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Gedankenraum
Denker·08.10.2026·1:22 h·78 Belegstellen

Simone Weil — Aufmerksamkeit, die seltenste Großzügigkeit

Eine Stunde Zeit kann man verlangen, Zuhören nicht. Simone Weil machte aus der Aufmerksamkeit eine Übung im Leerwerden und eine Antwort auf die Gewalt, die Menschen zu Dingen macht.

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Giorgio Morandi — Öl auf Leinwand, trockener, matter Farbauftrag, kreidige Palette aus Knochenweiß, warmem Grau, staubigem Ocker und verblichenem Rosa.

Warum: Morandi hat ein halbes Jahrhundert lang dieselben Flaschen, Krüge und Dosen gemalt, und jedes Mal anders, weil er bei ihnen blieb, bis sie sich zeigten. Das ist Weils Aufmerksamkeit als Malweise: das Denken aussetzen, nichts hineinlegen, den Gegenstand in seiner nackten Wahrheit empfangen. In der Mitte steht eine leere weiße Schale, die das Licht aufnimmt, das Bild der Dekreation, die Platz macht. Rechts liegt ein gefaltetes Blatt ohne Schrift, der Brief an Bousquet, in dem der Satz über die Großzügigkeit steht. Kein Mensch im Bild, nur Dinge, die mit Liebe angesehen werden; das ist das Gegenteil der force, die Menschen zu Dingen macht.

Prompt: A still life painted by Giorgio Morandi in the 1950s, wide 1200x500 banner. Loose soft oil brushwork, flattened simplified forms, outlines that tremble and dissolve into the background, no sharp detail, nothing realistic. A low pale tabletop runs across the picture in front of a chalky grey-beige wall. Slightly left of centre one small plain white bowl stands empty, its inside holding a faint warm glow. With wide gaps around it: two tall bottles painted as soft opaque cylinders in dusty grey-green and ochre, a narrow matte jug in faded rose, a plain unlabelled grey box, and on the right one folded sheet of blank paper lying flat. Objects nearly touching their own soft shadows. Chalky muted palette of bone white, warm grey, dusty ochre, faded rose, pale grey-blue. Dry matte paint, visible canvas weave, quiet devotional stillness. No writing anywhere, no labels, no letters, no text, no signature, no monogram, no people, no photorealism.

Worum es geht

Eine Stunde Zeit kann man verlangen, echtes Zuhören nicht. Simone Weil nannte die Aufmerksamkeit die seltenste und reinste Form der Großzügigkeit, und auf der Utopie-Konferenz in Lüneburg folgen zwei Kennerinnen dieser Spur: die Berliner Literatur- und Religionswissenschaftlerin Mae Bengert, die Weil zuerst als Mystikerin liest, und die Philosophin Barbara Bleisch, die sie mit Iris Murdoch ins Weltliche zieht. Aufmerksamkeit heißt bei Weil, das Denken auszusetzen, eine negative Anstrengung, die man üben kann wie einen Sport. Sie wächst aus Verwurzelung und nicht aus dem Mangel, und sie ist der einzige Ausweg aus der Gewalt, die Täter wie Opfer zu Dingen macht. Am Ende steht eine unbequeme Frage: Weil war großzügig zu allen außer zu sich selbst. War das ein Fehler gegen die Tugend oder ihr Preis?

Quelle: Mae Bengert & Barbara Bleisch: Aufmerksamkeit, die erste Großzügigkeit? — Gespräch auf der Utopie-Konferenz 2026 „Großzügigkeit, eine Utopie?“, Leuphana Universität Lüneburg (26.–28.08.2026), Moderation Barbara Bleisch, 83 Min., veröffentlicht am 11.09.2026

Wer spricht?

Simone Weil (3. Februar 1909, Paris – 24. August 1943, Ashford, Kent) — Philosophin, Mystikerin, Gewerkschafterin, Fabrikarbeiterin. Aus säkular-jüdischem Pariser Elternhaus, Schülerin Alains, Philosophielehrerin in Le Puy, 1934/35 ein Jahr an den Maschinen von Alsthom, Carnaud und Renault, 1936 sieben Wochen in Spanien, ab 1935 mystische Erfahrungen, nie getauft. Gestorben mit 34, entkräftet von Tuberkulose und Unterernährung. Zu Lebzeiten erschien kein Buch; Schwerkraft und Gnade, Die Einwurzelung und die Cahiers sind aus dem Nachlass zusammengesetzt. Albert Camus nannte sie „den einzigen großen Geist unserer Zeit“.

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Mae Bengert — Literatur- und Religionswissenschaftlerin, Professorin für Literatur, Religion und Gender Studies in den romanischen Kulturen an der Humboldt-Universität zu Berlin (ältere Veröffentlichungen unter Martina Bengert). Promoviert über Maurice Blanchot, über ihn und die Poststrukturalisten kam sie an die Grenze, wo das Denken an die Mystik stößt, und dann zu Weil. 2019 gründete sie mit Thomas Sojer und Max Walther das trans|disziplin Simone Weil denkkollektiv, das Weils Werk zwischen Wissenschaft, Kunst und Öffentlichkeit erschließt; 2026 war sie in Thomas Hirschhorns Simone-Weil-Pavillon in Genf zu Gast. An der Universität unterrichtet sie achtsames Lesen.

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Barbara Bleisch (1973, Basel) — Schweizer Philosophin und Ethikerin, sechzehn Jahre Gastgeberin der Sternstunde Philosophie (SRF), promoviert über Weltarmut und individuelle Verantwortung. Auf der Utopie-Konferenz 2026 erstmals Host; Weils Satz über die Aufmerksamkeit hatte sie am selben Morgen schon im Utopie-Quartett vorgetragen.

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Mystikerin zuerst — und was die Philosophie daraus macht

3:04 — Bleisch beginnt mit einer Verlegenheit. Camus hielt Weil für den einzigen großen Geist ihrer Zeit, und trotzdem hat der philosophische Kanon sie verschmäht. Wer ist sie also? Bengert antwortet ohne Zögern:

„Für mich ist Simone Weil als allererstes tatsächlich Mystikerin.“

Hören — 3:04

Das ist eine Lesart mit Folgen. Wer die marxistischen Schriften, die Gewerkschaftsartikel und die Fabriknotizen ohne die Gotteserfahrung liest, liest sie nach Bengert nur halb. Zugleich passt Weil in kein Fach, sie war Philosophin, Syndikalistin, Lehrerin und Mystikerin in einer Person, und gerade das macht sie für Bengert zeitgemäß. Bleisch hält von Anfang an eine zweite Tür offen: 3:51 Man könne Weils Theorie auch weltlicher verstehen, so wie Iris Murdoch, die sich ausdrücklich auf sie bezog. Diese beiden Lesarten begleiten das Gespräch bis zur letzten Minute.

Was Mystik heißt, erklärt Bengert über die Erfahrung. 9:54 Es ist die Erfahrung einer wirklichen Wirklichkeit, die durch das, was wir sonst für wirklich halten, hindurchbricht, und in diesem Moment bleibt kein Zweifel. Die meisten Menschen haben so etwas einmal im Leben. Zur Mystikerin wird erst, wer die Tiefe dieser Erfahrung ins Leben übersetzt und gar nicht anders kann, als das Gesehene, die Liebe zu den Menschen, in die Welt zurückzutragen. Bleisch erinnert daran, dass Mystik auf das griechische myein zurückgeht, die Augen oder den Mund schließen, und dass man vor einem Sternenhimmel ins Stammeln kommt. Bengert grenzt ab: Das Erhabene bleibt kontemplativ, die mystische Erfahrung will hinaus, in Dichtung, in Malerei, in eine Botschaft.

12:58 — Bei Weil ging dem Durchbruch das Leiden voraus. Erst das Jahr in der Fabrik, 1934/35, dann im portugiesischen Fischerdorf die Gesänge der Frauen am Meer, 1937 Assisi, 1938 die Karwoche im Kloster Solesmes, oft begleitet von rasenden Kopfschmerzen. Die Biografie liegt in der Vita ausführlich. Für die Lektüre des Abends genügt, was Bengert festhält: Das Politische und das Mystische sind bei ihr dasselbe Leben, und wer eines davon abschneidet, versteht das andere falsch.

Radikale Hoffnung und das Loslassen der eigenen Form

6:09 — Bleisch nennt Weil mit Bengert eine Denkerin der radikalen Hoffnung. Bengert meint damit eine Hoffnung, die auch im schlimmsten Unglück nicht vergeht. In Das Unglück und die Gottesliebe beschreibt Weil den Punkt, an dem das Leiden sein Maximum erreicht und Gott vollkommen abwesend ist, und verlangt, gerade dort weiterzuleben und weiterzuglauben.

6:54 — Bleisch legt einen zweiten Begriff daneben. Der Philosoph und Psychoanalytiker Jonathan Lear, gestorben im September 2025, hat Radical Hope (2006) aus Gesprächen mit der Crow Nation entwickelt: Menschen in Reservaten, deren ganze Lebensform zu Ende gegangen war und die nicht mehr wussten, wie man so lebt. Hoffnung heißt bei Lear, hoffnungsvoll zu bleiben, obwohl man weiß, dass die eigene Lebensform endet. Hat das mit Weil zu tun?

8:24 — Bengert findet die Brücke im Begriff der décréation, den sie mit Entwerdung oder Entschaffung übersetzt. Beides verlangt, eine Form loszulassen, von der das Ich glaubt, sie mache seine Identität aus.

