GedankenraumWer bringt das Falsche in Umlauf?
Alle Parteien sagen Falsches, aber nicht alle gleich oft und nicht zum selben Zweck. Vier offene Fragen dazu, was gemessen ist, was gewollt ist und wer die Prüfer prüft.
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Saul Steinberg — trockene Tuschlinie, blasse Lasuren in Ocker, Schieferblau und einem einzigen Ziegelrot. Links dreht ein Mann den Wegweiser in die falsche Richtung: der Lügner, der den Weg kennt. In der Mitte wirft einer hinter einem Studiotisch hundert Wegweiser in den Wind, und einer davon ist rot: Frankfurts Bullshitter, dem gleich ist, wohin sie zeigen. Rechts prüft einer mit der Lupe einen gefallenen Wegweiser, und hinter ihm prüft ihn ein zweiter. Steinberg, weil er sein Leben lang Menschen gezeichnet hat, die sich in ihren eigenen Zeichen verirren, mit Witz statt mit Schrecken.
Prompt: Wide panoramic banner, 1200x500, in the style of Saul Steinberg: fine dry pen-and-ink line drawing with sparse pale watercolor washes in ochre, slate blue and a single brick red, witty and understated, on cream drawing paper. A flat empty landscape with a crossroads under a wide sky. On the left, a small man in a suit carefully turns a wooden signpost so that its arrows point the wrong way. In the center, another small man stands behind a long television studio desk and cheerfully throws hundreds of little paper signposts into the wind; they scatter across the whole sky in every direction. On the right, a tiny figure bends over one fallen signpost with an enormous magnifying glass, and behind him an even tinier figure inspects him with a magnifying glass of his own. Empty speech balloons drift above the scene. Simple line figures, no realistic faces, no text, no letters, no signature, no photorealism.
Alle Parteien sagen Falsches, aber nicht alle gleich oft und nicht zum selben Zweck. Am Anfang stand ein Eindruck: Von der AfD hört man es öfter. Die Forschung bestätigt ihn, mit zwei Zusätzen, die man selten hört. Die Union liegt nach der Menge näher an der AfD, als man denkt. Und was die AfD unterscheidet, ist weniger die Menge als das Ziel. Dieses Panorama legt die Messungen nebeneinander und stellt vier Fragen: wie viel, ob gewollt, ob inszeniert, und wer eigentlich die Prüfer prüft. Zu jeder der Stand der Forschung, die Stimmen aus den Gedankenwelten und die Stelle, an der es reibt.
Gezählt wird nur, was sich prüfen lässt: Tatsachenbehauptungen, die ein Faktencheck oder eine amtliche Zahl widerlegt. Meinungen bleiben stehen, auch scharfe. Uwe Krüger hat die Unterscheidung von seinem Lehrer Michael Haller: Über Sachverhalte kann man nicht streiten, über Deutungen schon (→ Krüger). Wo die Grenze unscharf ist, gilt hier die Meinung. Absicht lässt sich nur belegen, wo eine Partei sie selbst aufschreibt oder einräumt; alles andere ist Deutung und steht als solche da. Das Panorama ist am 17. Oktober 2026 aus einer Recherche entstanden, nicht aus einem Video. Es wächst über die Nachbesprechungen neuer Notes.
Wer bringt wie viel Falsches in Umlauf?
Die genaueste deutsche Messung stammt von Sami Nenno vom Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft. Frühere Studien zählten nur Links auf unzuverlässige Seiten. Nenno und seine Kollegen lassen Sprachmodelle die Behauptungen selbst aus Posts und Untertiteln heraussuchen und gleichen sie mit einer Datenbank von Faktenchecks ab. Im Netz enthielten 1,14 Prozent der Posts deutscher Politiker und Parteikonten eine solche widerlegte Behauptung, auf Facebook am meisten, auf X am wenigsten. Unter den Parteikonten lag die AfD vorn, danach CDU, CSU und BSW; SPD, Grüne, Linke und FDP verbreiteten sehr wenig. Die kleine Gesamtzahl täuscht. Falsches ballt sich an wenigen Stellen: sechs Prozent aller Posts zur Landwirtschaft, unter denen der CDU zwölf Prozent, bei der CSU zur Gesundheit fast neun, bei der AfD zur Energie acht Prozent (Nenno 2025, Zusammenfassung; Studie: Nenno, Puschmann, Fuławka & Lorenz-Spreen 2025, Preprint, noch nicht begutachtet). In den USA, Großbritannien und Deutschland zusammen stehen gut hundert Behauptungen für rund die Hälfte aller Falschinformation. Sie tauchen erst auf einer Plattform auf, dann auf mehreren, dann in den Nachrichten, und erst danach im Faktencheck.
