putin braucht den Dauerkrieg, um an der Macht zu bleiben — wie Churchill, der nach dem Sieg abgewählt wurde.“ 67:51 — Lagodinsky antwortet mit einem Kompliment, das eine Kritik ist: „Wenn Sie Putin wären, wären Sie ein sehr rationaler Putin.“ Nach dem Bunkerleben und den überlangen Tischen funktioniere da „nicht alles ganz astrein“. Sicher sei nur: Verlieren will er nicht. Der Krieg werde noch „ein paar Jährchen“ dauern, man müsse ihn managen, nicht provozieren, aber auch keine Schwäche zeigen durch Zögern. Hier bringt er seinen Vorschlag eines Europäischen Sicherheitsrats ein, den er parallel zu Verteidigungskommissar Andrius Kubilius vorantreibt (die Idee geht auf Macron 2017 zurück) und den Ursula von der Leyen in ihrer Rede zur Lage der Union am 16. September aufgegriffen hat, in breiterer Form mit Großbritannien und der Ukraine: ein kleines Gremium mehrerer Staaten, vielleicht mit der Präsidentin des Parlaments, das schneller und strategischer entscheidet — nicht über Krieg, aber etwa darüber, wie man die Rüstungsproduktion aufteilt, „dass wir nicht 20 Panzer haben und keine einzige ballistische Rakete“. Notte widerspricht dem Fragesteller präziser. 73:14 — Putin brauche keinen heißen Krieg; erklärte er morgen „Mission erfüllt“, rollte kein Kopf, so konsolidiert sei die Machtvertikale. Was er brauche, sei das Feindbild des Westens: „weil er dem Land keine wirkliche positive Vision für die Zukunft anzubieten hat.“ 74:00 Kein Russland, das in KI und Zukunftstechnologien investiert — alles ist aus der Vergangenheit hergeleitet. Das Kriegsende werde trotzdem schwer, wegen zweier Pfadabhängigkeiten: einer teils militarisierten Wirtschaft, für die Ökonomen kein soft landing sehen, und der Veteranen, vor denen die Bevölkerung Angst hat. Das Afrikakorps, die eng geführte Nachfolgestruktur der Wagner-Gruppe in der Sahelzone, werde wohl auch geschaffen, um nach dem Krieg Männer dorthin zu schicken, statt sie zu Hause integrieren zu müssen.

Wie lange hält der Westen das finanziell durch? 76:17 — Ein Zuhörer erinnert an Reagans Satz, man werde die Sowjetunion „zu Tode rüsten“, und fürchtet die Umkehrung: Frankreich und Italien könnten nicht mehr, die Staatsschulden lägen bei 120 bis 140 Prozent. Lagodinsky schickt voraus, sie seien keine Ökonomen und keine Propheten, und antwortet dann doch: Das deutsche Sondervermögen sei richtig gewesen und gebe der EU einen Schub; nur dürfe Deutschland nicht „uneuropäisch“ handeln, weil eine starke, bewaffnete Bundesrepublik Nachbarn erschrecke — „das ging nicht immer gut aus auf diesem Kontinent“. Polen gehe es wirtschaftlich gut, es investiere mit am meisten. Das eigentliche Problem sei die Ukraine selbst, die immer mehr Geld brauche; die 90 Milliarden für dieses und nächstes Jahr seien schon schwer zu organisieren gewesen. Darum würden die Rufe lauter, das eingefrorene russische Vermögen — er nennt rund 270 Milliarden (Faktencheck: vereinfacht — in der EU sind es rund 210 Milliarden Euro) — nicht nur zu blockieren, sondern zu konfiszieren. „Ich war immer skeptisch, was das angeht, auch als Völkerrechtler — darf man als Grüner noch sagen.“ 80:06 Aber Russland habe so viele Grundsätze des Völkerrechts „auf den Haufen der Geschichte geworfen“, dass es schwer werde zu begründen, warum das Geld nicht für die Folgen der Aggression verwendet wird.

Warum signiert die EU nicht die echten Inhalte, statt KI-Inhalte kennzeichnen zu lassen? 80:52 — Ein IT-Fachmann: Die Kennzeichnungspflicht treffe nur die, die sich an Regeln halten. Warum nicht umgekehrt offizielle Inhalte technisch signieren, wie ein blauer Haken? Lagodinsky, der die Kennzeichnungspflicht (seit 2. August 2026, Art. 50 AI Act) im Rechtsausschuss mitverhandelt hat, ist offen. Sein Einwand: Dann könne man womöglich nur noch Inhalten öffentlicher Stellen trauen, private verschwämmen — es sei denn, man finde einen niedrigschwelligen Zugang für alle. Lösungen dafür gebe es; im Parlament vertrete er, offen für diesen Weg zu sein.