„Das ist natürlich auch eine radikale Form von Loslassen einer bestimmten Form, von der das Ich glaubt, dass es sozusagen die Identität ausmacht.“

Im Gespräch — 8:24

Der Zweite Weltkrieg war für Weil eine solche Lage, ein Desaster über viele Länder, in dem nichts mehr sicher war und alles losgelassen werden musste. Der Unterschied liegt im Grund der Hoffnung. Lear bleibt im Diesseits, er fragt, wie eine Kultur weiterleben kann. Weils Hoffnung hat nach Bengert mit der Transzendenz zu tun. Hier zeigt sich zum ersten Mal die Linie, an der das Gespräch sich reibt: Lear liefert das säkulare Gegenstück, und man kann fragen, ob Weils radikale Hoffnung ohne Gott noch Hoffnung wäre oder bloß Durchhalten. Die beiden lassen das offen.

Der Satz und sein Brief: Aufmerksamkeit lässt sich nicht verlangen

15:59 — Dann trägt Bleisch den Satz vor, für den sie Weil auf eine Utopie-Konferenz geholt hat, zweimal hintereinander, damit er im Raum steht:

„Aufmerksamkeit ist die seltenste und reinste Form der Großzügigkeit.“

Im Gespräch — 15:59

Er steht in einem Brief an den Dichter Joë Bousquet vom April 1942 (Herkunft und Wortlaut sind in der Schwester-Note geprüft). Bengert sucht die Stelle während des Gesprächs heraus und erzählt den Anlass. 24:25 Weil hatte Bousquet Manuskriptseiten geschickt, er las sie und antwortete, und sie empfand das als Geschenk, weil diese Seiten es nicht verdient hätten, gelesen zu werden. Bleisch hört darin eine Einsicht, und falsche Bescheidenheit wäre das falsche Wort dafür: Aufmerksamkeit verdient man sich nicht, man hat keinen Anspruch darauf, und wenn jemand einen wirklich sieht, ist das immer geschenkt. Bengert ergänzt die Schieflage, die zu Weil gehört. Für sich selbst konnte sie solche Beachtung kaum annehmen, andere überschüttete sie mit Anerkennung.

25:55 — Bleisch macht daraus ein Gegenbild zur Aufmerksamkeitsökonomie, in der unsere Aufmerksamkeit dauernd abgeschöpft wird. Ihr Beispiel ist alltäglich und genau deshalb so gut:

„Ich kann verlangen, dass du eine Stunde Zeit hast. Ob du wirklich zuhörst, das kann ich nicht verlangen.“26:40

Im Gespräch — 26:40

Wer nach dem Termin beim Vorgesetzten „danke, dass du mir zugehört hast“ sagt, meint genau das. Die Sprechstunde ist ein Recht, das Zuhören eine Gabe. Darin steckt eine Definition von Großzügigkeit, die das ganze Konferenzthema scharf stellt: großzügig ist, was sich nicht einklagen lässt. Bengert führt den Gedanken ins Persönliche. 27:25 In der ersten Verliebtheit ist diese Präsenz mühelos, mit Menschen aller Art aber, als Dauerzustand, ist sie schwer. Wer so durchs Leben geht, wäre für sie ein Mystiker. Dazu gehört das Wissen um die eigene Endlichkeit, vor dem man trotzdem die ganze Gegenwart in diesen einen Augenblick legt. Die Arbeiter, denen Weil abends Platon nahebrachte, haben das nach Bengert gespürt.

Weitergedacht

Wenn echtes Zuhören sich nicht verlangen lässt, sondern nur schenken — was schulden dann die Berufe, deren Kern das Zuhören ist, der Ärztin, dem Lehrer, der Sachbearbeiterin im Amt? Lässt sich eine Gabe zur Dienstpflicht machen, ohne dass sie aufhört, eine zu sein?

Das Denken aussetzen: eine negative Anstrengung

18:17 — Den Schlüssel zu Weils Aufmerksamkeit findet Bengert in einem Text mit umständlichem Titel, für den sie ausdrücklich werben will: Betrachtungen über den rechten Gebrauch des Schulunterrichts im Hinblick auf die Gottesliebe (1942). Was Kinder in der Schule und Erwachsene an der Hochschule am meisten lernen sollten, ist Aufmerksamkeit. In einer Zeit des „kollektiven ADS“ hält Bengert das für das Dringendste überhaupt. 19:02 Weil ging es nicht darum, Wissen in sich hineinzuklopfen. Jede Übung richtet das Bewusstsein auf etwas Höheres aus, und zugleich lernt man, von sich selbst abzusehen, einen Schritt zurückzutreten, zuzuhören und dem Gegenüber Raum zu geben. „Eine Form von Liebe würde ich sagen ist das.“

19:49 — Bleisch hat das Zitat mitgebracht, weiß aber nicht mehr, wo es steht. Es stammt aus eben diesem Schulaufsatz:

„Aufmerksamkeit besteht darin, das Denken auszusetzen, es verfügbar, leer und für den Gegenstand durchlässig zu lassen, bereit, den Gegenstand in seiner nackten Wahrheit zu empfangen.“

Im Gespräch — 19:49

20:35 — Bengert erklärt es über Weils Begriff des Lesens, der sehr weit reicht. Wir lesen die Welt unablässig, wir überziehen sie mit Bedeutungen und sortieren alles in vorhandene Denkstrukturen ein, und dabei übersehen wir, was nackt da ist. Damit aufzuhören ist anstrengend, „weil der Kopf rattert“. Für Weil war das Gebet die Übungsform, stundenlang und streng. 21:21 Bleisch greift den Ausdruck auf, den Weil im selben Aufsatz prägt, die negative Anstrengung, und zieht selbst die Parallele zur Meditation: Wer sich verkrampft vornimmt, nichts zu denken, erreicht nichts, weil man auch diese Absicht loslassen muss; das Absichtslose sei „in der buddhistischen Meditation ganz zentral“.

22:06 — Bengert macht es handfester. Weil hatte eine Einstiegsmethode, eine Art Plus-Minus-Spiel: sich zwingen, jedes Mal das Gegenteil dessen zu denken, was man gerade gedacht hat. So entlarvt man das eigene binäre Denken, das nie mitbedenkt, was es ausschließt. Ist der Verstand davon müde, geschieht etwas anderes. Bengert vergleicht es mit Sport, und Weil selbst spricht von Gymnastik und Dressur des Denkens. 22:52 Das Ziel ist der Zustand danach, die Lösung, die erst durch die vorherige Anspannung kommt, wie nach dem Training, wenn die Muskeln müde sind.

Warum ist das großzügig? Bleisch antwortet selbst: weil es ungroßzügig ist, der Welt und den Menschen immer mit den eigenen Bildern entgegenzutreten. Nachsicht, Offenheit, Begegnung ohne Vorurteil gehören dazu. Bengert fügt hinzu, was nach Weil dann sichtbar wird, die Schönheit am anderen Ort, und spricht mit Hartmut Rosa von Resonanz. 23:38 Großzügig sei, „davon auszugehen, dass im anderen tatsächlich so etwas ist“.

Eigene Einschätzung

Die Pointe dieses Abschnitts liegt im Widerspruch zum Zeitgeist. Die Aufmerksamkeitsökonomie behandelt Aufmerksamkeit als Rohstoff, der sich abbauen lässt. Weil zeigt, dass gerade die wertvollste Form gar nicht abgebaut werden kann: Sie entsteht erst, wenn das Ich aufhört zu greifen. Das ist mehr als Kulturkritik, es ist eine Anleitung. Das Plus-Minus-Spiel lässt sich morgen früh ausprobieren, an der eigenen Meinung über einen Kollegen. Dass Weil die Schule zum Ort dieser Übung erklärt, verdient eine Fußnote im Streit um Noten und Lehrpläne: Ihr Maßstab ist die geschulte Fähigkeit, bei etwas zu bleiben, das sich nicht sofort erschließt; der gelöste Aufgabenzettel ist dabei Nebensache. Die Grenze dieser Lehre liegt im Wort leer. Ein Geist, der verfügbar und durchlässig ist, kann auch der Propaganda offenstehen. Weil hätte geantwortet, dass Leere und Urteil sich nicht ausschließen; ihre Kritik an Parteien und Kollektiven zeigt, wie wach diese Leere urteilen konnte.

Großzügigkeit aus der Fülle: Verwurzelung

29:40 — Bleisch lädt ein, sich zu fragen, wem man seine Aufmerksamkeit eigentlich schenkt, statt passiv nicht einmal zu bemerken, wohin sie fließt. Bengert präzisiert: ohne dabei etwas zu wollen. Wer Aufmerksamkeit schenkt, um etwas zurückzubekommen, tauscht. Und dann der Satz, auf dem ein guter Teil des Abends ruht: Das gelingt nur jemandem, der in Fülle ist.

„Das geht nicht aus dem Mangel heraus. Der Mangel generiert wieder Mangel.“30:25

Im Gespräch — 30:25

Fülle heißt bei Weil Einwurzelung. In ihrem letzten Buch, L'Enracinement, geschrieben 1943 und unvollendet, beschreibt sie, was Entwurzelung anrichtet und wie sich Gewalt dann ins Leben einschreibt und fortsetzt. Wer verwurzelt ist, in Familie, Freundschaft, einer sicheren Heimat, in Werten und in einer Bildung, die zeigt, was schön ist, dessen Grundbedürfnisse der Seele sind gestillt. Erst dann kann er schenken.