Dasselbe gilt für das Fernsehen. Von Juni 2023 bis Juni 2024 enthielten 11,6 Prozent der Folgen von Lanz, Maischberger, Hart aber fair und drei weiteren Talkshows mindestens eine schon geprüfte Falschbehauptung, in den Nachrichtensendungen 2,3 Prozent. Meist kam sie von Politikern populistischer oder rechter Parteien. Ungefähr in der Hälfte der Fälle widersprach jemand in der Sendung, oft aber niemand, auch wenn die Behauptung vorher schon gecheckt war (Nenno 2025, Information, Communication & Society, explorative Studie, 1.382 Folgen).
Die ältere Linkmessung zeigt die AfD deutlicher als Ausreißer. Von 2016 bis 2022 führten 8,3, später 6,4 Prozent der Links in Tweets von AfD-Abgeordneten auf Seiten, die NewsGuard als nicht vertrauenswürdig einstuft. Bei der Union waren es 0,18 Prozent, bei der SPD 0,03, bei den übrigen um 0,4. Die Ränder links wie rechts teilen mehr Unzuverlässiges als die Mitte, die AfD aber um ein Vielfaches mehr. Anders als in den USA, wo die Republikaner sich immer weiter entfernen, wächst die Lücke in Deutschland nicht (Lasser u. a. 2022, PNAS Nexus). International ist das Muster eindeutig. In 32 Millionen Tweets von Abgeordneten aus 26 Ländern sagt der Rechtsaußen-Populismus am stärksten voraus, wer Falsches verbreitet. Populismus allein, Linkspopulismus und rechte Politik als solche tun es nicht (Törnberg & Chueri 2025).
Im Bundestagswahlkampf 2025 fand die Faktencheck-Redaktion von Correctiv Falsches bei allen Spitzenkandidaten: Merz' „zwei Millionen irreguläre Migranten“, Scholz' Asylzahlen, Habecks angebliches Arbeitsverbot, Wagenknechts Rentenzahl, Weidels Bürgergeld-Behauptung. Merz und Weidel verzerrten den Atomausstieg fast wortgleich. Mehrere wiederholten das Falsche, nachdem es richtiggestellt war (CORRECTIV, 22.02.2025).
Die Stimmen
- Thomas Laschyk: „Die Lüge hat einen eingebauten Geschwindigkeitsvorteil“; Menschen, nicht Bots, tragen sie weiter, weil sie empörender klingt.
- BissenBlaBla: Mit einer falschen Zahl macht man keine Politik, mit einer richtigen, der man den Zusammenhang nimmt, schon.
- Heizungshammer: Ein Boulevardblatt erfand ein Wort, über 1.100 Artikel anderer Medien übernahmen es, und es endete im Bundesgesetzblatt.
- Staiy: Der Vorwurf lautete Wahlbetrug zugunsten links; die dokumentierten Fälle gingen in die andere Richtung.
- Lars Wienand: Fake-Seiten erreichen wenige; groß wird, was echte Medien weitertragen, Widerlegungen eingeschlossen.
- Topfvollgold: Unionspolitiker zitieren ein Portal, das immer wieder Falsches verbreitet, und geben ihm damit einen seriösen Anstrich.
Nach der Linkmessung ist die AfD ein Ausreißer um das Zwanzigfache, nach der Textmessung liegt die Union nicht weit dahinter, und der Heizungshammer kam aus keiner Partei, sondern aus einer Zeitung. Was misst man eigentlich, wenn man Parteien zählt: wer lügt, wer Lügen teilt, oder wer eine Lüge so sagt, dass die anderen sie nachdrucken?
Ist es gewollt?