Wie lange kann die Ukraine noch rekrutieren — werden internationale Truppen nötig? 82:22 — Notte will nichts prophezeien. Die Ukraine hat in den freien Gebieten nach Schätzungen 27 bis 29 Millionen Einwohner, viel weniger als Russland, aber die russischen Verluste seien ein Vielfaches höher — das CSIS schätzt für das erste Halbjahr 2026 fast 8:1, über den ganzen Krieg eher 2 bis 2,5:1 — weil Russland Rekruten ohne Ausbildung an die Front schickt. Sie erzählt von einem Abendessen mit russischen Exilfreunden am Vortag: Ein Bekannter sei nach einer Woche Training an der Front gestorben. Beide Seiten rekrutieren im Ausland — auf ukrainischer Seite viele Kolumbianer, auf russischer ein „Kaleidoskop“: Nordkoreaner (der ukrainische Militärgeheimdienst warnt vor weiteren 30.000), Nepalesen, Inder, Afrikaner, die zum Arbeiten kamen und in die Armee geschleust wurden. Für europäische Truppen sieht sie keinen politischen Konsens, und Russland lehne selbst Friedenstruppen nach einer Waffenruhe ab. Lagodinsky stimmt zu und geht einen Schritt weiter: den Himmel über der Westukraine von Polen aus schließen, Drohnen und Raketen abfangen, ein, zwei Flughäfen wieder in Betrieb nehmen. Nicht risikolos, aber die Ukraine sei souverän und entscheide, wer ihr hilft. „Diesen Himmel hat Moskau nicht gepachtet.“ 89:10

Die positive Abschlussfrage, die die Moderatorin noch stellen wollte, fällt der Zeit zum Opfer.


Nachbesprechung

Zwei Themen des Abends, noch einmal aufgenommen — was man über das hinaus weiß, was auf der Bühne gesagt wurde.

Wem gehört die sowjetische Dankbarkeit?

Nottes ANC-Detail hält der Geschichte stand, und es reicht weiter, als eine Minute auf dem Podium hergab. Am 10. Dezember 1963 landeten vierzig Rekruten von Umkhonto we Sizwe, dem bewaffneten Arm des ANC, in Odessa; bis 1965 wurden dort nach den Zahlen des Moskauer Historikers Wladimir Schubin 328 Kämpfer ausgebildet (Shubin, New Contree 1997). Ronnie Kasrils, später Südafrikas Geheimdienstminister, war 1964 einer von ihnen (Kasrils, The Thinker 2019, Zeitzeugenbericht). Danach lief der größere Teil der Ausbildung in Perewalne auf der Krim, die bis 1991 zur Ukrainischen SSR gehörte: Rund 18.000 Kämpfer aus Angola, Mosambik, Guinea-Bissau, Simbabwe, Namibia und Südafrika gingen zwischen 1965 und 1990 durch das Lager, Amílcar Cabral, Agostinho Neto und Samora Machel kamen zu Besuch (Oxford-Projekt Global Soldiers in the Cold War, Oral History). Die ersten ANC-Studenten begannen 1962 in Kiew, und über dreißig Prozent der afrikanischen Studierenden in der Sowjetunion lernten an ukrainischen Hochschulen.

Eine Präzisierung gehört dazu, und sie stärkt Notte eher, als dass sie sie schwächt: Die Führungskader gingen zur politischen Schulung nach Moskau, und entschieden, befehligt und bezahlt wurde dort. Die Historikerin Hilary Lynd hat genau diese Verschiebung untersucht und ihr einen Namen gegeben — die Politik der imperialen Dankbarkeit (Lynd, Amsterdam UP, Buchkapitel, Open Access). Ihr Befund: Die Solidaritätserzählung ist jünger, als sie klingt. Anfang der Neunziger setzte Moskau auf die National Party, und der ANC hielt das neue Russland für bedeutungslos; erst Putins Regierung baute die Geschichte gezielt wieder auf, vor allem nach Südafrikas BRICS-Beitritt 2010. Schon in den Sechzigern klagte der ukrainische Dissident Iwan Dsjuba, die Ukrainer hätten von Afrikanern und Asiaten „kein einziges Wort des Dankes“ bekommen — der Dank ging an die Russen. Lynd verschweigt auch die andere Seite nicht: sowjetischen Paternalismus und Rassismus gegenüber afrikanischen Studierenden, in Russland wie in der Ukraine. Und ein Detail, das man nicht erfinden könnte: Der erste schwarze Südafrikaner, der in Moskau um Hilfe gegen die Apartheid bat, war Joe Matthews — der Vater von Naledi Pandor, die 2022 als Außenministerin Südafrikas Neutralität im Ukraine-Krieg formte.