31:12 — Braucht das eine gesellschaftliche Großzügigkeit? Bengert erzählt den Hintergrund. Weils erstes, wirklich utopisches Projekt war ein Plan für Frontkrankenschwestern, eine Truppe von Frauen, die nach Bengerts Schilderung sogar mit dem Fallschirm in die vordersten Linien gebracht werden sollte, um dort Wunden zu versorgen, vor allem aber da zu sein. Die Exilregierung in London hielt das für halb verrückt und gab ihr stattdessen den Auftrag, über das Frankreich nach dem Krieg nachzudenken. Sie hielt sich kurz daran und schrieb dann ihr eigenes Buch. 32:44 Darin steht die Idee, dass zuerst Menschen zu allen Schichten gehen und hinhören müssen, was die Leute brauchen, bevor man die Strukturen der neuen Gesellschaft baut. Unter den Bedürfnissen der Seele nennt sie Ordnung und Freiheit, aber auch Gehorsam. Eine gut ernährte Seele ist nicht mehr im Hunger, und ein Land solcher Seelen sollte nach Weils Traum in ganz Europa ausstrahlen.

33:29 — Bleisch übersetzt in die heutige Debatte: Steht Weil damit beim Kommunitarismus, der das Glück von der Gemeinschaft her denkt, gegen einen Liberalismus, der beim Einzelnen beginnt? Bengert bejaht, mit einer Einschränkung, die bei Weil zentral ist: kleine Gruppen, deren Eigenart Vielstimmigkeit bedeutet. Große Kollektive, die einseitig mächtig werden, hat Weil vor und im Zweiten Weltkrieg beobachtet und gefürchtet. 34:59 Wie Pflanzen je nach Boden verschieden gedeihen, so sah Weil die Menschen. Bleisch findet das Bild dazu: verschiedene Blumen, im Wurzelwerk verbunden, und jede steht doch für sich.

35:44 — Wie passt die Marxistin zur Mystikerin? Bengerts vorsichtige Antwort führt über die Arbeit. Weil wollte mehr als die Stärkung der Arbeiterschaft und ihre Beteiligung am Ertrag: Die Arbeit selbst muss sich ändern, Kopf und Hand müssen wieder zusammenkommen, auch Denkende sollen mit dem Boden arbeiten. 38:02 Den Blick in den Boden und den Blick gen Himmel müsse man beide beherrschen, und keine Gruppe dürfe davon ausgeschlossen sein, Schönheit zu sehen. In der Fabrik hatte Weil erlebt, wie die Erschöpfung am Abend keinen Raum mehr ließ, irgendetwas zu lesen oder zu denken.

Weitergedacht

Wenn Großzügigkeit nur aus der Fülle kommt und der Mangel wieder Mangel erzeugt — wer soll dann den Anfang machen in einer Gesellschaft, in der sich viele entwurzelt fühlen? Muss erst die Politik großzügig sein, damit die Menschen es werden können, oder ist das eine Ausrede für alle, die warten?

Die Kraft, die Menschen zu Dingen macht

38:47 — Bleisch rückt die Gewalt ins Zentrum. Bei Marx verhindert die entfremdete Arbeit, dass der Mensch Mensch sein kann, bei Weil ist es die force. Ihr Essay Die Ilias oder das Gedicht der Gewalt (1940/41) ist Bengert besonders wichtig, und Bleisch empfiehlt dazu den neuen Nolan-Film, gemeint ist seine Odyssee, Homers zweites Epos, das nach dem Fall Trojas spielt. 39:32 Bengert benennt den Kern:

„Die Gewalt wird nicht nur von den Opfern erfahren, sondern auch von den Tätern und Täterinnen. Niemand ist frei von der Gewalt.“

Im Gespräch — 39:32

Gerade das schätzt Weil an Homer, der den Krieg aus vielen Blickrichtungen zeigt. 40:18 Bengert hat dafür ein eigenes Bild, einen Schieberegler. Die Seele kann maximal von Liebe erfüllt sein, dann lebt sie in der Fülle und der Großzügigkeit. Sie kann aber auch bis zum Anschlag von Gewalt erfüllt sein:

„Dann ist man eigentlich tot im Leben. Dann ist man selber zum Ding geworden und dann wird man auch andere zum Ding machen.“

Im Gespräch — 40:18

41:04 — Der Essay fragt, wie man aus dem Krieg herauskommt, und Bengert hält das für übertragbar auf heutige Fronten. Die Wiederholung der Gewalt beginnt damit, dass nur eine Seite betrauert wird. Der einzige Ausweg sei, im anderen wieder den Menschen zu erkennen, der leidet und alles erlebt wie man selbst. Am schwersten fällt das beim Erzfeind, der vielleicht das eigene Kind getötet hat. 41:51 Bleisch nennt hier ein weiteres Moment der Großzügigkeit, den Verzicht auf Rache: aus der Strafgerechtigkeit des Auge um Auge aussteigen, die nur den Ausgleich kennt. 42:36 Und sie schlägt eine Brücke, die Weil wieder in den Kanon holen könnte, zu Judith Butlers Betrauerbarkeit: Jeder tote Körper muss betrauert werden können, ohne dass damit irgendetwas relativiert wird. Bengert nimmt Butlers Vulnerabilität dazu. 43:22 Nur das Bewusstsein, dass wir als verletzliche Wesen alle verbunden sind, beendet eine bestimmte Form von Krieg, und gemeinsame Rituale des Trauerns gehören dazu.

44:08 — Ihr Beispiel aus der Ilias ist die Nacht im Zelt des Achilles. Der alte Priamos kommt allein und bittet um den Leichnam seines Sohnes Hektor, und er erinnert Achilles an dessen eigenen alten Vater, der den Sohn nie wiedersehen wird. Achilles weint mit ihm und gibt den Toten heraus. Die Großzügigkeit liegt für Bengert darin, dass er den Zugang zu sich selbst und zum anderen wieder zulässt und die Macht, den Leichnam zu behalten, nicht ausübt.

„Dieser Verzicht darauf, etwas auszuüben, was man ausüben könnte, und zu sagen: mache ich jetzt aber nicht.“44:54

Hören — 44:54
Eigene Einschätzung

Weils Symmetrie ist die mutigste und die gefährlichste Stelle ihres Denkens. Mutig, weil sie dem Sieger seinen Sieg nicht gönnt: Auch wer tötet, wird zum Ding, und die Nemesis kommt für alle. Gefährlich, weil eine Symmetrie der Wirkung leicht als Symmetrie der Schuld missverstanden wird. Weil selbst hat diese Unterscheidung gehalten. Sie zog nach Spanien, sie wollte unbewaffnet an die Front, sie widerrief öffentlich ihren Pazifismus von 1938. Die Szene zwischen Priamos und Achilles ist darum gut gewählt. Sie löscht nicht aus, wer wessen Sohn getötet hat; Priamos küsst die Hände, die Hektor erschlugen, und beide wissen es. Großzügigkeit heißt hier, das Wissen um die Tat neben der Trauer stehen zu lassen. Butlers Betrauerbarkeit fügt eine Bedingung hinzu, die Weil nur andeutet: Wen eine Gesellschaft öffentlich betrauert, entscheidet sich vor jedem Gefühl, in Nachrichten, Gedenkminuten, Zahlen.

Weitergedacht

Bengert sieht die Großzügigkeit bei Achilles, der verzichtet. Aber was ist mit Priamos, der die Hände küsst, die seinen Sohn töteten? Ist seine Geste die größere Großzügigkeit, oder ist sie nur die Demut dessen, der keine Macht mehr hat — und darf man von Unterlegenen überhaupt Großzügigkeit erwarten?

Dekreation: porös werden, nicht verschwinden

44:54 — Bleisch kehrt zur Aufmerksamkeit zurück und zum schwersten Begriff, der décréation, vielleicht Entschöpfung. Gemeint ist die Vorstellung, sich zurückzunehmen, keine Projektionen über das Gegenüber zu stülpen, ganz leer zu werden. 45:39 Sie hat dabei eine Sorge, die am selben Tag schon im Utopie-Quartett mit Marcel Mauss zur Sprache kam: Wer großzügig schenkt, kann den anderen beschämen. Um Gottes willen, was kann ich jetzt zurückgeben? Bei Weil gehe es nicht darum, sich selbst zu erhöhen, indem man sich verschenkt. Bengert bestätigt: „Nee, überhaupt nicht.“

Ihre Erklärung ist platonisch. 46:26 Weil unterscheidet zwei Dimensionen der Seele, eine irdische, die man mit dem Ich gleichsetzen kann, und eine himmlische. Der niedere Teil soll den höheren energetisch ernähren und darum in einer Art Verbrennungsprozess fast aufgelöst werden, aber nicht ganz:

„Sonst würde man, glaube ich, nur noch psychotisch durch die Gegend laufen. Wir brauchen schon so porös werden, sagen wir es mal so. Und das ist die Dekreation.“

Im Gespräch — 46:26

Das ist die wichtigste Klarstellung des Abends, und sie korrigiert eine verbreitete Lesart. Dekreation heißt bei Bengert Durchlässigkeit, nicht Selbstauslöschung. Nicht alle Menschen können das, schränkt sie ein, es setzt einen anspruchsvollen Bewusstseinszustand voraus. 47:11 Ihr Bild ist ein Trichter, in dem die Seele steht. Das Ich ist die enge Stelle, und die meisten Handlungen sichern diesen engen, irdischen Teil ab. Dort ist keine wirkliche Großzügigkeit möglich, weil es vor allem um die Sicherung des Ich geht. Kommt das Bewusstsein höher, weitet sich der Trichter, und es kann anders handeln.