Absicht steht selten auf Papier. Bei der AfD gibt es eines. Das vertrauliche Strategiepapier des Bundesvorstands für das Wahljahr 2017, datiert auf den 22. Dezember 2016, verlangt Zuspitzung: „harte und provokante Slogans sind wichtiger als lange, um Differenzierung bemühte Sätze“ (S. 9). Es setzt auf „Eskalation der Konflikte“, denn „je klarer und kontroverser die AfD sich positioniert, desto weniger können die Medien sie ignorieren“, dazu auf Guerilla-Marketing und eigene Medien (S. 19) (Strategie 2017). Der oft zitierte Satz, man müsse „ganz bewusst und ganz gezielt immer wieder politisch inkorrekt sein“ und dürfe vor „sorgfältig geplanten Provokationen“ nicht zurückschrecken, ist durch Presseberichte von damals belegt (Tagesspiegel, 20.01.2017; Weser-Kurier, 24.01.2017), in den von uns gelesenen Seiten des Papiers aber nicht gefunden. Im selben Papier steht auch, die Partei solle sich von „rüpelhaftem oder aggressivem Benehmen“ distanzieren und radikale Forderungen „in sachlicher Sprache“ vortragen (S. 5). Belegt ist also eine Absicht zur Provokation. Eine Anleitung zur Unwahrheit enthält das Papier nicht.
Was daraus 2026 geworden ist, beschreibt ein Mitarbeiter der Bundesgeschäftsstelle in einem Webinar, an dem ein Correctiv-Reporter unter falschem Namen teilnahm. Die hauseigene Software sortiert Nachrichten nach vorhergesagter Reichweite, oben stehen „zuverlässig“ Geschichten über Gewalt durch Ausländer, und „der letzte Satz soll immer so ein bisschen knallen“. Die KI-Kennzeichnung der Bilder fällt weg, wenn man den Hintergrund ohne Slogan exportiert. Die Anwälte der Partei bestreiten Einzelheiten und nennen fehlende Kennzeichnung einen Anwenderfehler (CORRECTIV, 02.07.2026). Das belegt Optimierung auf Empörung, keine erfundenen Fakten.
Die Forschung hilft an einer anderen Stelle. Wer Falschmeldungen teilt, tut das meist nicht aus Unwissen, sondern um den Gegner herabzusetzen; am häufigsten teilen jene, die angeben, ihre politischen Gegner zu hassen (Osmundsen u. a. 2021, APSR, über 2.300 Nutzer, USA). Bei Abgeordneten des US-Kongresses breitet sich seit 2011 eine andere Auffassung von Ehrlichkeit aus: sagen, was man glaubt und fühlt, statt was sich belegen lässt. Bei Republikanern geht mehr davon mit schlechteren Quellen einher, bei Demokraten nicht (Lasser u. a. 2023, Nature Human Behaviour, Beobachtungsstudie). In vier vorregistrierten Experimenten tolerierten Menschen Verstöße gegen demokratische Normen eher, wenn sie Ehrlichkeit als Aufrichtigkeit verstanden statt als Richtigkeit (Huttunen & Lewandowsky 2026, Communications Psychology). Harry Frankfurt hat den Unterschied 1986 in On Bullshit beschrieben. Der Lügner kennt die Wahrheit und verdeckt sie. Dem Bullshitter ist sie gleichgültig. Für eine Strategie muss dann nicht jeder Einzelne lügen. Es reicht, dass die Richtigkeit nicht zählt und das Ziel feststeht.
Das Ziel unterscheidet die Parteien. In den Talkshows richteten AfD-Politiker ihre Falschbehauptungen vor allem gegen Institutionen, etwa gegen die Redlichkeit des Verfassungsschutzes; Unionspolitiker vor allem gegen Gegner, etwa mit unbelegten Zahlen gegen die Asylpolitik der Ampel. Und die Falschbehauptungen der AfD wurden seltener von anderen Parteien aufgegriffen als die der Union. Nenno folgert, Desinformation sei „fest in den Kommunikationsstrategien einiger Parteien verankert“, und meint damit ausdrücklich nicht nur eine.
Die Stimmen
- Annette Dittert: „Die Lüge ist eigentlich gar nicht das größte Problem“, weil sie sich noch auf einen Fakt bezieht; das größte Problem ist das Verwischen.
- Martin Oetting: Die Strategie ist „strategisch fatal, aber leider auch taktisch erstaunlich klug“, weil sie die Komplexität abräumt und hilflose Angst in Wut verwandelt.
- Renée DiResta: „Misinformation“ unterstellt, Menschen würden ihre Meinung ändern, wenn man sie korrigiert; nach zehn Jahren Forschung sieht sie Propaganda, die Identität als Hebel nutzt.
- Rechte Medien: Das Geschäftsmodell braucht keine Lügner mit Plan; Empörung erzeugt Reichweite, und die Wahrheit ist dabei weder Ziel noch Hindernis.
- Daniel: Ein längst aufgearbeiteter Schulvorfall dient drei Zielen: Moralpanik, Delegitimierung der Demokratieprojekte, Verdrängung der eigentlichen Themen.