Die Gegenwart relativiert das Bild von einem Kontinent, der Russland dankt. Russlands Einfluss halten in 38 afrikanischen Ländern 36 Prozent für positiv und 23 für negativ, 42 Prozent haben keine Meinung — China kommt auf 62, die USA auf 52, die EU auf 50 Prozent; die Spanne reicht von Mali (88) bis Botswana (13), und die negativen Urteile über Russland wachsen seit Jahren schneller als die positiven (Afrobarometer, Runde 10, März 2026). Bei den UN-Abstimmungen stimmten im März 2022 noch 28 afrikanische Staaten für die Verurteilung des Angriffs, 17 enthielten sich; drei Jahre später, als auch die USA mit Nein stimmten, waren es 12 Ja-Stimmen, 24 Enthaltungen und 8 Gegenstimmen, fast alle aus den Sahel-Juntas, die Russlands Afrikakorps im Land haben. Am meisten Zustimmung bekam die Resolution gegen die Annexionen: 30 Ja, keine Gegenstimme — die Unverletzlichkeit von Grenzen ist für Staaten mit kolonialen Grenzen ein eigenes Interesse. Das Danish Institute for International Studies nennt vier Gründe für die vielen Enthaltungen: Regimesicherheit, Weizen und Dünger, die historische Bindung — und echte Enttäuschung über den Westen, von der Impfstoffverteilung bis zur Behandlung afrikanischer Studierender an der ukrainischen Grenze 2022. Es sei „zu einfach“, das auf russische Propaganda zu reduzieren. Russland nutzt den Antikolonialismus als Rechtfertigung; die Praxis dahinter beschreibt die Forschung als Patronage und Opportunismus (Duursma & Masuhr 2022, peer-reviewed).

Wirtschaftlich ist Russland in Afrika klein: rund 18 Milliarden Dollar Handel, gegen 254 Milliarden mit China — aber bei Großwaffen mit 21 Prozent der Importe 2020 bis 2024 der größte Lieferant des Kontinents (SIPRI, März 2025). Dazu kommen Desinformationskampagnen: 80 von 189 erfassten Kampagnen in Afrika gingen 2024 auf Russland zurück, etwa die Hälfte davon mit Verbindung zu Wagner (Africa Center for Strategic Studies). Die Ukraine hat ihre Lücke erkannt — Kuleba rief im Oktober 2022 eine „ukrainisch-afrikanische Renaissance“ aus, plante zehn neue Botschaften (die erste öffnete Ende 2023 in Accra) und schickte über Grain from Ukraine Getreide, bewusst gestartet am Holodomor-Gedenktag. Und vielleicht die bitterste Fußnote: In Perewalne, wo 18.000 Befreiungskämpfer ausgebildet wurden, lag 2014 die ukrainische 36. Küstenbrigade — und wurde dort von russischen Soldaten ohne Hoheitszeichen eingekesselt.

Nottes These trägt also im Kern, und sie lässt sich schärfen: Die Soldaten gingen in die Ukraine, die Führung nach Moskau, und die Dankbarkeit wurde erst im 21. Jahrhundert wieder eingesammelt. Die Neutralität der Regierungen ist keine Russland-Liebe der Bevölkerungen. Und die Enttäuschung über den Westen braucht keine russische Hilfe, um wahr zu sein.

→ Weiter im Panorama: Warum hört der Globale Süden zu?, mit Sham Jaff gegen Elmar Theveßen, Prashad, Heinrichs Whataboutism-These, Felwine Sarr und der Frage, wem die Anklage der Doppelmoral gehört.

Wirken die Sanktionen?

Lagodinsky nennt die Isolation nötig und trotzdem „zu einfach“, Notte beschreibt ein Land, das strukturell geschwächt ist und doch „noch gut eine Weile weiterkämpfen“ kann. Die Forschung gibt beiden recht, und das ist weniger bequem, als es klingt.

Ob Sanktionen ihr politisches Ziel erreichen, ist seit vierzig Jahren umstritten. Hufbauer, Schott und Elliott zählten in Economic Sanctions Reconsidered (PIIE, 3. Aufl. 2007) rund ein Drittel Teilerfolge; Robert Pape hielt dagegen, davon trügen bei genauem Hinsehen nur etwa fünf von vierzig Fällen (International Security 1997). Eine Meta-Analyse über 37 Studien findet die Bedingungen, unter denen sie eher wirken — enge Handelsverflechtung vorher, schneller Vollzug, gute Beziehungen vor dem Konflikt — und räumt ein, dass es über die Größe der Effekte keinen Konsens gibt (Demena & van Bergeijk 2025, Meta-Analyse, mittlere Solidität). Gegen Russland traf die erste Bedingung zu, die dritte nie. Dass Sanktionen ein Regime stürzen, ist nach diesen Befunden die Ausnahme; für personalistische Herrschaften, die von Renten leben, ist der Druck am größten (Escribà-Folch & Wright 2010, peer-reviewed).

Was die Russland-Sanktionen tatsächlich tun, ist Verteuern. Nach der Global Sanctions Data Base sind die Handelseffekte signifikant, aber „relativ klein“, weil zugleich die Handelskosten mit Indien, China und der Türkei sinken — Nottes Ersatzmobilisierung, gemessen (Felbermayr u. a. 2025, peer-reviewed). Die Exportkontrollen wirken stärker: Die Importe sanktionierter Güter fielen trotz Umweg über Drittstaaten um 27 Prozent, betroffene Firmen verloren 14 Prozent ihrer Produktion (Egorov u. a., Trade Sanctions, 2025, Working Paper, noch nicht begutachtet). Rund drei Viertel der kriegswichtigen Bauteile kommen inzwischen aus China, zu einem Aufpreis, den die Kyiv School of Economics auf etwa 300 Prozent schätzt (KSE Institute). Als die EU-Exporte von Dual-Use-Gütern nach Kirgistan um fast 800 Prozent stiegen, griff Brüssel im April 2026 erstmals zum Anti-Umgehungs-Instrument.