47:58 — Dann ein ehrlicher Zusatz. Ob das Schenken von Aufmerksamkeit ein vollkommen altruistischer Akt ist, weiß Bengert nicht, denn es kommt etwas zurück. Gewollt werden darf es nicht, aber es geschieht. Weil hat in den Abendstunden mit den Arbeiterinnen und Arbeitern viel bekommen, die Stunden gaben ihrem Dasein Sinn. Damit ist der Einwand der Beschämung zur Hälfte beantwortet. Wer schenkt und selbst beschenkt wird, steht nicht über dem anderen. Die andere Hälfte bleibt: Ob der Beschenkte das so erlebt, liegt nicht in der Hand des Gebenden.

Großzügig zu allen, nur nicht zu sich selbst

48:43 — Bleisch erzählt die Szene, die Simone de Beauvoir überliefert hat und die Wolfram Eilenberger in Feuer der Freiheit nacherzählt. Die beiden Frauen studieren gleichzeitig an der Sorbonne. Beauvoir erfährt, dass Weil über eine Hungersnot in China geweint hat, und versteht nicht, wie man über ein fernes Unglück weinen kann. 49:28 Weil fährt sie an, man sehe gut, dass sie nie Hunger gelitten habe. Warm werden die beiden nicht.

Bengert erzählt, wie weit Weil dieses Mitfühlen trieb. Sie dachte nicht nur über Hunger nach, sie hungerte. Schon als kleines Mädchen im Ersten Weltkrieg verzichtete sie auf Zucker und Schokolade, weil die Soldaten an der Front Hunger litten. Hunger, Schlafentzug, die Erschöpfung in der Fabrik, sie suchte die körperlichen Zustände, die sie verstehen wollte. Bengert betont, sie wolle Weil nicht pathologisieren, und benennt doch das schwierige Verhältnis zum Essen.

50:16 — Bleisch stellt die Frage der Tugendethik. Für Aristoteles ist eine Tugend nur Tugend, wenn sie das mittlere Maß trifft; man kann es auch mit der Großzügigkeit übertreiben. Hat Weil das getan? Bengert sagt ja und öffnet die Frage sofort wieder. Manche Menschen sind regelrecht sauer auf Weil, dass sie nicht besser auf sich aufgepasst hat und so früh gestorben ist; was hätte sie noch schreiben können? Dann ihr Satz:

„Sie war großzügig zu vielen anderen Menschen, aber nicht zu sich selbst. Und aber vielleicht muss es auch genauso sein.“51:49

Hören — 51:49

Nachahmen würde sie Weil nicht, lernen könne man viel von ihr. Bleisch hält den Preis gegen das, was er möglich machte. 52:36 Beauvoir schrieb später, sie habe Weil um ein Herz beneidet, das imstande war, für den ganzen Erdkreis zu schlagen. Beauvoir selbst sei immer um die Frage gekreist, wie sie glücklich werde, und davon sei Weil vielleicht ein Stück weit befreit gewesen. Bengert sieht es ähnlich: Weil war radikaler, sie entgrenzte sich und „verschüttete ihre Liebe“, ohne viel für sich zu bewahren. Selbst die Fotos zeigen es, hier die schöne Intellektuelle mit dem Turban, dort die schräg gekleidete Frau mit der großen Brille, ungeschminkt, ohne jede Eitelkeit.

Eigene Einschätzung

Hier steht die Spannung des Abends offen da, und sie verdient mehr Schärfe, als das Gespräch ihr gibt. Bleisch denkt mit Aristoteles: Großzügigkeit ist eine Mitte, und wer sich bis zum Tod verausgabt, verfehlt sie. Bengert lässt Raum für das Gegenteil: Vielleicht muss es genau so sein, vielleicht gehört das Maßlose zu dieser Art des Gebens. Beide übersehen einen Einwand, den Weil gegen sich selbst liefert. Eine halbe Stunde vorher hatte Bengert erklärt, Großzügigkeit komme nach Weil nur aus der Fülle, der Mangel erzeuge wieder Mangel. Wer hungert, um den Hunger der anderen zu fühlen, gibt aus dem Mangel. Nach Weils eigener Theorie der Einwurzelung ist ihr Leben also keine Vollendung ihrer Lehre, sondern deren tragischer Gegenfall. Das schmälert die Lehre nicht. Es zeigt nur, dass man Weil besser an ihren Begriffen misst als an ihrer Biografie, und dass Beauvoirs Neid und Bleischs Mitte beide recht haben können.

Die Kunst des genauen Schauens: Iris Murdoch

77:06 — Kurz vor Schluss wendet sich Bleisch an alle im Saal, die bei Mystik und Gott innerlich abgewinkt haben. Ihnen legt sie Iris Murdoch ans Herz, die britische Platonikerin, die Weil „in einem gänzlich mystik- und religionsfernen Sinn“ weiterdenkt. 77:53 Für Murdoch geht es in der Aufmerksamkeit darum, ganz genau hinzusehen, um die Kunst des genauen Schauens. In Die Souveränität des Guten (1970) steht die kleine Szene, die Bleisch nacherzählt. Eine Schwiegermutter, bei Murdoch nur M genannt, findet ihre Schwiegertochter D gewöhnlich, vorlaut, unreif. Sie benimmt sich tadellos, niemand merkt etwas. Aber sie fragt sich immer wieder, warum sie D so negativ sieht, und zwingt sich, die guten Seiten zu sehen. 78:40 Ihr Urteil wandelt sich: D ist nicht vulgär, sondern erfrischend einfach, nicht würdelos, sondern spontan.

„Das ist eigentlich dieser platonische Weg, damit umzugehen. Das ist jetzt ganz mystikfern, aber auch ein Versuch, aufmerksamer sehen zu lernen.“

Hören — 78:40

Murdoch hat das Wort selbst bei Weil entliehen; sie nennt Aufmerksamkeit einen gerechten und liebenden Blick, gerichtet auf eine einzelne Wirklichkeit. Was Murdochs Beispiel so stark macht, ist ein Detail: Die ganze Arbeit geschieht im Inneren, kein äußeres Verhalten ändert sich, und trotzdem ist es moralische Arbeit. Bengert stimmt zu, auf ihre Weise. 79:25 Viele ihrer Studierenden sagen, sie könnten mit Gott nichts anfangen und läsen Weils Texte trotzdem mit hohem Gewinn. Gute Texte lassen viele Lesarten zu, und sie selbst liest Weil als Literaturwissenschaftlerin, nicht als Theologin. Die Cahiers, ein paar tausend Seiten, einfach einmal zu lesen, sei selbst schon Aufmerksamkeitsschulung.

Damit ist die Spannung des Abends ehrlich verteilt, aufgelöst ist sie nicht. Bengert stellt die Mystikerin an den Anfang und lässt säkulare Leser trotzdem herein. Bleisch holt Weil mit Murdoch in die Ethik des Alltags und nimmt in Kauf, dass dabei das Warten auf etwas, das von außen kommt, verloren geht. Bei Weil heißen attention und attente, Aufmerksamkeit und Warten, nicht zufällig fast gleich17:31. Murdochs M wartet auf nichts, sie arbeitet. Ob beides dieselbe Aufmerksamkeit ist, bleibt die offene Frage, die das Gespräch zurücklässt.

Weitergedacht

Murdochs Schwiegermutter korrigiert ihr Urteil durch Willensanstrengung, Weil verlangt, das Wollen gerade auszusetzen. Ist die säkulare Aufmerksamkeit eine Übersetzung der mystischen oder ihr Gegenteil — Arbeit an sich selbst statt Warten auf etwas, das kommt?


Publikumsfragen

Bleisch öffnet bei 54:10 die Runde, viele Hände sind oben, die Mikrofone wandern durch den Saal; nach knapp einer halben Stunde riecht es so sehr nach Mittagessen, dass sie eine letzte Frage zulässt.

Ist das aktive Zuhören nicht auch eine Form der Aufmerksamkeit, vielleicht sogar ein größeres Geschenk als das ausgesetzte Denken? 54:10 — Ein Zuhörer erlebt es als besondere Aufmerksamkeit, wenn jemand sich aktiv mit seinen Ideen auseinandersetzt und sie von allen Seiten betrachtet. War das reine, gedankenlose Wahrnehmen wirklich Weils einziger Weg? Bengert gibt ihm recht, aktives Zuhören und Responsivität wären ganz in Weils Sinn. 55:41 Sie unterscheidet die Schulung in der Stille von der Aufmerksamkeit zwischen Menschen. Für die Stille erzählt sie Weils strenge Praxis: das Vaterunser auf Altgriechisch, und wenn die Aufmerksamkeit auch nur kurz abschweifte, begann sie von vorn, stundenlang. „Da hat sie auch echt einen Hang zu Käse“, sagt Bengert, und der Saal lacht. Im Gespräch und im Unterricht dagegen muss man im Moment aufnehmen, was kommt, und darauf ein Echo bilden. Dieses Echo ist am besten, wenn die Dekreation weit fortgeschritten ist, weil dann wenig Projektives, wenig Überzeugenwollendes und wenig Bewertendes mitklingt. Nachfrage des Zuhörers: Ist dann die kritische Rückfrage schon zu viel Wertung? 57:14 Nein, sagt Bengert, kritisches Nachfragen könne eine hohe Form der Aufmerksamkeit sein, gerade wenn mehr Wissen im Spiel ist; Weil hat das von ihrem Lehrer Alain gelernt. Bleisch setzt nach, damit kein falscher Eindruck entsteht: Weil war eine eminent politische und sehr kritische Denkerin, gegen die Lebensbedingungen der Arbeiter, gegen die Kriegsführung. Es gehe darum, Menschen ohne Vorurteil wahrzunehmen, wie sie sind, und das sei etwas anderes als eine falsche Toleranz, die alles laufen lässt.