- Dominik Finkelde: Auch der Kanzler spricht strategisch und hält sich vermutlich nicht für einen Lügner; alle machen mit, auf Basis stillschweigender Übereinkunft.
Weitere Stimmen (1)
- Bonhoeffer, bei Wolfgang Huber: Lüge ist mehr als der Widerspruch zwischen Denken und Sagen; sie ist die „wissentliche, willentliche Zerstörung der Wirklichkeit“, auch durch Schweigen.
Das Strategiepapier verlangt Provokation, nicht Lüge, und die Forschung findet eher Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit als den Plan, sie zu verdrehen. Finkelde erinnert daran, dass auch die Mitte strategisch spricht. Wenn niemand lügen muss, damit Falsches in Umlauf kommt, wem rechnet man es dann zu: dem, der es sagt, dem, der es bezahlt, oder einer Kultur, in der die Richtigkeit nicht mehr zählt?
Wird inszeniert?
Inszenierungen gibt es, aber bisher von Einzelnen. In Hamburg bekam 2020 ein AfD-Mitglied einen Strafbefehl, weil es einen „Antifa-Überfall“ auf sich selbst vorgetäuscht hatte; das Gericht hörte von einer psychischen Erkrankung (taz, 03.09.2020). In Uffenheim zündete im Februar 2026 ein Mitglied laut Polizei seinen eigenen Transporter an und fälschte einen Antifa-Drohbrief; es gestand, der Bezirksvorstand beschloss den Ausschluss (nd, 30.03.2026). Die Partei ahndet solche Fälle also auch. Andere sind schwerer einzuordnen. Ein Fraktionsvize veröffentlichte 2023 KI-Bilder schreiender Migranten und sagte, es sei „durchaus gewollt, dass Stereotype bedient werden“, verteidigte sie aber als Karikatur (watson nach FAZ, 03.04.2023). Petr Bystron postete 2022 eine Fotomontage mit Politikern beim Hitlergruß (ZDF, 21.03.2025). Eine Inszenierung als Parteilinie ist nicht belegt.
Belegt sind Kampagnen von außen, die der AfD nützen. Die russische Operation Storm-1516 verbreitete zur Bundestagswahl 2025 vor allem Fälschungen gegen Habeck, Merz und Baerbock, dazu Videos, die AfD fehle auf den Stimmzetteln; die EU sanktionierte die Verantwortlichen im Juli 2025 (CORRECTIV, 16.07.2025). In Mecklenburg-Vorpommern tauchten im September 2026 wieder solche Videos auf, mit KI-Stimmen, ein Post mit über drei Millionen Aufrufen (ZDFheute, 22.09.2026). Eine Verbindung zur Partei ist nicht belegt. Der Fall von Maximilian Krahs früherem Mitarbeiter Jian G. ist Spionage für China, keine Desinformation; das Oberlandesgericht Dresden verurteilte ihn im September 2025, nicht rechtskräftig.
Die Forschung macht eine unbequeme Rechnung auf: Die meisten erfundenen Geschichten erreichen kaum jemanden. Die Begegnung mit Falschem im Netz ist gering und auf einen kleinen, stark motivierten Rand konzentriert (Budak u. a. 2024, Nature, Übersicht). Groß wird eine Fälschung erst, wenn sie die Bühne wechselt.
Die Stimmen
- Katharina Nocun: Aus den USA kommen KI-gemachte Konfrontationen, in denen der Rechte die Frau vor der queeren Person schützt; zwei Erzählungen zugleich, nie als Kampagne erkennbar.
- Lars Wienand: Moskaus Fälscherwerkstatt zählt westliche Medienberichte über ihre Fakes als Arbeitsnachweis.
- Staiy: Das Video vom Schreddern der AfD-Briefwahlstimmen war selbst die Fälschung, mutmaßlich aus Russland.
- Daniel: Inszeniert wird auch ohne Fälschung: Eine Aktuelle Stunde zu einem längst aufgearbeiteten Vorfall, ohne ihn als aufgearbeitet zu erwähnen.
Die Fälscher von außen zählen Medienberichte als Erfolg, die Forschung sagt, ihre Fakes erreichen kaum jemanden, und die belegten Inszenierungen in der Partei sind Einzelfälle, die sie teils selbst ahndet. Ist die größere Gefahr die Fälschung oder die Angst vor ihr, die jede echte Nachricht unter Verdacht stellt?