Nottes Zahlen zur China-Abhängigkeit halten zur Hälfte: China liefert rund 39 Prozent der russischen Importe, nimmt aber eher 27 als 35 Prozent der Exporte ab (Gaidar-Institut, Februar 2026). Ihr Vergleichsjahr ist zu hoch gegriffen — 2013 war die EU mit knapp der Hälfte des Handels Russlands größter Partner, nicht mit 80 Prozent (→ Faktencheck). Die Richtung stimmt trotzdem. Die finnische Zentralbank zeichnet das Bild, das Notte beschreibt: 2025 nur noch ein Prozent Wachstum, die Kriegsbranchen mit plus zwanzig Prozent Wertschöpfung, der Rest der Industrie bei 0,4; das Haushaltsdefizit fast fünfmal so hoch wie geplant, die liquiden Reserven des Wohlfahrtsfonds von 6,5 auf 1,8 Prozent des BIP geschrumpft (BOFIT 1/2026). Die Herbstprognose hält an den Zahlen fest — ein Prozent für 2026, je ein halbes für 2027 und 2028 —, aber das Bild darunter ist härter geworden: Die Investitionen fielen im ersten Halbjahr um zehn Prozent, die Ölexporte lagen im August nach ukrainischen Angriffen auf Raffinerien und Häfen rund zehn Prozent unter dem Vorjahr, der Wohlfahrtsfonds hält noch 1,7 Prozent des BIP (BOFIT 2/2026). Ein Kollaps ist das nicht, eher eine Kriegswirtschaft ohne weiche Landung. Und ausgerechnet der Krieg am Persischen Golf hebt gerade den Ölpreis: Die KSE erwartet für 2026 rund 191 Milliarden Dollar Ölerlöse nach 158 im Vorjahr. Wie lange Russland durchhält, hängt also auch an Kriegen, die gar nicht seine sind.

Bleibt Lagodinskys Völkerrechts-Skrupel. Er entspricht der Mehrheitsmeinung — die Vollstreckungsimmunität von Zentralbanken steht einer Einziehung entgegen, auch wenn manche sie als Gegenmaßnahme für vertretbar halten (Kamminga 2023, peer-reviewed). Der Stand ist der, den er beschreibt: Im Dezember 2025 setzte die EU die Gelder dauerhaft fest, der Reparationskredit scheiterte vor allem an Belgien, wo Euroclear rund 185 Milliarden Euro Zentralbankvermögen verwahrt; stattdessen kamen die 90 Milliarden aus gemeinsamer Schuld, und die Ukraine zahlt nur zurück, wenn Russland Reparationen leistet (Europäisches Parlament, Februar 2026). Vertagt, nicht gelöst, sagt das Max-Planck-Institut für Völkerrecht. Lagodinskys „irgendwann wird sich die Frage stellen“ beschreibt also schlicht die Tagesordnung.

→ Weiter im Panorama: Isolieren oder reden?, mit Merkel, van Aken gegen Šešelgytė, Herrmanns „Putin kann nicht aufhören“ und der Forschungslücke auf der Seite der Verhandlungen.


Faktencheck

Bestätigt — Das Bild vom isolierten Russland (Moderation)

Putin saß am 12./13.09.2026 beim BRICS-Gipfel in Neu-Delhi am Tisch; am 23.09. luden die USA ihn persönlich zum G20-Gipfel im Dezember in Miami ein. Russland ist formal ohnehin G20-Mitglied, persönlich war Putin zuletzt 2019 dabei. Die Körber-Zahl stimmt ebenfalls: Im Berlin Pulse 2025/26 sehen 54 % der Deutschen russische Einflussversuche auf die öffentliche Meinung mit Sorge. Quelle: The Hindu, 10.09.2026 · Guardian, 23.09.2026 · DW, 24.09.2026 · Körber: The Berlin Pulse 2025/26

Bestätigt — Russlands Ausweichrouten: Sanktionen, Indien-Öl, Dual-Use, BRICS, Russische Häuser

Mit rund 26.600 Sanktionseinträgen ist Russland das meistsanktionierte Land der Welt, mehr als Iran, Venezuela, Myanmar und Kuba zusammen. Indien hat seine Ölimporte aus Russland seit 2022 massiv erhöht und den Anteil 2026 noch gesteigert; erst das Graham-Gesetz vom 18.09.2026 droht dafür Strafzölle an. China, Nordkorea und Iran als Lieferanten von Dual-Use-Gütern und Waffen sind gut belegt. Russische Häuser entstanden nach den Putschen in Bamako (2022), Ouagadougou (01/2024) und Niamey (10/2024). Zum BRICS-Vorsitz 2024 waren über 200 Veranstaltungen geplant; die Erweiterung selbst wurde 2023 in Johannesburg beschlossen und gilt seit 1.1.2024. Quelle: Castellum.AI · BBC, 17.09.2026 · The Hindu, 13.07.2026 · The Africa Report: Russian houses in Africa · EPRS: Outcome of the 16th BRICS Summit