Wie findet eine Kultur der Gewalt zurück zur Menschlichkeit? 58:49 — Ein Zuhörer knüpft an den Ilias-Teil an. Es gebe Kulturen der Gewalt, in denen die Entmenschlichung Alltag wird. Er habe ein Interview mit einem israelischen Soldaten gesehen, der die Tötung von Babys mit dem Satz „They will be Hamas“ gerechtfertigt habe; das Interview benennt er nicht näher. Wenn man den anderen schon als das ultimative Böse sieht, wie kommt man zurück? Bengert antwortet: nur über geteilte Erfahrung, nicht über Theorie. 60:21 Man müsse diesen Soldaten im Gesamtzusammenhang der Traumatisierung sehen, der scheinbaren Unausweichlichkeit, als einen Täter, der von der force ergriffen ist, vielleicht selbst Menschen verloren hat und darum noch stärker von Rache getrieben wird. Die Antwort wäre mit Butler das gemeinsame Trauern, das Begreifen, dass wir alle Kinder von Vätern und Müttern sind, so wie in der Zeltszene der Ilias. 61:06 Praktisch heiße das: eine Unterbrechung schaffen, aus dem Reiz-Reaktions-Schema heraus, den Ort wechseln, einen solchen Menschen erfahren lassen, was Stille und Ruhe bedeuten. Es gebe kaum noch dieses Unterbrechen.

Die Antwort bleibt beim einzelnen Soldaten, und den Rahmen der Frage spricht im Saal niemand aus. Der Krieg, aus dem das Zitat stammen soll, begann mit dem Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023. Die Zivilbevölkerung in Gaza zahlt doppelt, unter der Herrschaft der Hamas, die den Krieg in ihre Wohnviertel trägt, und unter dem Krieg selbst. Weils Ilias-Gedanke, ernst genommen, hält beides aus: Er spricht keinen Täter frei, auf keiner Seite, und er verlangt, jedes Opfer zu betrauern, auf jeder Seite.

Wie bringt man mystische Erfahrungen zu den Mächtigen und Superreichen? 61:53 — Eine Studentin kommt aus einem Gespräch mit Harald Welzer: Manche Superreiche könnten den Welthunger in Teilen beenden. Sie denkt an Prinzessin Diana, die Aids-Kranken die Hand gab, und erzählt von ihrem eigenen kulturwissenschaftlichen Ansatz der tiefen Selbstreflexion. 63:24 Sie habe schon überlegt, Alice Weidel oder Donald Trump zu schreiben, ich sehe dich, ich reflektiere deine Prägung, um sie vielleicht aufzubrechen, und frage sich, ob das zu viel ist. Wie bringt man solche Erfahrungen in Menschen hinein? Bleisch wirft Timothy Learys LSD für alle ein, der Saal lacht. Bengert nimmt es halb ernst: Bewusstseinserweiternde Erfahrungen seien ein guter Ansatzpunkt, aber Menschen zwingen oder ihnen etwas in den Tee mischen, das habe man alles schon erwogen. 64:55 Eine Antwort habe sie nicht, sonst gäbe es manche Probleme nicht. Bleisch verweist auf Thomas Metzinger und sein dickes Buch über das reine Bewusstsein, der Meditation und Achtsamkeitstraining als empathiefördernd beschreibt und sie in den Schulen verankern will. 65:42 Ihr eigener Schluss ist vorsichtiger: Mystische Erfahrungen kann man niemandem beibringen, sie sind unverfügbar, „wie eine Sternschnuppe, kommt oder kommt nicht“. Man kann nur den Boden bereiten.

Wie hätte Weil auf die Gewalt der künstlichen Intelligenz geantwortet? 65:42 — Ein Zuhörer sieht in der KI eine Gewalt, weil in ihr keine menschliche Dimension zum Tragen komme. Bengert widerspricht der Prämisse. 66:28 Eine nicht- oder mehr-als-menschliche Intelligenz sei nicht automatisch mit Gewalt verbunden; die Aufforderung bleibe dieselbe, nämlich zu fragen, womit wir sie füttern und wie wir sie einsetzen. Es könne durch sie sogar etwas Göttliches wirken, wie manche Verschwörungstheorien meinen, ausdrücklich nicht ihre Haltung. Ethisch sei noch nichts entschieden. Bleisch hat keine Antwort, aber eine Doktorarbeit im Kopf. 67:58 Weil sagt, die Gewalt richte Täter und Opfer zu. Kämpfen Roboter gegen Menschen, verliert man diese gemeinsame Erfahrung, und Weil fände das kaum gut. Kämpfen Roboter gegen Roboter und es geht nur noch um verschobene Grenzen ohne Tote und Verwundete, wäre das wohl ein Vorteil, nur wäre es dann noch Gewalt in Weils Sinn? „Eine tolle Frage, keine Antwort.“

Gibt es Parallelen zu Erich Fromms Haben oder Sein? 68:43 — Ein Zuhörer erkennt in Weils Aufmerksamkeit Fromms Modus des Seins, das spontane Aufeinander-Reagieren und Präsentsein. Bengert sagt offen, dass sie sich mit Fromm nicht beschäftigt hat. 69:29 Verbindungen sehe sie trotzdem: Beide beschreiben ein Heraustreten aus dem ewigen Habenwollen, Sichern und Besitzen hin zu einem Losgelassensein, das ins Sein führt. Mehr als ein Hinweis auf eine mögliche Hausarbeit sei das nicht, „aus nicht tiefgründiger Einsicht“.

Muss man den Hunger selbst erlebt haben, um großzügig zu sein? 70:16 — Ein Zuhörer hat aus der Beauvoir-Szene herausgehört, Großzügigkeit setze eigene Erfahrung voraus. Bengert verschiebt den Akzent. 71:02 Großzügigkeit heiße vor allem, so zu geben, dass man aus dem eigenen gewohnten Sicherheitsraum herauskommt. Auf Charity-Abenden spenden Milliardäre ein paar hunderttausend; im Sinne Weils sei das keine Großzügigkeit. 71:48 Es müsse nicht wehtun, aber spürbar werden, als Veränderung auch in mir. Weil spendete als Gymnasiallehrerin große Teile ihres Gehalts und lebte vom Rest wie eine einfache Arbeiterin; das ist der Maßstab, nicht unbedingt der nachempfundene Hunger. Bleisch stellt die Beauvoir-Szene richtig: Sie handle weniger von Großzügigkeit als von der Frage, wie man überhaupt aufmerksam wird, und dazu gehören Einfühlung und manchmal eigene Erfahrung. 73:18 Zentral sei, dass es nicht um mich geht. Wer gibt, damit der andere dankbar ist oder damit eine Plakette im Libeskind-Saal hängt, ist nicht großzügig. Bengert ergänzt die Gabentheorie, Marcel Mauss und Jacques Derridas Falschgeld, die Gabe, die keine Gegengabe erwartet. 74:04 Weil hat ihr Geld manchmal einfach auf den Tisch gelegt, und wer es brauchte, nahm es, oft ohne zu wissen, von wem.

Wo lernt man das in unserer Gesellschaft? 74:49 — Eine Zuhörerin ist überzeugt, dass man Aufmerksamkeit lernen und üben muss. Früher geschah das in den Religionen, Kinder wurden mit hineingenommen. Wo gibt es heute diese Orte? Bengert: Eigentlich sollten Kindergärten, Schulen und Universitäten das leisten; die Säkularisierung hat hier ihren Nachteil, die Seelsorge der Kirchen hat sich verändert. 76:20 Neue Orte bilden sich aber gerade. Als sie anfing, achtsames Lesen zu unterrichten, staunten die Studierenden noch, inzwischen sei der Hunger danach einfach da. Auch der Raum der Stille an der Leuphana gefalle ihr, so etwas brauche es an Universitäten und Schulen unbedingt. Die eigentliche Frage sei, wo man sich dafür einsetzen sollte, und mit Weil wäre das die Schule. Das Allererste wäre, in die Natur zu gehen. Die Menschen suchten das heute weniger in den großen Religionen, sagt die Religionswissenschaftlerin, obwohl es dort immer da sei. Bleisch schließt daran ihren Hinweis auf Iris Murdoch an (→ Die Kunst des genauen Schauens Iris Murdoch).

Eine Lanze für die Seelsorge 80:10 — Das letzte Wort aus dem Saal ist keine Frage. Ein Notfallseelsorger, seit 25 Jahren im Dienst, bricht eine Lanze für alle, die in Krankenhäusern, Altenheimen und Therapieräumen arbeiten: Sie erleben täglich, was hier theoretisch beschrieben wurde. Er hat Weil nicht gelesen, aber diese Aufmerksamkeit kenne er, er lasse sich sogar als Profi dafür bezahlen, und sie funktioniere. 80:55 Wenn Menschen das Dunkelste erleben, zeige sich, was sie trägt, nicht unbedingt etwas Religiöses, und viele tragen es in sich, ohne es formulieren zu können. Dann seien die anderen „die Hebammen des Formulierens“. Bengert nennt solche Menschen Reisebegleiter, für die das keine Theorie ist, an der Seite von Sterbenden oder vor psychischen Abgründen, die sich wie Sterben anfühlen; sie verdienten allerhöchste Anerkennung. Damit beantwortet der Seelsorger, ohne es zu wollen, die Frage aus dem Sprechstunden-Abschnitt: Man kann für Aufmerksamkeit bezahlt werden, und sie bleibt trotzdem ein Geschenk, wenn sie wirklich geschieht.