Wer prüft die Prüfer?
Fast alle Zahlen oben hängen an Faktenchecks. Was nicht geprüft wird, taucht in keiner Statistik auf. Nenno selbst vermerkt, dass die Trefferquote steigt, je stärker eine Faktencheck-Redaktion Aussagen öffentlicher Personen prüft. Ob deutsche Faktenchecker rechte Aussagen häufiger auswählen, hat niemand untersucht. In den USA kommen zwei Studien zu verschiedenen Ergebnissen. Für Abgeordnete des Kongresses sagt die Bekanntheit voraus, wer geprüft wird, nicht die Partei (Greene u. a. 2024, PNAS Nexus). In 35.000 geprüften Aussagen von Snopes und PolitiFact finden sich dagegen Asymmetrien darin, welche falschen Aussagen über welche Politiker aufgegriffen werden (Chuai u. a. 2025, ICWSM). Die Linkmessung umgeht die Auswahl der Faktenchecker, hängt dafür an NewsGuard, das nur gut die Hälfte der geteilten Links abdeckt.
Die Prüfer irren auch selbst. Das ZDF unterlag vor dem Landgericht Hamburg, weil es Correctivs Potsdam-Recherche „Deportation“ zuschrieb, der NDR vor dem Oberlandesgericht; Correctiv selbst hatte „Vertreibung“ und „Ausweisung“ geschrieben (→ NoAfD). Wer Falsches zählt, muss das eigene mitzählen. Und eine Prüfung wirkt nur, wo sie ankommt: In der Hälfte der Talkshow-Fälle widersprach niemand.
Die Stimmen
- Uwe Krüger: Die deutsche Vertrauenskrise ist meist „ein Streit um Frames“, nicht um Sachverhalte; „Lügenpresse“ hält er für falsch, „Mainstream“ für einen Begriff, mit dem man reden kann.
- Thomas Laschyk: Gegen finanzstarke Desinformation tritt Aufklärung mit Spendenkonten an, und sie wird gezielt angegriffen; er spricht hier, wie die Note festhält, in eigener Sache.
- Heizungshammer: Der Skandal war nicht die Kampagne, sondern die Verstärkung durch jene, deren Aufgabe das Nachfragen gewesen wäre.
- Gert Scobel: Auch wer Geister austreibt, braucht jemanden, der ihn prüft.
Die Zahlen, die die AfD als Spitzenreiter zeigen, stammen von Faktencheckern, deren Auswahl in Deutschland niemand untersucht hat, und die Linkmessung, die das umgeht, zeigt denselben Abstand noch größer. Zugleich irrten öffentlich-rechtliche Sender vor Gericht. Was würde es brauchen, damit ein Befund über Desinformation auch von denen geglaubt wird, über die er spricht?
Nachbesprechungen, die hierher führen
| Datum | Note | vertieft |
|---|---|---|
| 17.10.2026 | Anlage aus eigener Recherche | alle vier Fragen |
Quellen
- Nenno, S. (2025). Who spreads disinformation, where, for what purpose, and to what extent? Digital Society Blog, HIIG. DOI 10.5281/zenodo.17572615
- Nenno, S. (2025). Separate worlds of misinformation. Information, Communication & Society. DOI 10.1080/1369118X.2025.2561030
- Nenno, S., Puschmann, C., Fuławka, K., Lorenz-Spreen, P. (2025). Political disinformation concentrates in repeated claims across media. SocArXiv, Preprint. DOI 10.31235/osf.io/p6yh9_v1
- Lasser, J. u. a. (2022). Social media sharing of low-quality news sources by political elites. PNAS Nexus. DOI 10.1093/pnasnexus/pgac186
- Törnberg, P., Chueri, J. (2025). When Do Parties Lie? The International Journal of Press/Politics. DOI 10.1177/19401612241311886
- Osmundsen, M. u. a. (2021). Partisan Polarization Is the Primary Psychological Motivation behind Political Fake News Sharing on Twitter. APSR. DOI 10.1017/s0003055421000290
- Lasser, J. u. a. (2023). From alternative conceptions of honesty to alternative facts in communications by US politicians. Nature Human Behaviour. DOI 10.1038/s41562-023-01691-w
- Huttunen, K. J. A., Lewandowsky, S. (2026). Tolerance for democratic norm violations increases when sincerity replaces accuracy as a marker of honesty. Communications Psychology. DOI 10.1038/s44271-026-00407-w
- Budak, C. u. a. (2024). Misunderstanding the harms of online misinformation. Nature. DOI 10.1038/s41586-024-07417-w
- Greene, K. T., Pisharody, N., Carroll, F., Shapiro, J. N. (2024). Fact-checks focus on famous politicians, not partisans. PNAS Nexus. DOI 10.1093/pnasnexus/pgae567
- Chuai, Y., Zhao, J., Pröllochs, N., Lenzini, G. (2025). Is Fact-Checking Politically Neutral? ICWSM. DOI 10.1609/icwsm.v19i1.35823
- Frankfurt, H. G. (1986/2005). On Bullshit. Princeton University Press.