Bestätigt, mit Fußnote — 1,5 Mio. russische Verluste, „8:1“, Bevölkerung der Ukraine, ausländische Kämpfer

Das CSIS schätzt für Februar 2022 bis Juni 2026 rund 1,4 Mio. russische Tote, Verwundete und Vermisste, davon bis zu 450.000 Tote; bei über 30.000 Verlusten im Monat sind 1,5 Mio. Ende September plausibel. Das Verhältnis „8:1“ ist ebenfalls eine CSIS-Zahl, gilt aber nur für das erste Halbjahr 2026 im Drohnenkrieg — über den ganzen Krieg liegt es bei etwa 2 bis 2,5:1. Notte ist selbst Senior Associate am CSIS, sie zitiert ihr eigenes Haus; unredlich ist das nicht, es gehört aber offen dazu. 27–29 Mio. Menschen in den freien Gebieten decken sich mit dem Kiewer Institut für Demografie. Kolumbianer sind mit rund 7.000 die größte Gruppe Ausländer auf ukrainischer Seite; auf russischer kämpfen Nepalesen und Inder, viele getäuscht angeworben. Die „weiteren 30.000 Nordkoreaner“ sind eine ukrainische Angabe (Selenskyj, 25.07.2026), und Notte kennzeichnet sie so. Quelle: CSIS: Russia's Grinding War in Ukraine (27.01.2026) · NV: Ratio nearly 8-to-1, CSIS says · Interfax-Ukraine · The Hindu, 26.07.2026 · Atlantic Council: Colombia's veterans

Bestätigt — Die Eskalationsleiter, von nuklear zu hybrid

Russland setzte New START im Februar 2023 aus, der Vertrag lief am 5.2.2026 aus. Verteidigungsminister Schoigu besuchte im August 2023 das Atomtestgelände Nowaja Semlja, im November 2024 folgte die neue Nukleardoktrin. Die offene Ansage „ihr seid legitimes Ziel“ ist belegt: Am 15.04.2026 veröffentlichte das russische Verteidigungsministerium die Adressen von 21 europäischen Drohnenfirmen, Medwedew sprach von einem „Register legitimer Ziele“. Am 04.08.2026 lag am Flughafen Leipzig/Halle eine Drohne mit Sprengsatz; am 01.09. machte die Bundesregierung Russland verantwortlich und kündigte dem Russischen Haus. Am 13.09. wurde die Lok eines Personenzugs Kyjiw–Warschau knapp vor der polnischen Grenze getroffen. Quelle: Euronews, 05.02.2026 · Arms Control Association, 10/2023 · Euronews, 16.04.2026 · Tagesschau, 18.09.2026 · Tagesschau, 13.09.2026 · taz, 02.09.2026

Bestätigt — ANC-Kämpfer in Odessa und Kiew ausgebildet

Die einfachen Kämpfer von Umkhonto we Sizwe wurden größtenteils in der Ukrainischen SSR ausgebildet: 328 Rekruten 1963–65 bei Odessa, später im Lager Perewalne auf der Krim; die ersten ANC-Studenten kamen 1962 nach Kiew. Zugespitzt ist nur das „nicht nach Moskau“ — die Führung ging dorthin zur politischen Schulung. Der Kern ist Nottes stärkstes Argument. → Wem gehört die sowjetische Dankbarkeit Quelle: Lynd, The politics of imperial gratitude (Africa is a Country) · Kasrils 2019, The Thinker, doi:10.36615/thethinker.v80i2.213 (Zeitzeugenbericht) · van der Westhuizen 2025, doi:10.4324/9781003627869-5 (Buchkapitel)

Nicht verifizierbar — Die Kuleba-Anekdote

Ein Gespräch aus erster Hand, das Land bleibt bewusst ungenannt. Kulebas Afrikareisen 2022/23 und sein Werben mit Investitionen und Hilfe gegen das antikoloniale Narrativ sind gut belegt; die Szene selbst fand sich weder in Rezensionen von We Shall Outlast Them noch in Kuleba-Interviews. Ein Motiv zur Erfindung ist nicht zu erkennen, und sie passt zur Studienlage. Keine unabhängige Quelle gefunden. Kontext: ISS Africa: Kuleba tries to change Africa's narrative