Nachbesprechung

Zwei Fragen hat das Gespräch berührt und dann liegen lassen: ob die Schule Aufmerksamkeit lehren kann, wie Weil es wollte, und ob man mit der Großzügigkeit zu weit gehen kann. Was man darüber hinaus weiß.

Lässt sich Aufmerksamkeit in der Schule schulen?

Bengert stellt Weils Schulaufsatz an den Anfang 18:17: Das Wichtigste, was Kinder lernen können, ist Aufmerksamkeit, und in einer Zeit des „kollektiven ADS“ sei das das Dringendste. Weils Übungen sind das Plus-Minus-Spiel und die Geometrieaufgabe, die auch ungelöst etwas bewirkt 22:06. Bleisch nennt später Metzinger, der Achtsamkeit in den Schulen verankern will 64:55, und Bengert erzählt von ihren Kursen im achtsamen Lesen, nach denen die Studierenden inzwischen hungern 76:20.

Das „kollektive ADS“ ist stärker als die Daten. In Los Angeles wurden 15- und 16-Jährige ohne ADHS-Symptome zwei Jahre lang begleitet; wer digitale Medien sehr häufig nutzte, berichtete später etwas öfter von Symptomen, ein statistisch gesicherter, aber bescheidener Zusammenhang (Ra et al. 2018, doi:10.1001/jama.2018.8931). Ein Überblick über die Längsschnittstudien findet kleine Effekte in beide Richtungen: Unruhige Kinder greifen auch öfter zum Bildschirm (Thorell et al. 2022, doi:10.1007/s00787-022-02130-3). Und dass schon das bloße Smartphone auf dem Tisch die Aufmerksamkeit absaugt, hat sich nicht gehalten; zwei Meta-Analysen finden höchstens einen kleinen Effekt auf das Arbeitsgedächtnis oder gar keinen (Parry 2023, doi:10.1080/15213269.2023.2286647; Hartanto et al. 2024, doi:10.1037/tmb0000123). Was belegt ist, ist Ablenkung durch Gebrauch, keine Beschädigung durch Nähe.

Die Achtsamkeitsstunde, an die Metzinger denkt, ist inzwischen gut untersucht, und der Befund ist nüchtern. Über 33 randomisierte Studien wirken Achtsamkeitsprogramme bei Kindern und Jugendlichen klein; gegen aktive Vergleichsgruppen bleiben nur Effekte auf Achtsamkeit selbst, Depression und Stress, nicht auf die Aufmerksamkeit (Dunning et al. 2019, Meta-Analyse, doi:10.1111/jcpp.12980). Der größte Versuch, MYRIAD, gab 84 englischen Schulen mit 8.376 Jugendlichen zehn Stunden Achtsamkeitstraining oder den üblichen Unterricht; nach einem Jahr war kein Unterschied zu sehen (Kuyken et al. 2022, doi:10.1136/ebmental-2021-300396), bei gefährdeten Schülern lagen die Werte sogar leicht schlechter (Montero-Marín et al. 2022, doi:10.1136/ebmental-2022-300439). Eine Nachanalyse für Jugendliche findet bei Programmen für alle keinen Nutzen (Galla et al. 2024, doi:10.3389/fpsyg.2024.1384531). Dass Meditation als Schulfach Aufmerksamkeit schult, ist also bisher nicht gezeigt.

Weil wollte allerdings kein eigenes Fach. Ihre Behauptung ist, dass jedes Fach die Aufmerksamkeit übt, Latein wie Geometrie, und das ist die alte Lehre von der formalen Bildung. Edward Thorndike hat sie 1924 an über 8.000 Schülern geprüft: Latein und Geometrie verbesserten das allgemeine Denken kaum mehr als andere Fächer (Thorndike 1924, doi:10.1037/h0071035), und an der fehlenden Übertragung haben auch die modernen Hirntrainings nichts geändert (Sala & Gobet 2019, doi:10.1016/j.tics.2018.10.004). Wenn Weil einen Denkmuskel meint, widerspricht die Forschung. Für ihren zweiten Satz, dass die vergebliche Mühe nicht verloren ist, gibt es dagegen einen modernen Verwandten: Wer sich erst an einer Aufgabe abmüht und dann unterrichtet wird, versteht das Konzept im Mittel besser als umgekehrt (Sinha & Kapur 2021, Meta-Analyse, doi:10.3102/00346543211019105), allerdings nicht bei den Jüngsten. Und Bengerts Rat, zuerst in die Natur zu gehen, steht empirisch besser da als die Achtsamkeitsstunde: Über 80 Studien bringt Natur kleine, aber verlässliche Gewinne für Arbeitsgedächtnis und Aufmerksamkeitskontrolle, am deutlichsten nach etwa einer halben Stunde (Bell et al. 2025, Meta-Analyse, doi:10.1016/j.jenvp.2025.102632).

Was eine Schule davon lehren kann, ist weniger Weils Aufmerksamkeit selbst als ihre Bedingungen: Zeit ohne Unterbrechung, Aufgaben, die sich nicht sofort ergeben, einen Raum der Stille. Ob daraus das attente wird, das Warten, liegt nicht in der Hand der Lehrerin; man kann, wie Bleisch über die mystische Erfahrung sagt, nur den Boden bereiten 65:42.

→ Weiter im Panorama: Wozu ist Schule da?, mit Maas, Spitzer und Schmitt.

Kann man es mit der Großzügigkeit übertreiben?

Bleisch fragt mit Aristoteles, ob Weil das mittlere Maß verfehlt hat 50:16. Bengert sagt ja und nimmt es halb zurück: „… und aber vielleicht muss es auch genauso sein“ 51:49. Dass Weil damit gegen ihre eigene Lehre von der Fülle verstößt, steht in der Eigenen Einschätzung oben. Hier geht es um die Frage, die dahinter liegt, und sie hat eine überraschende erste Antwort bei Aristoteles selbst.

Im vierten Buch der Nikomachischen Ethik steht die Freigebigkeit zwischen Verschwendung und Geiz, so weit Bleisch. Aber Aristoteles fügt hinzu, es sei besonders kennzeichnend für den Freigebigen, im Geben zu übertreiben und für sich selbst zu wenig zu behalten, denn es liege in seiner Natur, nicht auf sich zu sehen (NE IV,1, 1120b). Den Verschwender nennt er eher töricht als schlecht und viel besser als den Geizigen (1121a). Die Mitte ist also keine Waage mit gleichen Schalen; der Fehler nach oben ist der typische und der mildere. Aristoteles steht Bengert näher, als das Gespräch annimmt.

Die Psychologie misst die Kurve, die er beschreibt. Eine Meta-Analyse über Fürsorge in Beziehungen findet, dass die Sorge um den anderen beiden Partnern guttut, dem Gebenden aber nur, solange sie von etwas Sorge um sich selbst begleitet ist (Le et al. 2018, doi:10.1037/bul0000133). Die Form ohne dieses Gegengewicht heißt in der Forschung unmitigated communion: Selbstvernachlässigung, Überengagement, mehr Belastung (Fritz & Helgeson 1998, doi:10.1037/0022-3514.75.1.121). Beim Ehrenamt älterer Menschen zeigte sich ein umgekehrtes U, das Wohlbefinden war bei mittlerem Einsatz am höchsten (Windsor, Anstey & Rodgers 2008, doi:10.1093/geront/48.1.59), und Adam Grant und Barry Schwartz beschreiben dieses U als Grundmuster vieler Tugenden (Grant & Schwartz 2011, doi:10.1177/1745691610393523). Unterhalb der Kurve stimmt Bengerts Satz, dass etwas zurückkommt 47:58: Wer Geld für andere ausgibt, ist danach glücklicher als wer es für sich ausgibt (Dunn, Aknin & Norton 2008, doi:10.1126/science.1150952).

Weil wollte den Hunger der anderen fühlen, und gerade dafür hat die Neurowissenschaft eine Unterscheidung. Tania Singer und Olga Klimecki trennen Empathie, das Mitfühlen, von Mitgefühl, der Sorge um den anderen (Singer & Klimecki 2014, doi:10.1016/j.cub.2014.06.054). In ihrem Training steigerte Empathie die eigene Belastung beim Anblick fremden Leids, Mitgefühl kehrte das um und weckte warme, zugewandte Gefühle (Klimecki et al. 2013, doi:10.1093/scan/nst060). Mitfühlen bis zur Erschöpfung ist das eine, Sorgen das andere. Barbara Oakley nennt eine Hilfe, deren Schaden ein Beobachter hätte kommen sehen, pathologischen Altruismus (Oakley 2013, doi:10.1073/pnas.1302547110). An Weil lässt sich das nicht als Diagnose anlegen, Bengert hat es zu Recht abgelehnt. Es zeigt aber, dass die Schieflage, die sie benennt, eine bekannte Gestalt hat.

Bleibt Beauvoirs Neid. Susan Wolf hat 1982 gefragt, ob man ein moralischer Heiliger sein wollen sollte, jemand, dessen jede Handlung so gut ist wie möglich, und geantwortet: Ein solches Leben wäre arm an allem anderen, an Humor, Kunst, eigener Leidenschaft (Wolf 1982, doi:10.2307/2026228). Weil passt nur halb in dieses Bild, sie schrieb Gedichte, las Homer, lernte Sanskrit. Was Wolf trifft, ist der Körper, nicht der Geist. Vielleicht ist das die genaueste Antwort auf Bleischs Frage: Weil hat die Großzügigkeit nicht im Herzen übertrieben, sie hat sie am eigenen Leib vollzogen, und dort hat jede Tugend eine Grenze, die keine Gesinnung verschiebt.