- AfD-Bundesvorstand (22.12.2016). Strategie 2017, vertraulich. PDF (Fundort: Watch-Blog). Zum Provokations-Zitat: Tagesspiegel, 20.01.2017, Weser-Kurier, 24.01.2017
- CORRECTIV: Kampf um die Fakten (22.02.2025) · Storm-1516 (16.07.2025) · Die Propaganda-KI der AfD (02.07.2026)
Alle Notes
| Note | Frage |
|---|---|
| Thomas Laschyk — Vermögenssteuer gegen Fake News | Wie viel · Prüfer |
| BissenBlaBla — AfD-Behauptungen zur Ausländerkriminalität | Wie viel |
| Der Heizungshammer | Wie viel · Prüfer |
| Staiy — News Briefwahl (28.08.2026) | Wie viel · Inszeniert |
| Lars Wienand — Russentrolle | Wie viel · Inszeniert |
| Topfvollgold — NiUS erfindet Islam-Skandal | Wie viel |
| Annette Dittert — Dear Britain | Gewollt |
| Martin Oetting — Faschismus stoppen mit der Wahrheit | Gewollt |
| Renée DiResta — Invisible Rulers | Gewollt |
| Rechte Medien — das Geschäft mit der Lüge | Gewollt |
| Daniel — AfD-Propaganda zum Schulvorfall Schleife | Gewollt · Inszeniert |
| Dominik Finkelde — Nietzsche über Wahrheit und Lüge | Gewollt |
| Wolfgang Huber — Bonhoeffer und die Wahrheit | Gewollt |
| Katharina Nocun — KI-Content im rechten Vorfeld | Inszeniert |
| Uwe Krüger — Mainstream und kritische Journalistik | Prüfer |
| Gert Scobel — Die Geister in der Maschine | Prüfer |
Verbindungen
→ Rechte Medien — das Geschäft mit der Lüge
Dort die Portale, hier die Parteien. Das Panorama über NIUS und Co. fragt, woran man den Unterschied zwischen Fehler und Methode erkennt; dieses misst, wie oft gewählte Politiker Falsches sagen und wohin sie damit zielen.
→ Wer macht die Meinung?
Die Talkshow-Zahlen gehören auch dorthin: Wer einlädt, entscheidet mit, was unwidersprochen bleibt.
→ NoAfD
Der Faktencheck zu Siegmunds Podcast dort ist ein Einzelfall dessen, was hier gezählt wird.
→ Macht Migration kriminell?
Die meisten Falschbehauptungen aller Parteien kreisen um Migration; dort steht, was die Statistik wirklich sagt.
Weiterdenken
- Wenn die Union nach der Menge nah an der AfD liegt, aber auf Gegner zielt statt auf Institutionen, ist dann die Menge das falsche Maß, oder macht man es sich mit dem Ziel zu leicht?
- Frankfurt sagt, der Bullshitter sei der größere Feind der Wahrheit als der Lügner. Woran erkenne ich bei mir selbst, ob mir die Richtigkeit gleichgültig wird, sobald eine Geschichte in mein Bild passt?
- Die Hälfte der Falschbehauptungen in Talkshows blieb unwidersprochen. Ist das ein Versagen der Moderation oder das ehrliche Eingeständnis, dass sich im Gespräch nicht alles prüfen lässt?
- Wenn Fälschungen kaum jemanden erreichen, bevor seriöse Medien über sie berichten, wie berichtet man über eine Lüge, ohne ihr die Bühne zu geben?
- Was wäre das stärkste Argument dafür, dass die Zahlen in diesem Panorama ein Messartefakt sind, und welche Studie müsste man machen, um es zu widerlegen?
Ein Fehler, ein holpriger Satz, etwas fehlt? Anfassen erlaubt: Jeden Abschnitt kannst du neu fassen.
Von hier einen Faden gehen7 Stationen, rückwärts durch den Bestand
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