Vereinfacht — Handelsanteile 2014: „80 % Europa, 10 % China“

Die Richtung stimmt, der Ausgangswert ist zu hoch. 2013 gingen 57 % der russischen Exporte in die EU und 46,5 % der Importe kamen von dort, zusammen rund die Hälfte des Handels; Chinas Anteil lag bei etwa 10 %. Die heutigen Werte passen grob: China liefert 35–45 % der Importe und nimmt 27–35 % der Exporte ab, je nach Quelle und Jahr. Die überhöhte Ausgangszahl macht die Wende dramatischer, als sie ohnehin ist — eher Pointierung als Kalkül. Quelle: House of Lords EU Committee: The EU and Russia (2015) · wiiw, 02.10.2025

Bestätigt — Nottes Gegenbild zu Trump: Maduro, Iran, Assad, Afrikakorps

Maduro wurde im Januar 2026 durch einen US-Militäreinsatz gestürzt. Den Krieg mit dem Iran führen die USA seit Ende Februar 2026, nach einer Waffenruhe erklärte Trump ihn Anfang Juli für beendet — der zweite nach Juni 2025. Assad fiel im Dezember 2024. Das Afrikakorps übernahm im Juni 2025 die Wagner-Präsenz in Mali und ist auch im Niger aktiv. Quelle: DW, 18.07.2026 · Tagesschau, 06.09.2026 · AllAfrica/Amnesty, 29.09.2026

Falsch — „Kein einziger Schritt Trumps gegen Russlands Interessen“

Lagodinsky sagt, es gebe „keinen einzigen Schritt im Bezug auf den Ukrainekrieg“, der gegen russische Interessen gerichtet sei — und räumt im selben Atemzug die Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil ein (Oktober 2025). Zehn Tage vor dem Panel hatte Trump zudem den Sanctioning Russia and Iran Act unterzeichnet (18.09.2026), mit Strafzöllen bis 100 % gegen die größten Abnehmer russischen Öls. Das Motiv liegt nahe: Für das Bild vom Erfüllungsgehilfen Moskaus ist die absolute Form bequemer als das gemischte Bild, das Notte zeichnet. Ein wahrer Kern bleibt — Druck auf Selenskyj, die Kosten über PURL auf Europa verlagert, Zweifel an Artikel 5. Quelle: BBC, 18.09.2026 · The Hindu, 18.09.2026 · ZEIT, 08.09.2026 (PURL)

Vereinfacht — „45 % stimmen für die AfD, die eins zu eins sagt, was Putin sagt“

Die 45 % passen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 06.09.2026 (AfD 43,8 %); in Mecklenburg-Vorpommern waren es am 20.09. etwa 38 %, bundesweit liegt die AfD bei rund 27 %. Ohne Ortsangabe klingt die Zahl bundesweit. „Eins zu eins Putin“ ist Polemik gegen den politischen Gegner: Bei Sanktionen, Waffenlieferungen und Nord Stream liegt die AfD oft auf Kremllinie, deckungsgleich ist sie nicht. Quelle: FAZ, 07.09.2026 · ZEIT, 21.09.2026 · Tagesschau DeutschlandTrend, 03.09.2026

Bestätigt — Primakow-Doktrin und die Irak-„Röhren“

Primakow leitete 1991–96 den Auslandsgeheimdienst SVR und wurde 1996 Außenminister; Lagodinskys „FSB/KGB-Chef“ ist ein Versprecher. Lagodinsky machte 2003 seinen MPA an der Harvard Kennedy School, wo Ash Carter lehrte; die Unterrichtsszene ist plausibel, im Detail nicht prüfbar. Die Aluminiumröhren waren schon 2002 zwischen CIA, Energieministerium und INR umstritten, der Senatsbericht von 2004 nannte die Bewertung überzogen. „Da war nichts“ ist im Rückblick zugespitzt und trägt im Kern. Quelle: Wikipedia: Yevgeny Primakov · Wikipedia: Senate Report of Iraqi WMD Intelligence

Bestätigt, mit Fußnote — Der Europäische Sicherheitsrat

Von der Leyen forderte in ihrer Rede zur Lage der Union am 16.09.2026 einen Europäischen Sicherheitsrat. Lagodinsky legte dazu im Februar 2026 einen ausgearbeiteten Entwurf vor (die „Big Six“, zwei rotierende Sitze, die Präsidentin des Parlaments); Kubilius warb seit Januar 2026 parallel dafür. Ein gemeinsames Papier ist nicht belegt, die Idee geht auf Macron (2017) zurück, und von der Leyens Fassung mit Großbritannien, der Ukraine, Norwegen und Kanada ist breiter als seine. Ein Politiker verbucht eine Idee für sich — legitim, aber etwas größer erzählt, als es war. Quelle: France 24, 16.09.2026 · Lagodinsky: ESC-Paper (02/2026) · Böll EU, 29.09.2026 (grünennah) · EUISS, 11.02.2026

Vereinfacht — Ukraine-Finanzen: „90 Mrd.“ stimmt, „rund 270 Mrd.“ eingefroren ist zu hoch