→ Weiter im Panorama: Wann wird Großzügigkeit zu viel?, mit Boshammer, Brähler und Krauthausen.


Faktencheck

Bestätigt — „Aufmerksamkeit ist die seltenste und reinste Form der Großzügigkeit“

Bleisch, 15:59. Der Satz steht im Brief an Joë Bousquet vom 13. April 1942: „L'attention est la forme la plus rare et la plus pure de la générosité.“ Diesmal zitiert Bleisch wörtlich richtig (in „Verhärten. Überall.“ sagte sie „kostbarste“). Bengert kennt ihn „aus den Cahiers“ — dort ist er nicht nachweisbar, belegt ist der Brief. Das deckt sich mit dem Faktencheck in Göpel, Bleisch, El-Mafaalani, Schmitt — Verhärten. Überall. Und nun?. Quelle: Weil an Bousquet (13.04.1942)

Bestätigt — „Aufmerksamkeit besteht darin, das Denken auszusetzen …“

Bleisch, 19:49. Das Zitat steht in Réflexions sur le bon usage des études scolaires en vue de l'amour de Dieu (1942, für Pater Perrin, erschienen in Attente de Dieu): L'attention consiste à suspendre sa pensée, à la laisser disponible, vide et pénétrable à l'objet. Genau der Text, den Bengert kurz vorher als „den eigentlich zentralen“ empfiehlt. Quelle: Weil: Réflexions sur le bon usage des études scolaires (PDF)

Bestätigt — Fabrikjahr und die drei mystischen Erfahrungen

Bengert, 13:43–14:28. Fabrikarbeit von Dezember 1934 bis August 1935 (Alsthom, Basse-Indre, Renault); 1935 die Prozession der Fischerfrauen in Póvoa de Varzim, 1937 Assisi, Ostern 1938 Solesmes — die drei „Kontakte mit dem Katholizismus“ aus dem Brief an Perrin. Auch Bleischs Skizze trägt: 1909 in Paris in eine säkular-jüdische Familie geboren, gestorben am 24.08.1943 in Ashford. Zwei Feinheiten: Der Leichenbeschauer erkannte auf Selbsttötung durch Nahrungsverweigerung, ein Befund, den ihre Biografin Simone Pétrement für falsch hält; und dass sie „nie“ getauft wurde, ist Konsens, eine behauptete Nottaufe auf dem Sterbebett bleibt umstritten. Quelle: Simone Weil (Wikipedia) · DenkerVita Simone Weil

Bestätigt — Camus: „der einzige große Geist unserer Zeit“

Bleisch, 2:19. Camus nannte Weil in einem Brief an ihre Mutter „le seul grand esprit de notre temps“ und gab 1949 L'Enracinement in seiner Reihe Espoir bei Gallimard heraus. Die genaue Fundstelle des Briefes wird uneinheitlich angegeben. Quelle: LA Review of Books: The Logic of the Rebel

Vereinfacht — Beauvoir sah Weil weinen

Bleisch, 48:43. Der Kern stimmt: In den Mémoires d'une jeune fille rangée (1958) erzählt Beauvoir von der Hungersnot in China, von Weils Satz „Man sieht, dass Sie nie Hunger gelitten haben“ und vom Neid auf „ein Herz, das imstande war, für den ganzen Erdkreis zu schlagen“. Gesehen hat Beauvoir die Tränen aber nicht — man habe ihr erzählt, Weil habe geschluchzt. Die Szene hat sich beim Nacherzählen geglättet. Quelle: Quadrant: Simone de Beauvoir and the Meaning of Life

Bestätigt — Jonathan Lear, „vor nicht allzu langer Zeit verstorben“

Bleisch, 6:54. Lear starb am 22. September 2025 in Chicago. Radical Hope (2006) handelt von den Crow und ihrem Häuptling Plenty Coups. Quelle: UChicago News: Jonathan Lear, 1948–2025

Vereinfacht — Der Nolan-Film als Zugang zum Ilias-Essay

Bleisch, 38:47. Christopher Nolans Die Odyssee lief seit dem 16.07.2026 in den Kinos — er verfilmt die Odyssee, Weils Essay L'Iliade ou le poème de la force (1940/41) handelt von der Ilias. Gewalt hat auch die Odyssee genug, aber Weils Gedanke ist am Material der Ilias entwickelt; die Brücke trägt nur lose. Quelle: Filmstarts: Kinostart „Die Odyssee“

Vereinfacht — Metzinger, „Philosoph und Physiker“: Meditation macht empathisch

Bleisch, 64:55. Thomas Metzinger ist Philosoph, kein Physiker. Sein Buch über das reine Bewusstsein, The Elephant and the Blind (MIT Press 2024), beruht auf über 500 Erfahrungsberichten Meditierender, nicht auf „tausendfachen Studien“, und handelt vom reinen Gewahrsein, nicht von Empathie. Die empirische Frage dahinter ist ehrlich gemischt: Eine Meta-Analyse findet kleine bis mittlere Effekte auf Empathie und Mitgefühl (Luberto u. a., Mindfulness, doi:10.1007/s12671-017-0841-8); eine Meta-Analyse randomisierter Studien bremst: Effekte auf Mitgefühl zeigen sich vor allem, wenn der Meditationslehrer Mitautor war oder nur gegen eine Wartegruppe verglichen wurde, auf Aggression und Vorurteile keine (Kreplin, Farias & Brazil 2018, Scientific Reports, Meta-Analyse, doi:10.1038/s41598-018-20299-z). Bleischs eigene Skepsis steht der Forschung näher als die Zuschreibung an Metzinger. Quelle: MIT Press: The Elephant and the Blind

Bestätigt — Murdochs M-und-D-Beispiel

Bleisch, 77:06. In „The Idea of Perfection“ (1964, in The Sovereignty of Good, 1970) prüft die Schwiegermutter M ihr Bild von D („Let me look again“) und sieht sie neu, ohne dass sich äußerlich etwas ändert. Murdoch übernimmt den Begriff „attention“ ausdrücklich von Weil. Leichte Verschiebung: M zwingt sich nicht, die guten Seiten zu sehen, sondern genauer hinzusehen — der Unterschied zwischen positivem Denken und Aufmerksamkeit. Quelle: Layla Raïd: Iris Murdoch and Simone Weil: on Attention

Bestätigt — Publikum: Dianas Händedruck 1987

62:39. Am 19. April 1987 eröffnete Diana am Londoner Middlesex Hospital die erste eigens gebaute Aids-Station Großbritanniens und gab einem Patienten ohne Handschuhe die Hand — ein Schlag gegen den verbreiteten Glauben, HIV werde durch Berührung übertragen. Quelle: PinkNews: Princess Diana's AIDS visit


Weiterführende Quellen

Aus der Video-Beschreibung:

Im Gespräch erwähnt:

  • Simone Weil: Das Unglück und die Gottesliebe / Warten auf Gott (Attente de Dieu, 1950) — enthält den Schulaufsatz Betrachtungen über den rechten Gebrauch des Schulunterrichts im Hinblick auf die Gottesliebe, Bengerts Schlüsseltext zur Aufmerksamkeit, und die spirituelle Autobiografie an Pater Perrin
  • Simone Weil: Die Einwurzelung (L'Enracinement, 1949) — die Bedürfnisse der Seele und die Entwurzelung als Krankheit der Moderne (Bengert)
  • Simone Weil: Die Ilias oder das Gedicht der Gewalt (1940/41) — die force, die Täter wie Opfer zu Dingen macht (Bengert, Bleisch)
  • Simone Weil: Cahiers / Aufzeichnungen — die Denkhefte, „ein paar tausend Seiten“ (Bengert)
  • Simone Weil und Joë Bousquet: Correspondance (1982) — der Briefwechsel mit dem Satz über die Aufmerksamkeit (13.04.1942)
  • Iris Murdoch: Die Souveränität des Guten (The Sovereignty of Good, 1970) — die Szene von M und D, Aufmerksamkeit als gerechter und liebender Blick (Bleisch)
  • Jonathan Lear: Radikale Hoffnung (Radical Hope, 2006) — Hoffnung im Angesicht kultureller Zerstörung, am Beispiel der Crow Nation (Bleisch)
  • Wolfram Eilenberger: Feuer der Freiheit (2020) — Beauvoir, Rand, Weil und Arendt in den finsteren Jahren; dort die Hungersnot-Szene (Bleisch)
  • Simone de Beauvoir: Memoiren einer Tochter aus gutem Hause (1958) — die Begegnung mit Weil an der Sorbonne und das „Herz, das für den ganzen Erdkreis schlägt“ (Bleisch)
  • Judith Butler: Raster des Krieges (2009) und Gefährdetes Leben (2004) — Betrauerbarkeit und Vulnerabilität (Bleisch, Bengert)
  • Homer: Ilias, 24. Gesang — Priamos im Zelt des Achilles (Bengert)
  • Marcel Mauss: Die Gabe (1925) und Jacques Derrida: Falschgeld. Zeit geben I (1991) — die Gabe ohne Gegengabe (Bengert)
  • Thomas Metzinger: The Elephant and the Blind. The Experience of Pure Consciousness (2024) — Meditation, reines Bewusstsein, Bewusstseinskultur (Bleisch)
  • Hartmut Rosa: Resonanz (2016) — Bengerts Brücke von der Aufmerksamkeit zur Resonanz
  • Erich Fromm: Haben oder Sein (1976) — aus der Publikumsfrage
  • Christopher Nolan: Die Odyssee (Kinofilm, 2026) — von Bleisch zum Ilias-Essay empfohlen

Aus dem Faktencheck


Verbindungen

→ Göpel, Bleisch, El-Mafaalani, Schmitt — Verhärten. Überall. Und nun?