Das EU-Darlehen über 90 Mrd. € für 2026/27 ist bestätigt (Beschluss Dezember 2025). In der EU sind aber rund 210 Mrd. € russischer Zentralbankgelder immobilisiert, 185 Mrd. davon bei Euroclear, seit Dezember 2025 unbefristet; 260–300 Mrd. sind die Summe für G7 und EU weltweit. Lagodinsky sagt selbst „glaube ich“. Die höhere Zahl lässt die Konfiszierung ergiebiger erscheinen, als die Rechnung hergibt. → Wirken die Sanktionen Quelle: Euronews, 03.03.2026 · Le Monde, 02.10.2026

Bestätigt — Kleinere Belege: KI-Kennzeichnung, Rechenzentren, Wadephul–Lawrow, 72 Stunden, Finnland

Die Kennzeichnungspflicht nach Art. 50 AI Act gilt seit dem 2. August 2026; Lagodinsky war Schattenberichterstatter zum AI Act im Rechtsausschuss. In den USA wächst der parteiübergreifende Protest gegen Rechenzentren, auch wegen der Strompreise. Wadephul traf Lawrow am 25./26.09.2026 am Rand der UN-Generaldebatte. Die 72-Stunden-Vorräte empfiehlt die EU in ihrer Preparedness-Union-Strategie vom März 2025. Finnland hat rund 50.500 Schutzräume für etwa 4,8 Mio. Menschen. Quelle: Goodwin: AI Act Transparency Obligations Now in Force · Tagesschau, 03.08.2026 · Deutschlandfunk, 27.09.2026 · Euronews, 26.03.2025 · Finnische Regierung: Schutzräume

Bestätigt, mit Fußnote — Der verhaftete Politologe ist Alexander Kynew

Fünf Tage nach der Dumawahl vom 20.09.2026, deren Fälschung er vorgerechnet hatte, wurde Kynew am 25.09. wegen angeblich versuchten Drogenhandels festgenommen (10–20 Jahre Haft möglich); dabei wurde ihm das Schienbein zweimal gebrochen, er liegt im Haftkrankenhaus Matrosskaja Tischina. Laut Jekaterina Schulman sollte er Hochverrat gestehen. „An der Grenze festgenommen“ ist nicht belegt. „Oppositioneller“ ist zu glatt: Kynew arbeitete früher im Umfeld der systemnahen Partei „Neue Leute“ — das macht den Fall nicht milder, nur verwickelter. Quelle: Meduza, 25.09.2026 · Meduza, 29.09.2026 · El País, 30.09.2026


Weiterführende Quellen

Aus der Video-Beschreibung: keine verlinkten Quellen.

Im Gespräch erwähnt:

Sherlock:


Verbindungen

→ Vijay Prashad — Marxismus als Methode

Der stärkste Gegenpol, und er überrascht. Auch Prashad verwirft die „Multipolarität“, nur kommt er von links und aus dem Globalen Süden: Wer mit „Polen“ antwortet, hat die Machtlogik der US-Planungsdokumente schon übernommen. Gaza ist bei ihm eine „Lehrstunde für Teheran, Caracas, Peking“ — Nottes erster Pfeiler, die westliche Doppelmoral, bekommt hier eine Stimme von innen, die ihn als gelebte Erfahrung liest statt als russische Erzählung.

→ WDR Europaforum — Out of order? Wenn das Völkerrecht den Bach runtergeht

Lagodinskys „Sündenfall Irakkrieg“, ausgeführt: Kaleck beschreibt das instrumentelle Verhältnis des Westens zum Völkerrecht seit Guantánamo, Sham Jaff sagt, für 85 Prozent der Menschheit sei die Welt nie in Ordnung gewesen. Das ist der Boden, auf dem der Satz der afrikanischen Außenministerin wächst. Ambos hält dagegen, das Völkerrecht schütze gerade die Schwächeren — ein Interesse, kein Idealismus, und damit nah an Lagodinskys „hirngeleitet“.

→ Herfried Münkler — Europas Platz in der neuen Weltordnung

Das Gerüst für Nottes Befunde: Der hybride Krieg löst die Grenze zwischen Krieg und Frieden auf, Russland sieht sich als Katechon gegen westliche Dekadenz — die Tiefenschicht der „traditionellen Werte“. Münklers „funktionelles, nicht intendiertes“ Zusammenspiel von Putin und Trump ist die genauere Fassung von Lagodinskys „Theorien“. Und Münklers Führungsgruppe der Fünf antwortet auf dasselbe Problem wie Lagodinskys Europäischer Sicherheitsrat: ein Europa mit 27 Vetos ist nicht zugfähig.

→ Susanne Weigelin-Schwiedrzik — Chinas Neuordnung der Welt

Notte nennt China den Faktor, der auf lange Sicht entscheidet; Weigelin-Schwiedrzik zeigt die Architektur dahinter — SCO und BRICS als konzentrische Kreise, eine „chinesisch-russische Alternative zur Multilateralität“. Zugleich widerspricht sie Lagodinsky deutlich: Sie empfiehlt Europa indisches Multialignment statt Wertegroßmacht. Für die Frage „werte- oder interessengeleitet?“ ist das die unbequemste Gegenstimme im Bestand.

→ Konstantin Flemig — Was Moskau verschweigt: Nazis und Sowjets verbündet

Derselbe Mechanismus nach innen, den Notte nach außen beschreibt. Der 9. Mai macht das sowjetische Erbe zum russischen Alleinbesitz, so wie Moskau in Afrika die Dankbarkeit kassiert, die auch Odessa und Kiew galt. Zusammen ergibt sich: Moskau muss Geschichte nicht fälschen. Es genügt, sie zu privatisieren.

→ Hybrider Angriff — Wie Putin Europas Osten destabilisiert

Bulgarien als „dankbare Nation“, Russland ewig verpflichtet (1878, 1944) — Nottes antikoloniale Dankbarkeit mitten in der EU. Der Film endet mit einem selbstgebauten Putin-Deepfake und führt damit vor, was in Lagodinskys halb scherzhaftem „Wir müssen Propaganda lernen“ steckt: Gegen-Erzählung kippt leicht in Gegen-Manipulation.

→ Putins Zielscheibe Europa — Der Tag, an dem Berlin es beim Namen nannte

Die Nahaufnahme zu Nottes Antwort auf die Frage nach den hybriden Angriffen: „Low-Level-Agenten“, über Telegram angeworben; das Russische Haus als Symbol gegen Wirkung abgewogen; die Schattenflotte als Maßnahme, die wirklich kostet. Das Gipfelfoto aus Bischkek ist der Zwilling des Delhi-Fotos, mit dem dieser Abend beginnt — und Eigendorfs Einwand, das Autokratenbündnis sehe auf Fotos geschlossener aus als in den Büchern, deckt sich mit Nottes Befund vom schwindenden russischen Einfluss.

→ Senkt KI die Hemmschwelle zum Krieg? — Dahlmann und Kuhle auf der re:publica

Lagodinsky hofft auf einen KI-Vertrag nach dem Vorbild der Atomwaffenabkommen. Dahlmann bilanziert über zehn Jahre UN-Prozess: Präventive Verbote gelangen bisher nur, wo der militärische Nutzen gering war; ABC-Waffen wurden erst geächtet, nachdem sie gewirkt hatten. Die Vision und die nüchterne Bilanz gehören nebeneinander.

→ Wie umgehen mit Russland?

Das wachsende Panorama, das aus dieser Note entstand: vier offene Fragen — Was will Putin? Isolieren oder reden? Warum hört der Globale Süden zu? Wie schützt man sich vor dem hybriden Krieg? — und die Stimmen des Bestands dazu.

→ Hanna Notte — DenkerVita

→ Sergey Lagodinsky — DenkerVita


Weiterdenken

Was Sokrates vielleicht gefragt hätte
  • Wenn Russlands Erfolg im Globalen Süden auf echten westlichen Verfehlungen ruht — Irak, Kolonialismus, Gaza —, kann Europa ihn überhaupt mit besseren Argumenten brechen, oder nur mit anderem Handeln?
  • Die Außenministerin sagt: Russland hat uns nie etwas Böses getan. Was müsste geschehen, damit das Leid der Ukraine in Afrika als koloniales Leid erkannt wird — und wer hätte das Recht, es zu erzählen?
  • Lagodinsky will „mit der Psyche arbeiten“ und Geschichten statt Argumente erzählen. Wo endet ehrliches Zeugnis und wo beginnt die Propaganda, die man bekämpfen wollte?
  • Notte sagt, Putin brauche das Feindbild, weil er keine Zukunft anzubieten habe. Welche Zukunft bietet Europa an — und würde sie im Globalen Süden als Angebot gehört oder als Belehrung?
  • Wenn Multipolarität „mehr Herrscher“ heißt und Multilateralismus „gemeinsame Regeln“: Wer im Saal des KörberForums hätte bemerkt, wann der Westen selbst nur ein Pol war?

Von hier einen Faden gehen7 Stationen, rückwärts durch den Bestand

Im Bestand

Wie umgehen mit Russland?Hanna NotteDenkerVitaSergey LagodinskyDenkerVitaPutins Zielscheibe EuropaDer Tag, an dem Berlin es beim…Vijay PrashadMarxismus als MethodeWDR EuropaforumOut of order? Wenn das…Herfried MünklerEuropas Platz in der neuen…Susanne Weigelin-SchwiedrzikChinas Neuordnung der WeltKonstantin FlemigWas Moskau verschweigt: Nazis…Hybrider AngriffWie Putin Europas Osten…Senkt KI die Hemmschwelle…Dahlmann und Kuhle auf der…Was kann das Völkerrecht?Susanne Weigelin-SchwiedrzikAmerikas Plan, China in den…Herfried MünklerDie Sehnsucht nach OrdnungMarcant und EichiAusstieg aus der Neonazi-SzeneOschmann und KowalczukKränkung oder FreiheitsschockDW ReporterWiderstand gegen die…

zwölf gedachte Verweise · fünf geteilte Quellen, die noch niemand verlinkt hat

verlinktdieselbe Quelle, nie verlinkt
▶
bei 0:00schließen P