Die Schwester-Note vom selben Konferenzmorgen, an dem Bleisch Weils Satz zum ersten Mal vortrug, als Gegenpol zur dunklen Seite der Gabe. Dort ist Großzügigkeit oft Etikettenschwindel, der Ansprüche als Gnade verkleidet, und mit Mauss eine Verpflichtung, die beschämen kann. Hier wird der helle Pol ausgeführt: Aufmerksamkeit ist die eine Gabe, auf die es keinen Anspruch geben kann, und Bengerts Antwort auf die Beschämung ist, dass der Gebende selbst beschenkt wird. Bleischs Formel vom Morgen, Großzügigkeit keime, wo die Gerechtigkeitskategorie aufhört, hat in der Sprechstunde ihr schärfstes Beispiel bekommen.

→ Hartmut Rosa — Resonanz und Unverfügbarkeit

Bengert spricht selbst von Resonanz, und Bleischs Sprechstunde ist Rosas Unverfügbarkeit im Büroformat: Die Stunde lässt sich planen, das Zuhören entzieht sich. Rosa fragt in seiner Note, ob sich wenigstens die Bereitschaft zur Resonanz herstellen lässt, ohne das Unverfügbare wieder verfügbar zu machen. Weil antwortet mit der negativen Anstrengung, einer Übung, die nur den Platz freiräumt und das Ergebnis offen lässt. Bengerts Sternschnuppe, die kommt oder nicht kommt, ist derselbe Gedanke für die mystische Erfahrung.

→ Maoz Inon & Aziz Abu Sarah — The Future is Peace

Was Bengert mit Butler als gemeinsames Trauern empfiehlt, haben zwei Männer getan, deren Familien der Krieg getroffen hat, Maoz Inons Eltern am 7. Oktober, Aziz Abu Sarahs Bruder in israelischer Haft. Ihre Abmachung, die Verben des anderen zu spiegeln, ermordet gegen ermordet, ist Weils Ilias-Gedanke als Sprachregel: Jeder Tote wird gleich betrauert, ohne die Asymmetrie der Lage zu leugnen. Die Note zeigt auch, was Bengerts Antwort im Saal fehlte, nämlich Menschen, die das als eigene Entscheidung vorleben, mitten im Krieg.

→ Sari Nusseibeh — Die Geduld des Philosophen

„Sie müssen die Menschlichkeit im anderen suchen. Und Sie werden überrascht sein.“ Nusseibeh sagt aus Jerusalem, was Bengert aus der Ilias liest, und er besteht die Probe, an der Weils Symmetrie scheitern könnte: Was die Hamas tut, nennt er nicht human, vieles von dem, was Israel tut, ebenso wenig, und fragt dann, was sie so gemacht hat. Das ist Weils force ohne Relativierung, die Wirkung auf alle sehen und die Taten trotzdem beim Namen nennen.

→ Fabian Bernhardt — Ist die Rache der Ursprung der Moral?

Bleisch nennt den Verzicht auf Rache ein Moment der Großzügigkeit, Bernhardt zeigt, wie tief die Rache in unserem Gerechtigkeitssinn wurzelt. Sein Vergeben ist eine Gabe, die nicht eingefordert werden kann, wie Weils Aufmerksamkeit. Er macht zugleich klar, was Achilles' Verzicht kostet: Wer auf Ausgleich verzichtet, lässt eine Rechnung offen, und genau darin liegt die Großzügigkeit, auch die Zumutung.

→ Gert Scobel — Meditation kann gefährlich sein

Bleisch zieht die Parallele zur Meditation, Bengert warnt mit einem Halbsatz vor der Psychose, wenn das Ich ganz aufgelöst würde. Scobels Note liefert, was das Gespräch auslässt: die Forschung zu unerwünschten Erfahrungen bei Meditierenden und die Mahnung, dass jede wirksame Praxis Nebenwirkungen hat. Bengerts porös werden, nicht verschwinden ist die Grenzlinie, die Scobel klinisch zieht, und Weils eigener Tod zeigt, wie schmal sie sein kann.

→ Erich Fromm — Haben oder Sein

Die Publikumsfrage trifft eine echte Verwandtschaft, die Bengert nur andeuten kann. Fromm verbindet in Haben oder Sein Meister Eckhart mit Karl Marx, also genau die beiden Hälften, die Bleisch bei Weil zusammenzubringen versucht: Mystik und Kritik der Arbeit. Der Unterschied liegt im Ich. Fromms Sein will das Selbst entfalten, Weils Dekreation will es durchlässig machen. Die eine Lehre wächst, die andere räumt.

→ Was macht Schule mit uns? — Wozu ist Schule da?

Weil gibt der Frage des Panoramas eine Antwort, die dort noch fehlt: Schule ist da, um Aufmerksamkeit zu schulen, und jede Geometrieaufgabe trainiert sie, auch die ungelöste. Bengert hält das in einer Zeit des kollektiven ADS für das Dringendste. Zwischen Spitzers Willensbildung, Schmitts zweckfreier Bildung und den Handyverbots-Studien steht damit eine vierte Stimme, die das Smartphone-Problem von der anderen Seite angeht, über die Fähigkeit, bei einer Sache zu bleiben.

→ Mithu Sanyal und Şeyda Kurt — Entgegenkommen, wenn es feindlich wird?

Sanyals „auch der Gegner ist ein Mensch“ steht in der Linie von Weils Ilias-Essay — nur ging Weil selbst an die Front.

→ Roger de Weck — Was ist konservativ, was reaktionär?

„Aufregung ist das Gegenteil von Aufmerksamkeit“: de Wecks Medienkritik ist die Kehrseite von Weils negativer Anstrengung.

→ Harald Welzer und Barbara Bleisch — Großzügigkeit und Gegenwärtigkeit

Nach seiner gelebten Großzügigkeit gefragt, nennt Welzer sein Interesse an abgewerteten Menschen — Weils Aufmerksamkeit ohne das Wort.

→ Raúl Krauthausen — Teilgabe statt Teilhabe

Krauthausens Recht auf Niederlagen ist eine Form der Aufmerksamkeit: dem anderen das Scheitern zutrauen, statt ihm das Glas zu halten.

→ Hannah Arendt — Zur Person (im Gespräch mit Günter Gaus, 1964)

Gegen Weils „Einwurzelung“ steht Arendts „Was bleibt? Es bleibt die Muttersprache“: ein Halt, der ohne Boden auskommt.


Weiterdenken

Was Sokrates vielleicht gefragt hätte
  • Weil verlangt, das Denken auszusetzen und leer zu werden. Wo verläuft die Grenze zwischen dieser Leere und der Wehrlosigkeit gegenüber jeder Stimme, die sich in den leeren Raum setzt — und woran erkennt man von innen, auf welcher Seite man steht?
  • Großzügigkeit kommt nach Weil nur aus der Fülle, der Mangel erzeugt Mangel. Und doch hungerte sie, um den Hunger der anderen zu fühlen. Widerlegt ihr Leben ihre Theorie der Einwurzelung, oder zeigt es, dass es eine Großzügigkeit gibt, die ohne Boden auskommt?
  • Die Aufmerksamkeitsökonomie verkauft unsere Aufmerksamkeit, Weil nennt sie ein Geschenk. Wem hast du heute deine Aufmerksamkeit gegeben, ohne es zu bemerken — und wem hast du sie vorenthalten, der darauf keinen Anspruch hatte?
  • Bengert liest Weil als Mystikerin, Bleisch mit Murdoch als Ethikerin des genauen Blicks. Wenn Studierende Weil ohne Gott mit Gewinn lesen — lesen sie dann noch Weil oder schon Murdoch, und was ginge verloren, wenn das Warten aus der Aufmerksamkeit verschwände?
  • Weils Gewaltlehre sagt, die force mache Täter und Opfer zu Dingen. Was würde es für die Berichterstattung über einen Krieg bedeuten, diesen Satz ernst zu nehmen — ohne dass aus der gemeinsamen Verdinglichung eine gemeinsame Schuld wird?

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Im Bestand

Göpel, Bleisch,…Verhärten. Überall. Und nun?Mae BengertDenkerVitaMithu Sanyal und Şeyda KurtEntgegenkommen, wenn es…Roger de WeckWas ist konservativ, was…Harald Welzer und Barbara…Großzügigkeit und GegenwärtigkeitSimone WeilDenkerVitaBarbara BleischDenkerVitaWas macht Schule mit uns?Was ist Großzügigkeit?Hartmut RosaResonanz und UnverfügbarkeitSigl-Glöckner & KaczmarczykGeld ist genug da?Stephan Marks und Aladin…Unter der Wut die Scham?Henrike von Scheliha und…Aladin El-MafaalaniMisstrauensgemeinschaften und…Susanne BoshammerWas heißt verzeihen?Roberto SimanowskiSprachmaschinen und der…Dietmar Dath und Wolfgang M.…Verschwendung als Möglichkeit?Adam ToozeKrise und demokratische…Maja Göpel und Jagoda MarinićVertrauen, utopisch?Carsten BrosdaNächste Demokratie?

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